Anneliese Wipperling: Ibor. Mein Kosmos, mein weites Land

ibor-kleinKurze Inhaltsangabe:

Auf einer Studienreise zum Planeten Heyla wird die Philosophiestudentin Michelle von geheimnisvollen Träumen geplagt. Alle diese Träume handeln von einem unbekannten Mann, der sich in großer Gefahr befindet – und nur Michelle kann ihn vor dem Tod bewahren. Dann steht sie diesem Mann wahrhaftig gegenüber und begreift: Manchmal muss man kompromisslose Entscheidungen treffen, um seine wahre Bestimmung zu finden.

Das Buch hat 152 Seiten DIN A5, ein Farbcover von Adriana Wipperling,

Preis: 11 Euro.

 

Klappentext:

Ibor und ich stehen mitten in der Wüste. Die Sonne brennt unerträglich; der Schweiß läuft mir über das Gesicht und die Zunge klebt mir am Gaumen. Ich möchte etwas sagen und bringe doch nur ein unartikuliertes Krächzen hervor.
Ibor lächelt mich zärtlich an. Plötzlich weiten sich seine Augen vor Schreck.
Die ganze Oberfläche Heylas gerät mit einem Mal in Bewegung, spaltet sich in Schollen auf, die in alle Richtungen auseinander streben.
Manche steigen sogar zum Himmel auf oder sinken mit rasender Geschwindigkeit in die Tiefe. Die pure Entropie treibt gerade ihr Unwesen. Ibor und ich bewegen uns in unterschiedliche Richtungen …

 

Textauszüge:

1. Textauszug:

Nein, ich kann jetzt nicht darüber sprechen, wahrscheinlich werde ich es niemals können. Wenn ich nur an den Schmerz denke!
Ich weiß nicht, was Madras mit mir macht.
Er hat mich nie geschlagen oder irgendwie verletzt.
Er fasst mich nur an, schürt das verfluchte Feuer der Krieger und irgendwann überschreite ich die Grenze. Aus Lust wird Qual.
Er spürt meine Furcht und spielt wie ein Virtuose mit ihr. Beschert mir alle mögliche Arten von grässlichen Schmerzen: Verbrennungen, Erfrierungen, offene Wunden, Krämpfe, Agonie. Es scheint fast, als wenn der Jedi mein Nervensystem beliebig manipulieren kann. Was immer er will, denke ich, geschieht mit mir – und danach schenkt er mir sanfte Zärtlichkeiten, mit denen er mich tröstet und die Leiden seines Unterrichts mit leichter Hand wegwischt.
Erst jetzt, nach dreizehn Tagen mit ihm, begreife ich, wie man die Qual abblocken kann, wie die Heylaner ihre mentalen Kräfte einsetzen: Man lockert einfach die Bindung zwischen Körper und Umah, bis nur noch ein dünner Faden vorhanden ist, der alles zusammenhält.
Bis nur noch ein schwaches Echo des Leids den Geist erreicht.
Man beobachtet sich selbst, achtet darauf, dass die Verbindung nicht reißt und das Umah sich nicht mit dem Wind zerstreut.
Wenn das droht, muss man in seine Haut zurückkehren und leiden. Oder nach anderen Verstecken suchen, um zu entkommen. Am Rand des Abgrunds ohne Wiederkehr zum Beispiel oder in einer tiefen Spalte des Selbst.
Madras ist ein geduldiger Lehrer, ein Perfektionist. Erst wenn er ganz sicher ist, dass sein Schüler eine Lektion verstanden hat, wendet er sich dem nächsten Problem zu. Es gibt keine Ruhepausen, er hetzt mich vorwärts. Ibors Leben und meines. Er will uns beide retten, unsere Leben und unsere Würde, unser Selbst.
Ich liebe Madras sehr und er weiß das genau.
Er baut darauf, auf mein Vertrauen, meinen blinden Glauben an den Ritter mit dem Laserschwert, seine Macht und seine Güte.
Ich bin wahrscheinlich völlig verrückt.

