{"id":3626,"date":"2024-07-31T21:05:59","date_gmt":"2024-07-31T21:05:59","guid":{"rendered":"http:\/\/sandozean.de\/?p=3626"},"modified":"2025-01-13T20:33:32","modified_gmt":"2025-01-13T20:33:32","slug":"anneliese-wipperling-mr-presidents-himmelfahrt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/sandozean.de\/?p=3626","title":{"rendered":"Anneliese Wipperling: Mr Presidents Himmelfahrt"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>\u201ePadorak, sieh nur! Da rollt schon wieder so eine Panzerkiste auf R\u00e4dern durch den Schnee.<br>Gleich wird der Auserw\u00e4hlte herauskriechen und mit seinem Mund Ger\u00e4usche machen.\u201c<br>\u201eKonntest du diesmal den Totmacher anpeilen?\u201c<br>Der Gedankenstrom der Eitr\u00e4gerin Ressah rauschte leise.<br>\u201eNein\u201c, dachte sie. \u201eEs k\u00f6nnte beinahe jeder oder keiner sein.\u201c<br>\u201eLass mich raten. Die unverbesserlichen Monstren da unten schleppen wieder einmal<br>unz\u00e4hlige primitive Waffen mit sich herum: Bleischleudern, Messer, Bomben \u2026\u201c<br>\u201eJa, mein bevorzugter Befruchter. Jeder Mensch kennt jemanden, dem er gern das Leben<br>wegnehmen w\u00fcrde. Manche haben sogar Lust, die ganze Welt mit einem Schlag<br>auszul\u00f6schen und noch andere m\u00f6chten vor Angst am liebsten wild um sich schie\u00dfen. Diese<br>Spezies war schon immer schlimm, wenn auch fr\u00fcher nicht so m\u00e4chtig wie in unserer Zeit.<br>Jetzt sind sie eine wahre Pest der Galaxis.\u201c<br>Die Stielaugen der beiden Tannari hingen gebannt am Bildschirm. Sie sahen ungef\u00e4hr zum<br>hundertsten Mal, wie sich eine merkw\u00fcrdige Gestalt ungeschickt aus einer engen \u00d6ffnung<br>der fahrbaren Kiste schob. Sie hatte insgesamt nur vier lange d\u00fcnne Gliedma\u00dfen und einen<br>Knubbel am oberen K\u00f6rperende, in dem sich die zentrale Steuereinheit, das sogenannte<br>Gehirn, befand.<br>Das Wesen blieb einen Augenblick mit erhobenen Vordergliedma\u00dfen stehen und nahm mit<br>gekr\u00fcmmter Ess\u00f6ffnung das Get\u00f6se der Menge entgegen.<br>\u201eDer Auserw\u00e4hlte l\u00e4chelt wieder\u201c, dachte Ressah. \u201eDas arme Gesch\u00f6pf hat keine Ahnung,<br>was ihm bevorsteht.\u201c<br>\u201eDu wei\u00dft tats\u00e4chlich, was so eine gebogene Fressluke bedeutet?\u201c, wunderte sich Padorak.<br>\u201eGewiss doch. Im elektromagnetischen Spektrum der Erde gibt es ganz wundervolle, hoch<br>dramatische Geschichten, wo man lernen kann, wie die Spezies Mensch funktioniert. Du<br>solltest dir unbedingt auch ein paar dieser Blockbuster und Seifenopern ansehen.\u201c<br>\u201eDas ist doch Massenware, wertloser Kulturschrott \u2026 und obendrein immer dasselbe.\u201c<br>Ein Hauch Fr\u00f6hlichkeit wehte durch Ressahs Geist. Komisch, dass sich die Befruchter auf allen<br>bekannten Welten so ungern mit Gef\u00fchlen besch\u00e4ftigten. Ob der Auserw\u00e4hlte da unten auch<br>immer so tat, als w\u00fcrden ihm seelenvolle Geschichten am Hinterleib vorbei marschieren?<br>\u201eWas regst du dich auf?\u201c, lie\u00df die Eitr\u00e4gerin ihren Partner wissen. \u201eWenn diese Darbietungen<br>Lehrmaterial f\u00fcr die Einheimischen oder Informationen f\u00fcr Besucher wie uns sind, l\u00e4sst sich<br>eine gewisse Einf\u00f6rmigkeit gar nicht vermeiden. Bei so etwas Simplem wie Gut und B\u00f6se gibt<br>es eben immer die gleichen Antworten.\u201c<br>Padorak peitschte \u00e4rgerlich mit seinen acht vorderen Tentakeln die Luft.<br>\u201eDu denkst doch nicht etwa, dass dieses br\u00fcllende Gewimmel da unten Gut und B\u00f6se<br>unterscheiden kann? Vergiss nicht, dass dieses Pack auf Eldora ohne Vorwarnung drei<br>Gro\u00dfst\u00e4dte mit Fusionsbomben verdampft hat. Wer wahllos t\u00f6tende Aggressivwaffen<br>verwendet, br\u00e4t auch die Gelege intelligenter Spezies zum Fr\u00fchst\u00fcck. Denen ist alles<br>zuzutrauen! Uns ist gar nichts anderes \u00fcbriggeblieben, als die zivilisatorischen<br>Errungenschaften der letzten dreitausend Jahre zu versto\u00dfen und wieder t\u00f6ten zu lernen \u2013<br>auch wenn es uns verdammt schwergefallen ist. Mir sind die verlogenen Geschichten und<br>Lieder der Menschen egal. Wie du wei\u00dft, habe ich schon vor Jahren daf\u00fcr gestimmt, diesen<br>Planeten rechtzeitig zu sterilisieren, und zwar, bevor sich h\u00f6heres Leben darauf entwickelt<br>hat. Dann ist die Arbeit nicht ganz so widerlich und f\u00fcr f\u00fchlende Lebewesen ertr\u00e4glicher.<br>Aber niemand war auf meiner Seite. Stattdessen schickte man uns auf diese absurde<br>Mission! Du wirst es erleben: Der krakelige Vierf\u00fc\u00dfler wird abermals erschossen werden, wir<br>m\u00fcssen wieder die Zeit zur\u00fcckdrehen, erneut vergeblich nach dem M\u00f6rder suchen, bis die<br>verdammte Eisenkiste wieder heranrollt \u2026\u201c<br>\u201eUnd eine Bleikugel dem armen Mann ein riesiges Loch in die Brust rei\u00dft. Bis das Leben<br>rasselnd und st\u00f6hnend aus ihm entweicht. Bis er unter entsetzlichen Qualen stirbt und seine<br>Frau und die beiden kleinen T\u00f6chter sich die Augen aus dem Kopf weinen. Das ist<br>faszinierend und traurig zugleich \u2026 und es wird mit der Zeit langweilig.\u201c<br>Padorak bog ruckartig s\u00e4mtliche acht Stielaugen zu seiner Gef\u00e4hrtin.<br>\u201eWas redest du da? Du klingst ja schon wie eine von denen, schlimmer noch, wie eine ihrer<br>albernen Seifenopern!\u201c<br>Die Eitr\u00e4gerin reagierte gekr\u00e4nkt und hochm\u00fctig.<br>\u201eSei nicht so intolerant! Das ist doch gar nicht so schwer zu verstehen. Der Auserw\u00e4hlte ist<br>ein Mann, ein Befruchter, wenn du dir darunter mehr vorstellen kannst. Seine Frau und die<br>beiden Kinder sind Eitr\u00e4gerinnen wie ich. Gut, sie behalten ihre Eier bis zum Schluss bei sich,<br>aber gro\u00df ist der Unterschied trotzdem nicht. Auch die Menschen lieben ihre Familien.\u201c<br>\u201eDann verstehe ich aber nicht, wie sie es trotzdem fertigbringen, die zuk\u00fcnftigen Kinder<br>anderer intelligenter Lebewesen in der Pfanne zu braten!\u201c<br>Ressah gab darauf keine Antwort. Sie wusste nur zu gut, was jetzt kommen w\u00fcrde, und sie<br>wollte nichts von dem erhabenen und hoch dramatischen Schauspiel verpassen.<br>\u201eMitb\u00fcrger!\u201c, sagte das kleine viergliedrige Ding mit \u00fcberraschend tiefer und kr\u00e4ftiger<br>Stimme. \u201eMitb\u00fcrger! Die amerikanischen Tugenden und der amerikanische Pioniergeist sind<br>nicht tot. Wenn wir uns auf unsere alten St\u00e4rken besinnen und gemeinsam \u2026\u201c<br>Das war normalerweise der Augenblick, wo die Bleikugel aus dem Nichts kommen und dem<br>Auserw\u00e4hlten ein faustgro\u00dfes Loch in das obere Ende seines mickrigen Leibs rei\u00dfen w\u00fcrde.<br>Da war sie schon!<br>Auf dem wei\u00dfen Stoff der d\u00fcnnen Bekleidung des Auserw\u00e4hlten breitete sich ein tiefroter<br>Fleck aus.<br>Ganz langsam knickten dem Menschen die unteren Gliedma\u00dfen ein, seine Vorderglieder<br>ruderten hilflos in der Luft \u2026 dann fiel er in den Schnee.<br>Die Eitr\u00e4gerin fokussierte die optischen Sensoren des Schiffes auf den Knubbel, in dem sich<br>das Gehirn befand, vergr\u00f6\u00dferte das Bild, bis nichts anderes mehr zu sehen war.<br>\u201eSiehst du\u201c, erkl\u00e4rte sie ihrem Kollegen und Gef\u00e4hrten beinahe gen\u00fcsslich. \u201eSchau genau hin!<br>Die Ess\u00f6ffnung des Auserw\u00e4hlten steht jetzt weit offen und es kommen nur noch sinnlose<br>T\u00f6ne heraus. Seine Augen schimmern wei\u00df durch ihre halb geschlossenen Klappen. Der<br>ganze Kopf, so nennt man den Gehirnbeh\u00e4lter, ist nass, und das bezeichnet man als Schwei\u00df.<br>Er ist eine typische Reaktion auf Angst, Schmerzen und die durch den Blutverlust verursachte<br>l\u00e4hmende Schw\u00e4che. Gleich wird die Pumpe versagen, sein Gehirn bekommt keinen<br>Sauerstoff mehr \u2026 und dann ist es ziemlich schnell vorbei. Bei den Eitr\u00e4gerinnen wird<br>vermutlich wieder massenhaft Salzwasser aus den Sehorganen flie\u00dfen. Aber das ist nicht<br>halb so interessant wie das, was mit dem Mann passiert.\u201c<br>Padorak sah dem Sterben des Menschen angeekelt zu.<br>Er konnte beim besten Willen nicht begreifen, wieso sich seine Gef\u00e4hrtin diese Bilder immer<br>wieder anschauen musste. Er selbst hatte bei seinen Eins\u00e4tzen als Verteidiger schon viele<br>Kreaturen aller Art sterben sehen. Genug f\u00fcr zehn Tannarileben! Damit wollte er nichts mehr<br>zu tun haben. Den kostbaren Eitr\u00e4gerinnen wurde derlei ja erspart!<br>\u201eMistf\u00e4kalien!\u201c, grummelte es in ihm. \u201eEs mag ja sein, dass ich beim ersten Mal auch<br>neugierig war, aber inzwischen habe ich all das Blut und Geschrei satt! Ich will nur noch<br>zur\u00fcck in meine eigene Zeit. Ich will nach Hause in meine Lieblingsbadesch\u00fcssel!\u201c<br>Ressah streichelte ihn beruhigend mit ihren Tentakeln.<br>\u201eIch verstehe dich. Mich erf\u00fcllen diese Wiederholungen inzwischen auch mit nagender<br>Ungeduld. Das erinnert mich an das absolut stupide menschliche M\u00e4rchen vom ewig<br>gr\u00fc\u00dfenden Murmeltier. Wenn es uns nicht gelingt, diese Zeitschleife abzubrechen, m\u00fcssen<br>wir diesen Mord bis ans Ende aller Tage miterleben \u2026 und der Auserw\u00e4hlte wird den Tod<br>wieder und wieder erleiden. Ich muss das wissen, denn ich habe drei halbe Uml\u00e4ufe<br>temporale Physik studiert.\u201d<br>Der Befruchter f\u00e4rbte sich vor \u00c4rger gr\u00fcnlich.<br>\u201eDu tust gerade so, als w\u00e4ren wir und der Mensch da unten schicksalhaft gefangen. Das<br>klingt zwar ungeheuer pathetisch, aber es ist Unfug. In dem Moment, wo wir von unserem<br>Auftrag radikal abweichen, sind wir wieder frei. Wenn wir zum Beispiel die Erde mit den<br>Strahlenwaffen des Schiffs sterilisieren, w\u00e4re es sofort vorbei mit deinem idiotischen<br>Murmeltier und niemand m\u00fcsste mehr vor den Menschen Angst haben. Millionen<br>anst\u00e4ndige und liebevolle Lebewesen w\u00fcrden ihre Existenzen zur\u00fcckerhalten, und wir<br>Tannari m\u00fcssten unsere Seelen nicht mehr mit dem Ersinnen von Waffen und gemeinen<br>Listen besudeln.\u201c<br>Die Gedankenmuster der Eitr\u00e4gerin verkn\u00e4uelten sich bis zur Unlesbarkeit.<br>\u201eDas kannst du doch nicht machen! Das ist nicht unser Auftrag!\u201c, protestierte sie, w\u00e4hrend<br>auf dem Bildschirm schwarz gekleidete Menschen den Auserw\u00e4hlten in eine gepolsterte<br>Kiste packten und wegtrugen.<br>In Padorak pulsierte immer noch wilder Zorn.<br>\u201eDu hast wohl Angst vor dem Straflager? Was h\u00e4ltst du davon, heimlich einen Asteroiden in<br>Richtung Erde zu lenken? Dann ist unser idiotischer Auftrag auch hinf\u00e4llig.\u201c<br>Ressah reagierte ungl\u00e4ubig. Schlie\u00dflich kannte sie ihren bevorzugten Befruchter schon seit<br>dreizehn heimischen Planetenuml\u00e4ufen, und er war immer freundlich und friedfertig<br>gewesen..