{"id":179,"date":"2005-07-20T18:00:41","date_gmt":"2005-07-20T17:00:41","guid":{"rendered":"http:\/\/sandozean.de\/blog\/sandozean\/?p=179"},"modified":"2025-05-13T19:23:30","modified_gmt":"2025-05-13T19:23:30","slug":"kindermund","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/sandozean.de\/?p=179","title":{"rendered":"Kindermund"},"content":{"rendered":"<p><em>Immer \u00c4rger mit dem Nachwuchs! Als ihr Baby eine kristalline Lebensform verschleppt, sieht die cardassianische Botschafterin Yanar Antorra eine diplomatische Krise auf sich zukommen \u2026<\/em><\/p>\n<p><strong>&nbsp;Star Trek Story von Adriana Wipperling<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ich liebe meinen neuen Posten &#8211; aber ich hasse die morgendliche Hektik. Von Zeit zu Zeit \u00fcberlege ich sogar, in der Botschaft \u00fcbernachten, wo ich nicht Gefahr laufe, morgens im Halbschlaf \u00fcber Arons Futterkiste zu stolpern \u2026 oder \u00fcber T\u2019Narak, die auf dem Fu\u00dfboden herumkrabbelt und an den Teppichfransen lutscht, weil sie angeblich \u201esaure N\u00e4hrstoffe\u201c enthalten. Dabei wei\u00df die kleine Landplage mit Sicherheit nicht, was N\u00e4hrstoffe sind, und ich habe keine Ahnung, was sie da wieder mal in Arons oder meinem Geist gelesen hat. Vermutlich in meinem, denn mein Mann ist Vulkanier, ein starker Telepath. Der Gl\u00fcckliche kann sich abschirmen, wenn er keinen mentalen Kontakt w\u00fcnscht &#8211; ich dagegen merke es meistens nicht einmal, wenn jemand meine Gedanken liest.<\/p>\n<p>Aber T\u2019Narak zu sagen, dass sie nicht in meinem Geist herumschn\u00fcffeln soll, ist genauso zwecklos, wie ihr zu verbieten, die Zeltstangen hochzuklettern. Damit hat sich mich eines Tages derma\u00dfen zur Wei\u00dfglut gebracht, dass ich ein B\u00fcndel Socken nach ihr geworfen habe \u2026 Sie hat nur leise gejauchzt und versucht, es zu fangen. Wahrscheinlich muss sie erst runterfallen und sich ein paar blaue Flecke holen, bevor sie von ihrer Klettersucht geheilt ist.<\/p>\n<p>Dabei kann sie so niedlich sein, wenn sie sich eine fixe Idee in den Kopf gesetzt hat! Ihre Augen sind dann riesengro\u00df und ganz ernst, sie wirkt in solchen Augenblicken richtig weise, obwohl das gewaltig t\u00e4uscht.<\/p>\n<p>Ich stecke meine Haare hoch, klemme mir T\u2019Narak unter den Arm \u2026 sie protestiert lauthals, weil ich sie von ihrem geliebten Teppich wegrei\u00dfe \u2026 und mache mich schleunigst auf den Weg zur Transporterplattform des Hauses Boras. In einer Stunde trifft die Wallanische Delegation in der Botschaft ein und ich habe eine ganze Woche an meiner Begr\u00fc\u00dfungsrede gearbeitet. Immerhin haben die Wahrtr\u00e4umer der Turuska vorausgesehen, dass Cardassia eines Tages in die F\u00f6deration aufgenommen wird und ich als Botschafterin Cardassias auf Vulkan einen wichtigen Beitrag dazu leisten werde. Meine Pflichten nehme ich ernst!<\/p>\n<p>Leider hat unsere Babysitterin T\u2019Paslar sich die H\u00fcfte gebrochen weil sie gestern Abend &#8211; mit ihrem Gemahl an selbiger verbunden &#8211; von einem Felsvorsprung gefallen war. Ihr Mann hat wohl Gl\u00fcck gehabt, weil er weich auf ihr gelandet war. Mir hat sie einmal gestanden, dass sie nur unter freiem Himmel und in Schwindel erregenden H\u00f6hen f\u00fcr eine gute Entr\u00fcckung inspiriert sei. Ansonsten bek\u00e4me sie nur fade, abgedroschene Visionen beim Orgasmus. Nun ja, T\u2019Paslar ist Arons Nichte und auf ihre Weise genauso verr\u00fcckt wie er. Wahrscheinlich verstehen sie und T\u2019Narak sich deshalb so gut \u2026 Seit T\u2019Paslar einmal auf meine Kleine aufgepasst hat, werden die anderen Kinderm\u00e4dchen schlicht und einfach ignoriert.<\/p>\n<p>Aron ist in seiner Praxis \u2026 eine Bindungsl\u00f6schung bei irgendeiner Philosophieb\u00fcrokratin \u2026 er hat sich vollst\u00e4ndig abgeschirmt. Also bleibt mir nichts weiter \u00fcbrig, als T\u2019Narak heute in die Botschaft mitzunehmen und zu hoffen, dass diese Wallaner kinderlieb sind. Dabei kriegen sie \u00fcberhaupt keine Kinder \u2026 jedenfalls nicht so wie wir Humanoiden. Die Wallaner sind anorganische Lebensformen, wundersch\u00f6ne, funkelnde Kristalle, etwa handtellergro\u00df. Ein erstaunliches Volk \u2026 es besch\u00e4ftigt sich fast nur mit Kunst und Philosophie. Ich freue mich schon sehr auf das Treffen und hoffe, dass T\u2019Narak sich anst\u00e4ndig benimmt.