 

2. Textauszug:

Ibor sah mich zutiefst irritiert an.
„Heißt das, die jungen Männer von der Erde sind am Umah ihrer Partnerinnen nicht interessiert? Sie wollen sich nur paaren wie Tiere? Bis jetzt hatte ich von den Menschen keinen so schlimmen Eindruck.“
„So allgemein kann man das nicht sagen“, antwortete ich vorsichtig. „Aber ich musste leider feststellen, dass Frauen, die respektiert werden, nicht so aussehen wie ich.“
Ibors Gesicht färbte sich irgendwie noch dunkler.
„Ich dachte bisher immer, es wäre besonders befriedigend, wenn eine kluge Frau auch sehr weiblich ist. Ich bin auch ein Mann und finde einiges an dir schön …“
Er sah mich verunsichert an und sagte dann entschlossen: „Da du es nicht magst, dass man deine weiblichen Attribute bewundert, werde ich mir Mühe geben, diese Brüste und Hüften nicht zu sehr zu beachten. Würde dir das gefallen?“
„Ich weiß nicht“, antwortete ich verlegen.
„Das heißt, ich darf sie vielleicht doch irgendwann berühren und ein wenig verehren“, bemerkte der Heylaner befriedigt.
Ich fand, dass er für ein berühmtes Genie ziemlich naiv war.
„Wie alt bist du eigentlich?“ wechselte ich taktvoll das Thema.
„Dreiundachtzig heylanische Jahre, neun Decenna und dreiundzwanzig Tage“, antwortete Ibor ernsthaft.
„Und hattest du vor Kah’Krano andere Frauen?“
„Das ist bei uns nicht üblich“, erklärte Ibor irritiert. „Ein Koitus ohne mentalen Kontakt ist für einen Heylaner unbefriedigend, und eine Bindung ist nun einmal …“
„Für die Ewigkeit“, ergänzte ich frustriert. „Ich kann mir das alles nicht vorstellen. Was ist, wenn man sich irrt?“

 

3. Textauszug:

„Sie haben recht, das Verstoßen aller Gefühle ist möglicherweise kein Allheilmittel gegen die grausamen Übel unserer Welt.
Es gibt Empfindungen, die kostbar und nützlich für die Vielen sind. Wenn es nur nicht so unendlich schwer wäre, sie zu erkennen und von ihren schädlichen Imitaten zu unterscheiden! Ich zweifle sehr daran, dass wir dem Normalheylaer diese Aufgabe aufbürden können.
Wahre Liebe und verbrecherische Besessenheit.
Hingabe an ein großes Ziel und heillose Verblendung.
Wer ist schon immer in der Lage, das Whak’nuh zu ehren und all das makellos zu trennen?
Unser Ich ist Teil des Messsystems – und das macht uns besonders hilflos, wenn es um uns selbst geht.
Sogar ein Philosoph mag daran verzweifeln.
Dürfen wir von einem einfachen Gärtner etwas fordern, womit selbst ein hoch-gebildeter Mann große Schwierigkeiten hat?
Sie schreiben, dass wir unseren Instinkten folgen sollen, dass sie manchmal weiser sind als unsere Logik.
Ich habe nicht soviel Vertrauen in die Natur der Heylaner.
Vielleicht ist Ihr Volk dazu fähig, aber wir, die wir nach einer verheerenden Sonneneruption aus den verbrannten Wäldern entkamen, wurden von einer ungezügelten Entropie auserwählt.
Auf uns kann und darf man nicht bauen!
Es stimmt, was Sie sagen: Die pure Logik lässt uns nicht über uns selbst hinauswachsen. Sie befähigt uns nicht zur Hingabe, einer Eigenschaft, die manchmal notwendig für das Überleben ist.
Ich habe keine Lösung für dieses Problem.
Ich kann nur hoffen, dass Heyla niemals auf so unbarmherzige Weise geprüft werden wird!
Mögen gute Gedanken und Frieden uns im Leben begleiten.
Mögen wir uns lange an den Früchten der Logik erfreuen!
Mögen wir erfolgreich und sicher sein!
Der Gedanke an etwas anderes erfüllt mich mit heilloser Furcht.“

Auf einen Blick:

Farbcover: Adriana Wipperling
Seitenzahl: 152 Seiten DIN A5
Preis: 11,00 EURO
Bezug: Engelsdorfer Verlag

 

BESTELLEN:

http://www.engelsdorfer-verlag.de/

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