{"id":169,"date":"2005-04-06T17:34:15","date_gmt":"2005-04-06T16:34:15","guid":{"rendered":"http:\/\/sandozean.de\/blog\/sandozean\/?p=169"},"modified":"2025-05-13T19:24:07","modified_gmt":"2025-05-13T19:24:07","slug":"am-rande-des-abgrunds","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/sandozean.de\/?p=169","title":{"rendered":"Am Rande des Abgrunds"},"content":{"rendered":"<p><em>Das Volk der Turuska ist im Krieg. Alle kr\u00c3\u00a4ftigen M\u00c3\u00a4nner und Frauen k\u00c3\u00a4mpfen gegen einen gnadenlosen Feind. Kinder und Greise verrichten die schwere Feldarbeit &#8211; so wie die verbitterte Kah\u00c2\u00b4Nurij &#8230; <\/em><!--more--><br \/>\n<strong><br \/>\nHeyla-Story von Anneliese Wipperling<\/strong><\/p>\n<p>Es war fr\u00c3\u00bcher Nachmittag. Die hochgewachsene alte Frau mit den stumpfen grauen Augen und dem abweisend verkniffenen Mund trug die beiden schweren, bis oben hin mit F\u00c3\u00a4kalien gef\u00c3\u00bcllten Eimer leise \u00c3\u00a4chzend zu einem der weit au\u00c3\u0178erhalb des Zeltdorfes gelegenen W\u00c3\u00bcsteng\u00c3\u00a4rten des Hauses Massa: drei mit halb reifen Fr\u00c3\u00bcchten schwer beladene Mombastr\u00c3\u00a4ucher, drei\u00c3\u0178ig Reihen Rukahpflanzen, zwei Schilab\u00c3\u00a4ume, ein kleines Feld mit nahrhaftem W\u00c3\u00bcstenkorn und ein Brunnenh\u00c3\u00a4uschen mit einer alten rostigen Handpumpe. Alle paar Schritte blieb sie stehen, schaute sich besorgt nach heylanischen und tierischen Feinden um und wartete ergeben darauf, dass ihr Herz wieder Takt fasste.<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eMeine armen Knie!\u00e2\u20ac\u0153 murmelte sie verbittert. \u00e2\u20ac\u017eAuch ohne Last tut jeder Schritt weh und mit diesen schweren, erb\u00c3\u00a4rmlich stinkenden K\u00c3\u00bcbeln &#8230; das ist Arbeit f\u00c3\u00bcr einen kr\u00c3\u00a4ftigen Mann &#8230; nicht f\u00c3\u00bcr so ein altes Gestell wie mich. Am liebsten w\u00c3\u00bcrde ich den ganzen Krempel hinschmei\u00c3\u0178en! Eine Sklavin hat es bestimmt auch nicht schwerer als ich. Der Abgrund ohne Wiederkehr ist angesichts dieser Schufterei richtig verlockend &#8230; wenn ich ihn nur endlich finden k\u00c3\u00b6nnte! Wenn ich nur w\u00c3\u00bcsste, wie die anderen das machen!\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\nKurz entschlossen stellte sie die K\u00c3\u00bcbel ab, setzte sich in den hei\u00c3\u0178en Sand und massierte hingebungsvoll ihre Kniegelenke. Sie waren dick geschwollen und hei\u00c3\u0178. Die neue Salbe hatte nicht viel gebracht &#8230; ganz im Gegenteil.<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eVielleicht sollte ich besser wieder k\u00c3\u00bchlen &#8230; aber dann muss ich regelm\u00c3\u00a4\u00c3\u0178ig an den einzigen Eisschrank des Clans gehen und der steht im Zelt des verdammten Heilers. Er bewahrt darin seine Medizin auf, Milch f\u00c3\u00bcr die Babys und manchmal, wenn die Ah\u00c2\u00b4Maral wieder einmal einen Raspayati abschie\u00c3\u0178en mussten, leckeres Fleisch &#8230; aber davon habe ich nur als Kind ab und zu kosten d\u00c3\u00bcrfen. Na ja &#8230; der oberschlaue Kerl wird beleidigt sein, wenn ich ihm sage, dass seine komische Salbe nichts taugt. Er wird wieder mit mir rumstreiten und behaupten, dass ich was falsch gemacht habe. Immer tut er so von oben herab, als wenn ich f\u00c3\u00bcr alles zu dumm w\u00c3\u00a4re, vor allem, wenn es um seine kostbaren Mixturen geht &#8230; und das nur, weil ich nicht richtig lesen und schreiben kann!