{"id":203,"date":"2009-01-18T20:20:04","date_gmt":"2009-01-18T19:20:04","guid":{"rendered":"http:\/\/sandozean.de\/blog\/sandozean\/?p=203"},"modified":"2025-05-13T18:58:55","modified_gmt":"2025-05-13T18:58:55","slug":"mira","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/sandozean.de\/?p=203","title":{"rendered":"Mira"},"content":{"rendered":"<p><em>Eine junge Frau verliert ihre geliebte Katze. Aber bald nach dem tragischen Tod ihrer vierbeinigen Freundin geschehen Dinge, die sie sich nicht erkl\u00e4ren kann \u2026<\/em><\/p>\n<p><strong>&nbsp;Mystery-Kurzgeschichte von Adriana Wipperling<\/strong>&nbsp;<!--more--><\/p>\n<p>Am 13. Oktober war der Himmel strahlend blau, aber f\u00fcr mich und meine Familie war es ein schwarzer Tag. Nicht Freitag der dreizehnte. Trotzdem wurde eine meiner schlimmsten \u00c4ngste wahr.<\/p>\n<p>An diesem Tag habe ich Mira verloren.<\/p>\n<p>Die Nacht ihrer Beerdigung war sternenklar, ein fast voller Mond tauchte den Garten in ein weiches, fahles Licht.<\/p>\n<p>Eine herrliche Nacht. Und eiskalt.<\/p>\n<p>Meine Mutter heulte ungeniert, nahm ihre Brille ab, um sich die Augen abzutupfen. Mein Freund umklammert meine Hand so fest, dass es beinahe weh tat. Mit der anderen Hand wischte er sich verstohlen eine Tr\u00e4ne aus dem Augenwinkel. Das kam bei ihm einem Gef\u00fchlsausbruch gleich.<\/p>\n<p>Schweigend pflanzte ich drei gelbe Stiefm\u00fctterchen auf Miras Grab. Eine Laterne mit gr\u00fcnen Glasfenstern spendete mir etwas Licht, die Kerze flackerte unruhig, obwohl es v\u00f6llig windstill war. Ich lie\u00df sie die ganze Nacht brennen. Mira hat gr\u00fcn so geliebt.<\/p>\n<p>\u201eTsch\u00fc\u00df, Mi!\u201c schniefte meine Mutter. \u201eDu warst uns eine wunderbare Freundin!\u201c<\/p>\n<p>Das war sie wirklich. Vierzehn Jahre lang.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich erinnere mich noch genau, ich war acht Jahre alt, kam von der Schule, Mutti strahlte mich an und sagte: \u201eHallo, mein Sp\u00e4tzchen &#8211;&nbsp; guck mal, wir haben Besuch!\u201c<\/p>\n<p>Besuch? Wer konnte das sein? \u201eWo?\u201c fragte ich und sah mich mit gro\u00dfen Kulleraugen im Raum um.<\/p>\n<p>\u201eSchlafzimmer\u201c, antwortete meine Mutter mit einem verschmitzten L\u00e4cheln.<\/p>\n<p>Besuch? Im Schlafzimmer? Jetzt war ich erst recht neugierig!<\/p>\n<p>Ich verlor meinen Rucksack und meine Schuhe irgendwo im Wohnzimmer und lugte vorsichtig durch den T\u00fcrspalt.<\/p>\n<p>Ich hatte alles M\u00f6gliche erwartet &#8211;&nbsp; aber nicht das! Auf Muttis Bett lag ein halbw\u00fcchsiges grau getigertes K\u00e4tzchen mit eingeschlagenen Vorderpf\u00f6tchen, den Schwanz wie eine Schnecke eingerollt, und sah mich aus gro\u00dfen gr\u00fcnen Augen aufmerksam an. Das waren die intelligentesten Augen, die ich je bei einem Tier gesehen habe! Die Katze schien mich auf den ersten Blick zu durchschauen, jedes Wort zu verstehen. Nat\u00fcrlich t\u00e4uschte ich mich. Oder etwa nicht?<\/p>\n<p>\u201eOch s\u00fc\u00fc\u00fc\u00fc\u00df, ne Miez!