<br>\u201eSo etwas w\u00fcrdest du fertigbringen? Hier und jetzt alles Leben auf der Erde mit harter<br>Strahlung \u00fcberfluten? Ich denke, daf\u00fcr bist du zu weich und du ekelst dich viel zu leicht. Ist<br>dir eigentlich klar, dass du die Menschen mit den schwachen Waffen des Schiffs nicht sofort<br>t\u00f6ten kannst? Dass es Monate oder gar Jahre dauern wird, bis genug von ihnen gestorben<br>sind, um ihrer Zivilisation jede Perspektive zu nehmen? Und was die Strahlenkrankheit<br>bedeutet: Die Vierf\u00fc\u00dfler werden langsam und unter unbeschreiblichen Qualen zugrunde<br>gehen, genauso wie ihre missgebildeten Nachkommen. Aber wie ich dich kenne, werden dir<br>die Tentakel erstarren, bevor du feuern kannst \u2026 und wenn es dir wider Erwarten doch<br>gelingt, wirst du mit so einer Tat nicht leben k\u00f6nnen und dich wie ein Ausgesto\u00dfener in der<br>Zeit verkriechen.\u201c<br>Padorak sp\u00fcrte die Zweifel seiner Gef\u00e4hrtin, ihren blanken Hohn. Pl\u00f6tzlich hatte er nur noch<br>Angst, dass sie ihn versto\u00dfen k\u00f6nnte, dass er all sein unglaubliches Gl\u00fcck verlieren w\u00fcrde.<br>Das Gl\u00fcck, dass eine genetisch hochwertige Eitr\u00e4gerin ihm nicht nur erlaubte, eins ihrer<br>Gelege zu befruchten, sondern ihn auch zu ihrem Gef\u00e4hrten vor dem Gesetz genommen<br>hatte, wodurch automatisch jedes ihrer genehmigten Gelege f\u00fcr seinen Saft bestimmt war.<br>Dass er sogar miterleben durfte, wie seine Nachkommen schl\u00fcpften und die ges\u00fcndesten von<br>ihnen feierlich dem Leben geweiht wurden.<br>Ohne Ressahs Zuneigung, ihren Respekt und vor allem ohne die Privilegien, die sich daraus<br>ergaben, w\u00fcrde seine Existenz nicht mehr viel wert sein. Dann k\u00f6nnte er sich gleich in diese<br>mickrige gelbe Sonne st\u00fcrzen und die V\u00f6lker der Zukunft den brutalen Schl\u00e4chtern da unten<br>\u00fcberlassen.<br>\u201eVerzeih mir, Liebste\u201c, dachte er dem\u00fctig. \u201eMir ist eben noch eine andere Option eingefallen.<br>Wir k\u00f6nnten doch diesen mitleiderregenden Auserw\u00e4hlten mit unserem Leitstrahl erfasst<br>halten und im richtigen Augenblick ein wenig aus der Phase schieben \u2026 nur f\u00fcr den Bruchteil<br>der kleinsten hiesigen Zeiteinheit. Die Menschen werden es nicht merken und der Vierf\u00fc\u00dfer<br>bleibt unverletzt, weil die Kugel ihn nicht treffen kann. Das w\u00fcrde die gute Zeitlinie ebenso<br>zwangsl\u00e4ufig erzeugen, wie die totale Vernichtung der Menschheit. Jedenfalls ergibt sich<br>diese Variante aus dem Geschwafel gewisser Temporaltechniker.\u201c<br>\u201eWas? Dass du den Auserw\u00e4hlten nur f\u00fcr einen winzigen Augenblick aus dem Verkehr ziehen<br>musst, um ihn zu retten? Die haben aber an alles gedacht!\u201c<br>\u201eVon wegen\u201c, erwiderte Padorak mit einiger Genugtuung. \u201eObwohl diese Zierden der<br>Wissenschaft genau wissen, wie \u00fcbel die Menschen sind, konnten sie sich dieses Desaster da<br>unten nicht vorstellen. Sie dachten, wir eilen schnell in die Vergangenheit, eliminieren den<br>b\u00f6sen M\u00f6rder des Auserw\u00e4hlten und gleich ist alles wieder gut. Optimisten!\u201c<br>Ein Teil von Ressah wollte das erhabene Schauspiel vom Tod eines Anf\u00fchrers noch ein paar<br>Mal genie\u00dfen, aber ihr besserer Teil sehnte sich, genau wie Padorak, nur noch nach Frieden.<br>Im Krieg mit den terranischen Barbaren waren drei\u00dfig ihrer Gelege in den gelben S\u00e4cken der<br>Pl\u00fcnderer gelandet.<br>Sie wollte endlich Erfolg \u2026 auf die eine oder andere Weise.<br>Und wenn es eine andere M\u00f6glichkeit gab, den Auserw\u00e4hlten zu retten \u2026<br>Ressah sp\u00fcrte, dass sie nach hundert Zeitspr\u00fcngen an Padorak hing wie an einem<br>bevorzugten Haustier.<br>\u201eAber du warst dir doch eben noch ganz sicher, dass nur die totale Vernichtung der<br>Menschheit \u2026\u201c, begann sie.<br>Ihr Befruchter geriet in Eifer.<br>\u201eDie von der Regierung haben zwar von nichts wirklich Ahnung, aber irgendeiner der<br>Schlauk\u00f6pfe vom Institut f\u00fcr Temporalphysik hat berechnet, dass der Mord an diesem<br>f\u00fchrenden Vierbeiner da unten die Menschheit endg\u00fcltig auf den Pfad des B\u00f6sen gebracht<br>hat, beziehungsweise aus unserer jetzigen Perspektive bringen wird. Es soll sich um einen<br>extrem wichtigen Kausalknoten handeln. Wenn wir den Totmacher nicht finden k\u00f6nnen,<br>m\u00fcssen wir eben etwas anderes probieren.\u201c<br>Ressahs feuchte Haut f\u00e4rbte sich vor Erleichterung rosa.<br>\u201eDu machst mich restlos gl\u00fccklich! Der Auserw\u00e4hlte darf weiterleben! Ich glaube, dein Plan<br>ist gut. Du bist ein richtiger Held \u2026 fast wie die eisenstarken Befruchter aus gewissen<br>Supermanfilmen. Komm, drehen wir die Zeit noch ein letztes Mal zur\u00fcck, und dann machen<br>wir es so.\u201c<br>Padorak wusste, das Ressahs Euphorie aus verschiedenen Gr\u00fcnden sowieso nicht lange<br>anhalten w\u00fcrde. Deshalb verschwendete er keinen Gedanken daran, wie unwahrscheinlich,<br>es eigentlich war, dass ihnen dieser Trick mit dem Leitstrahl gelingen w\u00fcrde.<br>\u201eSupermanfilme\u201c, dachte er hinter mentalen Mauern verbarrikadiert angewidert. \u201eDas passt!<br>Das ist vermutlich genauso ein Unsinn ist wie diese Seifenopern!\u201c<br>Dennoch bet\u00e4tigte er eifrig die Kontrollen.<br>Eine privilegierte Eitr\u00e4gerin hatte immer recht \u2026 auf die eine oder andere Weise.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>In Wirklichkeit war die Aufgabe so gut wie unl\u00f6sbar.<br>In jedem Zyklus lief die Geschichte ein klein wenig anders ab. Die Kugel aus Blei konnte zum<br>Beispiel von \u00fcberall her kommen und nur, wenn die Sensoren sie sofort entdeckten,<br>vermochte der Computer, den Auserw\u00e4hlten rechtzeitig zu erfassen und aus der Phase zu<br>schieben.<br>Ihn f\u00fcr Sekundenbruchteile in Sicherheit zu bringen.<br>Der menschliche T\u00f6tungsexperte, vielleicht gab es auch ein ganzes Rudel davon, verstand<br>leider sein Handwerk gut, denn es war ihm bisher jedes Mal gelungen, das Leben des<br>Auserw\u00e4hlten zu beenden.<br>Meist kam die Kugel von hinten und riss ein Loch in die linke obere H\u00e4lfte des K\u00f6rpers. Wenn<br>sie dabei die Blutpumpe zerfetzte, ging es ziemlich schnell und der Gehirnknubbel zeigte<br>eher Erschrecken als Qual.<br>Bisher viermal hatte die Kugel nur das Atmungsorgan getroffen. Aus dem Loch in der Brust<br>waren Luft und rote Fl\u00fcssigkeit gestr\u00f6mt, der Sterbende war r\u00f6chelnd immer schw\u00e4cher<br>geworden bis seine Lebenszeichen irgendwann endg\u00fcltig erloschen waren.<br>Zehnmal hatte der M\u00f6rder dem Auserw\u00e4hlten in den Kopf geschossen, was auch aus der<br>Sicht eines Tannari ein sehr ekliger Anblick war: Eine feste Knochenschale im Innern des<br>Knubbels platzte auf und mit roter Fl\u00fcssigkeit vermischtes Nervengewebe klatschte in die<br>Gesichter der laut schreienden Eitr\u00e4gerinnen. Am schlimmsten war, dass der Auserw\u00e4hlte<br>danach manchmal noch eine Weile lebte. Es hing wohl davon ab, welche Teile des<br>organischen Zentralprozessors gerade zerst\u00f6rt worden waren.<br>Einmal wurde nur die untere H\u00e4lfte des Knubbels zerschmettert. Man konnte das Innere der<br>Fress\u00f6ffnung sehen und die R\u00f6hren, die zum Verdauungstrakt und dem Atmungsorgan<br>f\u00fchrten. Die Halsschlagadern und das zentrale Nervengewebe blieben unversehrt, was dazu<br>f\u00fchrte, dass der Viergliedrige lange bei vollem Bewusstsein blieb. Er konnte nicht mehr<br>sprechen oder schreien. Nur ein leises Glucksen und Schmatzen verriet, dass er durch seine<br>blutgef\u00fcllten R\u00f6hren immer noch atmete.<br>Ein paar Heiler wuselten lange um den Verletzten herum, aber sie konnten letztendlich nichts<br>ausrichten.<br>Diesmal fand Ressah das Schauspiel nicht mehr erhaben, sondern nur noch unappetitlich<br>und grausam. Sie lag danach mehrere irdische Tage mit verknoteten Tentakeln und<br>Gedankenmustern in ihrer feuchten Schlafsch\u00fcssel.<br>Padorak war kurz davor, den ganzen Auftrag hinzuschmei\u00dfen. Aber dann machten sie doch<br>weiter. Es w\u00fcrde schon schwierig genug sein, der Administration die ungeplante Pause zu<br>erkl\u00e4ren. Aufgeben w\u00e4re als Verrat gewertet worden und die Strafe daf\u00fcr war hart. F\u00fcr<br>gew\u00f6hnlich war es die Deportation in eine Zeit, in der es auf Tannar kein intelligentes Leben<br>gab.<br>Die Vollstrecker richteten es stets so ein, dass niemand auf einen Leidensgef\u00e4hrten treffen<br>konnte, angeblich, um eine vorzeitige Vermehrung zu verhindern. Aber es war schon klar:<br>Alle Tannari f\u00fcrchteten die Einsamkeit. Sie war noch schlimmer als der Hunger, die Angst und<br>ein schmerzhaftes Ende zwischen den Z\u00e4hnen irgendwelcher archaischen Beutegreifer.<br>W\u00e4hrend h\u00e4ssliche Bilder von ihrer bisher scheu\u00dflichsten Mission immer noch durch den<br>Geist des Befruchters waberten, fokussierte Ressah die Ger\u00e4te auf die wei\u00dfe Hemdbrust des<br>Auserw\u00e4hlten. Ein Tentakel von ihr lag zuckend auf der Bedienfl\u00e4che des Transformers. Ihre<br>seelenvollen Stielaugen krochen beinahe in den Monitor, um die Ankunft der Kugel ja nicht<br>zu verpassen.<br>\u201eRessah, lass die Tastatur in Ruhe! Das erledigt doch alles der Computer\u201c, mahnte der<br>Befruchter sanft.<br>\u201eIch wei\u00df, aber mir ist wohler, wenn ich notfalls \u2026\u201c<br>Ein Signal schrillte: Da war das kleine St\u00fcck Blei!<br>Der Computer berechnete gerade die Transformation.<br>Ressahs Tentakel zuckte vor Aufregung.<br>Ein sinnloser Befehl formte sich: \u201eBlau brechen Kristalle auf.\u201c<br>Die Maschine z\u00f6gerte.<br>Direkte Befehle der Erbauer hatten immer Vorrang.<br>Wegen der beginnenden Raumkr\u00fcmmung fuhr die Kugel diesmal in die untere H\u00e4lfte des<br>hellen K\u00f6rpers. Der Getroffene presste beide H\u00e4nde auf die Wunde und drehte sich<br>wimmernd im Kreis. Erst schnell, dann wurde er langsamer und begann zu taumeln.<br>Irgendwann fiel er hin. Auf der d\u00fcnnen wei\u00dfen Schneedecke bildete sich die \u00fcbliche rote<br>Pf\u00fctze.<br>Aber der Auserw\u00e4hlte gab diesmal nicht auf. M\u00fchsam erhob er sich auf die Knie und reckte<br>eine seiner Vordergliedma\u00dfen himmelw\u00e4rts.<br>\u201eMitb\u00fcrger!\u201c, schrie er. \u201eIch wollte doch nur Frieden und Freiheit! F\u00fcr Amerika und f\u00fcr die<br>ganze Welt! Frieden den Christen und Moslems! Frieden den Hindu und Juden! Frieden den<br>Erleuchteten und den Gottlosen! Frieden den Arbeitern, den Bauern und den Fischern auf<br>hoher See! Frieden dem Land und dem Fluss und Frieden dem ewigen Eis! Frieden! Gottes<br>Frie\u2026\u201c<br>Ein goldenes Licht umh\u00fcllte den Auserw\u00e4hlten wie ein kostbarer Mantel aus T\u00fcll und trug ihn<br>leise summend himmelw\u00e4rts.<br>Schon bald war seine Stimme nicht mehr zu h\u00f6ren.<br>Aber alle sahen noch lange die erhobenen Arme ihres Pr\u00e4sidenten.