\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\nDie alte Frau rappelte sich m\u00c3\u00bchsam wieder auf und griff nach den Henkeln der schweren, stinkenden Eimer. \u00e2\u20ac\u017eErst die Schei\u00c3\u0178e&#8220;, munterte sie sich selber auf, \u00e2\u20ac\u017eund dann setze ich mich hinter das Brunnenh\u00c3\u00a4uschen und suche den Abgrund ohne Wiederkehr. Muss ein nettes Pl\u00c3\u00a4tzchen sein, wenn die Ah\u00c2\u00b4Maral so oft dorthin verschwinden. Ich bin ja angeblich nicht intelligent genug, um Kriegerin werden zu k\u00c3\u00b6nnen. Deshalb hat sich kein Umahaij-Meister mit mir abgegeben und deshalb musste ich von klein auf Mist schleppen. Die haben mir die ganze schwere Arbeit aufgehalst, das was keiner gerne macht und irgendwann waren meine armen Knie kaputt &#8230;&#8220; Nun seufzte sie frustriert. \u00e2\u20ac\u017eHoffentlich finde ich den Abgrund diesmal! Ich habe es satt, immer nur im Kreis herumzulaufen! Die anderen haben zwar immerzu was von Bergen und Schluchten gelabert, aber vielleicht ist das alles nur Schwindel &#8230;&#8220;<\/p>\n<p>* * *<\/p>\n<p>Als sie sich endlich dem Brunnenh\u00c3\u00a4uschen n\u00c3\u00a4herte, war es schon beinahe Abend. Die Sonne w\u00c3\u00a4rmte noch, aber sie brannte nicht mehr wie Feuer auf der Haut. Die Schatten waren jetzt lang, dunkelgr\u00c3\u00bcn und verlockend &#8230; trotzdem w\u00c3\u00bcrde wohl nichts aus der gem\u00c3\u00bctlichen Pause werden. Die Frau registrierte ver\u00c3\u00a4rgert, dass sich dort zwei Kinder herumtrieben. Sie konnte Kinder noch weniger ausstehen als die Erwachsenen ihres Clans. Es war zwar lange her, dass sie unter ihnen gelitten hatte &#8230; inzwischen beachteten sie sie kaum noch, aber ein undefinierbarer Groll sa\u00c3\u0178 tief in ihrem Umah. Mit gerunzelten Brauen beobachtete sie die beiden \u00e2\u20ac\u201c ein lockiges, zierliches M\u00c3\u00a4dchen und einen d\u00c3\u00bcnnen, langhaarigen Jungen, beide tiefschwarz, ungef\u00c3\u00a4hr sechs und zehn Jahre alt \u00e2\u20ac\u201c wie sie eifrig Wasser pumpten und es mit Gie\u00c3\u0178kannen auf die Beete zu verteilten. Sie wirkten lebhaft, unternehmungslustig und sehr gesund. Je l\u00c3\u00a4nger sie zusah, um so mehr hasste die alte Frau sie: Ganz offensichtlich waren es selbstbewusste, angesehene Kinder &#8230; zuk\u00c3\u00bcnftige Ah\u00c2\u00b4Maral.<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eDie machen die sch\u00c3\u00b6ne, saubere Arbeit und ich muss den Dreck des ganzen Clans aufs Feld schleppen\u00e2\u20ac\u0153, \u00c3\u00bcberlegte sie neidisch. \u00e2\u20ac\u017eWahrscheinlich verlangen sie auch noch von mir, dass ich den Mist sofort auf die Beete verteile und ihnen beim Gie\u00c3\u0178en helfe. Diese G\u00c3\u00b6ren haben doch keine Ahnung, wie kaputt ich mich f\u00c3\u00bchle &#8230; und wenn sie erst stolz mit ihren wei\u00c3\u0178en M\u00c3\u00a4nteln herumwedeln d\u00c3\u00bcrfen, werden sie so was wie mich \u00c3\u00bcberhaupt nicht mehr wahrnehmen. Hoffentlich bin ich dann schon tot!