\u201c quietschte ich begeistert.<\/p>\n<p>\u201eSie ist den Maiers aus dem Lilienweg zugelaufen\u201c, erkl\u00e4rte meine Mutter. \u201eAber die haben einen Hund und der mag keine Katzen. Da standen sie nun vor unserer T\u00fcr, die Miez auf dem Arm &#8230; haben sich erinnert, dass ich gern eine Katze h\u00e4tte &#8230; ich wusste nicht, was ich machen sollte. Eigentlich kam mir das Ganze ein bisschen pl\u00f6tzlich &#8230; Aber dann kletterte die Miez auf meine Schulter und fing sagenhaft laut an zu schnurren. Sei mal ehrlich: Wie soll man da widerstehen?\u201c<\/p>\n<p>Kann man nicht.<\/p>\n<p>\u201eSie hei\u00dft Mira\u201c, fuhr Mutti fort. \u201eAber ich nenne sie gerne Mi. Irgendwie wei\u00df ich, das gef\u00e4llt ihr.\u201c<\/p>\n<p>Ich streckte meine Hand aus und ging langsam auf sie zu. \u201eHi Mi, ich bin Andrea.\u201c<\/p>\n<p>Sie musterte mich wieder mit diesem unglaublich durchdringenden Blick und schnupperte interessiert an meiner Hand. Auf einmal r\u00e4kelte sie sich, machte einen Katzenbuckel, gab ein leises \u201eMiiiii!\u201c von sich und fing an, ihre weiche pelzige Wange wie in Trance an mir zu reiben.<\/p>\n<p>\u201eSie mag dich\u201c, stellte Mutti zufrieden fest. \u201eSie mag dich sogar sehr!\u201c<\/p>\n<p>So hinrei\u00dfend, so z\u00e4rtlich! Ich erkannte, dass sie nicht einfach grau getigert war, sondern orangerote Pf\u00f6tchen hatte. Und zwei kleine rote Flecken zwischen den Ohren.<\/p>\n<p>Dieses Schnurren! Mutti hatte recht, es war wirklich sagenhaft! Ich schlag meine Arme um Katze und rieb nun meine Wange an ihrem Fell.<\/p>\n<p>Von wegen \u201eBesuch!\u201c Meine Mutter h\u00e4tte besser \u201eFamilienzuwachs\u201c sagen sollen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unsere Familie war nicht l\u00e4nger vollst\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Das Leben ging weiter, aber es wirkte substanzlos und fad auf mich. Schon das Fr\u00fchst\u00fcck war \u00f6de, ohne Katze, die mir die Leberwurst vom Brot leckte.<\/p>\n<p>Ich fand die Lederjacke wieder, die Mira auf dem Gewissen hatte. Die neueste Mode und pflanzlich gegerbtes \u00c3\u2013koleder &#8230; nicht gerade billig. Das Maximum, was ich mir als arme Studentin leisten konnte.<\/p>\n<p>Dieses verdammte pelzige kleine Aas! Ich kann mir nicht einmal vorwerfen, ich h\u00e4tte nicht aufgepasst. Ich habe die Jacke immer in den Schrank geh\u00e4ngt und die T\u00fcren niemals offen gelassen. Schlie\u00dflich wusste ich, dass meine Mi verr\u00fcckt auf Leder war. Dummer Weise hatte mein Kleiderschrank Schiebet\u00fcren, die sehr leicht auf und zu gingen. Nicht sehr praktisch, wenn man eine hochintelligente Katze mit krimineller Veranlagung hat.<\/p>\n<p>Eines Tages erwartete mich ein Anblick des Grauens: Der Schrank war offen, darin lag Mira, die sich aus meinen Klamotten ein Nest gebaut hatte, und thronte mit siegesgewissen Blick auf meiner Designer-Lederjacke! Ihr Beitrag zum Design war ein Muster aus tiefen Kratzern.