<br>Seine flehenden Gesten.<br>Oder waren es Segnungen?<br>Segnete er die ehrf\u00fcrchtig verstummte Menschenmenge?<br>Sein Volk? Den Erdkreis?<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Der erschlaffte Mensch schwebte, immer noch eingeh\u00fcllt in das goldene Gespinst, durch die<br>W\u00e4nde und Schotten des Tannarischiffs und sank leicht wie ein Blatt Datenfolie vor Ressahs<br>Funktionssch\u00fcssel zu Boden. Eine Spur aus roten klebrigen Tropfen markierte seinen Weg.<br>Die Tentakel der Eitr\u00e4gerin fluteten \u00fcber den leblosen K\u00f6rper, \u00f6ffneten geschickt Kn\u00f6pfe und<br>Rei\u00dfverschl\u00fcsse, erkundeten das Terrain unter der Kleidung, tasteten sich z\u00f6gernd zu der<br>blutenden Wunde vor. Dann zog sie ihn geschickt aus und ihre Stielaugen musterten<br>interessiert die fremdartige Ausstattung des Auserw\u00e4hlten. Dass Menschen in der Mitte des<br>K\u00f6rpers einen einzelnen kurzen Tentakel besa\u00dfen, war der Tannari neu.<br>\u201eWieder ein Misserfolg!\u201c, \u00fcberlegte derweil Padorak. \u201eObendrein ist unser Eingreifen<br>entdeckt worden! Ich drehe am besten sofort die verdammte Zeit zur\u00fcck. Damit wird zum<br>Gl\u00fcck auch unser Versagen ausgel\u00f6scht. Ressah! Wie konntest du nur so unvorsichtig sein,<br>den Auserw\u00e4hlten vor den Augen so vieler Menschen zu transportieren?\u201c<br>Als er sich zielstrebig der Konsole n\u00e4herte, schnellte ein Fangarm seiner Gef\u00e4hrtin blitzschnell<br>vor und fegte seine ausgestreckten Scheinfinger beiseite.<br>\u201eLass das!\u201c Ressahs Gedanken dr\u00f6hnten ungewohnt laut in seinen Geist. \u201eNoch ist der<br>Auserw\u00e4hlte am Leben und ich werde nicht zulassen, dass er noch einmal stirbt. Ich<br>unterbreche jetzt den Tanz des Murmeltiers auf meine Weise.\u201c<br>\u201eDu willst diesen Menschen wieder zusammenkleben? Davon verstehst du nichts! Du bist<br>Temporalphysikerin und keine Heilerin.\u201c<br>\u201eMeine Mikrobots werden wissen, was zu tun ist. Ich habe sie, bevor wir abgeflogen sind, auf<br>menschliche Anatomie und Physiologie programmieren lassen.\u201c<br>\u201eVon wem?\u201c, fragte der Befruchter scharf. \u201eDu hast dich hoffentlich nicht mit den Pakatoh<br>eingelassen! Jeder wei\u00df, dass sie die Gesetze der zivilisierten Welten nicht achten.\u201c<br>\u201eJa, ich habe solche Ger\u00fcchte auch geh\u00f6rt. Aber die Unterh\u00e4ndler haben mir versichert, dass<br>sie nur ordnungsgem\u00e4\u00df erworbene Ware benutzen w\u00fcrden. Ware, die bereits so gut wie tot<br>w\u00e4re und von der ganzen Prozedur nicht viel mitkriegen w\u00fcrde.\u201c<br>Padoraks mentaler Aufschrei lie\u00df Ressah erzittern.<br>\u201eDie haben dich belogen! Ich sah vor langer Zeit eine Aufzeichnung von so einer<br>Programmierung. Das entsprechende Lebewesen wird bei vollem Bewusstsein<br>Aufputschmittel sorgen daf\u00fcr, dass es besonders lange wach bleibt, nackt in eine<br>dickwandige durchsichtige Kiste gelegt. Dann werden die Mikrobots hinzugegeben. Je nach<br>Auftrag etwa hundert bis viertausend St\u00fcck. Der Deckel wird verschlossen und die<br>Luftversorgung aktiviert.<br>Jede einzelne der kleinen Maschinen geht beim Studium der fremden Physiologie auf die<br>gleiche Weise vor. Erst wird die Oberfl\u00e4che abgetastet, dann wird irgendwo die Haut Schicht<br>f\u00fcr Schicht abgetragen, Muskeln, Sehnen, Knorpel und innere Organe freigelegt. Nur das<br>harte St\u00fctzskelett bleibt am Ende \u00fcbrig. Anfangs windet sich die zur Schablone degradierte<br>Kreatur wie ein abgeschnittener Tentakel und erf\u00fcllt, je nach Spezies, das Labor mit<br>mentalem und akustischem Get\u00f6se in den merkw\u00fcrdigsten Frequenzen. Irgendwann h\u00f6rt<br>man nur noch das Schaben und Piepsen der kleinen Ger\u00e4te. Ich bin bestimmt kein Freund der<br>Menschen aber so ein Ende w\u00fcnsche ich nicht einmal diesen Scheusalen. Wie konntest du<br>dich nur mit den Pakatoh einlassen!\u201c<br>W\u00e4hrend Padorak dachte, stopfte Ressah mit flinken Tentakelspitzen schonungslos<br>achtundzwanzig viel zu gro\u00dfe, silbrig gl\u00e4nzende Eier in die Wunde des Auserw\u00e4hlten.<br>Der Mensch begriff nicht, was mit ihm geschah. Aber der scharfe Dehnungsschmerz schnitt<br>sich durch die D\u00e4mmerung seines erl\u00f6schenden Bewusstseins und lie\u00df seine Nervenenden<br>j\u00e4hlings aufkreischen. Bei jedem Mikrobot, der durch das Loch im Bauch in das Innere seines<br>K\u00f6rpers gepresst wurde, gab er einen kraftlosen Klagelaut von sich.<br>Nachdem Ressah endlich fertig war, verschloss sie die \u00d6ffnung sorgf\u00e4ltig mit einem Pflaster.<br>Dann zog sie den Auserw\u00e4hlten zu sich in die Sch\u00fcssel, massierte ihn nachdr\u00fccklich mit ihren<br>Tentakeln und verhinderte so, dass er in tiefe Bewusstlosigkeit oder gar den Tod abdriften<br>konnte, w\u00e4hrend die Mikrobots Adern, Nervenenden und Fleisch wieder<br>zusammenschwei\u00dften und das geronnene Blut in der Bauchh\u00f6hle vertilgten, Aufputschmittel<br>spritzten und den Geist des Verwundeten mit verlockenden Visionen \u00fcberw\u00e4ltigten.<br>Der Reparaturvorgang war f\u00fcr den Verwundeten eine Mischung aus unertr\u00e4glichem Schmerz<br>und wilder, sieghafter Euphorie. Kraft wuchs aus neuen Muskeln und Sehnen, die so fest<br>waren, wie nie zuvor. Synthetisches Blut sp\u00fclte Sauerstoff und Nahrung in alle Gliedma\u00dfen<br>und Organe.<br>Vor allem in den Gehirnknubbel.<br>Die h\u00e4utigen Deckel \u00fcber den Sehorganen des Auserw\u00e4hlten und der zarte Rand seiner<br>Ess\u00f6ffnung zuckten.<br>Die Mikrobots hatten den Tod vertrieben.<br>Erst als sie sicher sein konnte, dass das Schlimmste \u00fcberstanden war, wandte sich Ressah<br>ihrem Gef\u00e4hrten zu.<br>\u201eIch war auf Pakat nicht nur bei den Metzgern\u201c, informierte sie Padorak. \u201eVorher habe ich Rat<br>bei einem w\u00fcrdigen alten Futurmanen gesucht. Er empfahl mir ausdr\u00fccklich, solche<br>Mikrobots f\u00fcr alle F\u00e4lle mitzunehmen. Er meinte, nur so k\u00f6nnten wir die Zeitlinie sicher<br>\u00e4ndern. Es ist schon klar: Selbst die wilden Pakatoh f\u00fcrchten die Menschen und ihre<br>uners\u00e4ttliche Gier.\u201c<br>\u201eFuturmanen sind Pfuscher und Scharlatane!\u201c, ereiferte sich der Befruchter. \u201eSie vermischen<br>Wissenschaft mit Aberglauben, machen f\u00fcr Geld alles und das ohne den Rat einer<br>Ethikkommission.\u201c<br>\u201eWei\u00dft du\u201c, widersprach die Eitr\u00e4gerin langsam. \u201eDiese Ethiker konnten mir noch nie wirklich<br>helfen. Ihr ganzes abstraktes Gedenke sorgt nicht einmal daf\u00fcr, dass ein einzelner Mann<br>\u00fcberleben kann. Und wenn nur deshalb, weil vor lauter Bedenken niemand energisch zu<br>handeln wagt, eine ganze Galaxis unter die R\u00e4uber f\u00e4llt, kann diese hochtrabende Sittenlehre<br>nicht viel wert sein. Ich finde, in den Lehrsch\u00fcsseln sitzen zu viele ungebundene Befruchter.<br>Die haben doch keine Ahnung, wie das wirkliche Leben ist.\u201c<br>Ihrem Gef\u00e4hrten sch\u00fcttelte es s\u00e4mtliche Tentakel.<br>Beinahe w\u00e4re er seitw\u00e4rts aus seiner Sch\u00fcssel gefallen.<br>\u201eDu gibst dich mit Barbaren ab, bewunderst den albernsten Kitsch von der Erde \u2026 und nun<br>wagst du es auch noch, meine Moral zu kritisieren? Ich soll eine Bestie sein, weil ich aus<br>Erfahrung nur einer zugegebenerweise radikalen L\u00f6sung des Menschheitsproblems vertraue,<br>w\u00e4hrend du \u2026 ist dir \u00fcberhaupt klar, wie grausam der Gefangene, den deine Mikrobots als<br>Schablone verbraucht haben, leiden musste? Und jetzt tentakelst du einen anderen<br>Menschen, als w\u00e4re er dein liebster Befruchter!\u201c<br>Die Stielaugen der Eitr\u00e4gerin bogen sich einen Moment schamhaft nach unten.<br>\u201eIch wei\u00df, dass der Auserw\u00e4hlte in jeder Hinsicht inkompatibel ist \u2026 und dass er mich, wenn<br>er aufwacht, vermutlich extrem absto\u00dfend finden wird. Eigentlich sollte mir so ein<br>k\u00fcmmerlicher Vierf\u00fc\u00dfler auch nicht gefallen, aber er ist der Schl\u00fcssel zu einer besseren<br>Zukunft und das macht ihn in meinen Augen sch\u00f6n. Ich entschuldige mich nicht daf\u00fcr, dass<br>ich einen b\u00f6sartigen Soldaten von der Erde geopfert habe, um einen guten Pr\u00e4sidenten von<br>der Erde retten zu k\u00f6nnen.\u201c<br>Durch die Ess\u00f6ffnung des Erdenbewohners str\u00f6mte jetzt gleichm\u00e4\u00dfig und kr\u00e4ftig Luft ein und<br>aus. Unter ihren Deckeln rollten die Sehorgane wie Kugeln hin und her.<br>Bald w\u00fcrde er aufwachen.<br>Die Eitr\u00e4gerin benetzte seine Haut mit salzigem Wasser aus ihrer Funktionssch\u00fcssel und<br>umwickelte ihn sanft und fest zugleich mit ihren Tentakeln, bis von dem ganzen<br>Auserw\u00e4hlten nur noch der Gehirnknubbel zu sehen war.<br>\u201eRessah ist so frei, ein Leben mit einem anderen zu bezahlen!\u201c<br>Padorak wurde mit einem Mal klar, dass er seine Gef\u00e4hrtin nur sehr oberfl\u00e4chlich kannte und<br>ein leiser Schauder kroch durch seine Ganglien.<br>Vielleicht w\u00e4re es gar nicht so schlimm, in einem Rudel auserw\u00e4hlter Befruchter zu leben,<br>sich seinen Studien und \u00c4mtern zu widmen und ab und an zu einer namenlosen Palette mit<br>glasig schimmernden Tannarieiern gerufen zu werden.<br>Die Anonymit\u00e4t gab der Fantasie freien Raum.<br>Rosafarbige Wasserblumen wiegten sich w\u00e4hrend der Begattung anmutig in den Wellen. Alle<br>Eitr\u00e4gerinnen waren nat\u00fcrlich ausgesucht g\u00fctig und sch\u00f6n. Die Gedankenmuster der<br>Befruchter gl\u00fchten z\u00e4rtlich \u2026<br>Ressah war in Wirklichkeit ganz anders als in Padoraks Tr\u00e4umen: stark, skrupellos und sehr<br>gef\u00e4hrlich! Sie war, wie die G\u00f6ttinnen der Vorzeit, Sch\u00f6pferin und Zerst\u00f6rerin zugleich.<br>Die Ess\u00f6ffnung des Auserw\u00e4hlten schnappte schon eine Weile in immer schnellerem<br>Rhythmus nach Luft \u2026 im selben Rhythmus, in dem Ressahs Tentakel seinen kraftlosen<br>K\u00f6rper bearbeiteten. Im Rhythmus der allerheiligsten, der lebensspendenden Tentakelung.<br>Heiler benutzten sie zur Erleichterung der Eiablage. M\u00fctter tr\u00f6steten damit ihre<br>todgeweihten missgebildeten Kinder.<br>Und die Liebenden \u2026<br>Unz\u00e4hlige Male hatte Ressah ihren Gef\u00e4hrten so umschlungen und massiert. Seinen Atem<br>und den Schlag seiner Pumpen in Einklang mit ihrem Tanz gebracht.<br>Unz\u00e4hlige Male hatte er dasselbe mit ihr getan.<br>Jetzt massierte sie mit ekstatischem Summen einen Menschen.<br>Einen Feind!<br>\u201eSie wird das mickrige kleine Ding zerquetschen\u201c, dachte der Befruchter mit einiger H\u00e4me.<br>Aber nichts dergleichen geschah.<br>Stattdessen f\u00e4rbten sich die Lippen des Menschen r\u00f6tlich. Graue Kreise gl\u00e4nzten zwischen<br>den weit offenen Schutzklappen der Sehorgane. Aus der Ess\u00f6ffnung quollen hohe halb<br>erstickte Laute. Sie hatten keinerlei \u00c4hnlichkeit mit der dunklen vollt\u00f6nenden Rednerstimme<br>des Auserw\u00e4hlten.