{"id":3872,"date":"2025-04-25T20:05:00","date_gmt":"2025-04-25T20:05:00","guid":{"rendered":"http:\/\/sandozean.de\/?p=3872"},"modified":"2025-05-13T20:07:35","modified_gmt":"2025-05-13T20:07:35","slug":"damals-1988-2000-die-friedliche-revolution-in-der-ddr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/sandozean.de\/?p=3872","title":{"rendered":"DAMALS (1988-2000): Die friedliche Revolution in der DDR"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Ort: Brandenburg an der Havel<\/p>\n\n\n\n<p>Zeitzeuge: Anneliese Wipperling<\/p>\n\n\n\n<p>Wussten wir kurz vor der Wende was uns bevorstand?<\/p>\n\n\n\n<p>Nun, <a><\/a>wer au\u00dferhalb der Blase Partei- und Staatsapparat arbeitete, konnte relativ leicht erkennen, dass vieles schon lange nicht mehr rund lief. Man schob das in Parteikreisen gern auf Sabotage durch den b\u00f6sen Westen und den leider noch nicht voll entfalteten sozialistischen Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sozialismus war eine gute Sache, die irgendwann gelingen musste weil die genialen Klassiker des Marxismus -Leninismus sich gar nicht irren konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tatsache, dass es 40 Jahre lang irgendwie funktioniert hatte, musste doch etwas bedeuten. Oder?<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich glaubten viele Genossen bis zum Schluss an ein gutes Ende, hielten die wirtschaftlichen Schwierigkeiten f\u00fcr eine Art Geburtswehen und reagierten fassungslos auf die friedliche Revolution der V\u00f6lker gegen den sogenanntem real existierenden Sozialismus.<\/p>\n\n\n\n<p>In Polen fing es an. Da gaben die Genossen der katholischen Kirche und Papst Wojtyla die Schuld. Und nat\u00fcrlich der CIA und dem Westen im Allgemeinen. Den braven Parteisoldaten war \u00fcberhaupt nicht klar, wie gro\u00df die unterdr\u00fcckte Wut im Volk war. Wie sehr die Leute diese Maskerade eines Kollektivlebens satt hatten. Wie sehr sie es leid waren, entweder den Mund zu halten oder zu l\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich war damals mit der Opposition liiert. Mein Ex Klaus W. (ein Berliner) war bei B\u00fcndnis 90 aktiv und ging regelm\u00e4\u00dfig zu den Treffen mit Pfarrer Eppelmann. Ich fand das zwar ganz spannend, hielt es aber f\u00fcr Spinnerei. Da Klaus auch sonst ein ziemlich schr\u00e4ger Typ mit merkw\u00fcrdigen und weltfremden Ansichten war, konnte ich mir nicht vorstellen, dass er diesmal recht hatte und mit welcher Wucht die Protestbewegung die vertraute Ordnung wegfegen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Nein. Ich kam nicht auf die Idee, meinen Freund zu verpetzen. Im Gegenteil: Wir machten noch Witze dar\u00fcber, dass er jetzt mit der Partei im Bett liegen w\u00fcrde. Allerdings ging ich auch nie zu seinen Veranstaltungen mit. Das kam mir als langj\u00e4hriger Genossin irgendwie unpassend vor. Vielleicht h\u00e4tte ich das trotzdem machen sollen. Dann h\u00e4tte ich eher verstanden, was da passierte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich erinnere mich noch gut an den 40. Jahrestag der DDR: Es gab das \u00fcbliche Brimborium. Fahnen, Feiern, Schlagzeilen, Reden, Bananen im Konsum \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Da es \u00fcblich war, das Volk bei solchen Anl\u00e4ssen mit Wohltaten zu \u00fcberraschen, ging ich mit Adriana in die Jugendmode einkaufen. Wir fanden tats\u00e4chlich f\u00fcr sie eine echt schicke Jeans in passender Gr\u00f6\u00dfe. F\u00fcr mich gab es nichts, denn Dicke waren im Sozialismus nicht wirklich eingeplant.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich erinnere mich, dass die Stimmung irgendwie merkw\u00fcrdig war.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Fest hatte etwas vages und vorl\u00e4ufiges.