{"id":185,"date":"2005-11-12T18:07:49","date_gmt":"2005-11-12T17:07:49","guid":{"rendered":"http:\/\/sandozean.de\/blog\/sandozean\/?p=185"},"modified":"2025-05-13T19:21:48","modified_gmt":"2025-05-13T19:21:48","slug":"am-rande-des-abgrunds-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/sandozean.de\/?p=185","title":{"rendered":"Am Rande des Abgrunds"},"content":{"rendered":"<p><em>Das Volk der Turuska ist im Krieg. Alle kr\u00e4ftigen M\u00e4nner und Frauen k\u00e4mpfen gegen einen gnadenlosen Feind. Kinder und Greise verrichten die schwere Feldarbeit \u2013 so wie die verbitterte Kah\u2019Nurij \u2026 <\/em><\/p>\n<p><strong>Heyla-Story von Anneliese Wipperling<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es war fr\u00fcher Nachmittag. Die hochgewachsene alte Frau mit den stumpfen grauen Augen und dem abweisend verkniffenen Mund trug die beiden schweren, bis oben hin mit F\u00e4kalien gef\u00fcllten Eimer leise \u00e4chzend zu einem der weit au\u00dferhalb des Zeltdorfes gelegenen W\u00fcsteng\u00e4rten des Hauses Massa: drei mit halb reifen Fr\u00fcchten schwer beladene Mombastr\u00e4ucher, drei\u00dfig Reihen Rukahpflanzen, zwei Schilab\u00e4ume, ein kleines Feld mit nahrhaftem W\u00fcstenkorn und ein Brunnenh\u00e4uschen mit einer alten rostigen Handpumpe. Alle paar Schritte blieb sie stehen, schaute sich besorgt nach heylanischen und tierischen Feinden um und wartete ergeben darauf, dass ihr Herz wieder Takt fasste.<br \/>\n\u201eMeine armen Knie!\u201c murmelte sie verbittert. \u201eAuch ohne Last tut jeder Schritt weh und mit diesen schweren, erb\u00e4rmlich stinkenden K\u00fcbeln \u2026 das ist Arbeit f\u00fcr einen kr\u00e4ftigen Mann \u2026 nicht f\u00fcr so ein altes Gestell wie mich. Am liebsten w\u00fcrde ich den ganzen Krempel hinschmei\u00dfen! Eine Sklavin hat es bestimmt auch nicht schwerer als ich. Der Abgrund ohne Wiederkehr ist angesichts dieser Schufterei richtig verlockend \u2026 wenn ich ihn nur endlich finden k\u00f6nnte! Wenn ich nur w\u00fcsste, wie die anderen das machen!\u201c<br \/>\nKurz entschlossen stellte sie die K\u00fcbel ab, setzte sich in den hei\u00dfen Sand und massierte hingebungsvoll ihre Kniegelenke. Sie waren dick geschwollen und hei\u00df. Die neue Salbe hatte nicht viel gebracht \u2026 ganz im Gegenteil.<br \/>\n\u201eVielleicht sollte ich besser wieder k\u00fchlen \u2026 aber dann muss ich regelm\u00e4\u00dfig an den einzigen Eisschrank des Clans gehen und der steht im Zelt des verdammten Heilers. Er bewahrt darin seine Medizin auf, Milch f\u00fcr die Babys und manchmal, wenn die Ah\u2019Maral wieder einmal einen Raspayati abschie\u00dfen mussten, leckeres Fleisch \u2026 aber davon habe ich nur als Kind ab und zu kosten d\u00fcrfen. Na ja \u2026 der oberschlaue Kerl wird beleidigt sein, wenn ich ihm sage, dass seine komische Salbe nichts taugt. Er wird wieder mit mir rumstreiten und behaupten, dass ich was falsch gemacht habe. Immer tut er so von oben herab, als wenn ich f\u00fcr alles zu dumm w\u00e4re, vor allem, wenn es um seine kostbaren Mixturen geht \u2026 und das nur, weil ich nicht richtig lesen und schreiben kann!