{"id":3376,"date":"2016-09-22T18:22:39","date_gmt":"2016-09-22T18:22:39","guid":{"rendered":"http:\/\/sandozean.de\/?p=3376"},"modified":"2026-01-29T16:55:44","modified_gmt":"2026-01-29T16:55:44","slug":"streiflichter-aus-dem-roten-sektor","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/sandozean.de\/?p=3376","title":{"rendered":"Streiflichter aus dem Roten Sektor"},"content":{"rendered":"<p><strong>Endstation Tierheim?<\/strong><\/p>\n<p>Ein Raumschiffcaptain sucht seine verschollenen&nbsp; Schiffskameraden<\/p>\n<p>Das Tierheim Lankwitz ist genauso ein Knast wie alle anderen Institutionen dieser Art. Aber ich sehe, dass die Menschen sich M\u00fche geben, es f\u00fcr die Insassen ein wenig nett zu gestalten. Die Katzen haben Kletterb\u00e4ume und Kuschelh\u00f6hlen. \u00dcberall liegen Fellm\u00e4use und anderes Spielzeug herum.<br \/>\nDrei ungef\u00e4hr zehnj\u00e4hrige Kinder spielen gerade mit den Hunden.<br \/>\nIch \u00f6ffne meinen Geist ganz weit, sende einen freundlichen mentalen Gru\u00df und in den K\u00e4figen wird es abrupt still.<br \/>\nAlle Hunde und Katzen verharren in ihren momentanen Posen, dann kommen sie langsam, ohne noch irgendetwas anderes zu beachten, an die Gitter, pressen sich dagegen, sehen mich aus gro\u00dfen Augen an.<br \/>\nAuch die Kinder kommen n\u00e4her und mustern mich schweigend.<br \/>\nIch empfange die Gedanken der Tiere.<br \/>\n\u201eWer bist du?\u201c<br \/>\n\u201eWas f\u00fcr ein seltsamer Mensch!\u201c<br \/>\n\u201eEr kann uns h\u00f6ren!\u201c<br \/>\n\u201eH\u00f6ren!\u201c<br \/>\n\u201eH\u00f6ren!\u201c<br \/>\n\u201eEr wei\u00df alles!\u201c<br \/>\n\u201eVersteht alles!\u201c<br \/>\n\u201eEr ist unser Bruder &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eAber er riecht seltsam.\u201c<br \/>\n\u201eFremd!\u201c<br \/>\n\u201eAnders!\u201c<br \/>\n\u201eEr ist trotzdem unser Bruder.\u201c<br \/>\n\u201eEr ist ungef\u00e4hrlich!\u201c<br \/>\n\u201eFreundlich.\u201c<br \/>\n\u201eGanz fremd!\u201c<br \/>\n\u201eNicht fremd.\u201c<br \/>\n\u201eEr ist ein Heylaner.\u201c<br \/>\n\u201eEin was?\u201c<br \/>\nEine graue Tigerkatze kratzt sich scheinbar beil\u00e4ufig hinter dem Ohr. Dann spricht sie mich direkt an.<br \/>\n\u201eCaptain Thalno! Sch\u00f6n, dass du uns gefunden hast!\u201c<br \/>\nEin stattlicher grauer Kater aktiviert ebenfalls l\u00e4ssig seinen Translator.<br \/>\n\u201eDas war leider nicht sehr aufschlussreich f\u00fcr unseren Feldversuch. Wir wissen jetzt alles \u00fcber Tierheime &#8230; aber sonst? Selbst Hamba, der als Jack Russell wenigstens ab und zu ausgef\u00fchrt wird, konnte nicht viel zum Forschungsprojekt beitragen.\u201c<br \/>\n\u201eWau! Wau!\u201c, meldet sich der Terrier zu Wort. \u201eIch konnte einiges \u00fcber menschliche Kinder erfahren. Sie spielen gern mit mir und sie erz\u00e4hlen von zu Hause. Aber f\u00fcr den Abschlussbericht wird es vermutlich nicht ausreichen.\u201c<br \/>\nDie Leiterin des Tierheims atmet h\u00f6rbar aus.<br \/>\nDie Kinder lassen ihren Liebling, den bunten Jack Russel abrupt los.<br \/>\n\u201eDodo! Lieber Dodo! Du kannst sprechen?\u201c<br \/>\nDann sehen sie zu mir auf.<br \/>\nSie wirken auf einmal ver\u00e4ngstigt.<br \/>\nMerkw\u00fcrdigerweise dr\u00e4ngeln sich zwei besonders h\u00fcbsche schwarze Katzen \u2013 sie k\u00f6nnten Schwestern von Amandas Grilka sein \u2013 ganz dicht an die beiden katzenartigen Humiliavatare und sehen mich fordernd an.<br \/>\n\u201eWer seid ihr denn?\u201c, denke ich.<br \/>\n\u201eWir sind Horaths und Palmas Freundinnen. Lass uns bitte nicht zur\u00fcck!\u201c<br \/>\n\u201eDas stimmt\u201c, best\u00e4tigt Horath, der gro\u00dfe Kater w\u00fcrdevoll. \u201eWenn du es irgendwie erm\u00f6glichen kannst &#8230; ich w\u00fcrde mich sehr ungern von den Beiden trennen.\u201c<br \/>\n\u201eIch nehme die beiden Schwarzen auch mit\u201c, erkl\u00e4re ich Frau Dressler. \u201eIch habe ein Haus mit Garten. Es ist genug Platz f\u00fcr vier Katzen und einen Hund.\u201c<br \/>\nJetzt erf\u00fcllen lautes Kl\u00e4ffen und Miauen den ganzen Korridor mit den vergitterten T\u00fcren.<br \/>\nDie Kinder halten sich demonstrativ die Ohren zu.<br \/>\nAber nur ich kann die mentalen Schreie der Tiere wahrnehmen.<br \/>\n\u201eNimm mich mit!\u201c<br \/>\n\u201eEs ist hier so langweilig!\u201c<br \/>\n\u201eRede mit uns!\u201c<br \/>\n\u201eErkl\u00e4re uns alles!\u201c<br \/>\n\u201eNimm mich mit!\u201c<br \/>\n\u201eBitte!\u201c<br \/>\n\u201eIhr Lieben und Guten\u201c, denke ich. \u201eLeider habe ich nicht Platz f\u00fcr euch alle. Aber ich verspreche, dass ich euch regelm\u00e4\u00dfig besuchen werde, Ihr sollt alles erfahren.\u201c<br \/>\n\u201eWas bist du? Was? Was? Was?\u201c<br \/>\n\u201eIch bin ein Mann von den Sternen. Horath, Palma und Hamba, den die Kinder Dodo nennen, sind ebenfalls von den Sternen. Ich wei\u00df, dass ihr das jetzt noch nicht verstehen k\u00f6nnt, aber ich komme wieder und zeige es euch.\u201c<br \/>\n\u201eDu vergisst uns bestimmt nicht?\u201c<br \/>\n\u201eNein, das schw\u00f6re ich euch bei meiner Ehre und bei Am\u00b4Ramah, dem Einen, der alles sieht und niemals eingreift.\u201c<br \/>\nLangsam beruhigen sich alle wieder.<br \/>\nKnut holt vier Katzentransportbeh\u00e4lter aus dem Auto und die Leiterin des Tierheims reicht mir eine Hundeleine in Terriergr\u00f6\u00dfe.<br \/>\n\u201eDie brauche ich nicht\u201c, erkl\u00e4re ich ihr. \u201eHamba ist vern\u00fcnftig und wird freiwillig in meiner N\u00e4he bleiben.\u201c<br \/>\n\u201eWir brauchen auch keine Kisten!\u201c, protestieren Horath und Palma.<br \/>\nIch z\u00f6gere, wei\u00df nicht recht, wie ich es ihnen erkl\u00e4ren soll.<br \/>\n\u201eEs geht nicht anders und es ist auch nur f\u00fcr die Autofahrt\u201c, springt Knut f\u00fcr mich ein. \u201eDie Stra\u00dfenverkehrsordnung schreibt leider vor, dass kleine Wesen wie ihr sicher untergebracht werden m\u00fcssen. Habt bitte Geduld, es ist nicht weit bis zu Thalnos Haus.\u201c<br \/>\n\u201eDas ist ungerecht, Hamba ist auch nicht viel gr\u00f6\u00dfer als ich\u201c, murrt Horath.<br \/>\n\u201eEr ist ein Hund. Die gehorchen, wenn sie gut erzogen sind, aufs Wort und d\u00fcrfen deshalb im Kofferraum reisen.