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Tag des Mauerfalls war ich in Torgau auf Dienstreise. Die Standardisierer der Bahn trafen sich wieder einmal. Wir besichtigten ein Glaswerk und inspizierten die L\u00e4den. Wir wussten, dass man in der tiefsten Provinz oft \u00fcberraschende Sch\u00e4tze finden konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir Brandenburger dachten n\u00e4mlich, dass die verh\u00e4tschelten Berliner alles bekommen w\u00fcrden \u2026 und die Berliner dachten dass wir ihnen alles wegkaufen w\u00fcrden. Provinzler, die die L\u00e4den der Hauptstadt pl\u00fcndern!<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Mangelwirtschaft produziert halt Neid und Unfrieden. Ich fand ein modisches Sweatshirt, das mir gut passte und nahm es gleich in zwei Farben (wei\u00df und in weinrot). Die Verk\u00e4uferin musterte mich hasserf\u00fcllt. Eine dicke Tussy mit Berliner Dialekt hamsterte in Torgau! Pfui!<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sa\u00dfen Abends im Hotel zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Fernseher lief. Erst das Vorabendprogramm \u2026 dann die aktuelle Kamera. Der Sprecher verk\u00fcndete, dass die Mauer gefallen war. Wir h\u00f6rten verbl\u00fcfft und ungl\u00e4ubig zu. Trotz der Montagsdemos, Pfarrer Eppelmann und der massenhaften Flucht von DDR-B\u00fcrgern \u00fcber die ungarische Grenze hatte niemand von uns wirklich mit so etwas gerechnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war ein schei\u00df Gef\u00fchl \u2026 als w\u00fcrde einem pl\u00f6tzlich der Boden unter den F\u00fc\u00dfen weggezogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Versteht mich nicht falsch: Die DDR hatte ihre Macken, aber sie war auch unsere Heimat \u2026 bzw. der gewohnte Stall, der den Hauskaninchen Sicherheit versprach.<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich h\u00e4tten wir am n\u00e4chsten Morgen heimfahren sollen, aber das war nicht m\u00f6glich. Unz\u00e4hlige Sachsen verstopften den Bahnhof von Torgau. Die Z\u00fcge in Richtung Berlin waren rappelvoll. Alle wollten so schnell wie m\u00f6glich in den Westen. Wir mussten eine weitere Nacht im Hotel buchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung schien noch vieles im Fluss zu sein. Es gab eine Sondersitzung der SED in der Stahlhalle in Brandenburg, wo ich in meinem neuen wei\u00dfen Sweatshirt eine flammende Rede hielt. Wir wollten einen anderen, einen echten, einen demokratischen Sozialismus. Wir dachten, wir w\u00e4ren endlich auf dem richtigen Weg.<\/p>\n\n\n\n<p>Die B\u00fcrgerrechtler dachten das auch. Sie bewachten Tag und Nacht die Stasizentrale damit niemand Beweismittel vernichten konnte. Ich sehe immer noch die Kerzen auf dem Gehweg davor in der Dunkelheit brennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Arbeit gab es stundenlange, wilde Diskussionen. Oft versackten sie in Fragen der Gesch\u00e4ftsordnung. Ich pr\u00e4gte damals f\u00fcr mich den Begriff Demokratie-B\u00fcrokratismus. Manche meiner Kollegen waren richtig besessen davon.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Computerexperte und offizieller Stasimann (auch die Sicherheitsnadel genannt) predigte ebenfalls pl\u00f6tzlich den demokratischen Sozialismus. Er machte sich noch vor der Wiedervereinigung mit einer IT-Firma selbst\u00e4ndig. Ich wei\u00df nicht, wie schlimm er wirklich war. Er gab sich zwar modern und liberal aber man konnte bei diesen Leuten nie wissen, was das wahre Gesicht und was eine Maske war.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Zeit kamen immer mehr Schweinereien heraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Idealismus br\u00f6ckelte und ich trat aus der Partei, die ich eben noch heftig verteidigt hatte, aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Mich st\u00f6rte, dass es immer noch nur um Geld und Privilegien ging. Schon wieder! Die neuen Bonzen der PDS waren in der Beziehung kein bisschen besser als die alten.