\u201c<br \/>\nDie alte Frau rappelte sich m\u00fchsam wieder auf und griff nach den Henkeln der schweren, stinkenden Eimer. \u201eErst die Schei\u00dfe\u201d, munterte sie sich selber auf, \u201eund dann setze ich mich hinter das Brunnenh\u00e4uschen und suche den Abgrund ohne Wiederkehr. Muss ein nettes Pl\u00e4tzchen sein, wenn die Ah\u2019Maral so oft dorthin verschwinden. Ich bin ja angeblich nicht intelligent genug, um Kriegerin werden zu k\u00f6nnen. Deshalb hat sich kein Umahaij-Meister mit mir abgegeben und deshalb musste ich von klein auf Mist schleppen. Die haben mir die ganze schwere Arbeit aufgehalst, das was keiner gerne macht und irgendwann waren meine armen Knie kaputt \u2026\u201d Nun seufzte sie frustriert. \u201eHoffentlich finde ich den Abgrund diesmal! Ich habe es satt, immer nur im Kreis herumzulaufen! Die anderen haben zwar immerzu was von Bergen und Schluchten gelabert, aber vielleicht ist das alles nur Schwindel \u2026\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Als sie sich endlich dem Brunnenh\u00e4uschen n\u00e4herte, war es schon beinahe Abend. Die Sonne w\u00e4rmte noch, aber sie brannte nicht mehr wie Feuer auf der Haut. Die Schatten waren jetzt lang, dunkelgr\u00fcn und verlockend \u2026 trotzdem w\u00fcrde wohl nichts aus der gem\u00fctlichen Pause werden. Die Frau registrierte ver\u00e4rgert, dass sich dort zwei Kinder herumtrieben. Sie konnte Kinder noch weniger ausstehen als die Erwachsenen ihres Clans. Es war zwar lange her, dass sie unter ihnen gelitten hatte \u2026 inzwischen beachteten sie sie kaum noch, aber ein undefinierbarer Groll sa\u00df tief in ihrem Umah. Mit gerunzelten Brauen beobachtete sie die beiden &#8211;&nbsp; ein lockiges, zierliches M\u00e4dchen und einen d\u00fcnnen, langhaarigen Jungen, beide tiefschwarz, ungef\u00e4hr sechs und zehn Jahre alt &#8211;&nbsp; wie sie eifrig Wasser pumpten und es mit Gie\u00dfkannen auf die Beete zu verteilten. Sie wirkten lebhaft, unternehmungslustig und sehr gesund. Je l\u00e4nger sie zusah, um so mehr hasste die alte Frau sie: Ganz offensichtlich waren es selbstbewusste, angesehene Kinder \u2026 zuk\u00fcnftige Ah\u2019Maral.<br \/>\n\u201eDie machen die sch\u00f6ne, saubere Arbeit und ich muss den Dreck des ganzen Clans aufs Feld schleppen\u201c, \u00fcberlegte sie neidisch. \u201eWahrscheinlich verlangen sie auch noch von mir, dass ich den Mist sofort auf die Beete verteile und ihnen beim Gie\u00dfen helfe. Diese G\u00f6ren haben doch keine Ahnung, wie kaputt ich mich f\u00fchle \u2026 und wenn sie erst stolz mit ihren wei\u00dfen M\u00e4nteln herumwedeln d\u00fcrfen, werden sie so was wie mich \u00fcberhaupt nicht mehr wahrnehmen. Hoffentlich bin ich dann schon tot!