\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\nDie geh\u00c3\u00a4ssigen Gedanken lenkten die Frau ab. Sie \u00c3\u00bcbersah einen Stein, stolperte &#8230; pl\u00c3\u00b6tzlich schoss ein scharfer Schmerz durch ihr linkes Bein. Die alte Frau taumelte hilflos, ihr wurde schwarz vor Augen und sie merkte nicht einmal, dass sich aus einem der Eimer ein Schwall br\u00c3\u00a4unlicher Jauche \u00c3\u00bcber ihre in groben Sandalen steckenden nackten F\u00c3\u00bc\u00c3\u0178e ergoss. Wie ein gehorsamer Automat, dessen Energiespeicher fast leer sind, versuchte sie, ihre Aufgabe doch noch irgendwie zu Ende zu bringen: Mit ruckartigen Bewegungen gelang es ihr, die schwere Last sicher im Sand abzustellen. \u00e2\u20ac\u017eSeht ihr, ich bin gar nicht so ungeschickt, wie ihr immer behauptet!\u00e2\u20ac\u0153 murmelte sie triumphierend. Dann wurde sie abrupt von ihrer Innenwelt verschlungen.<\/p>\n<p>* * *<\/p>\n<p>Es war wie immer. Sie war vollst\u00c3\u00a4ndig nackt und eine gleichm\u00c3\u00a4\u00c3\u0178ige graue Nebelwatte h\u00c3\u00bcllte sie so dicht ein, dass sie nicht einmal ihre F\u00c3\u00bc\u00c3\u0178e sehen konnte. Auch der Untergrund war der der gleiche wie sonst &#8230; sehr feink\u00c3\u00b6rniger, lauwarmer, weicher Sand, der sanft ihre Fu\u00c3\u0178sohlen und Zehen liebkoste und es war wieder unnat\u00c3\u00bcrlich still. Die Lautlosigkeit war so extrem, dass sie die schwachen Willenskr\u00c3\u00a4fte der Frau wie ein Schwamm aufsaugte &#8230; sie apathisch und hilflos im Nirgendwo taumeln lie\u00c3\u0178.<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eDiese Klugschei\u00c3\u0178er!&#8220; murmelte sie frustriert. \u00e2\u20ac\u017eDie sollten mal versuchen, hier drin was zu finden! Da ist nichts Interessantes und vor allem kein Fluchtweg in den Tod. Leider bin ich zu feige, um einen Dolch oder Strick zu benutzen. Das tut bestimmt verdammt weh und ich habe Angst vor Schmerzen &#8230; das mit den Knien ist schon schlimm genug.&#8220;<br \/>\nWie als Antwort auf ihre Gedanken begann es hei\u00c3\u0178 und unangenehm in ihren \u00c3\u00bcberanstrengten Armen und Beinen zu pochen. Das Herz schlug wild von innen gegen die Rippen, ihr hechelnder Atem sorgte daf\u00c3\u00bcr, dass sich der Nebel zum ersten Mal in ihrem Leben ein wenig lichtete. Jetzt sah sie wenigstens ihre schwieligen F\u00c3\u00bc\u00c3\u0178e und unz\u00c3\u00a4hlige Spuren im Sand. Die meisten stammten wahrscheinlich von ihr &#8230; aber nicht alle.<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eDa ist noch jemand in meinem Geist? Jemand, den ich in meinem Inneren festgehalten habe &#8230; und das, obwohl ich mir sonst rein gar nichts merken kann?\u00e2\u20ac\u0153 wunderte sich die alte Frau. \u00e2\u20ac\u017eIch habe all die Jahre nichts gesp\u00c3\u00bcrt &#8230;\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\nPl\u00c3\u00b6tzlich war ihre Neugier so \u00c3\u00bcberm\u00c3\u00a4chtig, dass sie auf allen Vieren mit angehaltenem Atem den geriffelten Spuren dicker Sohlen folgte, die zu ziemlich gro\u00c3\u0178en F\u00c3\u00bc\u00c3\u0178en geh\u00c3\u00b6ren mussten. Zum ersten Mal fand sie etwas in ihrem grau vernebelten Geist: einen gro\u00c3\u0178en, w\u00c3\u00bcrdevollen Mann im wei\u00c3\u0178en Mantel, der mit seinem scharfen Dolch gerade eine tote Gef\u00c3\u00a4hrtin aufschlitzte und ein winziges, zappelndes Etwas ins Licht hob.