<\/p>\n\n\n\n<p>Brandenburg wurde in dieser merkw\u00fcrdigen Zwischenwelt von etlichen Propheten und Heilsbringern besucht. Da predigte zum Beispiel Jutta Dittfurth auf den Neustadt Markt Feminismus, die Zeugen Jehovas klingelten an der T\u00fcr und Vertreter f\u00fcr Staubsauger versuchten, uns zu becircen. Es war eine verr\u00fcckte Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie hatte ihr ganz eigenes Vokabular: Ein Wendehals z.B. war ein besonders eifriger und linientreuer Anh\u00e4nger des Kommunismus, der urpl\u00f6tzlich schon immer dagegen gewesen war. Oh ja, von diesen heimlichen Widerstandsk\u00e4mpfern gab es viele. Darunter auch Verfasser besonders schw\u00fclstiger sozialistischer Kitschballaden.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Vorabend des Tags der Wiedervereinigung ging ich mit meiner Tochter Adriana spazieren. Wir kamen an unserem gewohnten Lebensmittelladen vorbei \u2026 und da waren pl\u00f6tzlich die Schaufenster vollgepackt mit Waren, die es sonst nur in der Werbung des Westfernsehens oder im Intershop gab. Ich empfand eine merkw\u00fcrdige Mischung aus Freude und Angst.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war alles so fremd!<\/p>\n\n\n\n<p>Unser erster Besuch im Westen f\u00fchrte uns nach Berlin-Steglitz. Da wohnte eine Freundin, die ich bei meiner kurzen Stippvisite bei der PDS kennengelernt hatte. Eine sympathische Frau aus Fulda mit sehr merkw\u00fcrdigen Ansichten. Sie glaubte z.B., dass es gerecht w\u00e4re, Menschen, denen ihre Arbeit Spa\u00df macht, schlechter zu bezahlen als solche, die Klos putzen m\u00fcssen. Ausbildung oder Verantwortung w\u00e4ren kein Grund f\u00fcr ein h\u00f6heres Gehalt. Ich erz\u00e4hlte ihr, wohin so etwas langfristig f\u00fchrt. In der DDR wurden Arbeiterkinder massiv bevorzugt (z.B. wenn es um den Zugang zum Abitur ging). Da durfte der Notendurchschnitt schon mal unter 2,0 liegen, w\u00e4hrend alle anderen nur mit absoluten Spitzenleistungen eine Chance hatten. Au\u00dferdem gab es unterschiedliche Steuers\u00e4tze f\u00fcr Arbeiter und Angestellte. Das f\u00fchrte langfristig dazu, dass die Kinder vieler Ingenieure und Wissenschaftler (vor allem die Jungs) nicht mehr studieren wollten. Wozu auch? Als Arbeiter und Handwerker verdienten sie netto auch gut, hatten viel weniger Stress und konnten nach Feierabend noch etwas dazuverdienen. Vielleicht sogar blaue Kacheln (Westmark) mit denen sie im Intershop einkaufen konnten. Unsere Freundin war entsetzt, wie materialistisch die Leute in der DDR waren, wie wenig Begeisterung f\u00fcr die lichte Zukunft in ihnen steckte. Sie war studierte Soziologin und Hausfrau \u2026 und ein echtes Musterexemplar der Westlinken.<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, ich habe mich nicht mit ihr verzankt und immer wieder geduldig und v\u00f6llig vergebens versucht, ihr die Realit\u00e4t schmackhaft zu machen. Sie lebt leider nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Damals habe ich oft gedacht: \u201eWas um Gottes Willen wird passieren, wenn solche weltfremden Spinner irgendwann regieren?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen wei\u00df ich es.<\/p>\n\n\n\n<p>Westberlin war im Vergleich zur Hauptstadt der DDR dreckig, verm\u00fcllt und mit Graffiti beschmiert. Auf den Fu\u00dfwegen sa\u00dfen rum\u00e4nische Bettlerinnen mit Babys herum.<\/p>\n\n\n\n<p>Als wir uns im B\u00fcrgeramt unser \u201eBegr\u00fc\u00dfungsgeld\u201c holten, wurden wir misstrauisch be\u00e4ugt: \u201eWas? Kein Vater dabei? Wom\u00f6glich kommt der noch einmal mit der Tochter r\u00fcber und kassiert f\u00fcr sie doppelt. Ich zeigte der Dame meinen Personalausweis, in dem bei Familienstand \u201eledig\u201c stand. Da wurde sie sofort freundlich. Solidarit\u00e4t unter Frauen halt. Au\u00dferdem hatte sie riesige Katzenbilder an der Wand. Das konnte gar kein schlechter Mensch sein. Was ich mit mein 100 DM gemacht habe? Ich fand einen Laden f\u00fcr echten Navajo-Schmuck und danach war nicht mehr viel \u00fcbrig.