\u201c<br \/>\nDie vier Katzen schl\u00fcpfen freiwillig in ihre Transportbeh\u00e4lter.<br \/>\nDie Kinder kommen vorsichtig n\u00e4her und sehen Hamba sehns\u00fcchtig an.<br \/>\n\u201eCaptain Thalno! D\u00fcrfen wir Dodo zum Abschied noch einmal streicheln?\u201c<br \/>\n\u201eDa m\u00fcsst ihr ihn selbst fragen\u201c, erkl\u00e4re ich. \u201eEr ist ein freies intelligentes Wesen, eine erwachsene Pers\u00f6nlichkeit.\u201c<br \/>\n\u201eAu Backe!\u201c, murmelt ein kleiner Junge leise.<br \/>\n\u201eWau! Knuddelt mich noch mal ordentlich durch!\u201c, bellt der Humili fr\u00f6hlich. \u201eIhr seid meine Freunde. Ich werde euch nie vergessen.\u201c<br \/>\n\u201eDodo! D\u00fcrfen wir dich besuchen?\u201c<br \/>\n\u201eJa nat\u00fcrlich d\u00fcrft ihr Hamba bei mir besuchen\u201c, antworte ich schnell.<br \/>\n\u201eErz\u00e4hlst du uns dann von deinen Weltraumabenteuern?\u201c<br \/>\nWas f\u00fcr nette tierliebe Kinder! Ich freue mich schon auf sie.<br \/>\n\u201eMeine Reisen waren zwar nicht halb so abenteuerlich wie Star Trek \u2013 aber ich erz\u00e4hle euch trotzdem gern davon.\u201c<br \/>\nDann wende ich mich an die Leiterin des Tierheims: \u201eHaben Sie eine Ahnung, wo die \u00fcbrigen Humili, ein Labrador und drei weitere Katzen gelandet sein k\u00f6nnten?\u201c<br \/>\n\u201eDa sehen wir am besten in meinen Unterlagen nach\u201c, antwortet sie.<br \/>\nWir nehmen unsere Transportbeh\u00e4lter und verlassen den Trakt mit den K\u00e4figen. Hamba geht brav bei Fu\u00df mit.<br \/>\nEin Schwall Trauer und Verzweiflung schwappt hinter uns her. Ich kann den zur\u00fcckbleibenden Tieren leider nur mit meinem eigenen Trennungsschmerz und einem mentalen Versprechen antworten.<br \/>\nFrau Dressler findet die Unterlagen der Humili sofort.<br \/>\n\u201eAlle drei Aliens wurden von einer gewissen Katja Hardenberg abgeliefert. Sie sagte, dass sie noch mehr Tiere gefunden h\u00e4tte und dass sie nicht alle selbst behalten oder in der Verwandtschaft umverteilen k\u00f6nne. Ich gebe Ihnen Telefonnummer und Anschrift.\u201c<br \/>\nHardenberg &#8230; eine Berliner Adresse &#8230; so hei\u00dft doch Amandas Tochter Melissa seit ihrer Heirat. Ob das ein Zufall ist? M\u00f6glicherweise bin ich den fehlenden Schiffskameraden ganz nahe. Am liebsten w\u00fcrde ich gleich zu dieser Katja Hardenberg weiterfahren.<br \/>\nKnut ahnt, was in mir vorgeht.<br \/>\n\u201eLass uns erst einmal diese Fuhre nach Hause bringen. Selbst wenn deine Humili einsehen, dass sie noch ein bisschen warten m\u00fcssen \u2013 die beiden Grilkas da sind bestimmt weniger geduldig. Und Denheb hofft auch schon darauf, dass die Fremden endlich aus eurem Haus verschwinden.\u201c<br \/>\n\u201eUnd deine Liebste wartet\u201c, am\u00fcsiere ich mich.<br \/>\n\u201eJa, mein Schatz freut sich auf einen Anruf und auf &#8230;\u201c<br \/>\nEr verstummt err\u00f6tend und ich muss daran denken, dass er trotz seiner prek\u00e4ren sozialen Lage ein gl\u00fccklicherer Mann ist als ich.<\/p>\n<p>Leseprobe aus Band I, Kapitel II \u201eUnsichtbare Wunden\u201c<\/p>\n<p><strong>W\u00e4chter der Erde<\/strong><\/p>\n<p>Ein Dozent der Uni Potsdam und seine Studenten werden bespitzelt<\/p>\n<p>Gerade ert\u00f6nt ein Gong \u2013 nur das alte Reptil besteht auf so einem Quatsch \u2013 und einer der Assistenten \u00f6ffnet die kleine T\u00fcr direkt neben dem Pult.<br \/>\nOld Dragon hat ziemliche Schwierigkeiten, sich durchzuquetschen. Wegen der guten W\u00fcrste aus Stendal ist er ein bisschen aus dem Leim gegangen. Seine harten Schuppen schrapen laut am T\u00fcrrahmen, w\u00e4hrend er eintritt.<br \/>\n\u201eGute Gedanken und Frieden, meine Damen und Herren!\u201c, zischt er grinsend und schiebt sich schnell drei Wiener W\u00fcrstchen und zwei Frikadellen ins Maul. \u201eWo waren wir beim letzten Mal stehen geblieben?\u201c<br \/>\n\u201eBei den humanoiden Spezies im Allgemeinen &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eRichtig! Heute befassen wir uns mit einigen wichtigen Theorien \u00fcber Humanoide.\u201c<br \/>\nDer Saurier schnappt sich noch schnell ein paar dicke Scheiben Salami und leckt sich anschlie\u00dfend gen\u00fcsslich die Klauen. Das sind doch keine Manieren f\u00fcr einen Prof! Da fehlt es nur noch, dass er hinter das Katheter mistet!<br \/>\n\u201eTja, liebe menschliche Studenten\u201c, zischelt die Echse und ihre gelben Augen glitzern listig. \u201eIch habe ja schon beim vorigen Mal angedeutet, dass einiges auf einen k\u00fcnstlichen Ursprung der Humanoiden hindeutet. Sie sind einander einfach zu \u00e4hnlich, und das nicht nur in Gr\u00f6\u00dfe und Gestalt, sondern auch, was den Bau, die Funktionsweise ihrer Gehirne und ihre genetische Struktur angeht. Nat\u00fcrlich sind Menschen und Heylaner zum Beispiel nicht wirklich genetisch kompatibel. Aber schon die Tatsache, dass beide \u00fcber eine DNS verf\u00fcgen und es m\u00f6glich ist, die Erbanlagen der einen Spezies in die der anderen zu \u00fcbersetzen, ist verbl\u00fcffend. Bei Warkanern und Pferden oder Tannari und irdischen Kraken w\u00fcrde das nicht funktionieren. Die sehen einander nur \u00e4u\u00dferlich \u00e4hnlich und das hat mit den Lebensumst\u00e4nden zu tun.\u201c<br \/>\nMir wird ein bisschen schlecht bei dem Gedanken, dass menschliche Weiber nicht nur mit Heylanern poppen, sondern auch Kinder von ihnen kriegen k\u00f6nnen. Wenn dieser Spuk mit der Liga vorbei ist, werden wir so einiges einsammeln und einschl\u00e4fern m\u00fcssen. Promenadenmischungen aus Menschen und Aliens sind doch v\u00f6llig inakzeptabel!<br \/>\nInzwischen spinnt Old Dragon seine Theorie weiter.