Star Wars VII: Auf der Suche nach Luke Skywalker

Nun meine Review zu „Star Wars VII: Auf der Suche nach Luke Skywalker“ oder „The Dark Nose Rises“ … oder einfach nur Episode VII ;).
Eine Warnung vorweg: Da der Film schon seit fast 2 Wochen im Kino läuft, nehme ich keine große Rücksicht auf Spoiler.

Wir haben „Das Erwachen der Macht“ (Spoiler Nr. 1: Das ist er OFFIZIELLE Titel ;)) mittlerweile zweimal im Kino gesehen. Das erste Mal im Zoopalast Berlin, das zweite Mal gestern im UCI Potsdam. Ich muss sagen, beim zweiten Mal gefiel mir der Film sogar noch besser, was daran lag, dass ich beim ersten Mal von der tollen Optik des Films und der einmaligen Atmosphäre im Kinosaal ziemlich geflasht war, so dass mir einige story-relevante Einzelheiten entgangen sind (außerdem musste ich zwischendurch aufs Klo :P).
Zoopalast Berlin ist schon ein ganz besonderes Kinoerlebnis (es gab sogar eine Lightshow mit Wasserfall zwischen Werbeblock und Filmstart), dazu war der riesige Saal voller tobender Fans, z.T. in Kostümen (wie es sich gehört).
Nach der ersten Begeisterung kam schnell der eine oder andere „WTF???“-Moment (fing mit Finns Desertieren an, ging mit Reys plötzlichen Jedi-Fähigkeiten weiter und hörte mit dem Mord an einem unserer Lieblingscharaktere auf :(

Auch wenn ich beim zweiten Mal vieles besser kapiert habe (diesmal musste ich auch nicht mitten in der wichtigsten Szene pinkeln ;)), bleiben doch noch eine Menge offene Fragen übrig, und es hängt sehr viel von den kommenden zwei Filmen ab, ob diese neue Trilogie wirklich gut wird. Vor allem könnten die neuen Charaktere mehr Tiefe vertragen.

Natürlich waren die Personen in der alten Trilogie auch nicht besonders vielschichtig – aber man hat eigentlich immer verstanden, warum sie so und nicht anders handeln.
Bei Finn z.B. war mir zuerst nicht klar, warum ein von Klein auf gedrillter Stormtrooper plötzlich einen Gefangenen befreit und desertiert. Wenn man sich aber vor Augen hält, was bei seinem ersten Einsatz passiert war, kann man es schon nachvollziehen. Trotzdem wüsste ich gerne mehr über ihn, seine Herkunft und was ihn so anders macht.
Nach seiner Flucht muss er sich komplett neu orientieren, ist deshalb sehr unsicher und versucht das durch Angeberei zu überspielen („Ich bin eine große Nummer beim Widerstand“). Das macht seinen Charakter durchaus realistisch – aber manchmal ist er mir einfach zu naiv und blöd. Ich bin zwar kein Fan von Political Correctness – aber es ist schon ärgerlich, dass ausgerechnet der erste schwarze Hauptcharakter bei SW jedes treudoofe „Neger“-Klischee aus den 19. Jh. bedienen muss „frown“-Emoticon.

Rey wird als eine Art weiblicher Luke Skywalker und Hauptheldin der neuen Trilogie eingeführt: das bodenständige, sympathische Tank-Girl aus der Wüste, das plötzlich die Macht in sich spürt. Es gibt ein großes Mysterium um ihre Herkunft, was einerseits natürlich die Spannung aufrecht hält, aber auch eine Quelle von übelsten Logikfehlern sein kann, wenn das Autorenteam bei der Auflösung Murks macht und es nicht schafft, die vielen losen Enden zu einem funktionierenden Netz zu verknüpfen: Wer hat sich z.B. die ganzen Jahre auf Jakku um sie gekümmert? Luke hatte wenigstens Onkel Owen und Tante Beru – ich kann mir also nicht vorstellen, dass Reys Eltern so unverantwortlich waren, ein kleines Kind allein auf einen feindlichen Wüstenplaneten zurückzulassen.
Dann hat sie den Gebrauch der Macht m.E. ein „bisschen“ zu schnell drauf. Einen Gedankentrick bei einem unterbelichteten Stormtrooper kriegt eine sehr begabte Person vielleicht noch ohne Ausbildung hin – aber dass sie Kylo Ren widerstehen und sofort mit einem Lichtschwert umgehen konnte, kaum dass sie eins angefasst hat, bedarf schon einer gute Erklärung. Falls beide Eltern Jedi waren, wäre natürlich die Macht sehr stark in ihr, so dass der Mann mit der Nase einpacken kann „wink“-Emoticon. Um mit einem Lichtschwert umzugehen, braucht man eigentlich nicht die Macht, sondern muss nur gut fechten können. Finn konnte es, weil er militärisch ausgebildet war. Im Fall von Rey wären 1-2 Sätze nett gewesen, wo sie das gelernt hat.