<\/p>\n\n\n\n<p>Tja, die Wessis \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Wenige Tage nach dem Fall der Mauer kam ein Kollege mit einer Deutschlandkarte ins B\u00fcro. Da waren s\u00e4mtliche Knotenpunkte des bahneigenen Telefonnetzes eingezeichnet. Wir kannten ja nur einen kleinen Teil davon, aber nun konnten wir uns in ganz Deutschland durchw\u00e4hlen. Unsere Partnerinstitute bei der Bundesbahn waren in Minden und M\u00fcnchen und wir haben es gewagt \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Es war eine sch\u00f6ne Erfahrung, sozusagen die Wiedervereinigung unter Kollegen. Wir sind schnell zusammengewachsen. Die Eisenbahner in D\u00fcsseldorf und Frankfurt waren vor allem von den gut ausgebildeten Ingenieurinnen der Reichsbahn begeistert. Frauen, die fachlich topfit und kein bisschen m\u00e4nnerfeindlich waren. Das hat sie fasziniert und begeistert. Schon bald lie\u00dfen sich einige der jungen Frauen scheiden und fanden im Westen ein neues Gl\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Bildung der DB AG wurden die Strukturen vereinheitlicht und ich bekam einen Chef aus Minden. Er war, abgesehen von ein paar typischen Beamtenmacken, in Ordnung. Niemand hat mich diskriminiert oder angefeindet. Ich musste eine Erkl\u00e4rung bez\u00fcglich Stasit\u00e4tigkeit unterschreiben (was kein Problem war, weil ich nie f\u00fcr sie gearbeitet hatte) und alles war gut. Unser Standort &#8211; und damit alle Arbeitspl\u00e4tze \u2013 blieb erhalten. Wir wurden zwar etwas schlechter eingestuft als Mitarbeiter mit vergleichbarer T\u00e4tigkeit in Minden, aber das Netto war trotzdem deutlich besser als zu DDR-Zeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Anderen Reichsbahnern erging es weniger gut. Ein Ausbesserungswerk speziell f\u00fcr Gleisbaumaschinen aus dem Westen wurde geschlossen, weil nun der Hersteller ganz selbstverst\u00e4ndlich die Wartung \u00fcbernahm. Hochspezialisierte Facharbeiter mussten pl\u00f6tzlich alte Waggons verschrotten und Hilfsarbeitern bei Bauma\u00dfnahmen \u00fcbernehmen. Ich wei\u00df nicht, was am Ende aus ihnen geworden ist. Irgendwann fuhren sie nicht mehr mit derselben Stra\u00dfenbahn wie ich zur Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, es ist auch Unrecht geschehen. Volkseigene Betriebe wurden f\u00fcr eine symbolische Mark verramscht, unliebsame Konkurrenz aus dem Weg ger\u00e4umt, Biografien wurden entwertet. Wer noch Arbeit hatte musste sich ganz schnell an die neuen Gegebenheiten anpassen. Wer keine mehr hatte k\u00e4mpfte verzweifelt mit einer unverst\u00e4ndlichen B\u00fcrokratie. Etliche Bonzen schwammen ganz schnell wieder wie die Fettaugen oben auf der Suppe. Oder wie findet ihr das: Eben noch hauptamtlicher Mitarbeiter der SED-Kreisleitung Brandenburg und dann Beamter im Arbeitsamt?<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt handelten die Sieger jedoch erstaunlich moderat. Selbst die westdeutschen Politiker, die Landeschefs im Osten wurden, geb\u00e4rdeten sich nicht als Eroberer. Sachsen und Th\u00fcringen fuhren mit Kurt Biedenkopf und Bernhard Vogel gar nicht mal schlecht. Das hat mich damals sehr beeindruckt, denn ich hatte etwas anderes erwartet.