<br \/>\n\u201eIrgendjemand hatte ein Interesse daran, zumindest Teile unserer Galaxis mit Affen zu bev\u00f6lkern und so diese Art zu multiplizieren und in die Zukunft hin\u00fcberzuretten. Wahrscheinlich war es ein sterbendes humanoides Volk, denn Reptilien oder Lurche w\u00fcrden \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013&nbsp; reptilienartige oder amphibische Lebewesen erschaffen. Ab einem bestimmten Stadium h\u00e4lt sich jede Zivilisation f\u00fcr die Spitze der Evolution und nur besonders intelligente V\u00f6lker oder Individuen schaffen es, sich von diesem Gr\u00f6\u00dfenwahn freizumachen und das Leben in seiner ganzen Gro\u00dfartigkeit und Vielfalt zu begreifen. Technische Errungenschaften einer Spezies sind leider keine Garantie daf\u00fcr, dass besondere Weisheit vorhanden ist. Glauben Sie mir, ich wei\u00df, wovon ich rede. Auch die Wikissa halten sich f\u00fcr einen einsamen Gipfel der Evolution und leiten daraus ab, dass sie das nat\u00fcrliche Recht haben, alle \u00fcbrigen Lebewesen zu fressen &#8230; und zwar roh und zappelnd. Sie halten ihre Jagdbr\u00e4uche f\u00fcr zivilisatorische Errungenschaften und ihr unstetes Vagabundenleben f\u00fcr die einzige erstrebenswerte Freiheit. Ja, wir sind gef\u00e4hrlich und gruselig und mit dieser unvern\u00fcnftigen und r\u00fccksichtslosen Gier leben zu m\u00fcssen, ist auch gruselig.\u201c<br \/>\nEs ist das erste Mal, dass das Vieh so schamlos \u00fcber seine eigene Art spricht.<br \/>\nIch finde es dreist, wie es provozierend \u00fcber das Fressen und Sterben schwadroniert. Diesen gef\u00fchlsduseligen moralischen Unsinn nehme ich ihm jedenfalls nicht ab.<br \/>\nOffensichtlich hat ihm die Erinnerung an vergangene Fressorgien Appetit gemacht, denn es verspeist schon wieder gen\u00fcsslich einige Wiener W\u00fcrstchen und sp\u00fclt mit einem Liter Mineralwasser nach. Es fehlt wirklich nur noch, dass der alte Saurier laut r\u00fclpst!.<br \/>\n\u201eZivilisiertheit hat viel mit Selbstkritik zu tun\u201c, f\u00e4hrt das Reptil fort. \u201eWer sich selbst f\u00fcr perfekt und in jeder Hinsicht f\u00fcr vollkommen h\u00e4lt, findet zwangsl\u00e4ufig keinen Kontakt zu anderen intelligenten Spezies und tut zu wenig f\u00fcr die eigene Weiterentwicklung. Arroganz f\u00fchrt zur Verbl\u00f6dung &#8230; zumindest zu sozialer Inkompetenz. Aber ich bin ein bisschen abgeschweift.\u201c<br \/>\nEin paar Frikadellen und eine Salami bringen den Saurier zur\u00fcck in die Spur.<br \/>\n\u201eDie Sch\u00f6pfer der Humanoiden sind vor Jahrmillionen spurlos verschwunden. Was meinen Sie, was das f\u00fcr Leute waren?\u201c<br \/>\n\u201e\u00c4stheten\u201c, sagt ein s\u00fc\u00dfes M\u00e4dchen mit Wuschelhaar und einem Pony bis \u00fcber die Augen vertr\u00e4umt. \u201eHumanoide sind sch\u00f6n.\u201c<br \/>\nIch kenne die Kleine noch nicht und fotografiere sie unauff\u00e4llig mit dem Handy.<br \/>\n\u201eDas gilt aber nicht f\u00fcr alle\u201c, widerspricht ein bebrillter J\u00fcngling. \u201eManche Exemplare sind auch ganz sch\u00f6n h\u00e4sslich und f\u00fcr gewisse Organe k\u00f6nnte ich mir auch eine ansprechendere L\u00f6sung vorstellen.\u201c<br \/>\nJetzt reden die Streber in den vorderen Reihen wild durcheinander und die Penner weiter hinten heben genervt die Augenlider.<br \/>\n\u201eIch h\u00e4tte die Humanoiden schlauer gemacht.\u201c<br \/>\n\u201eWeniger aggressiv.\u201c<br \/>\n\u201eIch h\u00e4tte f\u00fcr eine allgemeine T\u00f6tungshemmung gesorgt.\u201c<br \/>\n\u201eKriege unm\u00f6glich gemacht.\u201c<br \/>\n\u201eDer Rangordnungsfimmel von Humanoiden ist \u00e4tzend.\u201c<br \/>\n\u201eUnd die Kerle mit ihrem Machogehabe erst.\u201c<br \/>\n\u201eIch h\u00e4tte daf\u00fcr gesorgt, dass M\u00e4nner und Frauen gleich stark sind.\u201c<br \/>\n\u201eIch h\u00e4tte das mit der Geburt leichter gemacht.\u201c<br \/>\n\u201eUnd das Sterben &#8230; ich h\u00e4tte das Sterben abgeschafft.\u201c<br \/>\nWas f\u00fcr eine Peacersammlung!<br \/>\nAuf die Weise w\u00fcrde die Menschheit heute noch mit Faustkeilen herumhantieren und irgendwelche Buschg\u00f6tter anbeten!<br \/>\nNur der Kampf hat uns vorangebracht.<br \/>\nNur so konnte eine sch\u00f6ne und kraftvolle Herrenrasse entstehen!<br \/>\n\u201eIch verstehe Ihre W\u00fcnsche und Sehns\u00fcchte sehr gut\u201c, der Herr Dinosaurier grinst jovial. \u201eAber das meiste davon ist nicht realisierbar, weil es mit dem Leben selbst nicht kompatibel ist. Es wird immer Interessenkonflikte zwischen Personen, V\u00f6lkern und Spezies geben und folglich auch manchmal Krieg. Dass M\u00e4nner und Frauen sich in manchen Dingen unterscheiden, resultiert aus ihrer biologischen Funktion \u2013 und dass wir alle irgendwann sterben m\u00fcssen, hat damit zu tun, dass wir Kinder haben, die ihre eigenen Lebenschancen brauchen. Auch ein altes Reptil wie ich muss irgendwann jungen Schl\u00fcpflingen Platz machen. Mir gef\u00e4llt das \u00fcberhaupt nicht, denn mir schmeckt die Wurst immer noch sehr, aber grunds\u00e4tzlich habe ich mich damit abgefunden. Manche Ideen von Ihnen w\u00e4ren ausgesprochen hilfreich, aber die Sch\u00f6pfer hatten offenbar anderes im Sinn. Ihr k\u00f6nnt davon ausgehen, dass Lebewesen, die die eigene Art vervielfachen, ein bisschen verr\u00fcckt sein m\u00fcssen \u2013 und dass sie, wenn sie Gott spielen, etwas viel Gro\u00dfartigeres schaffen wollen, als es die Natur vermag. \u00dcberlegt einmal: Menschen als ganz normale Weiterentwicklung der Affen, dazu telepathische Heylaner und Norna. Wohin kann das zielen? Was wollten die Sch\u00f6pfer kreieren?\u201c<br \/>\nEin Teil der Studis ist emp\u00f6rt.<br \/>\n\u201eWir sind doch wohl ein bisschen mehr als intelligente Affen!\u201c<br \/>\n\u201eAu\u00dferdem stammten die Sch\u00f6pfer bestimmt auch von gew\u00f6hnlichen Primaten ab.\u201c<br \/>\n\u201eDie haben tats\u00e4chlich Primaten in der Galaxis verteilt &#8230;\u201c<br \/>\n\u201ePrimaten von der Erde mit DNS und allem Pipapo.\u201c<br \/>\n\u201eAlso waren die Sch\u00f6pfer Menschen?\u201c<br \/>\nGro\u00dfe gl\u00e4ubige Augen!<br \/>\nWortloses Staunen!<br \/>\nDie nehmen dem alten Reptil auch noch den hirnlosesten Quatsch ab!<br \/>\nObwohl &#8230; dass die Menschheit der Ursprung allen humanoiden Lebens sein soll, gef\u00e4llt mir. Wenn das keinen Anspruch auf die Herrschaft \u00fcber die Galaxis rechtfertigt &#8230;<br \/>\n\u201eDas mit der DNS ist kein Grund, vor Stolz zu platzen\u201c, zischelt das Reptil grinsend. \u201eDas trifft n\u00e4mlich auf alle Planeten zu, auf denen sich Primaten oder humanoide Intelligenzen entwickelt haben. Auch die Glasv\u00f6gel und die Raspayatis auf Heyla verf\u00fcgen \u00fcber DNS. Die Aussaat muss also in einem sehr fr\u00fchen Entwicklungsstadium des Lebens erfolgt sein. Alles wurde von den Sch\u00f6pfern programmiert. M\u00f6glicherweise wurden die entsprechenden Planeten durch eine Art Terraforming auf die \u201aBesiedlung durch eine bestimmte Art organischen Lebens vorbereitet. Vielleicht wurde anderes Leben daf\u00fcr geopfert.