<br>\u201eSei still!\u201c, schnurrten Ressahs Gedanken. \u201eIch tu dir nichts.\u201c<br>Dann schl\u00e4ngelte sich der geschmeidigste und l\u00e4ngste ihrer rosigen Vordertentakel energisch<br>in die Futterluke des Menschen, kroch bis tief in seine Eingeweide und holte ein silbrig<br>gl\u00e4nzendes Ei heraus.<br>Die Eitr\u00e4gerin lie\u00df den Auserw\u00e4hlten barmherzig ein paar Mal nach Luft schnappen, dann<br>verschwand ihr Tentakel erneut in seinem Verdauungstrakt und brachte einen weiteren<br>Mikrobot zum Vorschein. Dann noch einen und noch einen.<br>Dass dabei jedes Mal die Luftr\u00f6hre des Menschen abgedr\u00fcckt wurde, lie\u00df sich leider nicht<br>vermeiden.<br>Endlich lagen alle achtundzwanzig Miniaturroboter auf der Konsole. Sie sahen so harmlos<br>wie Spielzeug aus.<br>Diesmal empfand Padorak tiefes Mitleid mit dem Mann.<br>Er wusste, wie wichtig es war, die Bots ganz schnell wieder herauszuholen, wenn es f\u00fcr sie<br>nichts mehr zu tun gab. Es waren autonome ungez\u00e4hmte Maschinen, wie sie nur eine<br>destruktive Spezies wie die Pakatoh ersinnen konnte.<br>Manche machten ihre Reparaturen aus purer Langeweile r\u00fcckg\u00e4ngig, nur um wieder Arbeit<br>zu haben. Andere vagabundierten durch den K\u00f6rper, nahmen hier und da Proben oder<br>zerh\u00e4ckselten die Patienten von innen.<br>Es war allgemein bekannt, dass die Pakatoh ihre Mikrobots nicht nur als Heilmittel, sondern<br>auch zum Zweck heimlicher T\u00f6tungen und f\u00fcr die Vollstreckung von Todesurteilen<br>verkauften.<br>Es war richtig, was die f\u00fcrsorgliche Eitr\u00e4gerin tat. Sie war sogar vern\u00fcnftig genug, nach jedem<br>gefundenen Mikrobot eine kleine Pause einzulegen. Trotzdem war der Auserw\u00e4hlte die ganze<br>Zeit \u00fcber dem Tod sehr nahe \u2026 aus Angst und weil er viel zu wenig Luft bekam.<br>Als es endlich vorbei war, hing er reglos mit verzerrter Knubbeloberfl\u00e4che in Ressahs<br>Tentakeln.<br>Es dauerte eine Weile, bis sich die Klappen \u00fcber seinen Sehorganen wieder hoben.<br>\u201eIch protestiere!\u201c, kr\u00e4chzte der Mann mit schwacher Stimme. \u201eWer immer ihr seid, was<br>immer ihr mit mir vorhabt, ich protestiere!\u201c<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Als Erstes entstand eine kleine Flamme in der Finsternis des Nichtseins. Sie wurde gr\u00f6\u00dfer und<br>gr\u00f6\u00dfer, breitete sich wie ein Buschfeuer im sommerlichen Kalifornien aus.<br>Pl\u00f6tzlich gab es auch etwas, das sie verschlingen konnte: d\u00fcrre B\u00e4ume, H\u00e4user, fliehende<br>Menschen.<br>Das gefr\u00e4\u00dfige Feuer br\u00fcllte wie ein hungriger Tiger.<br>Die Fl\u00fcchtenden schrien ebenfalls.<br>Hoch und schrill.<br>Und dann war da noch ein gleichm\u00e4\u00dfiges Stampfen wie von einer Pflastermaschine, riesigen<br>unf\u00f6rmigen F\u00fc\u00dfen oder einer gigantischen Trommel, die jemand mit penetranter<br>Gleichf\u00f6rmigkeit schlug.<br>Das Trommeln war nicht nur in den Ohren, sondern auch \u00fcberall auf der Haut.<br>Oder nein \u2026 das auf der Haut waren eher schmatzende M\u00fcnder, die sich abwechselnd<br>festsaugten und wieder l\u00f6sten. Es war ekelhaft und es tat ein bisschen weh.<br>\u00dcberall entstanden kleine runde Monde auf d\u00fcnner wei\u00dfer Haut. Wunde Fl\u00e4chen, deren<br>Winseln sich langsam zu einem mentalen Schrei verdichtete.<br>\u201eHilfe! Hilfe! Ich werde geh\u00e4utet! Rettet mich! Verjagt den Trommler und rettet mich!\u201c<br>Niemand erh\u00f6rte den geschundenen Mann.<br>Irgendwann wurde ihm klar, dass er die Augen \u00f6ffnen musste, um zu sehen, was los war.<br>Um herauszufinden, ob er das br\u00fcllende Feuer war, einer der kreischenden fliehenden<br>Menschen oder nur ein St\u00fcck empfindliches wei\u00dfes Fleisch, an dem sich ein Heer riesiger<br>Blutegel abarbeitete.<br>Anfangs waren seine Lider schwer wie bleierne Deckel.<br>Der Mann sprach sich selbst Mut zu.<br>\u201eDu bist doch Abraham Thomas Robins, Pr\u00e4sident der Vereinigten Staaten von Amerika, ein<br>m\u00e4chtiger Mann, an dem sich niemand ungestraft vergreift. Wer immer diese stampfenden<br>Mistviecher auf dich losgelassen hat, muss f\u00fcr seine Respektlosigkeit und Grausamkeit<br>bezahlen. Los! \u00d6ffne endlich die Augen und identifiziere die Verbrecher!\u201c<br>Niemand nahm ihn zur Kenntnis..<br>Nur die allgegenw\u00e4rtigen Angstschreie wurden immer lauter und h\u00f6her.<br>Als es ihm endlich gelang, die Augen zu \u00f6ffnen, flutete grelles wei\u00dfes Licht auf die an die<br>Dunkelheit gewohnte Netzhaut des Menschen. Erst nach und nach konnte er Einzelheiten<br>seiner Umgebung wahrnehmen.<br>Da waren zun\u00e4chst auf ihm und um ihn armdicke Schlangen, die an der Unterseite mit<br>unz\u00e4hligen Saugn\u00e4pfen ausgestattet waren. Ihre Farbe schwankte zwischen Braun und Rosa.<br>Der Pr\u00e4sident musste mit leichtem Brechreiz an die Regenw\u00fcrmer denken, die er als Kind aus<br>dem Komposthaufen im Garten gew\u00fchlt hatte, um sie sp\u00e4ter auf Angelhaken zu spie\u00dfen.<br>Das, was ihn umschlungen hielt, f\u00fchlte sich ganz \u00e4hnlich wie die W\u00fcrmer an: zart, ein<br>bisschen feucht und klebrig \u2026 nur dass es viel gr\u00f6\u00dfer war. Die Saugn\u00e4pfe taten das, wozu sie<br>da waren, sie lutschten eifrig an der wei\u00dfen Haut des Pr\u00e4sidenten, die sich immer mehr rot<br>verf\u00e4rbte.<br>Erst jetzt wurde dem Ungl\u00fccklichen bewusst, dass er splitternackt war, ohne alle Hilfsmittel<br>und allein mit diesen gierigen Schlangen \u2026 oder Fangarmen, Tentakeln \u2026 was auch immer.<br>Allein mit acht himmelblauen Augen an langen Stielen, die \u00fcber sein Gesicht und seinen<br>K\u00f6rper wanderten und \u00fcberall hinkrochen \u2026 auch zu den intimsten Stellen.<br>Sogar in seine K\u00f6rper\u00f6ffnungen!<br>Zuerst zogen sich die empfindlichen kugeligen Sehorgane wie bei einer Schnecke zur\u00fcck \u2026<br>dann drangen ihre festen Stiele energisch vor. Im Inneren angelangt schienen sich die Augen<br>wieder neugierig vorzust\u00fclpen. Zumindest f\u00fchlte es sich so an, als w\u00fcrde eine dicke Kugel in<br>einen Schlauch hin und her geschoben.<br>Robins stemmte sich heftig gegen die fleischigen Fesseln. Auf einmal konnte er den Kopf ein<br>wenig drehen und in einiger Entfernung ein merkw\u00fcrdiges Gesch\u00f6pf sehen, das in einer<br>durchsichtigen, mit Wasser gef\u00fcllten, Sch\u00fcssel hockte und mit seinen Tentakeln auf einem<br>Brett voller Lichtflecken herumh\u00e4mmerte, offenbar dem au\u00dferirdischen Pendant einer<br>Computertastatur.<br>Das andere Wesen war blaugrau und ungef\u00e4hr so gro\u00df wie ein Kleinwagen. Es hatte einen<br>schneckenhaften Fu\u00df, auf dem es sich wahrscheinlich gleitend fortbewegen konnte,<br>au\u00dferdem acht besonders dicke Tentakel in der N\u00e4he des Fu\u00dfes und acht d\u00fcnnere am<br>anderen Ende des glitschigen K\u00f6rpers, von denen einige zu einer Art Finger aufgespalten<br>waren. Ein Kopf war nicht zu erkennen, wohl aber eine runde, von spitzen Z\u00e4hnen ums\u00e4umte<br>\u00d6ffnung und acht schwarze Augen an langen geschmeidigen Stielen.<br>Das blaugraue Wesen beachtete den Menschen nicht.<br>Und auch nicht die eint\u00f6nigen Klagelaute, die aus seinem Mund quollen.<br>Das regenwurmfarbige Alien hebelte inzwischen mit seinen klebrigen Scheinfingern den<br>Mund des Pr\u00e4sidenten auf und stopfte einen seiner Tentakel tief in seinen Rachen.<br>Die Schreie verstummten abrupt.<br>Robins f\u00fchlte, wie eine dicke Schlange in seine Speiser\u00f6hre kroch und ihm ganz nebenbei die<br>Luft abdr\u00fcckte. Wie etwas schmerzhaft tief in seinen Inneren zu w\u00fchlen begann.<br>Die Pforte des Magens wurde brutal aufgesto\u00dfen und \u00e4tzender Saft lie\u00df die zarten<br>Schleimh\u00e4ute auf der anderen Seite winseln.<br>Dann weitete die Schlange energisch den Darm des Menschen, kroch vorw\u00e4rts, ballte sich<br>am Ende pl\u00f6tzlich zu einer Kugel zusammen und zog sich eilig zur\u00fcck.<br>Endlich konnte der Mensch wieder Luft in seine brennenden Lungen saugen. Seine Brust hob<br>und senkte sich hektisch.<br>Da bohrte sich der Tentakel schon wieder in seinen weit offenen Mund.<br>Wieder und wieder.<br>Robins gab es auf, sich gegen das Monster zu stemmen.<br>Er hatte l\u00e4ngst aufgeh\u00f6rt, die Attacken zu z\u00e4hlen, schloss die Augen und war nur noch mit<br>dem \u00dcberleben besch\u00e4ftigt.<br>Er merkte nicht sofort, dass die Angriffe des Tentakels aufgeh\u00f6rt hatten, dass er endlich<br>wieder frei atmen durfte!<br>Ein paar Mal sog er die merkw\u00fcrdig duftende Luft tief in seine Lungen.<br>Dann \u00f6ffnete er wieder langsam die Lider.<br>\u00dcber ihm waren immer noch die himmelblauen Stielaugen.<br>Sie blickten ihn merkw\u00fcrdig intensiv an.<br>Liebevoll?<br>Besorgt?<br>\u201eIch protestiere!\u201c, kr\u00e4chzte der Pr\u00e4sident mit dem Mut der Verzweiflung. \u201eWer immer ihr<br>seid, was immer ihr mit mir vorhabt \u2026 ich protestiere!\u201c<br>Die beiden Tentakelmonster schwiegen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Robins wusste nicht, ob er lachen oder vor Angst schreien sollte. Wie es schien, hatten ihn<br>Au\u00dferirdische entf\u00fchrt! Keine kleinen gr\u00fcnen oder grauen M\u00e4nnchen sondern seltsame<br>riesige Krakenschnecken. Statt den technokratischen Weg zu gehen und mit spitzen<br>Instrumenten in ihm herumzustochern, hatten ihn die Wesen mit ihren Tentakeln halb tot<br>gewalkt und sich brutal durch seine Eingeweide gezw\u00e4ngt.<br>Im Moment lie\u00dfen sie ihn in Ruhe.<br>Sie hatten Augen und Tentakel einander zugewandt und wedelten heftig mit beidem. Konnte<br>es sein, dass diese merkw\u00fcrdigen Lebewesen sich mit Zeichen verst\u00e4ndigten wie<br>Taubstumme?<br>Der Pr\u00e4sident war sich nicht einmal sicher, ob all das \u00fcberhaupt real war. Das konnte auch<br>mit dem Sterben zusammenh\u00e4ngen. Schlie\u00dflich hatte ihn jemand in den Bauch geschossen.<br>Oder er lag im Krankenwagen und die Medikamente f\u00fcllten seinen Kopf mit blankem Unsinn.<br>Intelligente Riesenkrakenschnecken!<br>Auf so etwas kam nicht einmal der gewitzteste Science Fiction-Autor!<br>So etwas konnte es \u00fcberhaupt nicht geben!<br>Doch jetzt fiel Robins ein, wo er so ein verr\u00fccktes Tier schon einmal gesehen hatte: Als<br>kleiner Junge hatte er ein Bilderbuch mit geteilten Seiten besessen. Auf jeder war ein Tier<br>abgebildet und man konnte beim Bl\u00e4ttern die verr\u00fccktesten Kombinationen kreieren.<br>Den Hamsterwolf zum Beispiel oder die Storchkr\u00f6te.<br>Den Schweinek\u00e4fer, die L\u00f6wenmaus \u2026<br>Warum nicht auch eine Krakenschnecke?<br>\u201eDas ist ein ganz gew\u00f6hnlicher Drogentrip\u201c, beschloss der Pr\u00e4sident. \u201eIch werde schon bald<br>im Krankenhaus aufwachen. Rosie und die Kinder werden an meinem Bett sitzen.