{"id":3888,"date":"2024-11-17T20:30:00","date_gmt":"2024-11-17T20:30:00","guid":{"rendered":"http:\/\/sandozean.de\/?p=3888"},"modified":"2025-05-13T20:32:01","modified_gmt":"2025-05-13T20:32:01","slug":"damals-1939-1945-der-ganz-normale-bombenalarm","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/sandozean.de\/?p=3888","title":{"rendered":"DAMALS (1939-1945): Der ganz normale Bombenalarm"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich glaube, jeder kann sich unter dem Begriff Blockwart etwas vorstellen. Das war ein systemtreuer Nachbar (oft ein Mitglied der NSDAP), der mit Begeisterung seine Augen und Ohren dem Regime lieh. Ein Provokateur, ein falscher Fuffziger \u2026 eine Petze vom Dienst. Ich bin mir nicht sicher, aber ich denke die meisten kannten ihren und nahmen sich entsprechend in acht.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben den Blockwarten gab es ganz offiziell auch noch Luftschutzwarte. Die k\u00fcmmerten sich darum, dass die Luftschutzkeller in ordentlichem Zustand waren, dass Feuerl\u00f6scher, Wasser und Schaufeln zum frei graben nach der Zerst\u00f6rung des Hauses vorhanden und in gutem Zustand waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedes Haus (bzw. bei Mehrfamilienh\u00e4usern jeder Eingang) musste einen geeigneten Kellerraum f\u00fcr den Luftschutz freimachen. Auch \u00f6ffentliche Einrichtungen, Kinos und Theater hatten so etwas. Weit sicherer als die Keller waren Luftschutzbunker aus Beton. Unweit unseres Wohnblocks stand auch einer und ich habe als Kind vom Fenster aus zugesehen, wie er gesprengt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Beginn der Bombenangriffe durch die Alliierten wurde die Verdunkelungspflicht eingef\u00fchrt. Undurchsichtige Rollos oder schwere Gardinen sollten nach Einbruch der Nacht daf\u00fcr sorgen, dass kein Lichtstrahl nach au\u00dfen drang. Man hoffte, dass die feindlichen Bomber so unsere Stadt nicht finden wurden. Jeden Abend ging der Luftschutzwart durch die dunklen Stra\u00dfen und sp\u00e4hte nach den kleinsten Lichtstrahlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn er etwas sah, schrie er laut: \u201eLicht aus!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn der nachl\u00e4ssige Bewohner nicht schnell genug reagierte, klingelte der Luftschutzwart und forderte pers\u00f6nlich die Einhaltung der Vorschriften. Genutzt hat das wenig. Wenn der Bombenalarm heulte wurde es ernst.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich fanden die Bombergeschwader die verdunkelten St\u00e4dte. Sie warfen Lichtertrauben an Fallschirmen ( sogenannte Christb\u00e4ume) ab und markierten damit das Zielgebiet. Wer sich innerhalb des Planquadrats befand konnte nur noch in die Schutzraume fl\u00fcchten und beten \u2026 oder dem Schicksal mit stolz erhobenem Kopf die Stirn bieten und den Luftkampf beobachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Deutsche J\u00e4ger versuchten, die Bomber abzudr\u00e4ngen, lieferten sich mit alliierten J\u00e4gern erbitterte Gefechte. Manchmal mussten die Bomber ihre Last abwerfen, bevor sie das Zielgebiet erreichten. Dann fielen die Bomben irgendwohin. In Brand geschossene Flugzeuge krachten in D\u00e4cher oder in die feuchten Wiesen am Ufer der Havel.<\/p>\n\n\n\n<p>Kinder sammelten am n\u00e4chsten Morgen die \u00dcberbleibsel der K\u00e4mpfe auf um mit ihnen zu spielen. Erwachsene M\u00e4nner stellten besonders attraktive Splitter in ihre Vitrinen. Nat\u00fcrlich gab es auch Blindg\u00e4nger \u2026 aber damit spielte niemand.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Menschen in den Kellern verhielten sich je nach Temperament unterschiedlich. Manche sa\u00dfen die ganze Zeit wie erstarrt da oder weinten \u2026 andere rannten in Panik hin und her oder schrien. Manche beteten laut oder rissen Witze.