<\/p>\n<p>Als wir in Shi\u2019Kar materialisieren, sieht sie sich mit gro\u00dfen Augen um \u2026 dann zeigt sie auf einen vor\u00fcbergehenden Andorianer.<\/p>\n<p>\u201eMama, Mama, blauer Mann mit L\u00f6ffeln auf dem Kopf\u201c , quietscht sie begeistert.<\/p>\n<p>\u201eDas sind keine L\u00f6ffel, Sch\u00e4tzchen, sondern F\u00fchler\u201c , erkl\u00e4re ich geduldig. \u201eEr ist ein Andorianer und kann damit riechen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAndo\u2026\u201c Sie schafft es nicht, das schwere Wort auszusprechen. Dann strahlt sie. \u201eF\u00fchler!\u201c<\/p>\n<p>Oh nein \u2026 ich kenne diesen Blick! Wie sie dem Andorianer hinterher starrt und dabei ungeduldig an meinem Arm herumzerrt \u2026 Sie hat sich schon wieder eine fixe Idee in den Kopf gesetzt! Wahrscheinlich will sie die F\u00fchler anfassen oder \u2026 Ich halte ihre Hand so fest ich kann, denn wenn ich mir das Gew\u00fchle auf der Stra\u00dfe ansehe \u2026 meine Kleine wird sich hoffnungslos verirren und ich werde sie nicht wieder finden \u2026 dann darf ich die Ordnungsh\u00fcter rufen \u2026 Wenn ich das hier \u00fcberstanden habe, pflanze ich ihr einen Transponder ein und nehme zu jedem Ausflug einen OrtzuOrtTransporter mit!<\/p>\n<p>Oder ich lege sie ganz einfach an die Leine.<\/p>\n<p>Der Transporterchief bittet mich um meinen Kreditchip, ich greife in meine Handtasche \u2026 das kleine Biest nutzt die Ablenkung sofort und rei\u00dft sich los. \u201eT\u2019Narak, bleib stehen &#8211; sofort!\u201c br\u00fclle ich ihr verzweifelt hinterher. Nat\u00fcrlich h\u00f6rt sie nicht auf mich.<\/p>\n<p>Einige Passanten drehen sich neugierig um, der Transporterchief &#8211; ein bleicher, gefriergetrockneter Philosophieb\u00fcrokrat &#8211; hebt lediglich eine Augenbraue.<\/p>\n<p>\u201eWarten Sie bitte einen Augenblick &#8211; mein Kind \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eIhren Chip bitte\u201c , fordert er unger\u00fchrt.<\/p>\n<p>\u201eAber machen Sie schnell!\u201c fauche ich ihn an.<\/p>\n<p>Oh, dieser geistig retardierte Selath! Ich sehe T\u2019Narak nicht mehr \u2026 sie ist in der Menge verschwunden. Wie kann sie auf ihren kleinen Beinchen nur so flink sein? Das ist mir ein R\u00e4tsel \u2026 Also halte ich Ausschau nach den F\u00fchlern des Andorianers \u2026 Da! Zu dumm, dass ich in diesem langen, engen Kleid, das ich f\u00fcr den Empfang angezogen habe, nicht vorw\u00e4rts komme \u2026 In einem pl\u00f6tzlichen Geistesblitz ziehe ich mein Armeemesser aus der Tasche, schlitze den Rock rechts und links bis zu den H\u00fcften auf \u2026 egal, ob diese Wallaner mich nachher schief angucken \u2026 die haben doch nicht einmal Augen!<\/p>\n<p>Nun kann ich endlich rennen! Jetzt drehen sich die Leute erst recht nach mir um und sch\u00fctteln ihre spitzohrigen K\u00f6pfe. In der Hauptstadt Vulkans ist man wohl nicht an den Anblick von Cardassianern gew\u00f6hnt &#8211; vor allem nicht, wenn sie wie die aufgescheuchten Moorh\u00fchner durch die Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen flattern und jeden beiseite schubsen, der ihren im Weg ist.<\/p>\n<p>T\u2019Narak steht, wie erwartet, vor dem Andorianer und streckt ihr kleines H\u00e4ndchen nach ihm aus. Er l\u00e4chelt am\u00fcsiert auf sie herab &#8211; doch als er mich erblickt, verfinstert sich seine Miene. \u201eKann ich Ihnen irgendwie behilflich sein?\u201c fragt er k\u00fchl.<\/p>\n<p>\u201eIch bin Botschafterin Yanar Antorra, die Kleine ist zuf\u00e4llig mein Kind.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSoviel zu der Theorie, dass cardassianische Kinder gehorsam seien\u201c , meint er sp\u00f6ttisch.<\/p>\n<p>\u201eSie ist ein vulkanisches Kind, wie man sieht\u201c, kontere ich genauso frostig. Es stimmt ja auch. Im Institut f\u00fcr Genetik wurden meine cardassianischen Erbanlagen vollst\u00e4ndig \u00fcbersetzt, T\u2019Narak ist schwarz wie ihr Vater, hat gro\u00dfe graue Augen und kleine s\u00fc\u00dfe spitze Ohren. Immer diese Vorurteile! Es ist schlie\u00dflich nicht meine Schuld, dass ich auf dem falschen Planeten geboren wurde, und ich w\u00fcnschte selbst oft, es w\u00e4re anders.