<\/p>\n<p>Sie war ein Mistvieh, aber ich habe sie \u00fcber alles geliebt.<\/p>\n<p>Ich verbarg ich mein Gesicht in der Jacke und heulte Rotz und Wasser.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach ein paar Wochen hatte ich mich beinahe an das Leben ohne Katze gew\u00f6hnt. Nat\u00fcrlich vermisste ich Mira, aber sie war tot und damit musste ich mich abfinden.<\/p>\n<p>Dachte ich &#8230; bis ich im November zur Geburtstagsparty einer Freundin eingeladen wurde. Meine Freundin hatte eine Katze namens Lucie, ein h\u00fcbsches aber extrem scheues Lebewesen. Meistens sah ich von ihr nur den Schwanz unterm n\u00e4chsten Busch oder M\u00f6belst\u00fcck verschwinden. Sie wollte mit mir nichts zu tun haben &#8211;&nbsp; auch damit musste ich mich abfinden.<\/p>\n<p>Aber am diesem Abend war alles anders. Ich sa\u00df auf der Couch, in der Hand ein Weinglas, leicht weggetreten, weil mich die Unterhaltung gerade langweilte &#8230; pl\u00f6tzlich streifte etwas Weiches, Pelziges mein Bein und ich war von einer Sekunde zur anderen hellwach.<\/p>\n<p>Ich wusste nicht, dass Lucies Augen gr\u00fcn waren &#8230; so frech und schlau &#8230; Mit einem lauten \u201eMiiii!\u201c sprang sie auf meinen Scho\u00df und fing an, mit meiner Hand zu schmusen, die das Glas hielt. Ich musste laut lachen, h\u00e4tte beinahe meinen Wein versch\u00fcttet. Mira hatte es auf die Weise schon mal geschafft, dass ich mir ein Glas Buttermilch \u00fcber die Jeans kippte. Dann rollte Lucie sich auf meinem Scho\u00df zusammen, schnurrte und schmuste, als w\u00fcrde sie zum letzten Mal in ihrem Leben von einem Menschen gestreichelt werden.<\/p>\n<p>Meine Freundin sah mich ganz merkw\u00fcrdig an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seit diesem Abend verfolgte mich Mira. Ich tr\u00e4umte fast jede Nacht von ihr, manchmal h\u00f6rte ich ihr Schnurren, obwohl ich wusste, es war unm\u00f6glich. Oder sie blickte mir aus den Augen fremder Katze entgegen.<\/p>\n<p>An Heiligabend z\u00fcndete ich die Laterne auf Miras Grab im Garten wieder an. Der Winter war verflucht kalt, bis zu Minus zwanzig Grad an manchen Tagen &#8230; aber &#8230; Mein lieber Scholli, da knutscht mich doch Rudolph das Rentier! Aus der Schneedecke ragte eine einzelne gelbe Bl\u00fcte hervor. Hastig wischte ich den Schnee beiseite und entdeckte &#8230; Stiefm\u00fctterchen. In voller Bl\u00fctenpracht. Bei diesen Temperaturen! Als sei es Mai und nicht Dezember. Als w\u00fcrde eine unbekannte Macht sie vor der K\u00e4lte sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Als ich meinem Freund davon erz\u00e4hlte, musterte er mich, als sei ich nicht mehr ganz dicht. Ich kann es ihm nicht ver\u00fcbeln. Schlie\u00dflich glaubte ich selbst nicht an k\u00f6rperlose Seelen oder Magie. Meine verr\u00fcckte Freundin Linda nahm solchen Bl\u00f6dsinn ernst &#8211;&nbsp; f\u00fcr mich war das bestenfalls Unterhaltungskino.<\/p>\n<p>Vielleicht sollte ich Linda davon erz\u00e4hlen. Sie w\u00fcrde mich verstehen.