\u201c<br \/>\n\u201eDann waren das aber keine guten Sch\u00f6pfer\u201c, fl\u00fcstert die Wuschelmaus entsetzt. \u201eDann waren das einfach nur Okkupanten und M\u00f6rder. Gibt es daf\u00fcr Anhaltspunkte?\u201c<br \/>\n\u201eDie Ma\u00b4Rinnu auf Heyla\u201c, antwortet Old Dragon ruhig. \u201eSie sind anorganisch, haben nicht einmal ansatzweise eine DNS. Ihre Biologie ist v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich. Sie m\u00fcssen es irgendwie geschafft haben, in den Tiefen des Sandozeans das Inferno der Transformation zu \u00fcberleben und sich an die ver\u00e4nderten Bedingungen anzupassen. Die Ma\u00b4Rinnu sind eine ganze Vorlesung wert. \u00dcber sie reden wir ein andermal.\u201c<br \/>\n\u201eSind sie intelligent?\u201c<br \/>\n\u201eWas haben sie f\u00fcr Technik?\u201c<br \/>\n\u201eWie vertragen sie sich mit den Heylanern?\u201c<br \/>\nDer Saurier st\u00e4rkt sich erst einmal ausgiebig, bevor er die Fragen beantwortet.<br \/>\n\u201eOb die Ma\u00b4Rinnu in unserem Sinne intelligent sind, wissen wir nicht. Sie sind neugierig, k\u00f6nnen den Gesang der Sterne wahrnehmen und sie wissen von dem Einen, der alles sieht und niemals eingreift. Sie sind sozusagen mit Gott pers\u00f6nlich bekannt. Andererseits haben sie keinerlei Interesse daran, etwas zu produzieren oder die Welt zu ver\u00e4ndern. Manchmal reden sie mit den Turuska &#8230; und sie interessieren sich f\u00fcr ihren Sex. Sie essen Sand und geben seltsame giftige Mineralien von sich. Traditionelle Mentaltechniker benutzen den Kot der Ma\u00df Rinnu zur Behandlung von Verbrechern. Mehr ist \u00fcber diese erstaunliche Spezies nicht bekannt.\u201c<br \/>\nNa, das sind vielleicht degenerierte Produkte der Evolution!<br \/>\nKriechen wie die W\u00fcrmer im Sand herum, misten die W\u00fcste voll und kollaborieren mit den Weltraumkanaken! Es m\u00fcsste doch m\u00f6glich sein, sie mit ein bisschen Gerammel anzulocken und dann ein paar Atombomben &#8230; nur f\u00fcr den Fall, dass sie doch irgendwann unbequeme Interessen entwickeln sollten.<br \/>\nAber darauf kommen die Heylaner nicht.<br \/>\nWie kann man nur seinen Planeten freiwillig mit der Konkurrenz teilen?<br \/>\nDie Studis sind mit ihren Gedanken schon wieder ganz woanders.<br \/>\n\u201eWas meinen Sie, Professor Zoraff, hat man Ihre Spezies eventuell auch ausges\u00e4t. Vielleicht hat jemand daf\u00fcr gesorgt, dass es \u00fcberall im Universum Krokodile gibt.\u201c<br \/>\n\u201eNein, uns hat niemand ausges\u00e4t. Die irdischen Krokodile stehen den Menschen n\u00e4her als den Wikissa. Unsere Physiologie und unsere Fortpflanzung funktionieren ganz anders. Aber das ist mir zu heikel f\u00fcr einen H\u00f6rsaal. Dar\u00fcber k\u00f6nnen wir uns beim n\u00e4chsten gemeinsamen Bes\u00e4ufnis unterhalten.\u201c<br \/>\nAha! Die Schleimer gehen inzwischen mit dem Vieh in die Kneipe! Wahrscheinlich duzen sie sich sogar au\u00dferhalb der Uni! Der Saurier plaudert bestimmt im Suff allerhand Geheimnisse der Liga aus. Das n\u00e4chste Mal setzte ich mich ganz nach vorn und quatsche ein bisschen mit. Vielleicht werde ich dann auch eingeladen &#8230;<br \/>\nIch bin in Gedanken beim Pl\u00e4ne schmieden und h\u00f6re nur noch mit einem halben Ohr zu.<br \/>\n\u201eWir schweifen zu sehr ab. Wir wollen nachvollziehen, was den Sch\u00f6pfern der Humanoiden wichtig war. Ich gebe Ihnen eine kleine Hilfestellung. Es gibt mehr als die drei von mir genannten humanoiden V\u00f6lker in unserer Galaxis. Manche k\u00f6nnen noch nicht zu den Sternen reisen und fallen unter die Leitmaxime der Liga. Das hei\u00dft, sie werden aus der Ferne beobachtet und besch\u00fctzt &#8230; aber niemand darf sich in ihre Entwicklung einmischen. Andere humanoide V\u00f6lker leben im schwarzen oder gelben Sektor. Manche von ihnen wurden von fortschrittlicheren Spezies versklavt. Manchen nahm man nur interessante Ressourcen ihrer Planeten weg, andere dienten als Jagdbeute. Sie k\u00f6nnen sich bestimmt vorstellen, dass mein Volk \u00fcberall unterwegs war und Beute gemacht hat. Als junges Reptil war ich auf mehreren verbotenen Planeten der Liga. Diverse Gro\u00dfmeister haben mich im Jagen und Fallen stellen unterwiesen.\u201c<br \/>\nEin Raunen geht durch den H\u00f6rsaal. Die Bestie hat sich verplappert!<br \/>\n\u201eUnd haben Sie damals etwa auch &#8230;\u201c Das wuschelhaarige M\u00e4dchen verstummt abrupt und&nbsp; schl\u00e4gt entsetzt die H\u00e4nde vor den Mund.<br \/>\nWas hat sich die Tussy eigentlich gedacht? Der Herr Professor sieht beim besten Willen nicht wie ein Unschuldiger aus. Der hat sich garantiert auch den Wanst mit zappelnden und schreienden Humanoiden vollgestopft.<br \/>\nVielleicht hat er sogar hier auf der Erde gew\u00fctet!<br \/>\nZoraff ist klar, dass er um eine Stellungnahme nicht herumkommt.<br \/>\n\u201eIch habe, bevor die Heylaner sich um mein Umah gek\u00fcmmert haben, so einiges gegessen, was zwar den Magen erfreut hat, inzwischen jedoch mein Gewissen sehr belastet\u201c, grollt er unerwartet kleinlaut. \u201eAllerdings war die Erde damals viel zu gut bewacht &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eUnd fr\u00fcher?\u201c, erkundigt sich ein anderer Streber mit belegter Stimme.<br \/>\n\u201eWas meint ihr, wo all die Geschichten \u00fcber sprechende Drachen und ihren uners\u00e4ttlichen Appetit auf junge M\u00e4dchen herkommen?\u201c, kontert die Echse verkniffen. \u201eWeibliche Menschen sollen ausgesprochen lecker schmecken, nicht so streng wie die M\u00e4nner.\u201c<br \/>\nJetzt mustert Old Dragon den armen kleinen Wuschelkopf listig und rei\u00dft demonstrativ den Rachen ganz weit auf.<br \/>\nDie Studentin weicht mit einem leisen Aufschrei zur\u00fcck.<br \/>\n\u201eChrrrr!