\u201c<br \/>\nDie geh\u00e4ssigen Gedanken lenkten die Frau ab. Sie \u00fcbersah einen Stein, stolperte \u2026 pl\u00f6tzlich schoss ein scharfer Schmerz durch ihr linkes Bein. Die alte Frau taumelte hilflos, ihr wurde schwarz vor Augen und sie merkte nicht einmal, dass sich aus einem der Eimer ein Schwall br\u00e4unlicher Jauche \u00fcber ihre in groben Sandalen steckenden nackten F\u00fc\u00dfe ergoss. Wie ein gehorsamer Automat, dessen Energiespeicher fast leer sind, versuchte sie, ihre Aufgabe doch noch irgendwie zu Ende zu bringen: Mit ruckartigen Bewegungen gelang es ihr, die schwere Last sicher im Sand abzustellen. \u201eSeht ihr, ich bin gar nicht so ungeschickt, wie ihr immer behauptet!\u201c murmelte sie triumphierend. Dann wurde sie abrupt von ihrer Innenwelt verschlungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Es war wie immer. Sie war vollst\u00e4ndig nackt und eine gleichm\u00e4\u00dfige graue Nebelwatte h\u00fcllte sie so dicht ein, dass sie nicht einmal ihre F\u00fc\u00dfe sehen konnte. Auch der Untergrund war der der gleiche wie sonst \u2026 sehr feink\u00f6rniger, lauwarmer, weicher Sand, der sanft ihre Fu\u00dfsohlen und Zehen liebkoste und es war wieder unnat\u00fcrlich still. Die Lautlosigkeit war so extrem, dass sie die schwachen Willenskr\u00e4fte der Frau wie ein Schwamm aufsaugte \u2026 sie apathisch und hilflos im Nirgendwo taumeln lie\u00df.<br \/>\n\u201eDiese Klugschei\u00dfer!\u201d murmelte sie frustriert. \u201eDie sollten mal versuchen, hier drin was zu finden! Da ist nichts Interessantes und vor allem kein Fluchtweg in den Tod. Leider bin ich zu feige, um einen Dolch oder Strick zu benutzen. Das tut bestimmt verdammt weh und ich habe Angst vor Schmerzen \u2026 das mit den Knien ist schon schlimm genug.\u201d<br \/>\nWie als Antwort auf ihre Gedanken begann es hei\u00df und unangenehm in ihren \u00fcberanstrengten Armen und Beinen zu pochen. Das Herz schlug wild von innen gegen die Rippen, ihr hechelnder Atem sorgte daf\u00fcr, dass sich der Nebel zum ersten Mal in ihrem Leben ein wenig lichtete. Jetzt sah sie wenigstens ihre schwieligen F\u00fc\u00dfe und unz\u00e4hlige Spuren im Sand. Die meisten stammten wahrscheinlich von ihr \u2026 aber nicht alle.<br \/>\n\u201eDa ist noch jemand in meinem Geist? Jemand, den ich in meinem Inneren festgehalten habe \u2026 und das, obwohl ich mir sonst rein gar nichts merken kann?\u201c wunderte sich die alte Frau. \u201eIch habe all die Jahre nichts gesp\u00fcrt \u2026\u201c<br \/>\nPl\u00f6tzlich war ihre Neugier so \u00fcberm\u00e4chtig, dass sie auf allen Vieren mit angehaltenem Atem den geriffelten Spuren dicker Sohlen folgte, die zu ziemlich gro\u00dfen F\u00fc\u00dfen geh\u00f6ren mussten. Zum ersten Mal fand sie etwas in ihrem grau vernebelten Geist: einen gro\u00dfen, w\u00fcrdevollen Mann im wei\u00dfen Mantel, der mit seinem scharfen Dolch gerade eine tote Gef\u00e4hrtin aufschlitzte und ein winziges, zappelndes Etwas ins Licht hob.<br \/>\n\u201eAh, Kah\u2019 Nurij! Ich habe lange auf dich gewartet\u201d, sagte er und musterte sie freundlich. \u201eWas ist nur aus dir geworden? Du siehst so verbittert aus \u2026\u201d<br \/>\n\u201eWer bist du? Woher kennst du mich?