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&nbsp;* * *<\/p>\n<p>&nbsp;Mit T\u2019Narak auf dem Arm betrete ich mein B\u00fcro und wahrscheinlich wirke ich genauso abgehetzt wie ich mich f\u00fchle. Jivara, meine Adjutantin, mustert mich jedenfalls skeptisch bis entsetzt von Kopf bis Fu\u00df. \u201eMeine G\u00fcte, Yanar, was ist passiert? Bei allem Respekt &#8211; Sie sehen aus, als w\u00e4ren Sie hinter einem Gleiter hergeschleift worden!\u201c<\/p>\n<p>\u201e\u00dcbertreibung war schon immer Ihr Problem, Jivara.\u201c<\/p>\n<p>Obwohl ich sie angrinse, wird sie bleich. \u201eDas sagte die Hohe Richterin Makbar auch.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs tut mir Leid \u2026\u201c Meine Hand ruht kurz auf ihrer Schulter.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher war sie Universit\u00e4tsdozentin in der Mektat-Kolonie. Was sie \u201e\u00fcbertrieben\u201c hatte, waren die Verbrechen des cardassianischen Milit\u00e4rs w\u00e4hrend der Grenzkriege.<\/p>\n<p>Ich f\u00fcrchte, T\u2019Narak hat einige Bilder aus ihrem Geist aufgeschnappt, denn sie versteckt sich \u00e4ngstlich hinter meinem R\u00fccken. Jetzt lugt sie hervor und Jivara ist voll verwandelt. \u201eWen haben wir denn da?\u201c ruft sie entz\u00fcckt. \u201eNa, du bist ja ein s\u00fc\u00dfes, kleines, herziges \u2026\u201c<\/p>\n<p>T\u2019Narak h\u00e4lt den Kopf leicht schief und lutscht an ihrem Mittelfinger.<\/p>\n<p>\u201eWie alt ist sie jetzt? Achtzehn Monate?\u201c<\/p>\n<p>Ein Gl\u00fcck! Ich hatte schon bef\u00fcrcht, Jivara geh\u00f6re zu dieses Frauen, die in Anwesenheit eines Kleinkindes binnen drei\u00dfig Sekunden Sprachzentrum und Gro\u00dfhirnrinde ausschalten!<\/p>\n<p>\u201eSiebzehn\u201c, korrigiere ich.<\/p>\n<p>\u201eDas ist ja erstaunlich &#8211; sie l\u00e4uft schon so gut!\u201c<\/p>\n<p>Bei soviel Komplimenten wird T\u2019Narak zutraulich und krabbelt ein St\u00fcck n\u00e4her. Sie ist sehr w\u00e4hlerisch, was den Umgang mit Fremden betrifft &#8211; aber irgendwie hat sie sich spontan entschieden, meine Adjutantin zu m\u00f6gen. \u201eDu siehst ja aus wie Mama!\u201c ruft sie voller Begeisterung und Jivara strahlt.<\/p>\n<p>\u201eDas stimmt nicht ganz, aber Jivara ist Cardassianerin, wie ich.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSprechen kann sie auch schon &#8211; wie wundervoll!\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, sie l\u00e4uft und sie spricht &#8211; und das ist manchmal ein gro\u00dfes Problem\u201c, seufze ich.<\/p>\n<p>Ich habe beobachtet, dass Turuskakinder besonders fr\u00fch sprechen lernen, was wohl an ihren telepathischen F\u00e4higkeiten liegt. Und T\u2019Narak ist mental genauso begabt wie ihr Vater \u2026 h\u00f6chstwahrscheinlich hat sie auch seine F\u00e4higkeit geerbt, mit der puren Kraft des Geistes Lust und Schmerz zu erzeugen \u2026 sogar zu t\u00f6ten. Zum Gl\u00fcck hat sie noch nicht herausgefunden, wie man das anstellt! Mir ist der Gedanke extrem unheimlich \u2026 die Vorstellung, dass mir T\u2019Narak in ihrer Bockphase die Eingeweide grillt \u2026<\/p>\n<p>\u201eYanar, die Wallanische Delegation ist soeben ins Foyer gebeamt\u201c, teilte mir mein Sicherheitsattach\u00e9 via Com-Anlage mit.<\/p>\n<p>\u201eDanke. Dann werde ich mich mal in die Empfangshalle begeben \u2026\u201c<\/p>\n<p>Meine Adjutantin r\u00e4uspert sich. \u201eIhr Kleid, Yanar \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eHach, ja &#8230; K\u00f6nnen Sie mir vielleicht eins leihen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNat\u00fcrlich.\u201c Jivara macht sich auf den Weg zur Garderobe, sch\u00fcttelt den Kopf und l\u00e4chelt.<\/p>\n<p>T\u2019Naraks Glucksen begleitet sie.