<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eAh, Kah\u00c2\u00b4 Nurij! Ich habe lange auf dich gewartet&#8220;, sagte er und musterte sie freundlich. \u00e2\u20ac\u017eWas ist nur aus dir geworden? Du siehst so verbittert aus &#8230;&#8220;<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eWer bist du? Woher kennst du mich?\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eIch bin Rhoan, der Anf\u00c3\u00bchrer deiner Mutter Kah\u00c2\u00b4 Selja.&#8220; Jetzt l\u00c3\u00a4chelte der Mann traurig und setzte leise hinzu: \u00e2\u20ac\u017eBevor du mich fragst &#8230; nein, ich bin nicht dein leiblicher Vater &#8230; aber ich war, als du noch sicher in der gr\u00c3\u00bcnen H\u00c3\u00b6hle geborgen warst, dein v\u00c3\u00a4terlicher Freund. Ich habe oft Kontakt zu dir gesucht und mich an deinen zarten mentalen Schwingungen erfreut. Du warst damals sanft, fr\u00c3\u00b6hlich und auf eine ganz besondere Art weise &#8230; ein Kind, das zu gro\u00c3\u0178en Hoffnungen berechtigte. Aber dann geriet ich mit einigen Waffengeschwistern in einen Hinterhalt der S\u00c3\u00b6ldner des Hauses Sadam &#8230; f\u00c3\u00bcnf M\u00c3\u00a4nner und drei Frauen meiner Bruderschaft fielen im Kampf &#8230; auch deine schwangere Mutter. Ich habe versucht, dich zu retten, aber du warst noch so winzig und der Weg zum n\u00c3\u00a4chsten Heiler viel zu weit. Immer wieder musste ich dir von meinem Atem abgeben und dein Herz massieren. Als wir bei den Zelten des Hauses Massa ankamen, warst du schon sehr weit fort &#8230; du warst nicht mehr dasselbe Kind. Ein Teil deines Umahs ging f\u00c3\u00bcr immer verloren &#8230;&#8220;<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eAch so, deshalb halten mich alle f\u00c3\u00bcr minderbemittelt! Und deshalb hast du dich nicht weiter um mich gek\u00c3\u00bcmmert!&#8220; schrie die Frau gekr\u00c3\u00a4nkt. \u00e2\u20ac\u017eUnd weil ich so kaputt bin, hat mich nat\u00c3\u00bcrlich auch kein Mann erw\u00c3\u00a4hlt. Ich f\u00c3\u00bchle mich wie eine ged\u00c3\u00b6rrte Mombafrucht. Du h\u00c3\u00a4ttest mich sterben lassen sollen!&#8220;<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eKah\u00c2\u00b4 Nurij&#8220;, antwortete der Krieger ernst. \u00e2\u20ac\u017eIch habe dir damals ein Abbild meines Selbst geschenkt, um deinen Geist zu stabilisieren. Mehr konnte ich nicht tun, denn ich verlor leider nur wenige Tage nach Kah\u00c2\u00b4Selja Tod den Kontakt zu meinem realen Selbst &#8230; wahrscheinlich hat sich sein Umah ebenfalls zerstreut. Glaub mir, ich h\u00c3\u00a4tte sonst beim Rat der Anf\u00c3\u00bchrer etwas f\u00c3\u00bcr dich arrangiert. Deine Gene sind vollkommen in Ordnung. Du h\u00c3\u00a4ttest eine Mutter von Kriegern werden k\u00c3\u00b6nnen &#8230;&#8220;<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eAber das wussten die anderen doch auch: der Heiler zum Beispiel &#8230; und die \u00c3\u00a4lteste Mutter des Hauses Massa &#8230;&#8220;<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eIch verstehe nicht, warum sie dir gegen\u00c3\u00bcber so gleichg\u00c3\u00bcltig waren. Da ich in diesem undurchdringlichen Nebel gefangen war, wei\u00c3\u0178 ich nicht, was da drau\u00c3\u0178en passiert ist.