<\/p>\n<p>Oder besser nicht? Eigentlich wollte ich nicht schon wieder mit den neuesten \u201ewissenschaftlichen\u201c Erkenntnissen aus der Astro-Woche zugetextet werden oder mir anh\u00f6ren, dass die Seele meiner Katze spirituelle Hilfe braucht, um auf die n\u00e4chste Ebene des Seins zu gelangen, weil sie sonst einsam und verloren in einer Starkstrom-Leitung h\u00e4ngt, um Energie f\u00fcr den Aufstieg zu tanken.<\/p>\n<p>Pah, was f\u00fcr ein Schwachsinn!<\/p>\n<p>Dennoch &#8230; S\u00e4mtliche Blumen waren halb erfrorener Matsch, auch die Stiefm\u00fctterchen in den Blumenk\u00fcbeln. Aber nicht die Stiefm\u00fctterchen auf Miras Grab.<\/p>\n<p>Meine Mutter verstand mich.<\/p>\n<p>\u201eDenkst du &#8230; ich meine &#8230; hast du manchmal das Gef\u00fchl, dass Mira noch bei uns ist?\u201c fragte ich sie am n\u00e4chsten Tag.<\/p>\n<p>Ihre Augen wurden feucht und sie sagte einfach nur \u201eJa\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Stiefm\u00fctterchen b\u00fc\u00dften auch im Sommer nichts von ihrer Pracht ein, obwohl alle anderen Blumen trotz Rasensprenger die Bl\u00e4tter h\u00e4ngen lie\u00dfen. Statt mit Schnee und sibirischer K\u00e4lte k\u00e4mpften wir nun mit Hitze und Trockenheit.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend wir gerade schwitzend unseren Eistee schl\u00fcrften und den Klimawandel verfluchten, klingelte das Telefon.<\/p>\n<p>Wir h\u00e4tten mit allem gerechnet: Die Lottogesellschaft, Missionare der Zeugen Jehovas oder Linda, die auf der Flucht vor dem Poltergeist in ihrem Haus um Asyl bitten wollte.<\/p>\n<p>Mit der Person, die tats\u00e4chlich am anderen Ende der Strippe war, rechnete niemand. Es war unsere Tier\u00e4rztin.<\/p>\n<p>Nach f\u00fcnf Minuten fragte mich meine Mutter: \u201eM\u00f6chtest du ein gestreiftes K\u00e4tzchen oder ein schwarzes?\u201c<\/p>\n<p>Ich blinzelte sie tr\u00e4ge an, mein Hirn war in der Hitze halb geschmolzen. \u201eK\u00e4tzchen? H\u00e4?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSieben kleine Miezen! In der Tierarztpraxis. Nat\u00fcrlich kann die Besitzerin sie nicht alle behalten. Deshalb will die Frau Doktor wissen, ob wir welche haben wollen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber was sollen wir denn mit sieben &#8230;\u201c<\/p>\n<p>\u201eQuatsch! Nicht sieben. Nur eins. Also h\u00e4ttest du lieber ein gestreiftes oder ein schwarzes? Mir ist es eigentlich egal.\u201c<\/p>\n<p>Ich war mir nicht sicher, was ich tat oder warum ich es tat &#8211;&nbsp; aber im n\u00e4chsten Moment sprang ich auf und strahlte sie an. \u201eEin schwarzes!\u201c<\/p>\n<p>\u201eNa dann, auf geht\u2019s!\u201c<\/p>\n<p>Eine Minute sp\u00e4ter sa\u00dfen wir im Auto, auf dem Weg zur Tierarztpraxis. Komisch, ich hatte nicht den geringsten Zweifel, das Richtige zu tun. Aber war es nicht ein Verrat an Mira &#8211;&nbsp; genau genommen der zweite? Am 13. Oktober hatte ich sie das erste Mal verraten, als ich mit ihr zum Tierarzt fuhr um sie einschl\u00e4fern zu lassen. Aber was h\u00e4tte ich tun sollen? Sie konnte doch nicht weiterleben, mit zwei total kaputten Nieren! Und nun wollten wir sie einfach ersetzen, wie einen Fernseher, der den Geist aufgegeben hat. Andererseits: Was war falsch daran, einem kleinen K\u00e4tzchen ein neues Zuhause zu geben?