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&nbsp;* * *<\/p>\n<p>Meine Rede vor der wallanischen Delegation war ein voller Erfolg. Die Anwesenden applaudierten und die winzigen Translatoren auf den R\u00fccken der Wallaner blinkten anerkennend. Obwohl es f\u00fcr mich eine echte Premiere war, einer gepolsterten Schachtel voller Kristalle etwas \u00fcber V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung zu erz\u00e4hlen \u2026<\/p>\n<p>Ich teilte meinen Mitarbeitern je einen Wallaner zum Herumtragen und Bemuttern zu, f\u00fchrte die Offiziere des Sternenflottenschiffes, das die Waller bef\u00f6rdert hat, zum Buffet, beantwortete die Fragen von einem halben Dutzend Journalisten und &#8211; absolut vertieft eine philosophische Diskussion mit dem ovalen gr\u00fcnen Chefkristall &#8211; bemerkte ich nicht, dass Ikat, mein Sicherheitsattach\u00e9, etwas von mir will. Erst jetzt, als er mich anstubst \u2026 \u201eYanar, ein Mitglied der Wallanischen Delegation ist verschwunden!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas \u2026 Wie bitte?\u201c stammele ich und der Wallener auf meiner Hand blinkt ganz alarmiert mit seinem Translator herum. \u201eWer ist es?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer Kultusminister.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHast du einen Verdacht, wer mit seinem Verschwinden zu tun haben k\u00f6nnte?\u201c Doch nicht etwa diese rassistischen Fanatiker von \u201eVulkans Reinheit und Macht\u201c \u2026<\/p>\n<p>Ikats breites, jungenhaftes L\u00e4cheln beruhigt mich etwas. \u201eIch m\u00f6chte ja niemandem etwas unterstellen &#8230; aber der Botschafts-Kindergarten ist wohl nicht gerade ausbruchssicher.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWillst du damit andeuten, T\u2019Narak sei hier rumgekrabbelt?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEin kleiner, schwarzer Kugelblitz, der mit T\u2019Narak identisch gewesen sein k\u00f6nnte.\u201c<\/p>\n<p>Ich kann nur noch entnervt seufzen, verabschiede mich h\u00f6flich von dem gr\u00fcnen Wallaner und \u00fcberlasse ihn Ikats f\u00fcrsorglichen H\u00e4nden.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich verl\u00f6schen s\u00e4mtliche Lichter und Com-Bildschirme im Raum, ein paar Frauen schreien leise auf, ein Tellarit in Sternenflottenuniform grunzt missbilligend, s\u00e4mtliche Presseleute st\u00fcrzen sich sofort mit Mikrophonen auf mich \u2026 da merken sie, dass ihre kleinen Aufnahmeger\u00e4te nicht funktionieren. Ich verkneife mir ein schadenfrohes Kichern, denn das w\u00e4re nicht sehr diplomatisch. Au\u00dferdem werden sie sich fr\u00fch genug r\u00e4chen, wenn sich herausstellt, dass mein kleines Biest von Tochter \u2026 ich kann mir die Schlagzeilen schon lebhaft vorstellen: \u201eKrabbelkind gef\u00e4hrdet diplomatische Beziehungen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eMeine Damen und Herren, seien Sie beruhigt. Wir haben alles unter Kontrolle!\u201c Meine Stimme klingt freundlich, aber energisch, wie es sich geh\u00f6rt. \u201eIch werde mal kurz nach dem Rechten sehen \u2026 Genie\u00dfen Sie das Buffet &#8211; ich bin gleich wieder f\u00fcr Sie da! Und Seien Sie versichert, dass wir in K\u00fcrze die Ursache dieser &#8230; Unannehmlichkeit finden.\u201c<\/p>\n<p>Aber die kenne ich l\u00e4ngst: Wallaner sind keine h\u00fcbschen, bunten Klunkern, sondern Gesch\u00f6pfe von gro\u00dfer Macht. Die U.S.S. CASABLANCA war tagelang im Orbit ihrer Heimatwelt gefangen, weil der Captain ein paar besonders angesehene Philosophen respektloser Weise in seine Tasche gestopft hatte. Dem Schiff war s\u00e4mtliche Energie entzogen worden, das Au\u00dfenteam konnte nicht raufbeamen, die Lebenserhaltung versagte \u2026 Gl\u00fccklicherweise kl\u00e4rte sich das Missverst\u00e4ndnis und Walla wurde Mitglied der F\u00f6deration.<\/p>\n<p>Hoffentlich sind sie diesmal auch so gro\u00dfm\u00fctig! Bitte, T\u2019Narak \u2026<\/p>\n<p>Wie bef\u00fcrchtet, lutscht sie an einem trapezf\u00f6rmigen roten Kristall herum.<\/p>\n<p>\u201eT\u2019Narak, nimm sofort den Kultusminister aus dem Mund!\u201c<\/p>\n<p>Sie sieht mich nur mit kreisrunden Augen bar jeder Vernunft an. Dabei versteht sie mit Sicherheit, was ich von ihr will, und das macht mich w\u00fctend \u2026<\/p>\n<p>\u201eAlso, h\u00f6r mal zu: Wie w\u00fcrde es dir wohl gefallen, wenn man dich in eine dunkle H\u00f6hle sperrt und von Kopf bis Fu\u00df einschleimt? Soll ich das mal mit dir machen? Dieser Kristall ist ein f\u00fchlendes Wesen und kein Spielzeug!