\u201c<br \/>\n\u201eIch bin Rhoan, der Anf\u00fchrer deiner Mutter Kah\u2019 Selja.\u201d Jetzt l\u00e4chelte der Mann traurig und setzte leise hinzu: \u201eBevor du mich fragst \u2026 nein, ich bin nicht dein leiblicher Vater \u2026 aber ich war, als du noch sicher in der gr\u00fcnen H\u00f6hle geborgen warst, dein v\u00e4terlicher Freund. Ich habe oft Kontakt zu dir gesucht und mich an deinen zarten mentalen Schwingungen erfreut. Du warst damals sanft, fr\u00f6hlich und auf eine ganz besondere Art weise \u2026 ein Kind, das zu gro\u00dfen Hoffnungen berechtigte. Aber dann geriet ich mit einigen Waffengeschwistern in einen Hinterhalt der S\u00f6ldner des Hauses Sadam \u2026 f\u00fcnf M\u00e4nner und drei Frauen meiner Bruderschaft fielen im Kampf \u2026 auch deine schwangere Mutter. Ich habe versucht, dich zu retten, aber du warst noch so winzig und der Weg zum n\u00e4chsten Heiler viel zu weit. Immer wieder musste ich dir von meinem Atem abgeben und dein Herz massieren. Als wir bei den Zelten des Hauses Massa ankamen, warst du schon sehr weit fort \u2026 du warst nicht mehr dasselbe Kind. Ein Teil deines Umahs ging f\u00fcr immer verloren \u2026\u201d<br \/>\n\u201eAch so, deshalb halten mich alle f\u00fcr minderbemittelt! Und deshalb hast du dich nicht weiter um mich gek\u00fcmmert!\u201d schrie die Frau gekr\u00e4nkt. \u201eUnd weil ich so kaputt bin, hat mich nat\u00fcrlich auch kein Mann erw\u00e4hlt. Ich f\u00fchle mich wie eine ged\u00f6rrte Mombafrucht. Du h\u00e4ttest mich sterben lassen sollen!\u201d<br \/>\n\u201eKah\u2019 Nurij\u201d, antwortete der Krieger ernst. \u201eIch habe dir damals ein Abbild meines Selbst geschenkt, um deinen Geist zu stabilisieren. Mehr konnte ich nicht tun, denn ich verlor leider nur wenige Tage nach Kah\u2019Selja Tod den Kontakt zu meinem realen Selbst \u2026 wahrscheinlich hat sich sein Umah ebenfalls zerstreut. Glaub mir, ich h\u00e4tte sonst beim Rat der Anf\u00fchrer etwas f\u00fcr dich arrangiert. Deine Gene sind vollkommen in Ordnung. Du h\u00e4ttest eine Mutter von Kriegern werden k\u00f6nnen \u2026\u201d<br \/>\n\u201eAber das wussten die anderen doch auch: der Heiler zum Beispiel \u2026 und die \u00e4lteste Mutter des Hauses Massa \u2026\u201d<br \/>\n\u201eIch verstehe nicht, warum sie dir gegen\u00fcber so gleichg\u00fcltig waren. Da ich in diesem undurchdringlichen Nebel gefangen war, wei\u00df ich nicht, was da drau\u00dfen passiert ist.\u201c<br \/>\n\u201eVielleicht brauchten sie ja jemanden, der f\u00fcr sie die Jauche schleppt\u201c, bemerkte die Frau bitter. \u201eUnd wenn sie daf\u00fcr nicht genug Dumme haben \u2026\u201c Mit b\u00f6se glitzernden Augen lie\u00df sie den Satz in der Schwebe.<br \/>\n\u201eDas ist eine sehr schwer wiegende Anschuldigung\u201c, konterte der Krieger ernst. \u201eGibt es Gr\u00fcnde, weshalb du so schlecht von deinen Verwandten denkst?