{"id":3886,"date":"2024-11-25T20:27:00","date_gmt":"2024-11-25T20:27:00","guid":{"rendered":"http:\/\/sandozean.de\/?p=3886"},"modified":"2025-05-13T20:28:49","modified_gmt":"2025-05-13T20:28:49","slug":"damals-1945-1949-unser-feind-die-russen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/sandozean.de\/?p=3886","title":{"rendered":"DAMALS (1945-1949): Unser &#8222;Feind&#8220;, die Russen"},"content":{"rendered":"\n<p>Die <a><\/a>Russen. Wie waren sie? Kann man das definieren?<\/p>\n\n\n\n<p>Gibt es \u201eden Russen\u201c \u00fcberhaupt? Und wie unterschied er sich z.B. von \u201edem Ami\u201c?<\/p>\n\n\n\n<p>Wir in Brandenburg haben nur die eine Sorte Besatzungsmacht kennengelernt. In Sachsen waren erst die Amis, die sp\u00e4ter, als die Grenzen der Besatzungszonen ausgehandelt waren, den Russen Platz machten.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die blieben dann auf dem gesamten Gebiet der DDR bis zur Wiedervereinigung Deutschlands. Am Anfang waren sie sehr pr\u00e4sent.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber der Reihe nach.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Russen n\u00e4herten sich der Stadt praktisch durch die Hintert\u00fcr. Vermutlich hatten sie total veraltetes Kartenmaterial, denn sie kamen \u00fcber eine Heerstra\u00dfe aus der Zeit Friedrichs des Gro\u00dfen. Auf die Weise eroberten sie zuerst die Vororte Brandenburgs im Westen. Die Bewohner des Stadtteils G\u00f6rden sa\u00dfen 10 Tage im Keller fest, w\u00e4hrend das Stadtzentrum erbittert verteidigt wurde. Die Waffen-SS hatte alle Br\u00fccken gesprengt, auf dem Marienberg, einem beliebten Erholungsgebiet mitten in der Stadt, befand sich ein St\u00fctzpunkt der Artillerie.<\/p>\n\n\n\n<p>Russische Soldaten streiften in den Gefechtspausen durch die Keller auf der Suche nach Beute und nat\u00fcrlich Frauen. Schlie\u00dflich stand das einem siegreichen Soldaten zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Stalin soll gesagt haben: \u201eNehmt euch ihre Weiber!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das gefiel den ausgehungerten und w\u00fctenden jungen Kerlen. Damals ist viel Unrecht geschehen und das hat die Beziehung zwischen unseren V\u00f6lkern nachhaltig vergiftet. Zum Gl\u00fcck gab es auch Lichtblicke.<\/p>\n\n\n\n<p>Meiner Mutter ist z.B. nichts passiert, weil ein russischer Offizier in jeder Gefechtspause in den Keller kam und mit der Maschinenpistole in der Hand die deutschen Frauen bewacht hat. Er erkl\u00e4rte in gebrochenem Deutsch, wie sehr er das Verhalten seiner Kameraden missbilligen w\u00fcrde. Ein guter Mensch, der in schlimmen Zeiten Samenk\u00f6rner des Friedens ges\u00e4t hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine andere Leidenschaft der Soldaten war das Einsammeln von Kriegsbeute. Sie kamen verdreckt und verschmutzt in den Keller und forderten: \u201eUri, Uri! Zapsarapp!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Uhren aus Deutschland mit nach Hause zu bringen war offenbar die Kr\u00f6nung des Sieges. Dabei war es v\u00f6llig egal, ob die Dinger etwas wert waren. Von meinem Gro\u00dfvater haben sie seine Dienstuhr (er war Lokf\u00fchrer) mitgenommen. Eine ziemlich h\u00e4ssliche, gro\u00dfe Zwiebel von Taschenuhr. Die Jungs waren begeistert.<\/p>\n\n\n\n<p>Tja, als die zehn Tage vorbei waren und die Stadt kapituliert hatte, kehrte der Alltag mit \u201eden Russen\u201c ein. Kasernen und einige Wohnblocks wurden ger\u00e4umt um die Truppen unterzubringen. Die Stadt erhielt einen Kommandanten, der sofort Kontakt zu den deutschen Kommunisten aufnahm, um das Leben wieder einigerma\u00dfen zu organisieren. In unserem Fall war das ein russischer Jude aus Leningrad (inzwischen wieder Petersburg), der ausgezeichnet Deutsch sprach. Er benahm sich nicht wie ein Besatzer sondern eher wie ein Freund.