\u201c Mir ist es todernst und das sp\u00fcrt meine Kleine.<\/p>\n<p>Sie legt den Kristall auf den Tisch und f\u00e4ngt bitterlich an zu weinen.<\/p>\n<p>Ich habe Bauchweh und wei\u00df nicht, wen ich zuerst tr\u00f6sten soll: T\u2019Narak oder den Wallaner &#8230; Kurz entschlossen nehme ich mein Baby in den Arm, greife mit der anderen Hand nach dem ungl\u00fcckseligen Kultusminister und wische ihn mangels Taschentuch vorsichtig am Sitzpolster ab. \u201eIch bitte vielmals um Verzeihung, Herr Minister \u2026 Ich wei\u00df nicht, ob Sie Erfahrungen mit humanoidem Nachwuchs haben, aber meine Tochter ist noch sehr jung und wei\u00df nicht, was sie tut. Bitte fassen Sie es nicht als b\u00f6swillige Absicht auf \u2026\u201c<\/p>\n<p>Meine wortreiche Entschuldigung scheint ihn zu bes\u00e4nftigen. \u201eNeugeformte Wallaner entwickeln ihr Bewusstsein auch nur allm\u00e4hlich\u201c, ert\u00f6nt seine glockenhelle Stimme in meinem Kopf. \u201eDie Schuld an der Unvollkommenheit Ihres Abk\u00f6mmlings liegt nicht bei Ihnen.\u201c<\/p>\n<p>Das Licht geht wieder an, der Wallaner hat mir und T\u2019Narak verziehen. Ich atme erleichtert auf und winke Jivara heran. \u201eBitte seien Sie so lieb und holen Sie T\u2019Narak einen Lutscher \u2026 lesen Sie ihr was Sch\u00f6nes vor \u2026 nur machen Sie, dass sie besch\u00e4ftigt ist!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&nbsp;* * *<\/p>\n<p>Der Empfang der Wallanischen Delegation ist mittlerweile drei Tage her &#8211; und heute bekam ich eine offizielle Einladung vom Wallanischen Regierungsrat: Ich soll mich auf der ihrer Heimatwelt einfinden und \u201emeinen Nachwuchs mitbringen\u201c. Letzteres bereitet mir die gr\u00f6\u00dften Bauchschmerzen. Den halben Tag war ich mit Reisevorbereitungen besch\u00e4ftigt &#8211; und die andere H\u00e4lfte des Tages mit vulkanischer Meditation zwecks Bes\u00e4nftigung meines Drangs, alles kaputtzuschagen. Verdammt, ich habe doch bereits getan, was ich konnte, um die Wallaner zu beschwichtigen, und eigentlich bin ich davon ausgegangen, das T\u2019Naraks unangemessenes Genuckel vergeben und vergessen sei! Wer wei\u00df, was die Regierung f\u00fcr ein bizarres Entschuldigungs-Ritual von mir verlangt &#8230; oder von T\u2019Narak &#8230; Sie wissen doch, dass meine Kleine ein unschuldiges Kind ist!<\/p>\n<p>Aron steht pl\u00f6tzlich hinter mir, legt seine Arme um mich, reibt sein &#8211; leicht stoppeliges &#8211; Gesicht z\u00e4rtlich an meinen Halsk\u00e4mmen und streicht mir aufreizend langsam \u00fcber die Br\u00fcste \u2026 offensichtlich, um mich aufzuheitern. \u201eBist du jetzt \u00fcberzeugt, dass es besser ist, mich mitzunehmen?\u201c raunt er mir ins Ohr.<\/p>\n<p>\u201eNun ja, du bist zu f\u00fcnfzig Prozent verantwortlich f\u00fcr T\u2019Naraks Existenz ist somit f\u00fcr dieses v\u00f6lkerrechtliche Desaster &#8230;\u201c<\/p>\n<p>\u201eIst das der einzige Grund, weshalb du mich dabei haben willst?\u201c<\/p>\n<p>\u201eZu zweit haben wir T\u2019Narak besser im Griff. Wer wei\u00df, was sie anstellt &#8230;\u201c<\/p>\n<p>\u201eWenn dir das solche Sorgen macht, gibt es immer noch Jivara. Dort w\u00e4re sie f\u00fcr ein paar Tage gut aufgehoben.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu schl\u00e4gst vor, die Kleine hier zu lassen und den Wallanern irgendeine Ausrede aufzutischen, weshalb wir unseren \u201aNachwuchs\u2019 nicht mitbringen konnten?\u201c Ich l\u00e4chle ihn schief an. \u201eGib\u2019s zu: Du hast nur keine Lust, hinter ihr herzuputzen, wenn sie mal wieder die W\u00e4nde mit dem Inhalt ihres Nachttopfes bemalt\u201c, necke ich ihn.<\/p>\n<p>\u201eDu wei\u00dft, wie sehr ich T\u2019Narak liebe \u2026 aber ihre F\u00e4kalien sind etwas anderes.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAch, und deshalb \u00fcberl\u00e4sst du sie mir? Ich wei\u00df noch, als T\u2019Narak ein Baby war, wolltest du dem armen Kind tats\u00e4chlich einen Schlauch in den Hintern schieben, weil du zu faul zum Windeln wechseln warst \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch wollte dir doch nur die Arbeit erleichtern!