\u201c, meint das schuppige Biest und beugt sich erst einmal \u00fcber die Plastiksch\u00fcssel mit den W\u00fcrsten. \u201eChrrrr! Ich wollte niemandem Angst einjagen. Ich kann ja nicht ungeschehen machen, was ich fr\u00fcher getan habe. Die Heylaner haben mir den Prozess gemacht. Sie haben mir verziehen und mir nur eine j\u00e4hrliche Auffrischung meiner Ethik bei einem guten Umahaij-Meister verordnet \u2013 und das, obwohl ich unter Anleitung meines Jagdlehrers auch einen alten Heyla\u00b4Rah get\u00f6tet und verspeist habe. An das Urteil halte ich mich und ich versto\u00dfe t\u00e4glich aufs Neue meine Gel\u00fcste nach frischem zappelndem Essen &#8230; und das, obwohl meine Erinnerungen an das angenehme Gef\u00fchl im Magen und in der Speiser\u00f6hre immer noch sehr lebendig ist. Zivilisiertheit hat eben ihren Preis. Wo waren wir gleich stehen geblieben? Ach ja, bei den humanoiden Leckerbissen.\u201c<br \/>\nIch habe inzwischen den Eindruck, dass Zoraff uns Menschen absichtlich provoziert \u2013 so hat er sich in den vorigen drei Vorlesungen nicht aufgef\u00fchrt. M\u00f6glicherweise ist das f\u00fcr ihn und seine Anh\u00e4nger nur ein faszinierendes Spiel.<br \/>\nWie bei dem beliebtesten Egoshooterspiel der W\u00e4chter: Krieg der Welten. Das gibt es nur auf einer dreifach gesicherten privaten Webseite und es macht richtig Spa\u00df! Da kann man auf die verschiedenen Spezies der Liga ballern. F\u00fcr einen abgeschossenen Beloraner gibt es einen Punkt, f\u00fcr tote Warkaner und Tannari drei Punkte, f\u00fcr gekillte Ah\u00b4Maral sieben Punkte und so weiter. Wer den schwulen Chef der Okkupanten erlegt ist Sieger.<br \/>\nDa m\u00f6chte man immer mehr Aliens abschie\u00dfen und immer h\u00f6here Level erreichen.<br \/>\nDa kann man auch nicht einfach aufh\u00f6ren.<br \/>\nDem Wikissa geht es bestimmt nicht anders. Trotzdem: Das alte Reptil ist nicht dumm und w\u00fcrde niemals seine b\u00fcrgerliche Existenz im Roten Sektor gef\u00e4hrden!<br \/>\nAu\u00dferdem kriegt er ja alles, was er braucht von dieser Gro\u00dffleischerei geliefert. Viele Menschen w\u00e4ren froh, wenn sie sich um ihr Essen so wenig Sorgen machen m\u00fcssten.<br \/>\nDas ist alles so ungerecht!<br \/>\nEigentlich geh\u00f6rt ein Biest wie Zoraff vor ein Erschie\u00dfungskommando oder wenigstens lebensl\u00e4nglich bei Wasser und Hundefutter in den Knast. Das w\u00e4re doch das mindeste, um die Schmach der Menschheit zu s\u00fchnen.<br \/>\nWenn diese Wikissa sich wenigstens auf das Fressen von Juden oder Kanaken beschr\u00e4nkt h\u00e4tten \u2013 aber es gibt auch nordische Sagen von Jungfrauen, die irgendwelchen Drachen geopfert wurden.<br \/>\nVerdammt! Die haben unsere Vorfahren gefressen &#8230;<br \/>\nDie wuschelk\u00f6pfige Studentin schaut nachdenklich zu mir her\u00fcber.<br \/>\nAuf einmal f\u00fchle ich mich irgendwie nackt.<br \/>\nDie Kleine kann doch unm\u00f6glich wissen, wer ich bin!<br \/>\n\u201eMenschen, Heylaner und Norna &#8230;\u201c, wiederholt inzwischen Old Dragon nachdr\u00fccklich. \u201eDie Menschen verf\u00fcgen nur in ganz wenigen Ausnahmef\u00e4llen \u00fcber rudiment\u00e4re telepathische F\u00e4higkeiten, Heylaner sind mindestens Ber\u00fchrungstelepathen und die Norna sind alle imstande, die Gedanken ihrer Mitgesch\u00f6pfe wie einen unverschl\u00fcsselten Datenstrom aufzunehmen. Zwischen Menschen und Heylanern gibt es eine Art Missing Link: Die silberh\u00e4utigen Nakkaraner. Bei ihnen sind die meisten Angeh\u00f6rigen der Priesterkaste ebenfalls Ber\u00fchrungstelepathen, w\u00e4hrend der Rest der Spezies gedankenblind ist. Nat\u00fcrlich achten die Priester darauf, dass ihre kostbaren Erbanlagen nicht in die falschen Familien geraten. Deshalb haben sie ein strenges Kastensystem eingerichtet, denn wer die Gedanken seiner Mitb\u00fcrger lesen kann, hat sehr viel Macht \u00fcber sie. Was schlussfolgern Sie aus diesem merkw\u00fcrdigen Kontinuum? Sieht das nicht nach einer Versuchsreihe aus?\u201c<br \/>\nDie Studis tuscheln und bl\u00e4ttern hektisch in ihren Kladden.<br \/>\nNiemand meldet sich.<br \/>\nOld Dragon schnaubt entt\u00e4uscht.<br \/>\n\u201eAn der Grenze des schwarzen Sektors zum Gebiet der Liga gibt es den Planeten Talur, der um die riesige Sonne \u03b4 Centauri kreist. Dort lebt eine humanoide Spezies, deren Hautfarbe sich je nach Gef\u00fchlslage ver\u00e4ndert. Diese Leute m\u00fcssen sich verh\u00fcllen, um ihre Empfindungen sicher zu verbergen, und das tun sie auch zumeist. Andererseits sind sie bei ausreichender geistiger Disziplin gern bereit, ihre Haut zu zeigen. Die K\u00f6nige der Taluri zum Beispiel treten bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit nackt vor ihr Volk, um ihre edlen Emotionen \u2013 Sanftmut, Wohlwollen und Liebe gegen\u00fcber ihren Untertanen \u2013 zu zeigen und so zu beweisen, dass sie nicht l\u00fcgen. Auch die Taluri passen hervorragend in die Versuchsreihe. Jetzt ist es eigentlich ganz einfach. Was wollten die Sch\u00f6pfer erreichen?\u201c<br \/>\nIch stelle mir gerade vor, wie es w\u00e4re, wenn man mir ansehen k\u00f6nnte, dass ich ein W\u00e4chter der Erde bin. Wenn ich pl\u00f6tzlich Flecken oder gar Runen auf den H\u00e4nden und im Gesicht h\u00e4tte.<br \/>\nDann k\u00f6nnte ich nicht spionieren.<br \/>\nEin winziger Teil von mir w\u00e4re erleichtert.<br \/>\nDer blonde Wuschel schaut Old Dragon unter ihrem Pony hervor verliebt an.<br \/>\nDann meldet sie sich hektisch:<br \/>\n\u201eIch wei\u00df es! Ich wei\u00df es! Die zuk\u00fcnftigen Humanoiden sollten am L\u00fcgen gehindert werden. Das ist ja genial! Einfach nur genial!\u201c<br \/>\n\u201eRichtig, Fr\u00e4ulein &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eSarja!\u201c, sagt das M\u00e4dchen. \u201eIch hei\u00dfe Urania Sarja!\u201c<br \/>\n\u201eSie kriegen eine Eins!\u201c, erkl\u00e4rt die Echse leutselig. \u201eDas war gute Mitarbeit. Weiter so!\u201c<br \/>\n\u201eDanke\u201c, fl\u00f6tet die Kleine und schaut wieder zu mir her\u00fcber.<br \/>\nWas hat sie nur?<br \/>\nSie blinzelt kokett.<br \/>\nGefalle ich ihr etwa?<br \/>\nDie Maus sieht nicht \u00fcbel aus: ein bisschen klein aber immerhin blond und schlank.