<\/p>\n<p>Nichts &#8211;&nbsp; das begriffen wir, als wir die Tierarztpraxis betraten, wo sich sieben knuffige kleine Pelzkn\u00e4ule auf dem Fu\u00dfboden tummelten, eines niedlicher als das andere. Die Tier\u00e4rztin griff sich das einzige schwarze Katzenbaby und setzte es meiner Mutter auf den Arm.<\/p>\n<p>Im selben Augenblick l\u00f6ste sich ein einzelnes Graues aus dem gurrenden, fiependen Gewimmel und taperte direkt auf mich zu. Ich ging in die Hocke, das K\u00e4tzchen rieb seinen winzigen Kopf an meinen Beinen und meiner Hand. Und schnurrte. So ein winziges Pelzkn\u00e4uel &#8211;&nbsp; aber es schnurrte lauter als eine N\u00e4hmaschine! Sein Fell fasste sich an wie Kaschmirwolle und es hatte einen Schwanz, fast so lang wie die Katze selbst.<\/p>\n<p>Aber das auff\u00e4lligste waren seine Augen: So gro\u00dfe, treue, braune Augen &#8230; fast wie die Augen eines Hundes. Im n\u00e4chsten Augenblick sprang mir das K\u00e4tzchen in die Arme. Ich war \u00fcberw\u00e4ltigt von der Hingabe dieses kleinen Wesens, kraulte es voller Entz\u00fccken &#8230; und es blickte mich die ganze Zeit \u00fcber aus diesen unglaublich treuen Augen an.<\/p>\n<p>\u201eUiiii, was bist du denn f\u00fcr eine knuddelige kleine wundersch\u00f6ne &#8230;\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs ist ein Kater\u201c, unterbrach mich die Tier\u00e4rztin am\u00fcsiert.<\/p>\n<p>\u201eAch so? Du bist also ein Kerl? Wie auch immer &#8230; so ein s\u00fc\u00dfer feiner z\u00e4rtlicher Kater! Dich gebe ich nicht wieder her!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann m\u00fcssen wir ihn wohl mitnehmen\u201c, meinte meine Mutter fatalistisch.<\/p>\n<p>\u201eUnd die schwarze?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie nehmen wir selbstverst\u00e4ndlich auch mit.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nun waren wir also stolze \u201eEltern\u201c von zwei Katzenbabys &#8211;&nbsp; was irgendwie so ist, als h\u00e4tte man dreij\u00e4hrige Zwillinge. Die schwarze tauften wir Cassie, abgeleitet von Cassandra, was sehr passend war f\u00fcr eine kleine schwarze kesse Hexenkatze. Das Katerchen hie\u00df zun\u00e4chst Timmy &#8211;&nbsp; aber damit waren wir nicht wirklich zufrieden.<\/p>\n<p>Den Kater k\u00fcmmerte das herzlich wenig. Er und Cassie waren viel zu sehr damit besch\u00e4ftigt, die Wohnung zu erforschen. Der Kater schnappte sich einen von meinen Zopfgummis und spazierte damit gl\u00fccklich fiepend von dannen. Ein paar Stunden sp\u00e4ter fand ich ihn in der Klosch\u00fcssel wieder. Den Zopfgummi, nicht den Kater. W\u00e4hrenddessen hatte Cassie herausgefunden, dass es einen Heidenspa\u00df machte, mit den Drehst\u00fchlen im Arbeitszimmer Karussell zu fahren. Meine Mutter schaute ihr ganz verz\u00fcckt dabei zu, aber mich packte pl\u00f6tzlich das schlechte Gewissen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Kleinen unsere Wohnung auf den Kopf stellten, hatte ich keine Sekunde an Mira gedacht.