Star Trek Discovery – Episode 06: Lethe

Eine Vulkanier-Folge. Aha. Allein das macht mich erst mal skeptisch, denn die neueren ST-Serien und Filme (von Enterprise über Abrams Trek bis hin zum Piloten von Discovery) haben es bisher immer geschafft, sämtliche Episoden über Spocks Verwandtschaft mit Bravour zu versauen.
„Lethe“ hebt sich in dem Punkt auf jeden Fall positiv ab und liefert sogar die interessanteste Charakterisierung der stets etwas widersprüchlichen Figur Sarek. Bei der Darstellung der vulkanischen Gesellschaft gibt es zumindest keine groben Kontinuitätsbrüche. Die gewalttätigen „Vulkan-den-Vulkaniern“-Fanatiker sind schon in TNG aufgetaucht. Selbst die viel diskutierte Teil-Katra-Übertragung halte ich nicht für unwahrscheinlich, wenn man sich schon auf Telepathie, Katras und den ganzen Kram einlässt. OK, ich frag mich zwar, wie ein Mensch die vulkanische Geistesverschmelzung durchführen kann … aber wollen wir mal nicht zu sehr nitpicken.
Hinter seiner arroganten Fassade zeigt sich Sarek emotionaler, als es den Anschein hat. Man erkennt, wie viel seine Ziehtochter ihm tatsächlich bedeutet und wie sehr es an ihm nagt, sie enttäuscht zu haben. Kommt gut rüber und erinnert mich ein bisschen an die TNG-Folge, wo Sarek an vulkanischem Alzheimer leidet und auch so einige Fehlentscheidungen in seinem Leben bereut.

Mindestens genauso interessant wie die komplizierte Vater-Tochter-Beziehung zwischen Sarek und Michael ist die Nebenhandlung um Lorca. Der entpuppt sich immer mehr als skrupelloser Hund, als er zuerst mit seiner Vorgesetzten ins Bett geht und sie dann ins offene Messer der Klingonen laufen lässt, als sie an seinem Geisteszustand und seiner Kommandobefähigung zweifelt. Es mag nicht besonders schlau von Admiral Cornwell gewesen sein, sich mit ihm „über seinen Rücktritt unterhalten“ zu wollen (immerhin ist sie Psychologin), doch durch ihre Freundschaft (und mehr) zu Lorca sieht ihn wohl trotz aller Fachkenntnis immer noch durch die rosarote Brille. Sie hält ihn für durchgeknallt, traut ihm aber nichts wirklich Böses zu.
Genau wie der Zuschauer, der erst nach und nach begreift, wozu dieser Mann tatsächlich fähig ist. Während Lorca bei Sareks Rettung sofort bereit war, auf den Einsatzbefehl der Sternenflotte zu kacken und Burnham kurzerhand mit dem Shuttle losziehen ließ, weigert er sich nach Cornwells Gefangennahme, ohne Aufforderung durch die Sternenflotte zu handeln. Nachdem er am eigenen Leib erlebt hat, wozu die Klingonen fähig sind, grenzt seine Reaktion an Kaltschnäuzigkeit hoch drei. Der Vergleich mit Captain Ransom von der Equinox ist durchaus berechtigt – wobei letzterer sich noch damit entschuldigen kann, dass es für ihn und seine Crew ums nackte Überleben ging.
Lorca hingegen ist ein Mann, der für sein Kommando und seine Karriere über Leichen geht, weil es das Einzige ist, was ihn noch am Leben hält. Genau diese Unberechenbarkeit von Lorca macht die Serie spannend, obwohl ein Charakter wie Lorca auf dem Captain-Stuhl wirklich schwer zu schlucken ist.

Ich konnte die nächste Folge jedenfalls kaum erwarten :).

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