\u201c<br>Bei dem Gedanken an seine Frau wurde ihm warm.<br>Wahrscheinlich w\u00fcrde es nicht lange dauern, bis die Journalisten um sein Bett wuseln und<br>d\u00e4mliche Fragen stellen w\u00fcrden. Blo\u00df was sollte er denen sagen?<br>Das regenwurmfarbige Alien pinselte gerade seinen Kopf mit gelbem prickelndem Schaum<br>ein \u2026 und wischte ihn nach kurzer Zeit mitsamt den dichten braunen Haaren, auf die Robins<br>\u00fcbrigens sehr stolz war, ab. \u00dcber den blanken Sch\u00e4del zog es eine Art durchsichtige, mit<br>silbernen Stiften \u00fcbers\u00e4te, Badekappe.<br>Auf dem dreieckigen Monitor erschien ein Wellenmuster.<br>\u201eJetzt messen sie also meine Hirnstr\u00f6me\u201c, dachte der Mensch. \u201eNoch so ein Klischee! Und<br>dann entrei\u00dfen sie meinem Ged\u00e4chtnis s\u00e4mtliche Geheimnisse Amerikas. Am besten denke<br>ich jetzt \u00fcberhaupt nichts mehr \u2026 aber wenn die mich nun foltern?\u201c<br>Auf einmal lief ihm der Angstschwei\u00df \u00fcber das Gesicht.<br>Das Krakenmonster tupfte ihn behutsam mit einem weichen Tuch ab und streichelte mit<br>einem anderen Tentakel seinen nackten Bauch.<br>\u201eDas Vieh wird mich doch nicht etwa \u2026\u201c<br>Da umfassten die glitschigen spitzen Scheinfinger schon sein Glied \u2026 und nun h\u00f6rte er<br>tats\u00e4chlich auf, zu denken.<br>Eine kleine Ewigkeit sp\u00e4ter beobachtete er, wie sich ein zweites Linienmuster \u00fcber die<br>Aufzeichnung seiner Gehirnstr\u00f6me legte.<br>Das regenwurmfarbige Wesen, seine Nemesis, kroch schwerf\u00e4llig aus seiner Sch\u00fcssel und<br>verschwand mit vernehmbarem Schmatzen durch eine runde Luke.<br>Das graublaue Wesen h\u00e4mmerte weiter irgendetwas in die fremdartige Tastatur und die<br>Linien verschoben sich, sie n\u00e4herten sich einander an, wurden zu einer.<br>Pl\u00f6tzlich war eine fremde dunkle Stimme in Robins Kopf.<br>\u201eKannst du mich verstehen, Erdenwesen? Was k\u00f6nnen wir f\u00fcr dich tun?\u201c<br>\u201eGebt mir bitte etwas zum Anziehen\u201c, sagte der Pr\u00e4sident leise. \u201eMir ist es so peinlich \u2026\u201c<br>\u201eDeine zerfetzten H\u00fcllen habe ich leider in den Desintegrator geworfen\u201c, unterbrach ihn das<br>blaugraue Wesen sanft. \u201eAber ich kann dir ein passendes St\u00fcck Stoff von der Rolle<br>schneiden.\u201c<br>Der sogenannte Stoff war eine federleichte weiche Spiegelfolie. Da die Krakenschnecken<br>unbekleidet waren, diente er vermutlich normalerweise ganz anderen Zwecken.<br>Der Pr\u00e4sident schlang ihn kurz entschlossen um seinen K\u00f6rper und verknotete zwei Zipfel<br>\u00fcber einer Schulter. Jetzt sah er wie die technokratische Variante eines antiken R\u00f6mers aus.<br>Nur dass seine Toga keinen Purpurstreifen hatte, sondern wie ein \u00fcberladener<br>Weihnachtsbaum funkelte. Au\u00dferdem war das merkw\u00fcrdige Kleidungsst\u00fcck immer noch an<br>einer Seite v\u00f6llig offen. Der kleinste Windsto\u00df konnte seine intimsten K\u00f6rperteile entbl\u00f6\u00dfen,<br>obwohl nat\u00fcrlich in einem Raumschiff nicht mit Wind zu rechnen war.<br>Aber immer noch mit dem Krakenmonster.<br>Das blaugraue Wesen schob ungeniert die Spiegelfolie beiseite und musterte den<br>Pr\u00e4sidenten neugierig.<br>\u201eDieser kurze Tentakel in der Mitte \u2026 ich habe so etwas schon bei toten Menschen gesehen.<br>Unsere Heiler halten das f\u00fcr ein Begattungsorgan, aber ganz sicher sind sie sich nicht.\u201c<br>Robins Kopf f\u00e4rbte sich abrupt ziegelrot.<br>\u201e\u00c4hem \u2026 nun ja \u2026 Hmmm \u2026\u201c, murmelte er verlegen.<br>\u201eDeine Spezies hat den Lebensbringer mit einem Tabu belegt? Deshalb war dir die Kleidung<br>so wichtig. Bitte entschuldige unseren mangelnden Respekt.\u201c<br>Die Krakenschnecke wickelte den gl\u00e4nzenden Stoff wieder sorgf\u00e4ltig um den blassen K\u00f6rper<br>des Menschen und band ihm als G\u00fcrtel eine Kabel um die Taille.<br>Ihre Verlegenheit nahm dem Pr\u00e4sidenten einen gro\u00dfen Teil seiner Angst. Nur ganz tief in<br>seinem Unterbewusstsein blieb ein Zittern zur\u00fcck.<br>\u201eIhr habt gut reden, ihr braucht keine Kleidung\u201c, dachte er. \u201eIhr habt offenbar keine<br>Geschlechtsorgane und keinen Grund, euch zu sch\u00e4men.\u201c<br>\u00dcber die blaugraue Haut des Au\u00dferirdischen huschen fr\u00f6hliche hellblaue Kringel und die<br>Saugn\u00e4pfe f\u00e4rbten sich tiefviolett.<br>\u201eDu bist ein am\u00fcsanter kleiner Kerl! Wir und keine Genitalien! Komm her, ich zeig sie dir.\u201c<br>Das Zittern im Unterbewusstsein des Menschen verst\u00e4rkte sich, w\u00e4hrend er, nach au\u00dfen hin<br>ruhig, ganz dicht an den glitschigen K\u00f6rper trat.<br>\u201eHier\u201c, sagte die Krakenschnecke und zeigte auf eine umf\u00e4ngliche Beule unterhalb seines<br>furchterregenden Mauls. \u201eDu musst es nur kr\u00e4ftig reiben.\u201c<br>Robins strich vorsichtig \u00fcber die W\u00f6lbung. Sie f\u00fchlte sich weich und zart an \u2026 und ein<br>bisschen klebrig, wie alles an diesen merkw\u00fcrdigen Gesch\u00f6pfen.<br>\u201eKr\u00e4ftiger!\u201c, befahl das Alien und der Mensch gehorchte stumm.<br>Pl\u00f6tzlich platzte der H\u00fcgel auf und aus einer verborgenen Hauttasche schnellte ein glatter,<br>zwei Meter langer Tentakel hervor. Er hatte nur eine kleine Verdickung am Ende, die eine<br>kreisrunde \u00d6ffnung umschloss und er war so stark und beweglich wie eine Anakonda.<br>Der Tentakel schwang direkt vor Robins Augen gro\u00dfspurig hin und her, presste sich<br>spielerisch an sein rechtes Ohr. Pl\u00f6tzlich schoss eine warme Fl\u00fcssigkeit in seinen Geh\u00f6rgang.<br>Der Pr\u00e4sident kam aus einfachen Verh\u00e4ltnissen und entsprechend schlicht war auch seine<br>Reaktion.<br>\u201eVerdammt! Ich habe dir nicht erlaubt, dein Protzding in mein Ohr zu schieben \u2026 und auch<br>nirgendwo anders hin!\u201c<br>\u201eSchau nur, was f\u00fcr ein pr\u00e4chtiger Lebensspender das ist!\u201c, entgegnete der Tannari stolz.<br>\u201eUnd nun denk an dein schrumpeliges Tentakelchen!\u201c<br>\u201eDer wird gr\u00f6\u00dfer, wenn er gebraucht wird. Gro\u00df genug f\u00fcr meine Rosie.\u201c<br>Vorsichtshalber wandte sich Robins ab und schielte noch einmal unter seine provisorische<br>Toga.<br>Er fand sich stattlich f\u00fcr einen Menschen \u2026 und mit dem Protzwurm der Krakenschnecke<br>konnte sowieso keine Humanoider konkurrieren.<br>\u201eMit dem Protzwurm, mit dem Protzwurm \u2026 dem verdammten Protzwurm \u2026\u201c<br>Seine Exzellenz der Pr\u00e4sident konnte nicht anders. Er warf sich kichernd zu Boden, rollte in<br>Ekstase hin und her und fuchtelte begeistert mit beiden Armen.<br>\u201eGeht es dir gut?\u201c, erkundigte sich das Alien besorgt. \u201eDu schreist, als h\u00e4tte dich meine<br>Ressah in den Tentakeln und gleichzeitig leuchtet dein Geist wie eine kleine Sonne. Das<br>verstehe ich nicht.\u201c<br>\u201ePuh!\u201c, schnaufte Robins begeistert. \u201eHast du eine Ahnung, wie oft ich als Jugendlicher<br>meinen L\u00fcmmel mit denen der anderen Jungs verglichen habe. Wir haben sogar mit dem<br>Lineal ausgemessen, wer von uns am besten ausgestattet war.\u201c<br>\u201eDas ist bei uns Tannaribefruchtern genauso. Wir verwenden modernste digitale Technik, um<br>die L\u00e4nge und Dicke unserer Lebensspender zu ermitteln. Es gibt sogar illegale Wettbewerbe<br>und heimliche Meistertitel. Trotzdem w\u00fcrde kein Tannari die Unschicklichkeit begehen, sich<br>in aller \u00d6ffentlichkeit zu entfalten.\u201c<br>Der Mensch wagte es, den schnurgerade ausgestreckten Begattungstentakel seines<br>Gespr\u00e4chspartners mit den Fingerspitzen zu ber\u00fchren.<br>\u201eBestimmt geh\u00f6rst du auch zu den Meistern \u2026\u201c<br>\u201eIch bin Gro\u00dfmeister dritten Grades\u201c, best\u00e4tigte das Alien stolz. \u201eMeine Ressah h\u00e4tte sich mit<br>weniger auch nicht zufriedengegeben. Sie schaut jedes Mal zu, wenn ich hoch aufgerichtet<br>\u00fcber ihrer Palette stehe und ihre reifen Eier in meinem Saft bade.\u201c<br>\u201eDu dringst nirgendwo ein?\u201c<br>\u201eNein, h\u00f6chstens mit meinen Augen. Das kann sehr intim und inspirierend sein. Sie<br>verm\u00f6gen auch in tiefster Finsternis zu sehen und feinste Nuancen zu ertasten.\u201c<br>Der Pr\u00e4sident f\u00fchlte sich hin und her gerissen.<br>Manchmal reagierte die Krakenschnecke beinahe wie ein Mann von der Erde \u2013 dann wieder<br>war sie v\u00f6llig fremdartig. Auf jeden Fall war es unlogisch, vor ihr Angst zu haben. Sie war ein<br>Seelenverwandter, eine Inkarnation reiner M\u00e4nnlichkeit, und absolut vertrauensw\u00fcrdig.<br>Das regenwurmfarbige Wesen, offenbar ein Weibchen, hatte ihn m\u00f6glicherweise<br>vergewaltigt.<br>Zumindest hatte es seine Augen \u00fcberall hereingezw\u00e4ngt. Aber da das nicht zum eigentlichen<br>Geschlechtsakt geh\u00f6rte, war es wohl aus menschlicher Sicht nur eine sehr \u00fcble Bel\u00e4stigung.<br>Nichts, was zwischen ihm und dem blaugrauen M\u00e4nnchen stehen musste.<br>Obwohl \u2026 die Wurmfarbige war auf irgendeine schr\u00e4ge Weise an ihm interessiert. Vielleicht<br>bot das m\u00e4nnliche Krakenmonster sogar ein wenig Schutz vor ihr?<br>\u201eIch hei\u00dfe Abraham Thomas Robins und bin der Pr\u00e4sident der Vereinigten Staaten von<br>Amerika\u201c, sagte und dachte der Mensch feierlich. \u201eWillkommen in der Umlaufbahn meines<br>Planeten. Verr\u00e4tst du mir, worum es geht? Was euer Auftrag ist?\u201c<br>\u201eIch hei\u00dfe Padorak\u201c, erkl\u00e4rte die Krakenschnecke nicht weniger bedeutungsschwanger. \u201eIch<br>bin ein offiziell zugelassener Befruchter vom Planeten Tannar und der Gef\u00e4hrte der<br>ehrenwerten Eitr\u00e4gerin Ressah. In den n\u00e4chsten Zeiteinheiten wird sich entscheiden, wie viel<br>wir dir verraten d\u00fcrfen.\u201c<br>In dem Moment kroch Ressah aus der Luke zum Wohntrakt.<br>\u201eIhr habt euch, w\u00e4hrend ich geschlafen habe, auf dieselbe Eipalette gelegt?\u201c, fragte sie<br>verbl\u00fcfft.<br>\u201eHmmmm\u201c, summte Padorak zustimmend.<br>\u201eIch dachte, du magst keine Menschen!\u201c<br>\u201eDiesen hier schon. Komm, meine liebste Eitr\u00e4gerin, ich vereinige noch eure<br>Gedankenmuster. Dann k\u00f6nnt ihr auch miteinander reden.\u201c<br>\u201eTu das!\u201c, befahl Ressah schroff. \u201eIch will wissen, was ihr zwei da ausbr\u00fctet.\u201c<br>\u201eSchickt ihr mich irgendwann zur\u00fcck zu meiner Rosie?\u201c, fragte der Mensch leise.<br>\u201eDu bist offiziell tot und gen Himmel aufgefahren\u201c, dachte die Eitr\u00e4gerin herb. \u201eKl\u00e4r du ihn<br>\u00fcber die Konsequenzen auf, Padorak.