<\/p>\n\n\n\n<p>Er sagte: \u201eDie Hitlers kommen und gehen, aber das deutsche Volk bleibt.\u201c Dass das ein Zitat von Stalin war, erfuhren meine Eltern erst sp\u00e4ter.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste sowjetische Kommandant von Brandenburg war ein anst\u00e4ndiger Mensch, der Frieden in die Herzen einiger Brandenburger ges\u00e4t hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Er wurde \u00fcbrigens bei einer antisemitischen S\u00e4uberungswelle Stalins abges\u00e4gt. Mama hat ihn noch einmal getroffen. Da war er in Zivil und auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft in der Heimat.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich war nicht alles gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verwaltung war zusammengebrochen. Es gab nicht genug zu essen, ganze Stra\u00dfenz\u00fcge, das Neust\u00e4dtische Rathaus, das Opelwerk, das Stahlwerk und die Arado Flugzeugwerke waren zerst\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit den Br\u00fccken wurden auch die Leitungen f\u00fcr Strom und Wasser gesprengt.<\/p>\n\n\n\n<p>Hungrige Frauen pl\u00fcnderten Lebensmittell\u00e4den und ein in Brand geschossenes Proviantamt der Wehrmacht. Andere zogen auf die D\u00f6rfer, bettelten, verkaufte ihre Wertsachen f\u00fcr Gem\u00fcse und Korn \u2026 oder stahlen die Fr\u00fcchte von den Feldern.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Mutter sagte immer, dass sich da zwei Fraktionen gebildet hatten: die gesetzestreuen Bettler (denen ging es richtig schlecht und sie verloren alles, was einigerma\u00dfen wertvoll war) und die R\u00e4uber und Diebe &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Raubzuge waren gef\u00e4hrlich, denn die Bauern hetzten \u00f6fter mal die Hunde auf die verfluchten St\u00e4dter und dann gab es ja noch die Russen. Sexuell ausgehungerte und w\u00fctende junge M\u00e4nner die ihrerseits auf Beute aus waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Merkw\u00fcrdigerweise lie\u00dfen sie M\u00fctter mit Babys und Kleinkindern in Ruhe. So verroht wie sie nach dem langen Krieg auch sein mochten, die Mutterschaft war ihnen immer noch heilig. Mir ist auch nicht bekannt, dass die Russen jemals einem deutschen Baby oder Kleinkind etwas angetan h\u00e4tten. Das sprach sich schnell herum und die Frauen nahmen zum Hamstern ihre Babys mit. Wer keins hatte, borgte sich bei Freundinnen oder Nachbarinnen ein Kind, um die gef\u00e4hrliche Nahrungsbeschaffung einigerma\u00dfen heil zu \u00fcberstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Mutter erkl\u00e4rte mir, dass sowjetische Soldaten nicht alle gleich waren. Besonders \u00fcbel waren angeblich die Kampftruppen aus Sibirien. Einfache, sehr zornige junge M\u00e4nner aus D\u00f6rfern, wo gewisse zivilisatorische Errungenschaften noch nicht angekommen waren.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die waren deutsche Frauen einfach nur Freiwild und sie nutzte jede Gelegenheit, die besiegten Krauts zu dem\u00fctigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie benahmen sich in der \u00d6ffentlichkeit betont unanst\u00e4ndig, entleerten sich ungeniert und koteten sogar aus den Fenstern der ihnen zugewiesenen Wohnungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Von der Stra\u00dfe aus konnte jeder, der vorbeikam, ihre nackten Hinterteile bewundern bzw. die Spuren ihrer Verdauungsprodukte besichtigen. Als die Kampftruppen endlich abzogen musste an vielen Stellen der Putz erneuert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, der Hass und die Verachtung sa\u00dfen tief \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Andererseits sch\u00e4mten sich die gebildeteren Russen sehr f\u00fcr das Verhalten ihrer Kameraden. Schlie\u00dflich sch\u00e4ndeten und beschmutzten diese nicht nur den besiegten Feind und seine Habseligkeiten sondern sie besudelten mit ihrem offensichtlich unkultivierten Verhalten auch das Ansehen der Sowjetunion.