\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd ich h\u00e4tte mich scheiden lassen, wenn du das gewagt h\u00e4ttest!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu kannst mir nicht vorwerfen, dass s\u00e4mtliche Drecksarbeit an dir h\u00e4ngen geblieben w\u00e4re! Dieses so genannte Gem\u00e4lde hast du n\u00e4mlich mir \u00fcberlassen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWeil ich es nicht \u00fcbers Herz gebracht habe, etwas zu zerst\u00f6ren, dass von soviel Talent zeugt. Abgesehen von seinem Geruch war es n\u00e4mlich sehr h\u00fcbsch.\u201c<\/p>\n<p>Aron lacht leise. \u201eIch sollte mal heimlich in deinen fr\u00fchkindlichen Erinnerungen graben &#8230;\u201c<\/p>\n<p>\u201eDamit du wei\u00dft, was dir noch bevorsteht? Du wolltest ja unbedingt ein Kind, das nach mir kommt &#8211; das hast du nun davon.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs ist die fleischgewordene Entropie, aber ich wei\u00df, es wird eine faszinierende Frau.&#8220;<\/p>\n<p>\u201eBis es soweit ist, musst du dich leider mit ihrer Unvernunft herumschlagen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch bin Gedankentechniker und ich hatte schon so manches auf meinem Behandlungstisch, das wesentlich unvern\u00fcnftiger war als T\u2019Narak.\u201c<\/p>\n<p>Mir wir ganz warm bei seinen Worten. Ich wei\u00df, dass er mich und die Kleine \u00fcber alles liebt &#8230; egal, was wir ihm f\u00fcr Stress bereiten.<\/p>\n<p>\u201eHast du alles Wichtige eingepackt? Zahnb\u00fcrste, Handt\u00fccher, Echsengift?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu sollst dich nicht st\u00e4ndig \u00fcber die alten Methoden turuskischer Gedankentechniker lustig machen!\u201c tadelt er mich. \u201eDie sind n\u00e4mlich sehr wirksam.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWetten, dass du den Bindungspartner dieser Philosophieb\u00fcrokratin heute fr\u00fch mal wieder von oben bis unten mit deinem rostigen K\u00e4semesser aufgeschlitzt hast?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch habe nicht den Mann aufgeschlitzt, sondern sein Abbild im Geist meiner Patientin. Nur so konnte ich ihre Bindung an ihn l\u00f6schen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWird dieses Hauen und Stechen auf die Dauer nicht etwas langweilig? M\u00f6glicherweise h\u00e4tte es der Dame besser gefallen, wenn du ihren ungeliebten Gemahl mitsamt einer Bohrinsel in die Luft gejagt h\u00e4ttest oder \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu wei\u00dft, ich liebe dich mehr als mein Leben, Yanar &#8211; aber misch dich bitte nicht in meine Arbeit ein. Das geht zu weit!\u201c<\/p>\n<p>\u201eSei nicht gleich beleidigt! Das war doch nur ein Verbesserungsvorschlag.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHabe ich dir jemals Verbesserungsvorschl\u00e4ge gemacht?\u201c<\/p>\n<p>\u201eAn meiner Arbeit gibt es nichts zu verbessern!\u201c<\/p>\n<p>Mein entwaffnendes L\u00e4cheln sorgt daf\u00fcr, dass seine Hand langsam unter den Bund meiner Hose wandert. \u201eVielleicht sollte ich das in unsere n\u00e4chste Entr\u00fcckung einbauen \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas, die Bohrinsel? Oh Aron, du bist komplett \u00fcbergeschnappt!\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch nehme das als Kompliment.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&nbsp;* * *<\/p>\n<p>Die Menschen haben vor Jahrhunderten eine wichtige Entdeckung gemacht: Murphys Gesetz. Das bedeutet: Alles, was nur schief gehen kann, geht schief &#8211; besonders, wenn der Anlass wichtig ist. Daran musste ich heute denken, als ich den Rat der Anf\u00fchrer um einen Kampfflieger bat. Piri erinnerte mich mit einem ironischen L\u00e4cheln daran, dass diese Woche ein gro\u00dfes Man\u00f6ver stattfindet und alle Kampfflieger gebraucht w\u00fcrden.<\/p>\n<p>\u201eSoviel zum photographischen Ged\u00e4chtnis der Cardassianer\u201c, l\u00e4sterte er.