<\/p>\n<p>Die Stiefm\u00fctterchen auf ihrem Grab sahen bei weitem nicht mehr so frisch aus wie an den Tagen zuvor und ich f\u00fchlte mich noch mieser.<\/p>\n<p>\u201eHi Mi!\u201c begann ich und Tr\u00e4nen traten mir in die Augen. \u201eDu darfst nicht denken, dass ich dich nicht mehr lieb hab &#8230; Ich werde dich nie vergessen, wei\u00dft du. Du warst &#8230; du bist f\u00fcr mich etwas ganz besonderes. Eine Katze wie dich gibt es nur einmal. Und die beiden Kleinen &#8230;\u201c Nun wischte ich mir energisch die Tr\u00e4nen ab. \u201eBetrachte sie als deine Babys. Ich wei\u00df nicht, ob du gern Babys gehabt h\u00e4ttest &#8230; AUA!\u201c<\/p>\n<p>Verdammt, irgendwas hatte mich eben in den Hintern gestochen!<\/p>\n<p>Ich fuhr herum &#8211;&nbsp; und hinter mir stand Timmy. Er blickte mich frech und fordernd an.<\/p>\n<p>\u201eWarst du das gerade?\u201c fragte ich verbl\u00fcfft. Mira hatte mir manchmal die Krallen in den Hintern gebohrt, wenn ich auf der Couch gelegen und gelesen habe &#8211;&nbsp; und Madam der Meinung war, ihr st\u00fcnde etwas Aufmerksamkeit zu.<\/p>\n<p>\u201eMiiii!\u201c antwortete das Katerchen, ganz leise, fast Ultraschall.<\/p>\n<p>\u201eDas gibt\u2019s doch nicht!\u201c<\/p>\n<p>Mein Blick wanderte zu den Stiefm\u00fctterchen. Meine G\u00fcte, ich halluzinierte wahrscheinlich. Der Zustand der Pflanzen hatte sich in den letzten paar Minuten rapide verschlechtert. Ihre Bl\u00e4tter waren nicht mehr schlaff, sondern halb vertrocknet, ihre Bl\u00fcten rollten sich ein und fielen ab. Kein Zweifel, sie starben. Und ich weinte.<\/p>\n<p>Da sp\u00fcrte ich das wollige Fell des Katers, der um meine Beine strich und schmuste. Mira hatte mich auch immer getr\u00f6stet, wenn ich traurig war.<\/p>\n<p>Das Katerchen schaute nun gar nicht mehr frech, sondern irgendwie verst\u00e4ndig &#8230; als w\u00fcsste es genau, was in mir vorging.<\/p>\n<p>\u201eHi, Mi!\u201c schluchzte ich.<\/p>\n<p>Der Kater blinzelte.<\/p>\n<p>Hi Mi &#8230; Mihai &#8230; Mihai war ein sch\u00f6ner Name, rum\u00e4nisch f\u00fcr \u201eMichael\u201c &#8230;<\/p>\n<p>\u201eMihai? M\u00f6chtest du Mihai hei\u00dfen?\u201c<\/p>\n<p>Der Kater blinzelte wieder und gab ein leises \u201eMiiiii!\u201c von sich.<\/p>\n<p>\u201eNa, dann lass uns mal schauen, was dein Schwesterchen so treibt, Mihai.\u201c<\/p>\n<p>Der Kater stolzierte mit hoch erhobenem Schwanz vorneweg. In diesem Augenblick knickte das letzte Stiefm\u00fctterchen ein. Aber ich war nicht traurig dar\u00fcber.<\/p>\n<p>Ich hatte die Botschaft verstanden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00a9 2008 by Adriana Wipperling<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine junge Frau verliert ihre geliebte Katze. 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