Kategorie Lyrik

Anneliese Wipperling: “Freiheit genießen”

Freiheit genießen

Ich reise mit dem Wind.
Mein Haus ist er,
mein Bett,
mein Gefährte.

Ich bin ganz oben,
die Berge
weit unter mir.

Durchsichtig bin ich,
wie Luft unsichtbar.

Niemand sieht mich.

Nur selten glänzen
meine Flügel aus Glas
in den schrägen Strahlen
des Abends.

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Herbsttanz

Sonnenschein.
Goldener, seltener und kostbarer dieser Tage.
Verwandelt kalte Regentropfen in glitzernde Diamanten.

Wir werden dünn und leicht,
sonnendurchlässig,
wie die fallenden Blätter.
Lachen,
wenn der Wind uns davonträgt.
Egal, wohin.
Wir wissen es nicht und das ist gut so.

Eines Tages fallen wir zu Boden,
vermodern und vergehen.
Aber nicht heute.
Denn heute lachen wir,
tanzen wir,
lieben wir.

Regendiamanten
fallen uns in den Schoß,
und Blätter aus Gold,
rascheln unter den Füßen.
Uns muss nicht kümmern,
dass darunter
grauer Matsch ist.

(C) 2013 by Lairis Adriana

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Klaus Wohlrabe

Mein Gott

Mein Gott
ist klein
und überschaubar.
Ich muss ja schließlich
mit ihm auskommen

(wenn ich ihn schon habe).

Manchmal
sitzt er an meinem Abendbrottisch
und ich erzähle ihm

was und wo
und was er machen könnte

ja müsste
wenn …

Er seufzt.
Ich finde das gut.
Dann zeige ich ihm SEIN MONUMENT.

Manchmal
gefällt es ihm sogar.

(© Klaus Wohlrabe, November 1986)

Gedankenflug

In die rote Sonne steigst du nur allein
das erste Mal ist Einsamkeit ein Schrei

du fliegst!

Flug in den Himmel ohne Reim
auf das, was irdisch sei.

Das ist der Tag. Dann kommt die Nacht.
Am nächsten Morgen weißt du: Dies war nur ein Schritt.
Du hast gedacht. Na gut. Nun steht es da.

Nun nimm die andern mit.

(© Klaus Wohlrabe, Januar 1987)

Nächtlich am Fenster

Belüg dein Herz mit Mondenschein!
Es dringt die Na...

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Arno Zirm

Facette

Wenn ich nur eine Facette
hätte,
dann wäre ich ziemlich flach,
ach.
Wär nur ein zweidimensionaler Edelstein,
würd von der Seite gar nicht zu sehen sein.
Das wäre ein ziemlich gefährliches Leben,
der kleinste Windstoß könnte mich heben.

Gleich einem Blatte würde ich fliegen
und irgendwo plötzlich im Drecke liegen.
Der Hausmeister käme und nähme den Besen,
das wär dann mein reichhaltiges Leben gewesen.

© Arno Zirm

Atemlos

Fliegen, so leicht
über schwere Steine
jahrhundertealt,
das macht mich jung.

Mein Blick voraus
durch Häuser um Ecken
siebenmeilenweit,
ich seh Dich schon.

Und da bist Du,
atemloser Mund küsst Mund
zu atemlos.
Wer braucht schon Luft.

© Arno Zirm

Fortschritt

Dunkelstrahlen,
gefangen in spinnwebverhangenen glühlampen,
die sich ihres namens schämen...

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Anneliese Wipperling: Klirrende Speere und Regenherzen

Unerreichbar

Tag und Nacht sind
vertauscht,
Vogel und Wurm,
Schatten und Licht,
Wonne und Qual.

Ein spitzer Schmerz
schneidet meine
maßlose Seele
in Streifen.

Flicht daraus ein
leimiges Netz.

Ich bin
festgeklebt
inmitten
meines eigenen
filigranen
Rades.

Umschwirrt von
unzähligen
schillernden
Splittern
der Zeit.

Es gelingt mir nicht
sie zu fangen!

(© Anneliese Wipperling 2007)

La Quena

schrei
splitterndes eis
fontäne aus gras
messer aus licht
in lackschwarze
säulen
zitternder klang
zersprengten metalls
aufstieg
verwundeter vögel
schweben
mit tropfenden schwingen
himmel
aus blutigen federn
weit oben
und rot

Quena: indianische Flöte aus dem Andenhochland

Erstveröffentlichung: Tribüne Verlag Berlin

(© Anneliese Wipperling 1974/1987/2005)

La Zampona

Komm,
leg dein Regenherz
in meine ...

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Adriana Wipperling: Zeit rieselt aus morschen Balken

Seerosen

Seerosen blühen
verborgen
unter dem
grauen Kopfsteinpflaster.

Lasst uns
die Straße
entzwei reißen!

(© Adriana Wipperling, Februar 2005)

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Walter Kiesenhofer

Kosmische Mahlzeit

Da sitzen sie
um den kreisrunden Tisch
und verzehren friedlich alte Zeiten,
nehmen Paprikaspeck
zu weißglühenden Gasbällen
und naschen
Eiszeiten am Stiel

mit großer Begeisterung

zwischen den einzelnen Gängen.

Als klein Lisa,
nachdem sie sich artig den Mund
von einigen griechischen Dichtern
abgewischt hat,
nach dem nächsten Urknall verlangt,
lacht Papa laut schallend auf
und einige glitzernde Tage
kollern ihm fröhlich über die Wangen.

Für eine Weile stimmen sie
allesamt in sein Gelächter ein.

(© 1979 Walter Kiesenhofer)

 

neues land

ist ein weit land :::::
sandsand offen himmel und
oase etwas skorpiongras palmig und
trocken sehr sonneseitig

da seh ich perlen vor dem taghimmel

geheimnisvoll glimmend

sind wort’ von spatzendächerntrauben
sind stehlampen im mor...

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Ramona Scheerer

Kalter Tag

Kalter Tag voller Steine,
die die Schmetterlinge verschlingen
und ihnen rote Farbe geben,
damit wir besser schlafen.
Blaue Tomaten zerplatzen,
und die Möwen begleiten
das Raumschiff,
das durch die Kanalisation
kriecht.

Das Land, wo Milch und
Honig fließen
mit unendlich vielen
Spiegeln an den Wänden.
Spiegel, die die Seele zeigen
voller Schreie und Tränen,
voller Blumen und Sonne.
Schönheit, die auf
Rühreiern beruht.
Schlanke, schmale Körper
Ohne Gesichter, die sich
zu Klängen bewegen,
Klängen, die den Verstand
Zerreißen.

Zerschnittene Gardinen
paaren sich mit
zerschnittener Bettwäsche,
und den Schnee
trampelt man fest,
damit niemand mehr
hindurchgelangt
ins Gelobte Land.

Kreislauf

Jagende Wolken,
grau und schwarz.
Schatten
von Sauriern
ziehen dahin.
Hochhäuser
stürz...

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