\u201c<br>\u201eWir sind Zeitreisende\u201c, sagte der Befruchter ernst. \u201eWir haben von der Administration der<br>Viertelgalaxis den Auftrag erhalten, das Problem Mensch zu l\u00f6sen. Auf die eine oder andere<br>Weise. Erst wenn wir in unsere eigene Zeit zur\u00fcckgekehrt sind, werden wir wissen, ob uns<br>das gelungen ist\u201c<br>Da kroch die Angst wieder zur\u00fcck in das Bewusstsein des Menschen: \u201eMeine Spezies ist<br>offenbar weder beliebt noch angesehen. Was zum Teufel ist hier los?\u201c<br>Der Pr\u00e4sident wagte es nicht, nach der Zukunft der Menschheit zu fragen. Noch nicht.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>F\u00fcnf Tage vergingen.<br>Die meiste Zeit schlief der Pr\u00e4sident in einer gem\u00fctlichen, mit weichem Stoff ausgepolsterten<br>Babyschlafsch\u00fcssel.<br>Ressah lie\u00df ihn in Ruhe, nachdem er unter ihren Tentakeln vor Angst steif geworden war.<br>Sie verstand ihn und sie \u00e4rgerte sich \u00fcber ihn. Das alles war ihr viel zu kompliziert und so<br>vertiefte sich die Eitr\u00e4gerin lieber in die Daten von der Erde, entdeckte eine neue Seifenoper<br>und einen spektakul\u00e4ren Film \u00fcber den Freiheitskampf blauer Au\u00dferirdischer, ein echtes<br>Meisterwerk, das die ganze Wahrheit \u00fcber die Verbrechen der Menschheit aufdeckte.<br>Das konnte doch unm\u00f6glich von einer dieser b\u00f6sartigen Kreaturen stammen! Vielleicht<br>waren noch andere Spezies der Viertelgalaxie in die Vergangenheit gereist, um das Gewissen<br>der vierbeinigen Pest da unten aufzur\u00fctteln?<br>\u201eWir sollten Kontakt aufnehmen\u201c, \u00fcberlegte die Eitr\u00e4gerin. \u201eDa unten wartet ein Freund \u2026<br>egal ob es ein krakeliger kleiner Vierf\u00fc\u00dfer oder ein verborgenes Wesen von unserer Art ist.\u201c<br>Sie lag die ganze Nacht wach in ihrer Sch\u00fcssel und gr\u00fcbelte.<br>Am n\u00e4chsten Tag stie\u00df sie auf einen Informationsschnipsel, wo Menschen unter Anleitung<br>eines schwarz gekleideten wei\u00dfhaarigen Mannes pathetische Lieder sangen.<br>Der Mensch erkl\u00e4rte seinen Sch\u00fclern, oder was immer die waren, wortreich die Welt.<br>T\u00f6nte laut und mit verz\u00fccktem Gesichtsausdruck von \u201eGott in der H\u00f6he und den Menschen<br>ein Wohlgefallen\u201c.<br>\u201eDie haben uns doch hoffentlich nicht entdeckt!\u201c, \u00fcberlegte Ressah in einem Anfall von<br>Panik. \u201eWas machen wir, wenn die Menschen mit ihren winzigen zerbrechlichen Shuttles<br>starten? Wenn sie zu uns kommen und Antworten verlangen oder uns mit Fusionsbomben<br>ausl\u00f6schen wollen? Ja, ihr Administratoren und Besch\u00fctzer: Das alles hier habt ihr nicht<br>geplant!\u201c<br>Obwohl die Worte des schwarz gewandeten Mannes verf\u00fchrerisch s\u00fc\u00df und friedlich klangen,<br>fl\u00f6\u00dfte ihr diese Singestunde Furcht und Abscheu ein.<br>Vierf\u00fc\u00dfern, die zu Hause Bleispritzen und andere gef\u00e4hrliche Gegenst\u00e4nde horteten, standen<br>solche freundlichen Lieder nicht zu!<br>\u201eWie kann man nur so verlogen sein! M\u00fcssten die nicht eigentlich brav wie<br>Weinbergschnecken ihren Salat nagen und ihre N\u00e4chsten bei jeder Gelegenheit liebevoll<br>tentakeln? D\u00fcrfen R\u00e4uber und M\u00f6rder zu so einem sanften Gott singen? Zu einem, den sie<br>selbst vor \u00c4onen an einen Baumstamm genagelt und gem\u00fctlich zugesehen haben, wie er<br>qualvoll krepiert ist? Wie geht das? Frieden sei Gott in der H\u00f6he! Und dann \u00fcberfallen die<br>unseren Planeten und fressen unsere Eier?\u201c<br>Ressah war sich auf einmal nicht sicher, dass der Mann da unten mit Gott ein technisch und<br>zivilisatorisch \u00fcberlegenes Wesen meinte \u2026 einen Besucher aus dem All. Wom\u00f6glich<br>verstanden die Menschen darunter keine Macht der Vernunft sondern etwas ganz und gar<br>Unvern\u00fcnftiges?<br>\u201eGepriesen sei Sankt Abraham!\u201c, sang der Vierf\u00fc\u00dfer mit den wei\u00dfen Haaren auf dem<br>Bildschirm. \u201eDu hast uns den Weg ins Himmelreich gezeigt. Du sitzt auf einem g\u00fcldenen<br>Thron an der Seite des allm\u00e4chtigen Vaters. Du bist der Erbe Jesu, unser neuer Herr!<br>Gepriesen sei Sankt Abraham. Seine Weisheit leuchtet wie der Stern von Bethlehem, seine<br>Gedanken sind erhaben und klar wie Bergkristall. Sankt Abraham! Sankt Abraham! Sieh<br>unsere Leiden und steh uns bei.\u201c<br>\u201ePadorak muss sich das auch ansehen\u201c, \u00fcberlegte Ressah. \u201eEr kann doch nicht die ganze Zeit<br>an unserem Gast herumtentakeln!\u201c<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Padorak k\u00fcmmerte sich seit f\u00fcnf Tagen um den Pr\u00e4sidenten, weil der offensichtlich eine<br>Heidenangst vor Ressahs Ungest\u00fcm und Macht hatte.<br>Er stellte nach Anweisung des Computers Mahlzeiten f\u00fcr ihn zusammen, verabreichten ihm<br>einen milchigen, schwach fruchtig schmeckenden Saft mit wertvollen Aufbaustoffen und<br>legte auf seinen nackten zitternden Bauch heilende Saugpflanzen aus dem s\u00fcdlichen<br>Wumarameer seines Heimatplaneten.<br>Dreimal t\u00e4glich nahm er dem Menschen sein funkelndes Gewand, sammelte die<br>Saugpflanzen ab, verstaute sie in einem Wasserglas \u2026 und dann tentakelte er ihn mit<br>Respekt, Sorgfalt und ma\u00dfvoller Leidenschaft, was Gedanken, Stoffwechsel und Kreislauf<br>ordentlich in Schwung brachte.<br>Langsam ging es Robins besser.<br>Irgendwann waren die Schmerzen und die Schw\u00e4che vollst\u00e4ndig verschwunden.<br>Er hatte keine Lust mehr, den ganzen Tag nutzlos herumzuliegen.<br>\u201eSieh dich ruhig im Schiff um, aber lass bitte die zugeschlossenen T\u00fcren in Ruhe, denn<br>dahinter k\u00f6nnte es gef\u00e4hrlich werden, und versprich mir, keine der Apparaturen anzufassen\u201c,<br>sagte Padorak zu dem Menschen.<br>Der lie\u00df sich das nicht zweimal sagen.<br>Er erg\u00e4nzte seine Toga durch eine Art Sandalen, ungeschickt zurechtgeschnittene<br>Plastikst\u00fccke, die er mit Kabeln an seinen nackten F\u00fc\u00dfen festband, und er sicherte die offene<br>Seite seiner Toga mit merkw\u00fcrdigerweise auch bei den Tannari \u00fcblichen Krokodilklemmen.<br>Neugierig wanderte er durch blanke Korridore, betrachtete unverst\u00e4ndliche Zeichenkolonnen<br>auf Displays und manchmal auch bunte Bilder von fernen Welten.<br>Er fror trotz der unzul\u00e4nglichen Kleidung niemals, denn zum Gl\u00fcck war es im gesamten<br>Raumschiff der Tannari feucht und warm wie im brasilianischen Urwald.<br>Der Befruchter nannte den Pr\u00e4sidenten inzwischen freundschaftlich Abe \u2026 und das so oft wie<br>m\u00f6glich, denn er war von menschlichen Kosenamen fasziniert.<br>Abe seinerseits wagte es manchmal, Padorak respektlos \u201emein Schneck\u201c zu nennen, was<br>dieser kommentarlos akzeptierte.<br>Es waren Stunden voll gl\u00fcckseliger Verantwortungslosigkeit, Reisen in die Kindheit, wo es<br>wichtiger war, unter jeden Stein zu gucken, als \u00fcber die Zukunft nachzudenken.<br>\u201eHeute noch nicht\u201c, dachten beide scheu. \u201eHeute genie\u00dfen wir unsere unglaubliche<br>Freundschaft. Lasst uns jeden Augenblick auskosten, denn was die Zukunft f\u00fcr uns<br>bereith\u00e4lt \u2026\u201c<br>Es war Ressah, die die gl\u00fccklichen Befruchter machtvoll zur Konferenz rief.<br>\u201eKomm zu mir, Abe\u201c, dachte Padorak traurig. \u201eIch bin zwar nicht scharf darauf, mir dieses<br>Material \u00fcber die Verbrechen der Menschheit noch einmal anzuschauen, aber es ist meine<br>heilige Pflicht, dir beizustehen. Komm mit in meine Sch\u00fcssel. Ich werde dir meine W\u00e4rme<br>schenken, dich festhalten und tr\u00f6sten, wenn es richtig schlimm wird. Denk immer daran,<br>dass ich nicht dein Feind bin.\u201c<br>Ressah dimmte das Licht und dann huschten die ersten grausamen Bilder \u00fcber den Monitor.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Die Vorf\u00fchrung war endlich vorbei.<br>\u201eGott sei Dank!\u201c, dachte der Pr\u00e4sident. \u201eDas h\u00e4tte ich keine f\u00fcnf Minuten l\u00e4nger<br>ausgehalten!\u201c<br>Er f\u00fchlte, dass sein Gesicht vor Scham brannte.<br>Ihm war spei\u00fcbel.<br>Tiefe Trauer fra\u00df an seiner Seele.<br>Das also war aus der Menschheit geworden: eine Ansammlung heimatloser marodierender<br>Banden unter der F\u00fchrung allm\u00e4chtiger skrupelloser Warlords.<br>Vergeblich hatten die Griechen die Demokratie erfunden!<br>V\u00f6llig umsonst hatte Karl Marx \u00fcber eine gerechte klassenlose Gesellschaft nachgedacht!<br>Und ganz sinnlos hatte Jesus Christus am Kreuz sein Blut und sein Leben gegeben, um die<br>Menschheit zu retten!<br>Die w\u00fcsten Bilder hatten sich f\u00fcr immer tief in Robins Ged\u00e4chtnis gegraben.<br>Menschen, die mit ihren riesigen Panzern \u00fcber fremde Welten rollten und alles<br>niederwalzten, was sich ihnen in den Weg stellte.<br>Menschen, die Treibjagden auf intelligente Huftr\u00e4ger machten, die sie schlachteten, ihnen<br>die Haut abzogen und ihr Fleisch \u00fcber offenem Feuer am Spie\u00df r\u00f6steten.<br>Menschen, die mit Flammenwerfern gegen singende Blumen vorgingen.<br>Menschen, die fremde Humanoide mit Stromst\u00f6\u00dfen folterten und ihre Frauen sch\u00e4ndeten.<br>Menschen, die mit Fusionsbomben die Bev\u00f6lkerungen ganzer St\u00e4dte ausrotteten.<br>Menschen, die Verbrechen ver\u00fcbten, die so schamlos und grausam waren, dass der<br>Pr\u00e4sident versuchte, sie sofort in die Tiefen seines Unterbewusstseins zu sto\u00dfen, was ihm nur<br>unvollkommen gelang. Es ging nicht anders, wenn er diese Schmach \u00fcberleben wollte.<br>Menschen!<br>M\u00f6rder und Diebe!<br>Soziopathen und Sadisten!<br>Geisteskranke aller Art!<br>Verwackelte Aufnahmen zeigten einen Sto\u00dftrupp mit dreckverschmierten Gesichtern, der auf<br>Tannar ein Haus des Lebens st\u00fcrmte. Zuf\u00e4llig anwesende Tannari wurden mit Laserstrahlen in<br>St\u00fccke geschnitten, die Eier auf den Paletten in orangefarbene Plastiks\u00e4cke abgef\u00fcllt.<br>Johlende Soldaten \u00f6ffneten den toten Befruchtern die Hauttaschen unter den M\u00fcndern,<br>zerrten ihre armen schlaffen Protzw\u00fcrmer hervor, hackten sie ab und lie\u00dfen sie grunzend<br>und kichernd wie Lassos in der Luft kreisen.<br>\u201eHej!\u201c, schrie einer. \u201eDie haben vielleicht Endlosl\u00fcmmel! Ihre Weiber m\u00fcssen interessante<br>L\u00f6cher haben. Das muss doch wie eine Fahrt mit der U-Bahn sein. Huiiijjj huiiijjj!\u201c<br>\u201eWir h\u00e4tten die Biester nicht alle zerschnippeln d\u00fcrfen\u201c, meinte ein Mensch mit grobem<br>Gesicht und tr\u00fcben Augen. \u201eJetzt w\u00fcrde ich gar zu gern ein bisschen forschen.\u201c<br>\u201eDrau\u00dfen laufen noch genug davon herum. Manche haben sogar eine ganz handliche Gr\u00f6\u00dfe.<br>Fangen wir uns ein paar davon.\u201c<br>Wenig sp\u00e4ter zerrte der Mob drei kleine Krakenschnecken in das besetzte Geb\u00e4ude. Sie<br>banden sie an den Gestellen f\u00fcr die Eier fest. Einer holte ein Messer heraus \u2026<br>Von da an hatte der Pr\u00e4sident weggeschaut.<br>Er h\u00f6rte nur das unartikulierte Fauchen und Zischen der maltr\u00e4tierten Kinder.