<\/p>\n<p>\u201eIch habe zu viele Termine, um sie alle im Kopf zu behalten\u201c, schoss ich \u00e4rgerlich zur\u00fcck. \u201eDieser ganze Diplomaten-Kram ist neu f\u00fcr mich &#8230; jede zweite Woche eine Dienstreise zu irgendeinem abgelegenen Planeten, jeden dritten Tag ein Staatsbesuch &#8230; stell dir vor &#8211; ich muss sogar einen Plan aufstellen, welches Abendkleid ich zu welchen Anlass anziehe! In solchen Momenten sehne ich mich beinahe nach dem cardassianischen Milit\u00e4rknast zur\u00fcck. Dort gab es nur einen Kittel f\u00fcr alles!\u201c<\/p>\n<p>Piri l\u00e4chelte halb am\u00fcsiert, halb mitleidig.<\/p>\n<p>\u201eUnd dann habe ich noch T\u2019Narak &#8230;\u201c fuhr ich leise seufzend fort.<\/p>\n<p>Piri schnappte meine Gedanken auf. \u201eSie hat schon wieder irgendwas angeknabbert &#8230;\u201c<\/p>\n<p>\u201eDen wallanischen Kultusminister.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch hoffe, du kommst lebend zur\u00fcck.\u201c Er klopfte mir auf die Schulter und verschwand in den H\u00f6hlen des Hauses Raban.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sachte schaudernd denke ich an T\u2019Naraks letzten Flug mit einem Linienschiff zur\u00fcck &#8230; Aron hatte ihr telepathisch vorgegaukelt, wir seien von Monstern umzingelt, die sie augenblicklich fangen und verspeisen w\u00fcrden, wenn sie sich mehr als einen halben Meter von uns wegbewegt. Es wirkte tats\u00e4chlich: T\u2019Narak war ganz brav und klammerte sich \u00e4ngstlich an mir fest &#8230; so lange, bis Aron vor Ersch\u00f6pfung eingeschlafen war.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ehe ich mit der Wimper zucken konnte, war T\u2019Narak auf die Gep\u00e4ckablage geklettert, krabbelte dort mit Warpgeschwindigkeit rauf und runter, brachte diverse im Weg liegende Handtaschen zu Fall, sprang schlie\u00dflich einem verkl\u00e4rt l\u00e4chelnden Sternenflotten-Commander in die Arme und pfl\u00fcckte ihm s\u00e4mtliche Rangabzeichen vom Kragen. Zum Gl\u00fcck nahm er seine \u201eDegradierung\u201c mit Humor.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Zu derlei Aktivit\u00e4ten scheint sie heute keine Lust zu haben. Seit sie Piris Katze Kira begegnet ist, hat sie n\u00e4mlich eine neue Lieblingsbesch\u00e4ftigung: \u201eMiez spielen\u201c . Im Klartext: Sie kippt ihr Essen auf den Tisch und leckt es gen\u00fcsslich auf. Wir haben uns eben bei der Stewardess bedankt &#8211; schon verteilt die s\u00fc\u00dfe T\u2019Narak ihren Brei auf der Platte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eT\u2019Narak &#8230; Nein!\u201c, fauchte ich sie an.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sie blickt erschrocken auf und blinzelt mit ihren Kulleraugen. Ob sie uns blamiert, ist mir allm\u00e4hlich egal &#8211; aber wer wei\u00df, was in diesem Schiff f\u00fcr Krankheitskeime herumschwirren! Ich muss sie davon abhalten, diesen Brei aufzulecken &#8211; egal wie &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eDer Weltraum ist kalt\u201c, beginne ich mit todernster Miene. \u201eUnd wei\u00dft du, was das hei\u00dft? Das Metall saugt die ganze K\u00e4lte von drau\u00dfen auf &#8230; Wenn du also den Tisch ableckst, wird deine Zunge festfrieren &#8230; Das tut richtig weh, sage ich dir!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Bild sorgt daf\u00fcr, das T\u2019Narak zur\u00fcckschreckt. Aron unterst\u00fctzt mich erfolgreich mit seinen telepathischen Kr\u00e4ften. Schlie\u00dflich begn\u00fcgt sich unser entz\u00fcckender Nachwuchs damit, ein Werbeprospekt der Fluggesellschaft klein zu rupfen und die Schnipsel mit&nbsp;Brei&nbsp;an der Tischplatte festzukleben. Nach der Landung auf Walla greint sie, weil sie die Platte nicht mitnehmen darf. Sie ist wohl der festen \u00dcberzeugung, dass das, was sie da gerade fabriziert hat, ein besonders gelungenes Kunstwerk ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Walla. Keines der Bilder aus dem Datennetz wird der Sch\u00f6nheit dieses Planeten gerecht: leuchtend t\u00fcrkisfarbener Himmel, zartgelber W\u00fcstensand und eine riesige wei\u00dfe Sonne, die uns gnadenlos das Hirn versengt . Die Hitze ist selbst f\u00fcr mich kaum zu ertragen und die Schwerkraft scheint noch h\u00f6her als auf Vulkan zu sein. \u00dcberall liegen Kristalle: rote, blaue, gr\u00fcne, violette . Sie funkeln in der Sonne, dass es