{"id":70,"date":"2009-05-30T23:56:46","date_gmt":"2009-05-30T22:56:46","guid":{"rendered":"http:\/\/sandozean.de\/blog\/sandozean\/?p=70"},"modified":"2014-03-24T15:03:22","modified_gmt":"2014-03-24T15:03:22","slug":"jj-abrams-star-trek-mit-schirm-charme-und-nokia","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/sandozean.de\/?p=70","title":{"rendered":"J.J. Abrams\u2019 \u201eStar Trek\u201c: Mit Schirm, Charme und NOKIA"},"content":{"rendered":"<p>Von einigen Trekkies wird er liebevoll \u201eNo Trek\u201c \u00a0genannt &#8211; von anderen \u201eStar Trek auf LSD\u201c . Die Rede ist vom 11. Star Trek Kinofilm und er tr\u00e4gt den innovativen Titel &#8211; Trommelwirbel, gespanntes Schweigen &#8211; \u201eStar Trek\u201c !<br \/>\nDa ich im Vorfeld schon einiges an Kritik und Spoilern gelesen hatte, die f\u00fcr \u201eAlt\u201c -Trekkies nicht gerade magenfreundlich waren, ging ich mit der Pr\u00e4misse ins Kino: Ich vergesse einfach, dass das Star Trek sein soll, und habe meinen Spa\u00df.<br \/>\nDas hat erstaunlich gut funktioniert.<br \/>\nBei der Er\u00f6ffnungssequenz kam wieder Erwarten echtes Trek-Feeling auf. Abgesehen davon, dass wir eine perfekt gedrehte Actionszene mit G\u00e4nsehaut-Garantie zu sehen bekamen, braucht man am Ende sogar Taschent\u00fccher.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Leider folgte direkt hinter dem aufw\u00fchlenden Beginn das filmische \u00c4quivalent zu einer Eisdusche mit dreckigem Wasser: Rotzl\u00f6ffel Jimmy Kirk, der in einem rostigen, untrekkigen Oldtimer durch Iowa rast und mangels Kindersitz kaum \u00fcbers Lenkrad hinaus gucken kann.<br \/>\nDer Anblick der Corvette kann selbstverst\u00e4ndlich niemanden mehr ersch\u00fcttern, der den Trailer kennt. Eben so wenig dieser ulkige Robocop, der hinter Kirk her war und offensichtlich vergessen hat, sein 80er-Jahre-B-Movie-Halloween-Kost\u00fcm auszuziehen. Alles noch verzeihlich &#8211; aber NOKIA?????? Hier kommt schnell der Verdacht auf, J.J. Abrams dringend einen Sponsor gebraucht hat, um Leonard Nimoy bezahlen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir erleben, wie Jimmyboy zehn Jahre sp\u00e4ter in einer Bar versucht, Uhura anzubaggern, daf\u00fcr gewaltig die Visage poliert kriegt &#8211; und erfahren so nebenbei, wie schnell man im Abramsverse Captain werden kann. Kirk schafft es jedoch, die acht Jahre, die Pike ihm bis zum eigenen Kommando gibt, haushoch zu unterbieten. Er wird &#8211; nachdem er sich durch den Kubayashi-Maru-Test geschummelt hat, ein paar mal gew\u00fcrgt wurde und mehrmals im wahrsten Sinne des Wortes \u00fcber dem Abgrund hing &#8211; direkt von der Akademie in den Kommandosessel des nagelneuen Flaggschiffes bef\u00f6rdert.<br \/>\nNicht erst an dieser Stelle merkt der geneigte Zuschauer, dass der Film offensichtlich auf ein Publikum zielt, welches einen Captain \u00fcber drei\u00dfig sofort ins Pflegeheim abschieben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Abgesehen davon gelingt J.J. Abrams und dem Hauptdarsteller Chris Pine eine runde Charakterzeichnung des jungen, draufg\u00e4ngerischen James T. Kirks.<br \/>\nAuch die anderen Darsteller und ihre Charaktere wissen zu \u00fcberzeugen und zu begeistern.<br \/>\nZachary Quinto braucht den Vergleich mit Leonard Nimoy nicht zu scheuen, w\u00e4hrend dieser in seinem Gastauftritt eine atemberaubende Pr\u00e4senz an den Tag legt.<br \/>\nKarl Urban als Pille ist eine Klasse f\u00fcr sich und mein unbestrittener Liebling aus der Crew.<br \/>\nDie neue Uhura wirkt taffer und dynamischer als die alte, aber es fehlt ihr ein bisschen die W\u00fcrde von Nichelle Nichols.<br \/>\nScotty und Chekov sorgen vor allem f\u00fcr den Humor, der oft an die gute alte TOS erinnert, aber an manchen Stellen reichlich albern wirkt (z.B. Scotty in der Wasserleitung).<\/p>\n<p>Generell haben Action und Humor zu viel \u00dcbergewicht und kommen die ruhigeren Szenen zu kurz. Besonders als Vulkan zerst\u00f6rt wurde, h\u00e4tte man sich paar Minuten zum Innehalten gew\u00fcnscht. Es gelingt dem Regisseur an dieser Stelle nicht, die angemessene bedr\u00fcckende Atmosph\u00e4re zu schaffen, bzw. den Schock f\u00fcr Charktere und Zuschauer f\u00fchlbar werden zu lassen. Wenn jemand wie ich (Trekkie, Vulkanier-Fan und manchmal ganz sch\u00f6n nah am Wasser gebaut) nur leise \u201eAutsch\u201c \u00a0sagt, als Vulkan in einem Schwarzen Loch verschwindet, ist dramaturgisch wohl etwas schiefgelaufen.