<br>Einen Moment lang war er heilfroh, dass die Apparate der Tannari keine Gef\u00fchle und<br>Gedanken aufzeichnen konnten und dass die armen kleinen Kinder stumm waren.<br>Dann erf\u00fcllte ihn siedend hei\u00dfe Scham wegen seiner Feigheit.<br>\u201eJa, die Schl\u00fcpflinge starben langsam und qualvoll\u201c, erinnerte sich Padorak. \u201eUnd unsere Eier<br>haben diese Bestien tats\u00e4chlich gebraten und gefressen. Es gab sogar kurze Zeit einen<br>Versandhandel mit Tannarieiern. Aber der verschwand, als unsere Eitr\u00e4gerinnen zu verh\u00fcten<br>begannen, genauso schnell, wie er gekommen war.\u201c<br>Die Aufzeichnungen h\u00e4uften Scheu\u00dflichkeit auf Scheu\u00dflichkeit.<br>Wieso nur war der Tannari immer noch so nett zu ihm?<br>Was bewog ihn, den Feind in seine Tentakel zu nehmen, um ihn leise schmatzend zu tr\u00f6sten?<br>\u201eIch m\u00f6chte kein Mensch sein!\u201c, seufzte Robins ungl\u00fccklich. \u201eK\u00f6nnt ihr mich nicht<br>umoperieren, damit ich dieses Gesicht und diese H\u00e4nde nicht mehr sehen muss? Das ist es<br>doch, was sie in den Science Fiction-Filmen immer machen: Wegoperieren, was man nicht<br>mehr ertragen kann.\u201c<br>\u201eUnsere Wissenschaftler sind davon \u00fcberzeugt, dass dein Tod diese schreckliche Zeitlinie<br>eingeleitet hat.\u201c Auch Ressahs himmelblaue Stielaugen waren voll Mitgef\u00fchl. \u201eDeshalb sind<br>wir hier. Aber es ist alles schiefgegangen. Die Menschen haben unser Eingreifen bemerkt und<br>nun werden sie Au\u00dferirdische erst recht hassen.\u201c<br>\u201eWir k\u00f6nnen die Zeit immer noch zur\u00fcckdrehen\u201c, \u00fcberlegte der Befruchter. \u201eAber das w\u00fcrde<br>ich nur sehr ungern tun. Dann m\u00fcssten wir n\u00e4mlich alle zur\u00fcck in die Zeitschleife und Abe<br>m\u00fcsste wieder sterben \u2026 jedes Mal ein bisschen anders. Ich kann ihn, nun, wo ich ihn so gut<br>kenne, nicht mehr in den Tod schicken.\u201c<br>\u201eDas haben wir doch nie gemacht\u201c, summten Ressahs Gedanken leise. \u201eWir haben immer<br>versucht, den Auserw\u00e4hlten zu retten, und schlie\u00dflich k\u00f6nnten wir auch irgendwann Gl\u00fcck<br>haben und den M\u00f6rder rechtzeitig unsch\u00e4dlich machen.\u201c<br>\u201eDann w\u00fcrde bei der n\u00e4chsten passenden Gelegenheit ein anderer kommen\u201c, grollte<br>Padorak. \u201eAbe, warum hassen die dich eigentlich so?\u201c<br>\u201eWeil ich versuche, einige meiner Wahlversprechen zu halten, obwohl das in den seltensten<br>F\u00e4llen gelingt. Diese Gesellschaft ist wie Treibsand. Der Geldadel und die<br>Geheimgesellschaften lassen alles, was ihnen nicht passt, scheitern. Beweisen kann ich das<br>leider nicht aber ich hatte oft das Gef\u00fchl, dass jemand neben mir steht und meine H\u00e4nde<br>festh\u00e4lt \u2026 oder mich w\u00fcrgt, wenn ich sprechen will. Mein Leibarzt hielt das f\u00fcr<br>psychosomatische Beschwerden. Vielleicht haben sie den auch gekauft.\u201c<br>Der Pr\u00e4sident verstummte mit verkniffenem Gesicht.<br>Er dachte \u00fcber seine h\u00e4sslichen Erfahrungen der letzten drei Jahre nach.<br>Nach einer Weile sch\u00fcttelte er heftig den Kopf.<br>\u201eIch bin mir sicher, dass ich nichts erreicht habe, was mich zum Auserw\u00e4hlten macht und<br>dass ich nie eine Chance haben werde, mehr als jetzt zu erreichen. Eure Wissenschaftler<br>m\u00fcssen sich irren.\u201c<br>\u201eMachst du dich da nicht zu klein? Du bist der Regent des m\u00e4chtigsten Reichs der Erde!\u201c<br>\u201eAch, Bruder! Ihr kennt doch auch Sachzw\u00e4nge und Steine unter dem Gleitfu\u00df. Auch bei euch<br>ist es schwer, an den Machtverh\u00e4ltnissen etwas zu \u00e4ndern. Nein, ich war nur ein bisschen<br>unbequem und das reichte wahrscheinlich, um mich weghaben zu wollen.\u201c<br>\u201eDu gabst den Vielen Hoffnung\u201c, widersprach Ressah weich. \u201eEuren Jesus haben sie doch<br>auch nur wegen ein paar freundlicher Spr\u00fcche umgebracht.\u201c<br>\u201eIch bin nicht so gr\u00f6\u00dfenwahnsinnig, mich mit Jesus Christus zu vergleichen \u2026 und die Leute<br>in Amerika und Europa tun das sicher auch nicht. Es ist nicht zu verstehen.\u201c<br>Auf dem Bildschirm war inzwischen wieder das amerikanische Fernsehen der momentanen<br>Aufenthaltszeit zu sehen: eine Nachrichtensendung.<br>Ein Rudel Journalisten hatte sich in der Winterk\u00e4lte am Ort des Geschehens versammelt.<br>\u201eUnser Pr\u00e4sident ist entf\u00fchrt worden\u201c, schrie eine \u00e4ltere Reporterin mit wild abstehenden lila<br>Haaren. \u201eWir haben es nicht nur mit Terroristen aller Art zu tun \u2026 nein, da schickt uns die<br>Vorsehung auch noch eine feindliche Alieninvasion.\u201c<br>\u201eSie hatten bestimmt nicht viel von Robins\u201c, knurrte ein bulliger Mann. \u201eDer war doch schon<br>beinahe hin\u00fcber, als sie ihn weggeholt haben.\u201c<br>\u201eVielleicht haben sie unseren jungen Pr\u00e4sidenten nach Avalon gebracht und dort geheilt\u201c,<br>meinte ein blondes M\u00e4dchen vertr\u00e4umt. \u201eWas f\u00fcr eine hinrei\u00dfend romantische Geschichte!\u201c<br>\u201eMeine Liebe, du liest zu viele Fantasygeschichten\u201c, l\u00e4sterte der bullige Journalist.<br>\u201eUnd du schaust dir zu oft die Astroshow an\u201c, setzte die Frau mit den lila Haaren noch eins<br>drauf.<br>\u201eIhr vergesst den wundersch\u00f6nen goldenen Heiligenschein\u201c, widersprach das M\u00e4dchen<br>tapfer. \u201eLass doch wenigstens einmal euren Zynismus beiseite! \u00dcberall auf der Welt wird die<br>Himmelfahrt des Pr\u00e4sidenten diskutiert.\u201c<br>\u201eJa, von den \u00fcblichen Schwachk\u00f6pfen. Von Teenagern und Verr\u00fcckten, die schon seit der<br>Vorwahl die W\u00e4nde ihrer hormonges\u00e4ttigten H\u00f6hlen mit Postern von diesem Greenhorn<br>Abraham Thomas Robins vollkleistern. Wahrscheinlich finden sie ihn sexy.\u201c<br>Pl\u00f6tzlich funkelten sich der Bullige und die zarte Blondine streitlustig an.<br>In der Menge rumorte es heftig.<br>Dann redeten alle durcheinander.<br>\u201eWas f\u00fcr ein Bl\u00f6dsinn! Das alles war bestimmt nur eine optische T\u00e4uschung.\u201c<br>\u201eSag jetzt blo\u00df nicht, ein Wetterballon!\u201c<br>\u201eNein, das sah aus wie ein echter Beamvorgang.\u201c<br>\u201eAch so ist das. Da oben fliegt gerade die Enterprise und rettet die Zukunft.\u201c<br>\u201eHallo, Captain Kirk!\u201d<br>\u201cHallo, Scotty! Beam us up!\u201d<br>\u201cWir k\u00f6nnen es hier unten nicht mehr aushalten!\u201d<br>\u201eRette uns, Scotty! Bitte!\u201c<br>\u201eJedenfalls ist unser hochverehrter Pr\u00e4sident weg.\u201d<br>\u201eBeziehungsweise seine Leiche.\u201c<br>\u201eUnd keiner versteht das.\u201c<br>Ein langhaariger Typ mit schlabberiger Kleidung mischte sich mit wichtiger Miene ein: \u201eDer<br>Dalai Lama hat verk\u00fcndet, dass dies ein Zeichen w\u00e4re und dass die Menschheit die letzten<br>Worte des Pr\u00e4sidenten tief verinnerlichen muss. Dass sie ihn zu einem Bodhisattwa machen.\u201c<br>Jemand grinste m\u00fcde: \u201eUnd der Heilige Vater in Rom l\u00e4sst gerade Robins Seligsprechung<br>pr\u00fcfen \u2026\u201c<br>Pl\u00f6tzlich schnellte ein Tentakel Padoraks vor und leitete einen Transfer ein.<br>\u201eIch rieche die Keimzellen des Wandels. Wir m\u00fcssen sofort zur\u00fcck in unsere Zeit \u2026 und du<br>kommst mit Abe. Ich glaube, du bist ein lebender Kausalknoten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war unnat\u00fcrlich still im Cockpit des Tannarischiffs. Die graue Erdenstadt, in der Robins so<br>oft gestorben war, explodierte bunt schillernd wie ein Feuerwerksk\u00f6rper. An ihrer statt<br>waberten glei\u00dfend bunte fraktale Muster \u00fcber den Bildschirm: die visualisierten<br>Denkprozesse des Rechners.<br>Padorak hatte keine Zeit mehr f\u00fcr den kleinen Vierf\u00fc\u00dfler, der neben ihm in der<br>Funktionssch\u00fcssel hockte. Alle vier Vordertentakel tanzten auf der Tastatur, w\u00e4hrend sich<br>zwei der hinteren Tentakel mit aller Kraft gegen eine rote, senkrecht stehende tischgro\u00dfe<br>Platte unter dem Monitor pressten.<br>\u201eAchtung! Festhalten!\u201c, dr\u00f6hnten die Gedanken des Befruchters in Robins Kopf. \u201eDer<br>\u00dcbergang!\u201c<br>Der Pr\u00e4sident klammerte sich an einen der blauen Fangarme seines Freundes, grub vor lauter<br>Aufregung sogar seine Fingern\u00e4gel in das weiche Fleisch.<br>Das Schiff vibrierte, w\u00e4hrend es sich h\u00e4rtete und verformte. Zu einer Speerspitze wurde, die<br>die Membran zum \u00e4ltesten bekannten Paralleluniversum durchsto\u00dfen konnte.<br>Zu einem Universum in dem Raum und Zeit schon lange keine Bedeutung mehr hatten.<br>Zu einem eiskalten ausgebrannten Kosmos, der auf seine allerletzte Kontraktion wartete.<br>Auf ein rasend schnelles Schrumpfen: den R\u00fccksturz in die Dimensionslosigkeit vor einem<br>neuen Urknall.<br>Das Tannarischiff spie unaufh\u00f6rlich paradoxe Photonen aus, h\u00fcllte sich darin ein wie in eine<br>goldene R\u00fcstung.<br>Pl\u00f6tzlich war die Raumzeitmembran vor ihnen und das Schiff raste mit<br>H\u00f6chstgeschwindigkeit auf sie zu. Durchstie\u00df sie mit ohrenbet\u00e4ubendem Kreischen.<br>Der Pr\u00e4sident sp\u00fcrte, wie sein Herz gegen die Rippen h\u00e4mmerte.<br>Blutschlieren tr\u00fcbten seine Augen.<br>Er war abwechselnd leicht wie eine Feder und schwer wie ein Bleiklumpen.<br>\u00c4ngstlich wie eine Maus und tapfer wie ein Ritter von Artus\u00b4 Tafelrunde.<br>Dann waren sie in einem Kosmos ohne Sterne, im finsteren Inneren eines gigantischen leeren<br>Uterus.<br>In absoluter K\u00e4lte.<br>Fast erstarrt.<br>Jetzt bewegten sich die Tentakel des Befruchters nur noch im Schneckentempo \u00fcber die<br>Tastatur. Jeder Knopfdruck kostete ihn uns\u00e4gliche Anstrengung.<br>Auch seine Gedanken waren halb erfroren und tr\u00e4ge.<br>\u201eR\u00fc\u00fc\u00fc\u00fckstuuurz iiins dreeeiuundzwaanziiigsteee teee Jaaah Jaaaahrhuundeeert!\u201c<br>Der Pr\u00e4sident verstand, dass Padorak die menschliche Zeitrechnung ihm zuliebe gew\u00e4hlt<br>hatte. Auch seine Gedanken krochen langsam und formlos wie Am\u00f6ben auf einem<br>Objekttr\u00e4ger.<br>\u201eJaaaa, meeein Freeeuund, miiiir iiist soooo kaaaalt. R\u00fc\u00fc\u00fc\u00fcckstuuuurz!\u201c<br>Das Schiff w\u00fcrgte qu\u00e4lend langsam die erforderlichen paradoxen Photonen aus und es br\u00fcllte<br>mit tiefer Stimme, beinahe im Infraschallbereich.<br>Die Schwerkraftwellen brandeten noch heftiger als beim ersten Mal \u00fcber die Zeitreisenden.<br>Die Augen des Pr\u00e4sidenten bluteten. Er war praktisch blind.<br>Auch die Stielaugen der Tannari waren mit milchigem K\u00f6rpersaft verklebt.<br>Es dauerte ungef\u00e4hr eine halbe Stunde, bis alle wieder sehen konnten.<br>Durch ein Bullauge des Schiffes konnten sie ein St\u00fcck der Erde erkennen.<br>Einer Erde, die blau und wei\u00df strahlte, als h\u00e4tte es nie eine Industrialisierung gegeben. Die<br>Atmosph\u00e4re war so klar und rein, dass man W\u00e4lder und St\u00e4dte leicht erkennen konnte.