eine wahre Pracht ist! Ich habe mich immer noch nicht an den Gedanken gew\u00f6hnt, dass Lebensformen so existieren k\u00f6nnen: Ohne k\u00f6rperliche Kontakte, unf\u00e4hig, sich fortzubewegen oder die Galaxie zu erforschen &#8230;<\/p>\n<p>Puh, ich w\u00fcrde am liebsten alle Viere von mir strecken und T\u2019Narak geht es genauso: Aron muss sie auf den Arm nehmen und tragen, wobei er fast zusammenbricht. Das l\u00e4sst er sich in seinem M\u00e4nnlichkeitswahn zwar nicht anmerken, aber dank unserer Bindung sp\u00fcre ich es dennoch. Ein menschlicher Verbindungsoffizier geleitet uns zum Premierminister \u2013 einem vergleichsweise kleinen, unregelm\u00e4\u00dfig geformten Wallerner von einem klaren, leuchtenden Azurblau. Er ist hier der erste, der einen Translator auf dem R\u00fccken tr\u00e4gt. \u201eWillkommen, Botschafterin Yanar Antorra vom Volke Cardassias\u201d, begr\u00fc\u00dft er mich. Wir tauschen ein paar Minuten lang H\u00f6flichkeitsfloskeln aus, dann fordert der Wallaner: \u201eHeben Sie mich bitte auf und betten sich mich in Ihre \u00d6ffnung zur Kommunikation.\u201d<\/p>\n<p>Aron und ich blicken uns stirnrunzelnd an. Wir haben alles M\u00f6gliche erwartet \u2013 nur nicht das! Wenn dieser Wunsch nicht ausgerechnet von einem f\u00fcnf Zentimeter breiten, blauen Kristall k\u00e4me, h\u00e4tte ich es glatt f\u00fcr eine sexuelle Anspielung gehalten! \u201eAber Ihr Kultusminister war sehr erz\u00fcrnt, als mein Kind ihn in den Mund genommen hat&#8220;, halte ich dagegen.<\/p>\n<p>Der Translator des Wallaners blinkt in allen Farben. \u201eMein Minister war nicht auf die ungez\u00fcgelten Emotionen Ihres Abk\u00f6mmlings gefasst. Das brachte seine Energien f\u00fcr einen Moment aus dem Gleichgewicht.\u201d<\/p>\n<p>\u201eAlso dann hat es ihm nicht missfallen?\u201d begreife ich allm\u00e4hlich.<\/p>\n<p>\u201eIm Gegenteil: Er hat das humanoide Wesen zum ersten Mal in seiner Komplexit\u00e4t erfahren und wurde zu wundersch\u00f6nen Melodien inspiriert. Ich werde es Ihnen zeigen .\u201d Ich nehme ihn also vorsichtig in den Mund \u2013 und jetzt &#8230; Es ist unbeschreiblich! Ich f\u00fchle, erlebe es mit jeder Faser meines K\u00f6rpers: sph\u00e4rische Kl\u00e4nge von fremdartiger Sch\u00f6nheit, explodierende Farben, Bilder des Universums, wie es nur ein Wallaner sehen kann. Gedanken, f\u00fcr die ich keine Worte finde. \u201eMan muss keine Raumschiffe bauen, um den Kosmos zu erforschen\u201d, begreife ich. \u201eEs gibt auch eine andere Art der Reise.\u201d<\/p>\n<p>\u201eNur Ihre innere Welt war uns bisher verschlossen\u201d, erwidert der Wallaner. \u201eWir brauchten Translatoren und bin\u00e4re Signale, um uns mit organischen Wesen zu verst\u00e4ndigen. Aber Sie haben ein Gesch\u00f6pf von besonderer Weisheit produziert, Yanar Antorra, und nun ist eine neue \u00c4ra hereingebrochen.\u201d Jetzt muss ich doch laut lachen! Der Wallaner f\u00e4llt aus meinem Mund und ich fange ihn gerade noch rechtzeitig auf. \u201eT\u2019Narak ist ein Baby! Alles, was ihr gef\u00e4llt, muss sie anfassen und ablutschen. Das nennt man orale Phase. Darin liegt keine Weisheit, glauben Sie mir!\u201d<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich sp\u00fcre ich Aron wieder in meinem Geist \u2013 und denke das Gleiche, was er denkt: Die Wallaner verst\u00e4ndigen sich durch elektromagnetische Felder, und elektrische Energie wird durch Feuchtigkeit weitergeleitet. Indem ich also einen Wallaner in den Mund nehme, werden seine Gedankenmuster direkt in mein Gehirn \u00fcbertragen \u2013 und umgekehrt.<\/p>\n<p>T\u2019Narak d\u00f6st in Arons Armen und er streichelt sie and\u00e4chtig. \u201eVielleicht ist sie tats\u00e4chlich ein Gesch\u00f6pf von besonderer Weisheit.\u201d \u201eSie ist die Fleisch gewordene Entropie \u2013 das waren deine eigenen Worte.\u201d<\/p>\n<p>Aron l\u00e4chelt zur\u00fcck. \u201eEin bisschen Entropie ist offenbar&nbsp;gut f\u00fcr die V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung.\u201d<\/p>\n<p>\u00a9 2005 by Adriana Wipperling<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer \u00c4rger mit dem Nachwuchs! 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