\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eVielleicht brauchten sie ja jemanden, der f\u00c3\u00bcr sie die Jauche schleppt\u00e2\u20ac\u0153, bemerkte die Frau bitter. \u00e2\u20ac\u017eUnd wenn sie daf\u00c3\u00bcr nicht genug Dumme haben &#8230;\u00e2\u20ac\u0153 Mit b\u00c3\u00b6se glitzernden Augen lie\u00c3\u0178 sie den Satz in der Schwebe.<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eDas ist eine sehr schwer wiegende Anschuldigung\u00e2\u20ac\u0153, konterte der Krieger ernst. \u00e2\u20ac\u017eGibt es Gr\u00c3\u00bcnde, weshalb du so schlecht von deinen Verwandten denkst?\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\nKah\u00c2\u00b4Nurij schwieg nachdenklich. \u00e2\u20ac\u017eDie anderen Kinder haben mich dauernd verspottet\u00e2\u20ac\u0153, bekannte sie schlie\u00c3\u0178lich leise. \u00e2\u20ac\u017eDie Lehrer schimpften mit mir, weil ich mir nichts merken konnte &#8230; der bl\u00c3\u00b6de Gedankentechniker gab mir ein \u00c3\u0153bungsprogramm, bei dem mir jedes Mal fast der Kopf platzte. Irgendwann habe ich da nicht mehr mitgemacht &#8230; bin einfach nicht mehr hingegangen. Ich bin lieber durch die W\u00c3\u00bcste gestreift &#8230; einfach so.\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eUnd dann haben sie dir Arbeit zugeteilt, weil mitten im Krieg niemand auf Kosten der Vielen spielen und tr\u00c3\u00a4umen darf &#8230;\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eHmmm\u00e2\u20ac\u0153, brummte die Frau verlegen.<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eDu entt\u00c3\u00a4uschst mich\u00e2\u20ac\u0153, sagte Rhoan leise. \u00e2\u20ac\u017eDu h\u00c3\u00a4ttest gegen den Nebel in deinem Geist ank\u00c3\u00a4mpfen m\u00c3\u00bcssen &#8230; dich nicht von allen zur\u00c3\u00bcckziehen d\u00c3\u00bcrfen &#8230; deinen Lehrern und dem Gedankentechniker vertrauen &#8230; dann h\u00c3\u00a4tte ich nicht zweihundert Jahre warten m\u00c3\u00bcssen, bis du mich endlich bemerkst. Dann h\u00c3\u00a4tte ich dir fr\u00c3\u00bcher sagen k\u00c3\u00b6nnen, wie sehr deine Mutter und die Krieger ihrer Bruderschaft dich geliebt haben.\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eDavon habe ich nichts gemerkt. Niemand hat sich bei mir sehen lassen!\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eDu verstehst das nicht, Kah\u00c2\u00b4Nurij. Der Kampf ist m\u00c3\u00b6rderisch, deshalb k\u00c3\u00b6nnen sich die Ah\u00c2\u00b4Maral nur in Ausnahmef\u00c3\u00a4llen um die Zelte der Clans k\u00c3\u00bcmmern. Au\u00c3\u0178erdem sterben jeden Tag Krieger und werden durch neue K\u00c3\u00a4mpfer ersetzt. Wahrscheinlich war schon bald niemand mehr da, der dein unversehrtes Umah kannte.