<br>\u201eAmerika! San Francisco!\u201c, fl\u00fcsterte Robins ergriffen. \u201eDie Golden Gate Bridge! Der Ozean!\u201c<br>Etwas wischte mit grauer Hand \u00fcber den Bildschirm des Rechners. Seine bunten Denkmuster<br>verschwanden.<br>An ihrer Stelle l\u00e4chelte eine asiatische Frau in einer silbrigen Uniform vom Monitor.<br>\u201eIch rufe das tannarische Zeitschiff! Hier ist die Raumflotte der Liga friedlicher Welten! Sie<br>befinden sich im Orbit des Planeten Erde. Willkommen in unserer Zeit! Willkommen zu<br>Hause!\u201c<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>San Francisco, dreiundzwanzigstes Jahrhundert. Die Nacht war warm und sanft und sie<br>glitzerte wie die Krone eines K\u00f6nigs aus barbarischer Zeit. In den Fenstern der Wohnh\u00e4user<br>schimmerte warmes Licht, auf D\u00e4chern und \u00fcber T\u00fcren flimmerten und kreisten<br>Leuchtreklamen. Am nachtblauen Himmel tummelten sich bunte Flyer, und ab und zu<br>funkelte in dem Gewimmel ein Stern, dem es gelungen war, mit der Kraft seines atomaren<br>Feuers all das Menschenwerk zu \u00fcberstrahlen. Tief \u00fcber dem Meer schwamm ein schmaler<br>Halbmond. Ein silbernes Elbenboot auf dem Weg in die Anderswelt.<br>Der ehemalige Pr\u00e4sident der Vereinigten Staaten von Amerika und seine beiden Retter<br>hatten es sich in einem kleinen Strandcaf\u00e9 bequem gemacht. Robins in einem gem\u00fctlichen<br>Rattansessel, Ressah und Padorak in liebevoll verzierten Funktionssch\u00fcsseln mit salzigem<br>Wasser aus der Bucht.<br>Die beiden M\u00e4nner hatten Literkr\u00fcge mit goldgelbem schaumigem Bier vor sich stehen,<br>w\u00e4hrend die Eitr\u00e4gerin sich l\u00e4ssig einem Glas Orangensaft widmete. Ab und zu steckte sie<br>einen ihrer Vordertentakel in die s\u00fc\u00dfe Fl\u00fcssigkeit und leckte ihn anschlie\u00dfend gen\u00fcsslich ab.<br>Niemand beachtete die beiden Au\u00dfenweltler, denn die Menschen waren inzwischen an die<br>absonderlichsten Gesch\u00f6pfe gew\u00f6hnt: Katzenartige, Huftr\u00e4ger, Insektoide, nackte Engel und<br>nat\u00fcrlich die allseits verehrten Krakenschnecken, die den heiligen Abraham gerettet und in<br>die Neuzeit gebracht hatten.<br>Auch auf Robins achtete niemand, denn dem war es gelungen, das Gesicht zu verbergen, als<br>er hereinhuschte und schnell im Schatten einer Palme Platz nahm. Dem Kellner hatte er<br>verstohlen einen gr\u00f6\u00dferen Schein in die Hand gedr\u00fcckt.<br>\u201eWenn Sie mich nicht verraten, bekommen Sie ein pers\u00f6nliches Autogramm\u201c, hatte er ihm<br>zugefl\u00fcstert und der junge Mann hatte begeistert genickt.<br>All die Fremden aus dem All und die verschiedenen V\u00f6lker der Erde woben einen<br>Klangteppich, der eine eigenartige Intimit\u00e4t schuf.<br>Padorak umklammerte mit den Scheinfingern eines Vordertentakels den Henkel seines<br>Bierkruges und sch\u00fcttete ein paar Tropfen Fl\u00fcssigkeit in sein furchterregendes Maul.<br>\u201eEin merkw\u00fcrdiges Zeug ist das \u2026 ziemlich bitter \u2026 und so etwas trinkt ihr Menschen<br>freiwillig?\u201c<br>\u201eNimm dir lieber einen Saft, der schmeckt k\u00f6stlich\u201c, empfahl Ressah. \u201eDein Bier kannst du<br>unserem Freund Abe geben.\u201c<br>\u201eKlar doch\u201c, antwortete der auf ihre Gedanken. \u201eSo ein Bierchen ist viel zu schade zum<br>Wegsch\u00fctten.\u201c<br>Nachdem der Befruchter von dem eifrig herbeiwuselnden Kellner ein f\u00fcr ihn<br>schmackhafteres Getr\u00e4nk erhalten hatte, schauten alle drei eine Weile dem lebhaften<br>Treiben auf der Strandpromenade zu und dachten an die von ihnen eliminierte Zeitlinie.<br>\u201eDas Meer w\u00e4re jetzt vermutlich eine tote stinkende Br\u00fche\u201c, \u00fcberlegte Ressah. \u201eDieser nette<br>Ort eine verwitterte Ruine, in der nur noch ein paar hartschalige, strahlenresistente Insekten<br>herumkriechen und sich gegenseitig fressen \u2026 und die heimatlosen Menschen w\u00fcrden<br>immer noch mit ihren riesigen Mutterschiffen und ihren Heerscharen wendiger J\u00e4ger auf<br>Beutezug sein. Wir haben das einzig Richtige getan, auch wenn es ein paar unangenehme<br>Nebeneffekte gibt.\u201c<br>\u201eDu meinst die Einfl\u00fcsse gewisser Aliens auf unsere Gesellschaft? Zum Beispiel die<br>Abschaffung des Matriarchats auf Tannar?\u201c, erkundigte sich Padorak.<br>\u201eNun ja \u2026\u201c<br>\u201eIhr Eitr\u00e4gerinnen werdet doch immer noch sehr verehrt\u201c, meinte Robins vers\u00f6hnlich. \u201eUnd<br>dass die Befruchter nun ein wenig mehr Achtung genie\u00dfen, kann euch doch nicht wirklich<br>st\u00f6ren. Padorak ist ein gro\u00dfartiger Kerl! Ich mag ihn sehr.\u201c<br>Der so gelobte wedelte verlegen mit seinen Stielaugen.<br>\u201eNiemand leidet an den Ver\u00e4nderungen, niemand muss sich seiner Geschichte sch\u00e4men.<br>Alles ist gut, weil wir die Einzigen sind, die von der alten Zeitlinie wissen. F\u00fcr die Heutigen ist<br>das hier einfach nur ihr ganz normales Leben.\u201c<br>\u201eGl\u00fcck durch Zufall\u201c, murmelte Robins halblaut. \u201eOder auch ein klassisches Zeitparadoxon.<br>Wenn euch nicht soviel schief gegangen w\u00e4re, h\u00e4tte sich die Menschheit nicht ge\u00e4ndert. Ich<br>w\u00e4re nie zur religi\u00f6sen Ikone aufgeblasen worden, es g\u00e4be keinen heiligen Abraham \u2026 und<br>meine Artgenossen w\u00fcrden immer noch Tannarieier fressen. Mir ist das alles ziemlich<br>unheimlich. Die machen ein Gewese um mich, obwohl ich rein gar nichts geleistet habe.<br>Selbst Rosies und meine Nachkommen stehen vor mir stramm.\u201c<br>\u201eAch Abe\u201c, widersprach Padorak liebevoll. \u201eGlaub nicht, dass jeder die b\u00f6se Zeitlinie h\u00e4tte<br>\u00e4ndern k\u00f6nnen. Derjenige musste n\u00e4mlich prominent sein, engagiert, guten Willens, ein<br>bisschen naiv und sehr anst\u00e4ndig. Er musste die Kraft und die Leidenschaft aufbringen, um im<br>entscheidenden Augenblick die richtigen Worte zu finden und sie mit letzter Kraft<br>herauszuschreien. Statt eines neuen Heilands h\u00e4tte auch leicht ein neuer Satan entstehen<br>k\u00f6nnen.\u201c<br>Der ehemalige Pr\u00e4sident sah seinen au\u00dferirdischen Freund mit gro\u00dfen Augen an. Von der<br>Seite hatte er seine merkw\u00fcrdige Leidensgeschichte noch nie gesehen.<br>\u201eIch sagte \u2026\u201c, gr\u00fcbelte er.<br>Ressah mit ihrem perfekten Ged\u00e4chtnis half ihm.<br>\u201eDu sagtest damals sinngem\u00e4\u00df: \u201aIch wollte immer nur Frieden und Freiheit! F\u00fcr Amerika und<br>f\u00fcr die ganze Welt! Frieden den Christen und Moslems! Frieden den Hindus und Juden!<br>Frieden den Erleuchteten und den Gottlosen! Frieden den Arbeitern, den Bauern und den<br>Fischern auf hoher See! Frieden dem Land und dem Fluss und Frieden dem ewigen Eis!<br>Frieden allen Menschen und allen Au\u00dferirdischen! Gottes Frieden dem ganzen Kosmos \u2026\u2019 du<br>hast tats\u00e4chlich wie ein Heiland gesprochen.\u201c<br>\u201eAbe, ich sehe das ganz genauso\u201c, erg\u00e4nzte Padorak respektvoll. \u201eAllein h\u00e4tten wir es nie<br>geschafft.\u201c<br>Der l\u00e4chelte ihm still mit den Augen zu.<br>Nur drei Lebewesen im ganzen Universum kannten die Tiefe des Abgrundes, dem die<br>Menschheit gerade noch entkommen war.<br>F\u00fcr alle anderen war Sankt Abraham nur ein guter Pr\u00e4sident, der zum M\u00e4rtyrer wurde und<br>den Gott in seiner unendlichen Gnade zu sich geholt hatte.<br>Der einzig wahre Gott.<br>Eine krude Mischung aus Jehova, Allah, Wakan Tanka und einem abstrakten Weltgeist, der<br>\u00fcber den Wassern des Urmeeres oder irgendwo zwischen den Sternen waberte.<br>Ein \u00fcberm\u00fctiges Grinsen huschte \u00fcber das Gesicht des ehemaligen Pr\u00e4sidenten.<br>\u201eGut, dass der alte Kerl sich endlich eingemischt hat. Das wurde aber auch Zeit!\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2><\/h2>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201ePadorak, sieh nur! Da rollt schon wieder so eine Panzerkiste auf R\u00e4dern durch den Schnee.Gleich wird der Auserw\u00e4hlte herauskriechen und mit seinem Mund Ger\u00e4usche machen.\u201c\u201eKonntest du diesmal den Totmacher anpeilen?\u201cDer Gedankenstrom der Eitr\u00e4gerin Ressah rauschte leise.\u201eNein\u201c, dachte sie. \u201eEs k\u00f6nnte beinahe jeder oder keiner sein.\u201c\u201eLass mich raten. Die unverbesserlichen Monstren da unten schleppen wieder einmalunz\u00e4hlige primitive Waffen mit sich herum: Bleischleudern, Messer, Bomben \u2026\u201c\u201eJa, mein bevorzugter Befruchter. Jeder Mensch kennt jemanden, dem er gern das Lebenwegnehmen w\u00fcrde. Manche haben sogar Lust, die ganze Welt mit einem Schlagauszul\u00f6schen und noch andere m\u00f6chten vor Angst am liebsten wild um sich schie\u00dfen. DieseSpezies war schon immer schlimm, wenn auch fr\u00fcher nicht so m\u00e4chtig wie in unserer Zeit.Jetzt sind sie eine wahre Pest der Galaxis.\u201cDie Stielaugen der beiden Tannari hingen gebannt am Bildschirm. Sie sahen ungef\u00e4hr zumhundertsten Mal, wie sich eine merkw\u00fcrdige Gestalt ungeschickt aus einer engen \u00d6ffnungder fahrbaren Kiste schob. Sie hatte insgesamt nur vier lange d\u00fcnne Gliedma\u00dfen und einenKnubbel am oberen K\u00f6rperende, in dem sich die zentrale Steuereinheit, das sogenannteGehirn, befand.Das Wesen blieb einen Augenblick mit erhobenen Vordergliedma\u00dfen stehen und nahm mitgekr\u00fcmmter Ess\u00f6ffnung das Get\u00f6se der Menge entgegen.\u201eDer Auserw\u00e4hlte l\u00e4chelt wieder\u201c, dachte Ressah. \u201eDas arme Gesch\u00f6pf hat keine Ahnung,was ihm bevorsteht.\u201c\u201eDu wei\u00dft tats\u00e4chlich, was so eine gebogene Fressluke bedeutet?\u201c, wunderte sich Padorak.\u201eGewiss doch. Im elektromagnetischen Spektrum der Erde gibt es ganz wundervolle, hochdramatische Geschichten, wo man lernen kann, wie die Spezies Mensch funktioniert. Dusolltest dir unbedingt auch ein paar dieser Blockbuster und Seifenopern ansehen.\u201c\u201eDas ist doch Massenware, wertloser Kulturschrott \u2026 und obendrein <a class=\"read-more\" href=\"http:\/\/sandozean.de\/?p=3626\">Continue Reading &#8594;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ca_portfolio_gallery_project_year":"","ca_portfolio_gallery_client":"","ca_portfolio_gallery_skills":"","ca_portfolio_gallery_url":"","ngg_post_thumbnail":0},"categories":[33],"tags":[41],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3626"}],"collection":[{"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3626"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3626\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3627,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3626\/revisions\/3627"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3626"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3626"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3626"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}