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Mutter hat mir erz\u00e4hlt, wie sehr diese Dauerl\u00e4ufer und die Gottesf\u00fcrchtigen genervt haben. Sie hat das nicht weiter gewertet, nur die Tatsachen aneinander gereiht. Ich m\u00f6chte das auch nicht weiter ausschm\u00fccken. Jeder kann das Bild mit seiner eigenen Fantasie zu Ende malen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da sa\u00dfen die Brandenburger also in ihren umfunktionierten Kohlenkellern und warteten auf den gro\u00dfen Rums. Es gab ja in dieser Stadt, neben der Zivilbev\u00f6lkerung noch einige Industrie zum platt machen: ein Stahlwerk, ein Traktorenwerk wo auch Munition hergestellt wurde, das Arado-Flugzeugwerk \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>In den Kellern war es kalt und es gab keine Sanit\u00e4ranlagen. Da man nie wusste, wann der Angriff vorbei sein w\u00fcrde, nahmen die Hausbewohner Essen, einen Petroleumkocher und ein wenig Geschirr mit. Sie r\u00fcsteten sich so gut es ging f\u00fcr den Katastrophenfall.<\/p>\n\n\n\n<p>Schwierig wurde es, wenn jemand sich entleeren musste.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten rannten dann schnell in ihre Wohnung um auf die Toilette zu gehen. Andere \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Mama hat mir erz\u00e4hlt, dass einmal ein alter ein wenig seniler Mann heimlich in den einzigen Kochtopf gepinkelt hat. Das haben ihm die Nachbarn sehr \u00fcbelgenommen und der Topf landete im M\u00fcll. Es w\u00e4re gescheiter gewesen, ihn f\u00fcr den n\u00e4chsten Notfall aufzuheben.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Bombenterror sollte angeblich die deutsche Bev\u00f6lkerung demoralisieren und mithelfen, den Krieg schneller zu beenden. Man muss schon sehr krank im Kopf sein, um zu glauben, dass so etwas funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>\u00a9 Amanda Landmann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich glaube, jeder kann sich unter dem Begriff Blockwart etwas vorstellen. Das war ein systemtreuer Nachbar (oft ein Mitglied der NSDAP), der mit Begeisterung seine Augen und Ohren dem Regime lieh. Ein Provokateur, ein falscher Fuffziger \u2026 eine Petze vom Dienst. Ich bin mir nicht sicher, aber ich denke die meisten kannten ihren und nahmen sich entsprechend in acht. Neben den Blockwarten gab es ganz offiziell auch noch Luftschutzwarte. Die k\u00fcmmerten sich darum, dass die Luftschutzkeller in ordentlichem Zustand waren, dass Feuerl\u00f6scher, Wasser und Schaufeln zum frei graben nach der Zerst\u00f6rung des Hauses vorhanden und in gutem Zustand waren. Jedes Haus (bzw. bei Mehrfamilienh\u00e4usern jeder Eingang) musste einen geeigneten Kellerraum f\u00fcr den Luftschutz freimachen. Auch \u00f6ffentliche Einrichtungen, Kinos und Theater hatten so etwas. Weit sicherer als die Keller waren Luftschutzbunker aus Beton. Unweit unseres Wohnblocks stand auch einer und ich habe als Kind vom Fenster aus zugesehen, wie er gesprengt wurde. Mit Beginn der Bombenangriffe durch die Alliierten wurde die Verdunkelungspflicht eingef\u00fchrt. Undurchsichtige Rollos oder schwere Gardinen sollten nach Einbruch der Nacht daf\u00fcr sorgen, dass kein Lichtstrahl nach au\u00dfen drang. Man hoffte, dass die feindlichen Bomber so unsere Stadt nicht finden wurden. Jeden Abend ging der Luftschutzwart durch die dunklen Stra\u00dfen und sp\u00e4hte nach den kleinsten Lichtstrahlen. Wenn er etwas sah, schrie er laut: \u201eLicht aus!\u201c Wenn der nachl\u00e4ssige Bewohner nicht schnell genug reagierte, klingelte der Luftschutzwart und forderte pers\u00f6nlich die Einhaltung der Vorschriften. Genutzt hat das wenig. Wenn der Bombenalarm heulte wurde es ernst. 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