Cassie

Meine Menschen gaben mir dauernd irgendwelche albernen Spitznamen wie Knuddelrolle oder Pelzbombe. Sie meinten, ich wäre hoffnungslos verfressen und würde jedes Mal wie eine Bombe auf dem Küchentisch einschlagen, wenn´s was Leckeres zu essen gibt. Manchmal sperrten sie mich sogar aus – das war ja sooo gemein.

Dabei gab es für mich viel mehr als Fressen auf der Welt. Babys zum Beispiel! Eines Tages
brachten meine Dosis zwei winzigkleine Kätzchen nach Hause und sagten, die wären für mich – weil ich doch so einsam wäre, seit Minnie gestorben ist. Meine Babys sind inzwischen groß geworden, aber wir drei hatten bis zum Ende jede Menge Spaß. Obwohl Mihai sich wohl immer noch einbildet, er wäre hier der Chef, und Grilka mir immer davongerannt ist, wenn ich ihr ein bisschen Respekt beibringen wollte. Dafür hatte ich als alte Dame meine Privilegien: zum Beispiel zwischen zwei Menschen zu liegen, die mich pausenlos knuddeln.
Nur leider sitzen sie lieber vor irgendwelchen viereckigen Kisten und klimpern mit ihren Tatzen auf einem Brett mit Buchstaben herum – aber wenn ich das machte, wurde ich ausgeschimpft. Vor allem habe ich nie verstanden, warum die komischen Kisten immer so schrille Pieptöne von sich geben, sobald man sich auf diesem Ding niedergelassen hat, dass die Zweibeiner als Tastatur bezeichnen.

Rest in Peace, Cassie (1994 – 2009)

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