<\/p>\n\n\n\n<p>Privat und politisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Mir ist nat\u00fcrlich klar, dass ich einfach Schwein mit meinem Arbeitgeber und meiner Qualifikation hatte. Ich war keinen einzigen Tag arbeitslos und meine Tochter konnte auf\u2019s Gymnasium gehen. Das w\u00e4re zu DDR-Zeiten schwierig geworden, denn sie war ja (anders als ich) kein Arbeiterkind. Dass sie die Enkelin eines Arbeiters war, h\u00e4tte nicht gez\u00e4hlt. Quote rangierte halt auch in der DDR vor Talent und Flei\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Westen erwies sich als l\u00e4ngst nicht so b\u00f6se wie man es uns von klein auf beigebracht hatte. Im (fiktiven) umgekehrten Falle (\u00dcbernahme der BRD durch die DDR) w\u00e4re das mit Sicherheit anders gelaufen. Da h\u00e4tte es vermutlich S\u00e4uberungsaktionen und Umerziehungslager gegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe die Wende \u00fcberstanden. Mit viel bulgarischem Rotwein, einem nagelneuen Computer (Commodore), einem b\u00fcrgerlichen Gesetzbuch und einem Ratgeber f\u00fcr stilistisch einwandfreie Gesch\u00e4ftspost.<\/p>\n\n\n\n<p>Anfangs hielt ich noch lockeren Kontakt zur PDS und ging auch mit Adriana zu einigen denkw\u00fcrdigen Demos. Allerdings wurde ich mit dem \u00fcblichen Publikum (Autonome und Antifa) nicht so recht warm. Die waren derma\u00dfen abgehoben und arrogant \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a9 Amanda Landmann<\/p>\n\n\n\n<p>Mein weite Weg zur Mitte begann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ort: Brandenburg an der Havel Zeitzeuge: Anneliese Wipperling Wussten wir kurz vor der Wende was uns bevorstand? Nun, wer au\u00dferhalb der Blase Partei- und Staatsapparat arbeitete, konnte relativ leicht erkennen, dass vieles schon lange nicht mehr rund lief. Man schob das in Parteikreisen gern auf Sabotage durch den b\u00f6sen Westen und den leider noch nicht voll entfalteten sozialistischen Menschen. Der Sozialismus war eine gute Sache, die irgendwann gelingen musste weil die genialen Klassiker des Marxismus -Leninismus sich gar nicht irren konnten. Die Tatsache, dass es 40 Jahre lang irgendwie funktioniert hatte, musste doch etwas bedeuten. Oder? Tats\u00e4chlich glaubten viele Genossen bis zum Schluss an ein gutes Ende, hielten die wirtschaftlichen Schwierigkeiten f\u00fcr eine Art Geburtswehen und reagierten fassungslos auf die friedliche Revolution der V\u00f6lker gegen den sogenanntem real existierenden Sozialismus. In Polen fing es an. Da gaben die Genossen der katholischen Kirche und Papst Wojtyla die Schuld. Und nat\u00fcrlich der CIA und dem Westen im Allgemeinen. Den braven Parteisoldaten war \u00fcberhaupt nicht klar, wie gro\u00df die unterdr\u00fcckte Wut im Volk war. Wie sehr die Leute diese Maskerade eines Kollektivlebens satt hatten. Wie sehr sie es leid waren, entweder den Mund zu halten oder zu l\u00fcgen. Ich war damals mit der Opposition liiert. Mein Ex Klaus W. (ein Berliner) war bei B\u00fcndnis 90 aktiv und ging regelm\u00e4\u00dfig zu den Treffen mit Pfarrer Eppelmann. Ich fand das zwar ganz spannend, hielt es aber f\u00fcr Spinnerei. Da Klaus auch sonst ein ziemlich schr\u00e4ger Typ mit merkw\u00fcrdigen und weltfremden Ansichten war, konnte ich mir <a class=\"read-more\" href=\"http:\/\/sandozean.de\/?p=3872\">Continue Reading &#8594;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ca_portfolio_gallery_project_year":"","ca_portfolio_gallery_client":"","ca_portfolio_gallery_skills":"","ca_portfolio_gallery_url":"","ngg_post_thumbnail":0},"categories":[77],"tags":[250,251],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3872"}],"collection":[{"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3872"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3872\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3873,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3872\/revisions\/3873"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3872"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3872"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3872"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}