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu eine schockierende Geschichte, die einer alten Dame in Brandenburg passiert ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie ging auf den Friedhof um das Grab ihres verstorbenen Ehemanns zu pflegen \u2026 aber da lauerte bereits ein sexhungriger Russe. Er brachte sie zu Fall, vergewaltigte sie und ging dann seines Weges. Die Frau war nicht bereit, das einfach so hinzunehmen und beschwerte sich bei dem Kommandanten der Einheit. Der lie\u00df seine Leute antreten und forderte die alte Frau auf, ihm zu zeigen, wer ihr Gewalt angetan hatte. Sie hatte sich das Gesicht gut gemerkt und wies auf den T\u00e4ter. Darauf zog der Offizier seine Pistole und erschoss ihn.<\/p>\n\n\n\n<p>Die alte Dame erz\u00e4hlte das v\u00f6llig schockiert ihren Nachbarinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas habe ich nicht gewollt\u201c, weinte sie. \u201eIch wollte, dass er ermahnt und bestraft wird. Ich wollte doch nicht, dass man ihn deswegen t\u00f6tet. Da hatte er den Krieg \u00fcberlebt und nun das! Der war doch noch so jung! H\u00e4tte mein Enkel sein k\u00f6nnen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, verdammt noch mal!<\/p>\n\n\n\n<p>Das war alles nicht so einfach \u2026 und \u201eden Russen\u201c, dem man alle m\u00f6glichen schlimmen Eigenschaften zuordnen konnte, gab es gar nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Genauso wenig wie \u201eden verbrecherischen Deutschen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a9 Amanda Landmann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Russen. Wie waren sie? Kann man das definieren? Gibt es \u201eden Russen\u201c \u00fcberhaupt? Und wie unterschied er sich z.B. von \u201edem Ami\u201c? Wir in Brandenburg haben nur die eine Sorte Besatzungsmacht kennengelernt. In Sachsen waren erst die Amis, die sp\u00e4ter, als die Grenzen der Besatzungszonen ausgehandelt waren, den Russen Platz machten. Und die blieben dann auf dem gesamten Gebiet der DDR bis zur Wiedervereinigung Deutschlands. Am Anfang waren sie sehr pr\u00e4sent. Aber der Reihe nach. Die Russen n\u00e4herten sich der Stadt praktisch durch die Hintert\u00fcr. Vermutlich hatten sie total veraltetes Kartenmaterial, denn sie kamen \u00fcber eine Heerstra\u00dfe aus der Zeit Friedrichs des Gro\u00dfen. Auf die Weise eroberten sie zuerst die Vororte Brandenburgs im Westen. Die Bewohner des Stadtteils G\u00f6rden sa\u00dfen 10 Tage im Keller fest, w\u00e4hrend das Stadtzentrum erbittert verteidigt wurde. Die Waffen-SS hatte alle Br\u00fccken gesprengt, auf dem Marienberg, einem beliebten Erholungsgebiet mitten in der Stadt, befand sich ein St\u00fctzpunkt der Artillerie. Russische Soldaten streiften in den Gefechtspausen durch die Keller auf der Suche nach Beute und nat\u00fcrlich Frauen. Schlie\u00dflich stand das einem siegreichen Soldaten zu. Stalin soll gesagt haben: \u201eNehmt euch ihre Weiber!\u201c Das gefiel den ausgehungerten und w\u00fctenden jungen Kerlen. Damals ist viel Unrecht geschehen und das hat die Beziehung zwischen unseren V\u00f6lkern nachhaltig vergiftet. Zum Gl\u00fcck gab es auch Lichtblicke. Meiner Mutter ist z.B. nichts passiert, weil ein russischer Offizier in jeder Gefechtspause in den Keller kam und mit der Maschinenpistole in der Hand die deutschen Frauen bewacht hat. 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