<br \/>\nW\u00e4hrend man sich am Anfang noch viel M\u00fche mit der Charakterisierung gegeben hat, hetzt uns J.J. Abrams nach dem ersten Drittel des Films mit Warpgeschwindigkeit durch die Handlung.<\/p>\n<p>Oder sollte man besser sagen: Nicht-Handlung?<br \/>\nWenn man von atemberaubenden Special Effects, einer ebenso atemberauben Optik, guten bis sehr guten Darstellern, netten Anspielungen auf Star Trek und Star Wars und einem Wahnsinns-Spa\u00dffaktor einmal absieht &#8211; was bleibt \u00fcbrig? Eine Geschichte \u00fcber das Erwachsenwerden mit all seinen H\u00f6hen, Tiefen und Problemen. Soweit in Ordnung und auch prima umgesetzt. Aber weil man daf\u00fcr eigentlich kein Star Trek braucht, sondern genauso gut Dawsons Creek schauen k\u00f6nnte, muss ein durchgeknallter Romulaner her, der ein Schiff bei den Schatten aus Babylon 5 klaut, mal schnell ein Loch in einen Planeten bohrt und eine Quantensingularit\u00e4t rein schmei\u00dft.<br \/>\nDer Romulaner &#8211; ein t\u00e4towierter, glatzk\u00f6pfiger Kerl namens Nero &#8211; kommt auf den Geschmack und w\u00fcrde das Spiel am liebsten mit jedem anderen Planeten der F\u00f6deration wiederholen. Angefangen nat\u00fcrlich mit der Erde.<br \/>\nAber da hat er seine Rechnung ohne James T. Kirks gemacht, der zu seinem gro\u00dfen Verdruss einfach nicht kaputt zu kriegen ist &#8211; egal, wie oft man ihn w\u00fcrgt oder versucht, in einen Abgrund zu schmei\u00dfen. Angesichts von so beeindruckender Unzerst\u00f6rbarkeit versteht man beinahe, warum die Sternenflotte den Gr\u00fcnschnabel kurzentschlossen vom Kadetten zum Captain bef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Wen man indes nicht versteht, ist Nero. Seine Figur bleibt so blass, dass es selbst einem herausragenden Schauspieler wie Eric Bana nicht gelingt, ihm Profil zu verleihen. Wer den Countdown-Comic nicht gelesen hat, wartet vergeblich auf eine tiefsch\u00fcrfende Erkl\u00e4rung f\u00fcr seine destruktive Zwangsneurose: Kindheitstrauma? Jetlag? Oder etwa das schlechte Tattoostudio? Irgendwann wird kurz erw\u00e4hnt, dass Romulus in der Zukunft durch eine Supernova von der Sternenkarte radiert wird und Spock nichts getan hat, um Neros Volk zu helfen. So weit, so d\u00fcrftig.<\/p>\n<p>Doch vergessen wir mal die Logik, der es in Abrams\u2019Star Trek genauso ergangen ist wie ihrem H\u00fctern, den Vulkaniern: Der gr\u00f6\u00dfte Teil verschwindet im Schwarzen Loch, ein paar entscheidende Elemente bleiben \u00fcbrig. Genug, um den Film zu genie\u00dfen, ohne vollst\u00e4ndig das Gehirn abschalten zu m\u00fcssen.<br \/>\nDas wichtigste ist: Der Film wird ein Erfolg und Star Trek lebt weiter! Falls dieser Erfolg fortgesetzt werden kann und J.J. Abrams die alte Zeitlinie wieder herstellt, darf Kirk meinetwegen in Star Trek 12 Chief Admiral werden &#8211; Spock mit Uhuha Babys zeugen &#8211; Scotty die Enterprise mit Dampf betreiben (passend zum Design des Maschinenraums) &#8211; oder Nero mit einem Lichtschwert vor Spock herumfuchteln und mit grollender Stimme verk\u00fcnden: \u201eICH bin dein VATER!\u201c<\/p>\n<p>\u00a9 2009 by Adriana Wipperling<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von einigen Trekkies wird er liebevoll \u201eNo Trek\u201c \u00a0genannt &#8211; von anderen \u201eStar Trek auf LSD\u201c . Die Rede ist vom 11. Star Trek Kinofilm und er tr\u00e4gt den innovativen Titel &#8211; Trommelwirbel, gespanntes Schweigen &#8211; \u201eStar Trek\u201c ! Da ich im Vorfeld schon einiges an Kritik und Spoilern gelesen hatte, die f\u00fcr \u201eAlt\u201c -Trekkies nicht gerade magenfreundlich waren, ging ich mit der Pr\u00e4misse ins Kino: Ich vergesse einfach, dass das Star Trek sein soll, und habe meinen Spa\u00df. Das hat erstaunlich gut funktioniert. Bei der Er\u00f6ffnungssequenz kam wieder Erwarten echtes Trek-Feeling auf. 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