\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eIch hielt die Krieger immer f\u00c3\u00bcr hochm\u00c3\u00bctig und privilegiert &#8230;\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eDer wei\u00c3\u0178e Mantel bedeutet nichts weiter als die Anwartschaft auf ein \u00c3\u0153berma\u00c3\u0178 an Stresshormonen im Blut und einen fr\u00c3\u00bchen Tod&#8220;, antwortete Rhoan schwerm\u00c3\u00bctig. \u00e2\u20ac\u017eDie Ah\u00c2\u00b4 Maral k\u00c3\u00a4mpfen wie im Fieber &#8230; schlafen ein paar Stunden &#8230; oder vereinigen sich mit verzweifelter Glut &#8230; ziehen wieder hinaus in die W\u00c3\u00bcste &#8230; und die Leute bei den Zelten arbeiten bis zum Umfallen. Alle Turuska haben es schwer.&#8220;<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eTrotzdem &#8230; Tag f\u00c3\u00bcr Tag diese schweren Eimer &#8230;\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eBitte um eine andere Arbeit! Rede mit dem Heiler! Sag ihm, wie du dich f\u00c3\u00bchlst!\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eEigentlich will ich nicht mehr&#8220;, murmelte Kah\u00c2\u00b4 Nurij frustriert. \u00e2\u20ac\u017eZeig mir lieber den Abgrund ohne Wiederkehr, dann habe ich endlich meine Ruhe!&#8220;<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eDu willst dich wieder vor allem dr\u00c3\u00bccken\u00e2\u20ac\u0153, protestierte Rhoan streng. \u00e2\u20ac\u017eDu bist noch lange nicht nutzlos f\u00c3\u00bcr die Gemeinschaft. Vergleiche nicht dauernd dein Los mit dem der anderen, h\u00c3\u00b6r auf, dich selbst zu bemitleiden und tu einfach deine Pflicht!\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eDu willst mir wirklich nicht helfen?\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eDoch, ich bin immer f\u00c3\u00bcr dich da &#8230; du wei\u00c3\u0178t ja jetzt, wo du mich finden kannst.\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eAlso muss ich diesen verdammten Kindern doch gegen\u00c3\u00bcbertreten &#8230;\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eWelchen Kindern? Hast du bereits schlechte Erfahrungen mit ihnen gemacht?\u00e2\u20ac\u0153 fragte der Krieger besorgt.<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eEigentlich nicht &#8230; ich kenne sie gar nicht n\u00c3\u00a4her. Sie bew\u00c3\u00a4ssern gerade den Garten, zu dem ich die K\u00c3\u00bcbel bringen muss. Sie lachen mich vielleicht aus &#8230;\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\nRhoan l\u00c3\u00a4chelte aufmunternd. \u00e2\u20ac\u017eIch glaube, jetzt verallgemeinerst du die Erfahrungen aus deiner Kindheit zu sehr. Versuche, freundlicher und offener zu deinen Mitturuska zu sein! Sieh ihnen in die Augen! Rede mit ihnen! Vielleicht findest du sogar Freunde &#8230;\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\nPl\u00c3\u00b6tzlich l\u00c3\u00b6ste sich der Nebel auf und die alte Frau blinzelte heftig in die schr\u00c3\u00a4gen, grellgr\u00c3\u00bcnen Strahlen der Abendsonne. Jetzt erst merkte sie, dass ihr jemand die Sandalen ausgezogen hatte und ihre F\u00c3\u00bc\u00c3\u0178e behutsam mit k\u00c3\u00bchlem Brunnenwasser wusch.<\/p>\n<p>* * *<\/p>\n<p>\u00e2\u20ac\u017eTante\u00e2\u20ac\u0153, fragte das kleine dunkle M\u00c3\u00a4dchen und Panik schwang in ihrer Stimme mit. \u00e2\u20ac\u017eTante, was ist mit dir? Sollen wir ganz schnell den Heiler holen?\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eJa\u00e2\u20ac\u0153, setzte der gro\u00c3\u0178e Junge ernsthaft hinzu. \u00e2\u20ac\u017eDu kannst dich solange unbesorgt im Schatten ausruhen. Wir bringen sp\u00c3\u00a4ter f\u00c3\u00bcr dich den D\u00c3\u00bcnger zu den Pflanzen.