Poe Dameron ist wohl das männliche Pendant zu Rey: Ein cooler Kick-Ass-Hero, der sofort Sympathie erzeugt und immer ein paar gute Sprüche auf den Lippen hat. Zwar bekommt er für meinen Geschmack zu wenig Sceentime – andererseits ist er auch keiner von den Leuten, über die ich unbedingt mehr wissen muss.

Kylo Ren dagegen ist von den neuen Charakteren derjenige, der mich bisher an wenigsten überzeugt, dessen Motive mir fast gar nicht klar sind und wo noch sehr viel Erklärungsbedarf besteht. Es wird ständig behauptet, dass noch Gutes in ihm steckt – aber davon sieht man im Film absolut nix. Im Gegenteil. Dann frage ich mich natürlich, warum er ständig mit diesem dämlichen Helm herumläuft: Reine Darth-Vader-Verehrung? Oder die Tatsache, dass ihn keiner mehr ernst nehmen würde, wenn herauskommt, dass unter all dem Blech nichts weiter als ein pickeliges Jüngelchen mit einer viel zu großen Nase steckt? Außerdem wurde m.E. viel zu früh enthüllt, wer sein Vater ist. Und last but not least: Was machte ihn so verführbar für die Dunkle Seite – obwohl er weder ein Sklavenjungen mit einem Riesen-Minderwertigkeitskomplex war noch zusehen musste, wie seine Mutter abgeschlachtet wird? „Es steckt zu viel von Vader in ihm“ ist mir da als Erklärung zu flach. Anakin war der wesentlich schlüssigere Bösewicht – andererseits hat er 3 Filme Zeit gehabt, um sich zu entwickeln. Warten wir also die nächsten 2 Episoden ab.

Abgesehen von den offenen Fragen zu den neuen Chars (die hoffentlich im Laufe der Trilogie nach und nach beantwortet werden), hab ich nur einen echten Kritikpunkt: Die Starkiller-Basis. Das Ding sieht zwar geil aus, ist aber einfach nur total übertrieben. OK, ich bin kein Physiker – aber eine als Planet getarnte Raumbasis, die mal eben eine komplette Sonne aufsaugt, kann nur wissenschaftliche Blödsinn sein.

Was kann ich sonst noch über den Film sagen? Er war GEIL, GEIL, GEIL! Im Gegensatz zu Episode I-III kam endlich wieder richtiges Star Wars Feeling auf. Das lag nicht nur am Wiedersehen mit den alten Helden (vor allem Han Solo und Chewie – einfach nur Kult), sondern dass es endlich wieder epische Kämpfe, epische Sets und die richtige Portion Humor gab.

An einigen Stellen hätte ich mir trotzdem einen Hauch von Episode II und III gewünscht: Natürlich keine kitschige Liebesgeschichte mit grottigen Dialogen und keinen weiblichen Hauptcharakter, der unter Schwangerschaftshormonen zur Heulsuse mutiert – sondern mehr Infos über die politischen Hintergründe, Verschwörungen und Verwicklungen. Das hat ein bisschen gefehlt.

Insgesamt gebe ich dem Film die Note 2. Ob er am Ende im Gesamtkontext besser oder schlechter abschneidet, hängt sehr stark von seinen Nachfolgern ab.

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