\u201c<br \/>\nKah\u2019Nurij schwieg nachdenklich. \u201eDie anderen Kinder haben mich dauernd verspottet\u201c, bekannte sie schlie\u00dflich leise. \u201eDie Lehrer schimpften mit mir, weil ich mir nichts merken konnte \u2026 der bl\u00f6de Gedankentechniker gab mir ein \u00dcbungsprogramm, bei dem mir jedes Mal fast der Kopf platzte. Irgendwann habe ich da nicht mehr mitgemacht \u2026 bin einfach nicht mehr hingegangen. Ich bin lieber durch die W\u00fcste gestreift \u2026 einfach so.\u201c<br \/>\n\u201eUnd dann haben sie dir Arbeit zugeteilt, weil mitten im Krieg niemand auf Kosten der Vielen spielen und tr\u00e4umen darf \u2026\u201c<br \/>\n\u201eHmmm\u201c, brummte die Frau verlegen.<br \/>\n\u201eDu entt\u00e4uschst mich\u201c, sagte Rhoan leise. \u201eDu h\u00e4ttest gegen den Nebel in deinem Geist ank\u00e4mpfen m\u00fcssen \u2026 dich nicht von allen zur\u00fcckziehen d\u00fcrfen \u2026 deinen Lehrern und dem Gedankentechniker vertrauen \u2026 dann h\u00e4tte ich nicht zweihundert Jahre warten m\u00fcssen, bis du mich endlich bemerkst. Dann h\u00e4tte ich dir fr\u00fcher sagen k\u00f6nnen, wie sehr deine Mutter und die Krieger ihrer Bruderschaft dich geliebt haben.\u201c<br \/>\n\u201eDavon habe ich nichts gemerkt. Niemand hat sich bei mir sehen lassen!\u201c<br \/>\n\u201eDu verstehst das nicht, Kah\u2019Nurij. Der Kampf ist m\u00f6rderisch, deshalb k\u00f6nnen sich die Ah\u2019Maral nur in Ausnahmef\u00e4llen um die Zelte der Clans k\u00fcmmern. Au\u00dferdem sterben jeden Tag Krieger und werden durch neue K\u00e4mpfer ersetzt. Wahrscheinlich war schon bald niemand mehr da, der dein unversehrtes Umah kannte.\u201c<br \/>\n\u201eIch hielt die Krieger immer f\u00fcr hochm\u00fctig und privilegiert \u2026\u201c<br \/>\n\u201eDer wei\u00dfe Mantel bedeutet nichts weiter als die Anwartschaft auf ein \u00dcberma\u00df an Stresshormonen im Blut und einen fr\u00fchen Tod\u201d, antwortete Rhoan schwerm\u00fctig. \u201eDie Ah\u2019 Maral k\u00e4mpfen wie im Fieber \u2026 schlafen ein paar Stunden \u2026 oder vereinigen sich mit verzweifelter Glut \u2026 ziehen wieder hinaus in die W\u00fcste \u2026 und die Leute bei den Zelten arbeiten bis zum Umfallen. Alle Turuska haben es schwer.\u201d<br \/>\n\u201eTrotzdem \u2026 Tag f\u00fcr Tag diese schweren Eimer \u2026\u201c<br \/>\n\u201eBitte um eine andere Arbeit! Rede mit dem Heiler! Sag ihm, wie du dich f\u00fchlst!\u201c<br \/>\n\u201eEigentlich will ich nicht mehr\u201d, murmelte Kah\u2019 Nurij frustriert. \u201eZeig mir lieber den Abgrund ohne Wiederkehr, dann habe ich endlich meine Ruhe!\u201d<br \/>\n\u201eDu willst dich wieder vor allem dr\u00fccken\u201c, protestierte Rhoan streng. \u201eDu bist noch lange nicht nutzlos f\u00fcr die Gemeinschaft. Vergleiche nicht dauernd dein Los mit dem der anderen, h\u00f6r auf, dich selbst zu bemitleiden und tu einfach deine Pflicht!\u201c<br \/>\n\u201eDu willst mir wirklich nicht helfen?\u201c<br \/>\n\u201eDoch, ich bin immer f\u00fcr dich da \u2026 du wei\u00dft ja jetzt, wo du mich finden kannst.\u201c<br \/>\n\u201eAlso muss ich diesen verdammten Kindern doch gegen\u00fcbertreten \u2026\u201c<br \/>\n\u201eWelchen Kindern? Hast du bereits schlechte Erfahrungen mit ihnen gemacht?