\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eDanke\u00e2\u20ac\u0153, fl\u00c3\u00bcsterte die alte Frau verlegen. \u00e2\u20ac\u017eDamit habe ich nicht gerechnet. Und was den Heiler angeht &#8230; den brauche ich nicht &#8230; das wird schon wieder von selbst.\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eWir helfen den Schwachen und Wehrlosen und bek\u00c3\u00a4mpfen die Feinde unseres Volkes\u00e2\u20ac\u0153, erkl\u00c3\u00a4rte der Junge mit leuchtenden Augen und stolz geschwellter Brust.<br \/>\nPl\u00c3\u00b6tzlich war alles ganz einfach. \u00e2\u20ac\u017eIch hei\u00c3\u0178e Kah\u00c2\u00b4 Nurij und bin eine Tochter von Kriegern. Ich bin gar nicht schwach und hilflos. Solange ich noch diese Eimer tragen kann &#8230;&#8220;<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eDu k\u00c3\u00b6nntest kleinere nehmen\u00e2\u20ac\u0153, schlug das M\u00c3\u00a4dchen sch\u00c3\u00bcchtern vor.<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eAber dann bin ich gezwungen, den Weg zweimal zu gehen\u00e2\u20ac\u0153, widersprach die Frau ernst. \u00e2\u20ac\u017eDas ist auch nicht gut f\u00c3\u00bcr meine alten Knochen.\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eMeine Schwester und ich m\u00c3\u00bcssen nicht mit leeren H\u00c3\u00a4nden zu den G\u00c3\u00a4rten gehen &#8230;\u00e2\u20ac\u0153 In den dunklen Augen des Jungen war jetzt ein warmes Licht. \u00e2\u20ac\u017eWir helfen dir beim Tragen.\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eUnd ich helfe euch ab morgen beim Gie\u00c3\u0178en.\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\nZufrieden sah Kah\u00c2\u00b4Nurij zu, wie die beiden Kinder flink durch die Reihen eilten, warf einen Blick auf ihre sauber geschrubbten Sandalen &#8230; ganz oben sangen zwei Glasv\u00c3\u00b6gel ihr Paarungslied. F\u00c3\u00bcr so einen Augenblick lohnte es sich zu leben und zu k\u00c3\u00a4mpfen &#8230; egal ob mit Laser und Dolch &#8230; oder mit schweren Eimern voll Jauche.<\/p>\n<p>\u00c2\u00a9 2005 by Anneliese Wipperling<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Volk der Turuska ist im Krieg. Alle kr\u00c3\u00a4ftigen M\u00c3\u00a4nner und Frauen k\u00c3\u00a4mpfen gegen einen gnadenlosen Feind. Kinder und Greise verrichten die schwere Feldarbeit &#8211; so wie die verbitterte Kah\u00c2\u00b4Nurij &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ca_portfolio_gallery_project_year":"","ca_portfolio_gallery_client":"","ca_portfolio_gallery_skills":"","ca_portfolio_gallery_url":"","ngg_post_thumbnail":0},"categories":[33],"tags":[102,127,189],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/169"}],"collection":[{"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=169"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/169\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3862,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/169\/revisions\/3862"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=169"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=169"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=169"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}