<br \/>\nIhre Augen sind himmelblau und der weiche Mund knallrot.<br \/>\nIch kritzele meine Telefonnummer auf ein Blatt Papier, falte es zu einem Flugzeug und lasse es zu ihr hin\u00fcbersegeln. Ich war schon als kleiner Junge gut im Basteln und lenken von Papierfliegern. Er landet zwei Bankreihen hinter dem M\u00e4dchen und es streckt wahrhaftig die Hand aus und l\u00e4sst ihn sich zureichen!<br \/>\nEigentlich darf ich mich nicht mit M\u00e4dels aus der Schleimerfraktion abgeben. Das verbieten die Gesetze der W\u00e4chter der Erde aus Sicherheitsgr\u00fcnden. Aber die Alienfreundin ist so nachgiebig, s\u00fc\u00df und naiv. Sie wird sich problemlos auf unsere Seite ziehen lassen.<br \/>\nAuf einmal rauscht es wild in meinen Ohren.<br \/>\nDas sind wohl die Hormone \u2013 jedenfalls ist mein bestes St\u00fcck auf einmal hart wie der St\u00f6\u00dfel eines steinernen M\u00f6rsers.<br \/>\nDie Kleine!<br \/>\nWas interessiert mich da noch das Gelaber von so einem alten Reptil!<br \/>\nDas ist doch sowieso alles Quatsch. Diese Theorie von der Superzivilisation, die die L\u00fcge ausrotten wollte.<br \/>\nWie soll man ohne Propaganda K\u00e4mpfer f\u00fcr die gute Sache gewinnen?<br \/>\nPropaganda nimmt wenig R\u00fccksicht auf die Wahrheit, Das ist bei allen Parteien so.<br \/>\nWie sollen wir ohne Propaganda unsere Feinde besiegen?<br \/>\nWie ein tausendj\u00e4hriges Reich errichten?<br \/>\nUnd wie die M\u00e4dels ins Bett kriegen?<br \/>\nNein, die L\u00fcge geh\u00f6rt zum Leben wie das rote Blut in unseren Adern.<br \/>\nWie der Mutterboden, auf dem wir stehen und der uns ern\u00e4hrt.<br \/>\nWenn es die edlen Sch\u00f6pfer \u00fcberhaupt jemals gab, so waren sie Schwachk\u00f6pfe!<br \/>\nDie Wahrheit wichtiger nehmen als das Schicksal oder die gute Rasse!<br \/>\nDas geht doch gar nicht.<br \/>\nZum Gl\u00fcck sorgt der altmodische Gong daf\u00fcr, dass der alte Saurier endlich aufh\u00f6rt zu labern. Vielleicht ist auch blo\u00df die Sch\u00fcssel mit den W\u00fcrsten leer.<br \/>\nIch habe alles, was ich brauche: Die Fotos und Diskussionsbeitr\u00e4ge von elf neuen schleimigen Alienfreunden. Sie werden demn\u00e4chst Besuch bekommen.<br \/>\nEinige von ihnen wird man als Warnung krankenhausreif schlagen.<br \/>\nAndere wird man tot im Park finden, h\u00fcbsch mit Losungen der W\u00e4chter der Erde dekoriert. So etwas bringt ordentlich Unruhe ins Volk! Und der Schwuchtel da oben in ihrem fetten Raumschiff verderben wir damit gr\u00fcndlich den Schlaf!<br \/>\nBei meinem Bericht an die Administration der W\u00e4chter werde ich den Namen Urania Sarja weglassen. Es w\u00e4re schade um die h\u00fcbsche Kleine und vielleicht &#8230;<br \/>\nWenn ich sie nicht \u00fcberzeugen kann, lasse ich sie eben ein andermal wegputzen.<br \/>\nIch frage mich nur, warum die Kleine so sp\u00f6ttisch l\u00e4chelt, w\u00e4hrend ich das denke &#8230;<\/p>\n<p>Leseprobe aus Band II, Kapitel II \u201eFeind oder Bruder?\u201c<\/p>\n<p><strong>Es wird demn\u00e4chst Krieg geben!<\/strong><\/p>\n<p>Amanda muss mit ihren Katzen auf den Planeten Heyla umziehen<\/p>\n<p>Nur noch zwei Tage auf der Erde. Es ist sp\u00e4ter Abend. Wir sitzen mit meinem Nachbar Knut in der halb leeren Wohnung vor dem Fernseher, sehen uns den Weltenspiegel an, trinken Bier und Mineralwasser.<br \/>\nIch habe das dumme Gef\u00fchl, dass ich zum letzten Mal auf diese Weise deutsche Gem\u00fctlichkeit erlebe. Ich habe dar\u00fcber zwar immer heftig gel\u00e4stert aber nun wird mir klar, dass mir das entsetzlich fehlen wird. Selbst die banalen Sendungen f\u00fcr Rentner und Arbeitslose \u2013 Melissa nennt so was ganz frech Assifernsehen \u2013 k\u00f6nnen den Tag angenehm strukturieren.<br \/>\nBin ich doch zu alt f\u00fcr das gro\u00dfe Abenteuer?<br \/>\n\u201eDu wirst neue Gewohnheiten entwickeln\u201c, meint Grimsah verschmitzt. \u201eDeine F\u00fc\u00dfe werden im Schein der drei Monde von Heyla den Weg zum Zelt eines gewissen Waffenbruders von ganz allein finden.\u201c<br \/>\n\u201eH\u00e4h?\u201c, sagt Knut verdutzt. \u201eHabe ich was verpasst? Seid ihr jetzt zusammen? Gibt es was zu feiern?\u201c<br \/>\n\u201eEs ist noch gar nichts entschieden\u201c, erkl\u00e4re ich reserviert. \u201eGrimsah ist ein Optimist.\u201c<br \/>\n\u201eWas die einzig logische Haltung ist\u201c, kontert der alte Ah\u00b4Maral w\u00fcrdevoll. \u201eEs lohnt sich immer, f\u00fcr den Erfolg zu k\u00e4mpfen. F\u00fcr Katastrophen muss man hingegen gar nichts tun. Die kommen von allein.\u201c<br \/>\n\u201eWenn du da an die Attentate denkst &#8230;\u201c<br \/>\nKnut ist pl\u00f6tzlich finster wie eine Gewitterwolke. \u201eIch war ja nicht lange Berater bei eurem komischen Verein, aber einige von euch hatten schon eine dicke rosarote Brille auf. Diese ganze Sch\u00f6nf\u00e4rberei ist mir gewaltig auf den Keks gegangen. Wenn ich daran denke, was Schandras Khar so zusammen gewiehert hat, wenn der Tag lang war.\u201c<br \/>\nGrimsah braucht eine Weile, bis er sich Knuts Metaphern sortiert hat.<br \/>\n\u201eOptimismus braucht einen langen Atem. Das Gute w\u00e4chst nur sehr langsam, w\u00e4hrend sich die reine Entropie explosionsartig ausbreiten kann.\u201c<br \/>\n\u201eAu\u00dferdem wuchert sie auch im Verborgenen\u201c, gebe ich zu bedenken. \u201eSie nimmt uns von zwei Seiten in die Zange. Es w\u00e4re gut, wenn man die gr\u00fcnen Weiden ein bisschen schneller bl\u00fchen lassen k\u00f6nnte. Ich habe Angst, dass wir das Rennen verlieren.\u201c<br \/>\n\u201eIch auch\u201c, murrt Knut. \u201eGegen das, was dann kommt, waren Hitlers braune Horden vermutlich noch ganz gem\u00fctlich.\u201c<br \/>\n\u201eNa ich wei\u00df nicht\u201c, h\u00e4lt Grimsah dagegen. \u201eSechs Millionen ermordete Mitb\u00fcrger &#8230; und weswegen? Weil sie den gleichen irrelevanten Gott auf die falsche Weise angebetet haben?