\u201c fragte der Krieger besorgt.<br \/>\n\u201eEigentlich nicht \u2026 ich kenne sie gar nicht n\u00e4her. Sie bew\u00e4ssern gerade den Garten, zu dem ich die K\u00fcbel bringen muss. Sie lachen mich vielleicht aus \u2026\u201c<br \/>\nRhoan l\u00e4chelte aufmunternd. \u201eIch glaube, jetzt verallgemeinerst du die Erfahrungen aus deiner Kindheit zu sehr. Versuche, freundlicher und offener zu deinen Mitturuska zu sein! Sieh ihnen in die Augen! Rede mit ihnen! Vielleicht findest du sogar Freunde \u2026\u201c<br \/>\nPl\u00f6tzlich l\u00f6ste sich der Nebel auf und die alte Frau blinzelte heftig in die schr\u00e4gen, grellgr\u00fcnen Strahlen der Abendsonne. Jetzt erst merkte sie, dass ihr jemand die Sandalen ausgezogen hatte und ihre F\u00fc\u00dfe behutsam mit k\u00fchlem Brunnenwasser wusch.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>\u201eTante\u201c, fragte das kleine dunkle M\u00e4dchen und Panik schwang in ihrer Stimme mit. \u201eTante, was ist mit dir? Sollen wir ganz schnell den Heiler holen?\u201c<br \/>\n\u201eJa\u201c, setzte der gro\u00dfe Junge ernsthaft hinzu. \u201eDu kannst dich solange unbesorgt im Schatten ausruhen. Wir bringen sp\u00e4ter f\u00fcr dich den D\u00fcnger zu den Pflanzen.\u201c<br \/>\n\u201eDanke\u201c, fl\u00fcsterte die alte Frau verlegen. \u201eDamit habe ich nicht gerechnet. Und was den Heiler angeht \u2026 den brauche ich nicht \u2026 das wird schon wieder von selbst.\u201c<br \/>\n\u201eWir helfen den Schwachen und Wehrlosen und bek\u00e4mpfen die Feinde unseres Volkes\u201c, erkl\u00e4rte der Junge mit leuchtenden Augen und stolz geschwellter Brust.<br \/>\nPl\u00f6tzlich war alles ganz einfach. \u201eIch hei\u00dfe Kah\u2019 Nurij und bin eine Tochter von Kriegern. Ich bin gar nicht schwach und hilflos. Solange ich noch diese Eimer tragen kann \u2026\u201d<br \/>\n\u201eDu k\u00f6nntest kleinere nehmen\u201c, schlug das M\u00e4dchen sch\u00fcchtern vor.<br \/>\n\u201eAber dann bin ich gezwungen, den Weg zweimal zu gehen\u201c, widersprach die Frau ernst. \u201eDas ist auch nicht gut f\u00fcr meine alten Knochen.\u201c<br \/>\n\u201eMeine Schwester und ich m\u00fcssen nicht mit leeren H\u00e4nden zu den G\u00e4rten gehen \u2026\u201c In den dunklen Augen des Jungen war jetzt ein warmes Licht. \u201eWir helfen dir beim Tragen.\u201c<br \/>\n\u201eUnd ich helfe euch ab morgen beim Gie\u00dfen.\u201c<br \/>\nZufrieden sah Kah\u2019Nurij zu, wie die beiden Kinder flink durch die Reihen eilten, warf einen Blick auf ihre sauber geschrubbten Sandalen \u2026 ganz oben sangen zwei Glasv\u00f6gel ihr Paarungslied. F\u00fcr so einen Augenblick lohnte es sich zu leben und zu k\u00e4mpfen \u2026 egal ob mit Laser und Dolch \u2026 oder mit schweren Eimern voll Jauche.<\/p>\n<p>\u00a9 2005 by Anneliese Wipperling<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Volk der Turuska ist im Krieg. Alle kr\u00e4ftigen M\u00e4nner und Frauen k\u00e4mpfen gegen einen gnadenlosen Feind. 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