\u201c<br \/>\n\u201eEigentlich war es noch d\u00e4mlicher\u201c, mische ich mich ein. \u201eEs ging um solchen Quatsch wie Rasse, Haarfarbe, Gr\u00f6\u00dfe und Kr\u00fcmmung der Nase &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eMit Rassismus kenne ich mich auch aus\u201c, bekennt der schwarze Gandalf. \u201eEinigen wir uns darauf, dass das B\u00f6se \u00fcberall und immer w\u00e4chst, bis man ihm irgendwann Einhalt gebietet, oder bis alles kaputt ist. Ihr Menschen habt es geschafft, diesen Volksverhetzer aufzuhalten und auf Heyla gab es den gro\u00dfen Ennu &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eVon dem Admiral Koolmak nicht allzu viel h\u00e4lt\u201c, bemerkt Knut nachdenklich. \u201eIch habe einmal mit ihm zusammen gefr\u00fchst\u00fcckt und wollte wissen, wie es ist, so ber\u00fchmte Vorfahren zu haben. Er h\u00e4tte mir beinahe seinen Teller an den Kopf geworfen.\u201c<br \/>\n\u201eWas? Der Lurch kann richtig w\u00fctend werden?\u201c, am\u00fcsiere ich mich.<br \/>\n\u201eAber ja. Auf seine eiskalte lurchige Art. Es war zum F\u00fcrchten.\u201c<br \/>\nGrimsah l\u00e4chelt leicht.<br \/>\n\u201eDer Admiral ist daf\u00fcr bekannt, dass er ab und zu seinen Gef\u00fchlen freien Lauf l\u00e4sst.\u201c<br \/>\n\u201eUnd der darf das?\u201c, emp\u00f6rt sich Knut. \u201eM\u00fcsste so ein gro\u00dfes Tier nicht Vorbild sein?\u201c<br \/>\n\u201eVielleicht ist er es ja gerade deshalb.\u201c<br \/>\n\u201eVersteh ich nicht.\u201c<br \/>\n\u201eKoolmak ist ein Rebell\u201c, erkl\u00e4rt der schwarze Gandalf sanft. \u201eEr verteidigt sein Turuskaerbe.\u201c<br \/>\n\u201eDer Kerl ist doch wei\u00df.\u201c<br \/>\n\u201eAber er sieht dennoch seinem Vorfahren Agar aus dem Hause Javo sehr \u00e4hnlich.\u201c<br \/>\n\u201eWar das auch so ein Brutalo?\u201c, erkundigt sich Knut.<br \/>\n\u201eEr war ein Krieger und ein Anf\u00fchrer &#8230; und das in einer extrem harten Zeit. Was erwartest du da? Gruppenkuscheln mit den Adeligen?\u201c<br \/>\nDer Disput der beiden ist hoch interessant. Ich h\u00f6re gespannt weiter zu.<br \/>\n\u201eWas st\u00f6rt dich an Koolmak\u201c, fragt Grimsah direkt. \u201eEr sorgt f\u00fcr Ruhe und Ordnung.\u201c<br \/>\n\u201eF\u00fcr meinen Geschmack patrouillieren zu viele K\u00e4ferm\u00e4nner auf der Erde herum. Selbst im kleinsten Kaff ist man nicht vor ihnen sicher. In Brielow, wo meine Liebste wohnt, haben sie sogar einen St\u00fctzpunkt eingerichtet.\u201c<br \/>\n\u201eDie tun dir doch nichts. Sie sind nur hinter den W\u00e4chtern her.\u201c<br \/>\n\u201eSie geben mir aber das Gef\u00fchl, auf meiner eigenen Welt nicht mehr zu Hause zu sein. Au\u00dferdem finde ich Lebewesen mit mehr als vier Beinen eklig. Wei\u00dft du, ich musste schon einmal K\u00e4fige mit riesigen haarigen Vogelspinnen verladen &#8230;\u201c<br \/>\nKnut sch\u00fcttelt sich.<br \/>\n\u201eDie Beloraner sind sehr flei\u00dfig und verl\u00e4sslich.\u201c<br \/>\n\u201eUnd sie fressen ihre eigenen Toten. Brrrr.\u201c<br \/>\n\u201eDas geht uns nichts an\u201c, kontert Grimsah scharf.<br \/>\n\u201eMich w\u00fcrden sie auch fressen.\u201c<br \/>\n\u201eAber nur, wenn sich niemand um dein Abschiedsritual k\u00fcmmert. Die Beloraner respektieren die Br\u00e4uche ihrer Verb\u00fcndeten.\u201c<br \/>\n\u201eDa kannst du noch so lecker aussehen\u201c, witzele ich. \u201eNur wenn deine Liebste es erlaubt &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eLass meinen Hasen in Ruhe!\u201c<br \/>\n\u201eAmanda, kann es sein, dass du ein bisschen zu viel Bier hattest?\u201c, erkundigt sich der Krieger mit todernster Miene. \u201eDu musst Knuts \u00c4ngste ernst nehmen.\u201c<br \/>\n\u201eIch habe ja selber Schiss\u201c, gebe ich zu. \u201eDa hilft nur Galgenhumor.\u201c<br \/>\n\u201eSo siehst du das also.\u201c<br \/>\n\u201eGuck dir doch mal die Schei\u00dfe im Fernsehen an!\u201c Knut ist jetzt so sauer, wie es sein phlegmatisches Temperament zul\u00e4sst. \u201eW\u00e4chter der Erde, Moslems, Puritaner &#8230; alle fuchteln mit Pappschildern und Bombenattrappen herum. Ab und zu kommt irgendein Idiot, der es richtig knallen l\u00e4sst. Meint ihr wirklich, dass das noch Spa\u00df macht? Eure K\u00e4ferbataillone kriegen doch gar nicht richtig mit, was passiert.\u201c<br \/>\n\u201eMeinst du das wirklich?\u201c<br \/>\nPl\u00f6tzlich habe ich den Eindruck, dass Grimsah mehr wei\u00df, als er uns verraten darf.<br \/>\n\u201eIhr m\u00fcsst Geduld haben. Admiral Koolmak wird schon bald &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eEuer schei\u00df Koolmak kocht auch blo\u00df mit Wasser. Was soll der ausrichten, wenn nicht einmal Girab mit dem Extremistengesindel fertig geworden ist &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eDas wirst du gleich sehen\u201c, kontert der alte Krieger. \u201eWir k\u00f6nnen uns ja im Anschluss an den Weltenspiegel in die Talkshow beim ZDF zappen. Da ist diesmal unter anderem auch Koolmak dabei. Vielleicht gibt es wichtige Neuigkeiten.\u201c<br \/>\nDer verdammte Eisenfresser scheint neuerdings die Medien zu lieben. Erst dieses Briefing und nun auch noch eine Talkshow. H\u00e4lt der Kerl sich etwa f\u00fcr besonders hinrei\u00dfend? F\u00fcr so dumm h\u00e4tte ich ihn nicht gehalten.<br \/>\nKnut nimmt sich noch ein Bier.<br \/>\n\u201eIch lasse mich gern von dem Lurch \u00fcberraschen.\u201c<\/p>\n<p>Leseprobe aus Band III, Kapitel II \u201eElf Tage und sieben Stunden\u201c<\/p>\n<p><strong>Unterwegs nach Heyla\u00b4Thur<\/strong><\/p>\n<p>Von Menschen, Heylanern und Glasv\u00f6geln<\/p>\n<p>Mein Waffenbruder Grimsah bringt mich mit seinem Gleiter zur Endstation der R\u00f6hrenbahn am Rand der s\u00fcdlichen Sandw\u00fcste. Der fr\u00fche Morgen ist noch k\u00fchl und ich genie\u00dfe die Fahrt sehr. Diese gr\u00fcngelben Riffeln und D\u00fcnen von Horizont zu Horizont, den zart gelben wolkenlosen Morgenhimmel dar\u00fcber und die Schw\u00e4rme singender Glasv\u00f6gel. Das blendende Glitzern ihrer schuppigen Fl\u00fcgel.<br \/>\n\u201eWie intelligent sind die Biester eigentlich?\u201c, frage ich den schwarzen Gandalf. \u201eK\u00f6nnt ihr mit ihnen kommunizieren wie mit Mihai und Grilka?\u201c<br \/>\nGrimsah steuert sein r\u00e4derloses Gef\u00e4hrt auf eine besonders hohe D\u00fcne, um sich dann mit einem wilden Schrei in die Tiefe zu st\u00fcrzen. Er kann trotz seiner schneewei\u00dfen Haare noch ganz sch\u00f6n verr\u00fcckt sein.<br \/>\n\u201eDie Glasv\u00f6gel sind ebenso semiintelligent wie irdische V\u00f6gel\u201c, erkl\u00e4rt er mir unten im Tal. \u201eAber sie leben ganz und gar in der Luft, ber\u00fchren den Sand erst, wenn sie sterben. Sie interessieren sich nicht f\u00fcr am Boden lebende Wesen und ihre Gedanken. Sie sperren uns aus und sie antworten niemals.\u201c<br \/>\n\u201eWas f\u00fcr arrogante Viecher!\u201c, scherze ich.<br \/>\n\u201eIch wei\u00df nicht, ob das \u00fcberhaupt noch Tiere sind\u201c, antwortet Grimsah langsam.<br \/>\n\u201eHabt ihr nie welche gefangen und n\u00e4her untersucht?\u201c<br \/>\n\u201eUnd vielleicht ein Verbrechen an Br\u00fcdern im Geist begangen?\u201c<br \/>\n\u201eAber so ein Geheimnis &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eMacht unsere Welt sch\u00f6ner und reicher\u201c, antwortet mein liebster Bindungspartner fest. \u201eWenn es an der Zeit ist, werden sie von selbst zu uns kommen, und bis dahin geh\u00f6rt ihnen der Himmel allein. Wir st\u00f6ren sie nicht.\u201c<br \/>\nEs stimmt. Heylaner kennen zwar die Raumfahrt aber keinen Luftverkehr. Jetzt wei\u00df ich, warum sie sich mit ihren R\u00f6hrenbahnen und Gleitern begn\u00fcgen.<br \/>\n\u201eEs w\u00fcrde unseren Umahs schaden, wenn wir Glasv\u00f6gel t\u00f6ten &#8230; und das lie\u00dfe sich bei regem Flugverkehr gar nicht vermeiden. Sie schlafen, paaren sich und geb\u00e4ren im Wind. Da k\u00f6nnen sie nicht auf irgendwelche rasenden Flugmaschinen achten.\u201c<br \/>\nWir reiten weiter \u00fcber die D\u00fcnen.<br \/>\nAm Horizont ragen bereits die schlanken T\u00fcrme der Bahnstation empor.<br \/>\nDie wei\u00dfe Zivilisation Heylas umf\u00e4ngt uns vorsichtig, beinahe heimlich: Infrastruktur, Klimakontrolle, Ultraschallz\u00e4une gegen die Raspayatis. Aber die Glasv\u00f6gel ber\u00fchrt das alles nicht. Sie schweben genauso gern \u00fcber W\u00fcsten wie \u00fcber gro\u00dfen St\u00e4dten. Sie haben ihr eigenes Reich.<br \/>\n\u201ePass gut auf meine beiden Lieblinge auf\u201c, bitte ich den schwarzen Gandalf.<br \/>\nEr l\u00e4chelt verschmitzt.<br \/>\n\u201eKlar doch &#8230; deine Pelzbabys sind bei mir in guten H\u00e4nden. Ich liebe sie. Manchmal denke ich ja, dass ein richtiges Baby &#8230;\u201c<br \/>\nSeine Haut ist so schwarz, dass man nicht sehen kann, wie er gr\u00fcn wird. Aber seine Hitze erfasst auch mich. Ist der Kerl noch bei Trost?<br \/>\n\u201eMeinst du, dass das noch geht?\u201c<br \/>\n\u201eIch frage meinen Heiler.\u201c<br \/>\nEr bremst vor dem W\u00fcstenbahnhof und schaut mich erwartungsvoll an. Grilka guckt manchmal auch so, wenn sie denkt, dass ich in meiner Dusseligkeit die falsche Dose aufgemacht habe.<br \/>\n\u201eGrimsah, ich bin eine alte Frau. Ich pack das nicht mehr.\u201c<br \/>\n\u201eVielleicht mit einem neuen Herzen?\u201c<br \/>\nVerr\u00fcckter Kerl!<br \/>\nIch muss mich beeilen, sonst f\u00e4hrt die Bahn ohne mich los.<br \/>\n\u201eSp\u00e4ter\u201c, wimmle ich meinen Bindungspartner ab und k\u00fcsse ihn fl\u00fcchtig auf die Nasenspitze. \u201eWir denken sp\u00e4ter dar\u00fcber nach.\u201c<br \/>\nIch fahre nordw\u00e4rts&nbsp; &#8230; vorbei an kleinen D\u00f6rfern und St\u00e4dten &#8230; vorbei am Kosmodrom von Heyla\u00b4Thur. Jetzt erst wird mir klar, warum es von einem Ring aus Kraftfeldemittern und Ultraschallsendern umschlossen ist. Die Glasv\u00f6gel sollen von den Flugschneisen abgedr\u00e4ngt werden. Gewarnt und sanft beiseite geschoben werden, w\u00e4hrend sie schlafen oder sich lieben und die Landef\u00e4hren zu ihren Mutterschiffen im Orbit emporsteigen.<br \/>\nDiese Tierchen k\u00f6nnten ruhig ein bisschen dankbarer sein. Wenn ich daran denke, was Windkraftanlagen und Flugzeuge mit den V\u00f6geln der Erde anstellen &#8230;.<br \/>\nWir sind noch lange nicht so zivilisiert wie die Heylaner. Menschen w\u00fcrden niemals auf einen Traum verzichten, um ein paar fliegende Echsen zu sch\u00fctzen..<\/p>\n<p>Leseprobe aus Band IV, Kapitel VII \u201eTr\u00e4ume und Schatten\u201c<\/p>\n<p>(C) 2016 Anneliese Wipperling<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endstation Tierheim? Ein Raumschiffcaptain sucht seine verschollenen&nbsp; Schiffskameraden Das Tierheim Lankwitz ist genauso ein Knast wie alle anderen Institutionen dieser Art. Aber ich sehe, dass die Menschen sich M\u00fche geben, es f\u00fcr die Insassen ein wenig nett zu gestalten. Die Katzen haben Kletterb\u00e4ume und Kuschelh\u00f6hlen. \u00dcberall liegen Fellm\u00e4use und anderes Spielzeug herum. Drei ungef\u00e4hr zehnj\u00e4hrige Kinder spielen gerade mit den Hunden. Ich \u00f6ffne meinen Geist ganz weit, sende einen freundlichen mentalen Gru\u00df und in den K\u00e4figen wird es abrupt still. Alle Hunde und Katzen verharren in ihren momentanen Posen, dann kommen sie langsam, ohne noch irgendetwas anderes zu beachten, an die Gitter, pressen sich dagegen, sehen mich aus gro\u00dfen Augen an. Auch die Kinder kommen n\u00e4her und mustern mich schweigend. Ich empfange die Gedanken der Tiere. \u201eWer bist du?\u201c \u201eWas f\u00fcr ein seltsamer Mensch!\u201c \u201eEr kann uns h\u00f6ren!\u201c \u201eH\u00f6ren!\u201c \u201eH\u00f6ren!\u201c \u201eEr wei\u00df alles!\u201c \u201eVersteht alles!\u201c \u201eEr ist unser Bruder &#8230;\u201c \u201eAber er riecht seltsam.\u201c \u201eFremd!\u201c \u201eAnders!\u201c \u201eEr ist trotzdem unser Bruder.\u201c \u201eEr ist ungef\u00e4hrlich!\u201c \u201eFreundlich.\u201c \u201eGanz fremd!\u201c \u201eNicht fremd.\u201c \u201eEr ist ein Heylaner.\u201c \u201eEin was?\u201c Eine graue Tigerkatze kratzt sich scheinbar beil\u00e4ufig hinter dem Ohr. Dann spricht sie mich direkt an. \u201eCaptain Thalno! Sch\u00f6n, dass du uns gefunden hast!\u201c Ein stattlicher grauer Kater aktiviert ebenfalls l\u00e4ssig seinen Translator. \u201eDas war leider nicht sehr aufschlussreich f\u00fcr unseren Feldversuch. Wir wissen jetzt alles \u00fcber Tierheime &#8230; aber sonst? Selbst Hamba, der als Jack Russell wenigstens ab und zu ausgef\u00fchrt wird, konnte nicht viel zum Forschungsprojekt beitragen.\u201c \u201eWau! 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