{"id":165,"date":"2004-12-10T17:29:24","date_gmt":"2004-12-10T16:29:24","guid":{"rendered":"http:\/\/sandozean.de\/blog\/sandozean\/?p=165"},"modified":"2025-05-13T19:28:40","modified_gmt":"2025-05-13T19:28:40","slug":"eine-fur-alle","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/sandozean.de\/?p=165","title":{"rendered":"Eine f\u00fcr Alle"},"content":{"rendered":"<p><em>Die USS Defender steht kurz vor der Vernichtung. Ein grausames Schicksal droht Captain Lairis. Doch dann geschieht etwas v\u00f6llig Unerwartetes \u2026 <\/em><br \/>\n<b><br \/>\n<strong>Star Trek Short Story von Adriana Wipperling, Neufassung vom Dezember 2004<\/strong><\/b><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Botschafterin Lwaxana Troi trommelte ungeduldig mit den Fingern gegen die Wand. \u201eEs ist schlimm genug, dass ich nach Betazed fliegen muss, um die Kapitulationsbedingungen f\u00fcr meine Welt auszuhandeln\u201d, protestierte sie entnervt. \u201eIst es da wirklich n\u00f6tig, dass Sie uns an allen Ecken und Enden Blut abzapfen?\u201d<br \/>\nLieutenant Commander Jeremy Prescott, Sicherheitschef der U.S.S. DEFENDER, tauschte ein am\u00fcsiertes L\u00e4cheln mit Lwaxanas Begleiterin. Die junge Frau hatte sich bisher nicht zu Wort gemeldet, doch Prescott sp\u00fcrte ihre Pr\u00e4senz selbst dann, wenn er sie nicht ansah. Und er vermied es m\u00f6glichst, sie anzusehen, denn sonst h\u00e4tte er sie pausenlos mit offenem Mund anstarren m\u00fcssen. Sie trug ein kn\u00f6chellanges, dunkelblaues Brokatkleid, in dem sie wahrhaft majest\u00e4tisch wirkte. Langes, rotes Haar fiel in \u00fcppigen Wellen \u00fcber ihre Schultern. Die leuchtend gr\u00fcnen Augen, die makellose helle Haut und die zarten Gesichtsz\u00fcge vollendeten ihre au\u00dfergew\u00f6hnliche Sch\u00f6nheit.<br \/>\n\u201eEs geht leider nicht anders, Ma\u2019am \u2026 die Vorschriften.\u201d<br \/>\nLwaxana verdrehte die Augen. \u201eJa, nat\u00fcrlich: Vorschriften, Regeln, Arbeit \u2026 ihr Sternenflottenoffiziere seid doch alle gleich. Dabei sehen Sie aus, als br\u00e4uchten Sie dringend Ferien, mein Junge!\u201d<br \/>\n\u201eFerien!\u201d rief Prescott verst\u00e4ndnislos. \u201eBei allem Respekt \u2013 es ist Krieg!\u201d<br \/>\n\u201eWie k\u00f6nnte ich das nur eine Minute vergessen!\u201d brauste die Betazoidin auf. \u201eMeine Heimat liegt in Tr\u00fcmmern, diese abscheulichen Vorta und Jem\u2019Hadar sind \u00fcberall auf dem Planeten und was sie meinen Leuten antun \u2026 ich mag gar nicht daran denken und ich werde zusehen, dass ich das Schlimmste verhindern kann!\u201d<br \/>\n\u201eEs tut mir Leid, Ma\u2019am\u201d, erwiderte Prescott ehrlich.<br \/>\nLwaxana winkte ab. \u201eSie k\u00f6nnen ja nichts daf\u00fcr, dass das ganze Universum paranoid und wahnsinnig geworden ist.\u201d<br \/>\n\u201eDie Bluttests sind leider n\u00f6tig, damit \u2026\u201d<br \/>\n\u201eDamit sich keine Formwandler einschleichen \u2013 ich wei\u00df\u201d, unterbrach sie ihn ungn\u00e4dig. Dann wurde ihre Miene hart. \u201eDieser Quatsch konnte auch nicht verhindern, dass Betazed erobert wurde!\u201d<br \/>\nPrescott wusste diesem Argument nichts entgegenzusetzen. Er zuckte traurig die Achseln, w\u00e4hrend er das R\u00f6hrchen mit Lwaxanas Blutprobe gegen das Licht hielt. \u201eCaptain Lairis w\u00fcrde \u2026\u201d<br \/>\n\u201e\u2026 unseren hochgesch\u00e4tzten Gast ohne Bluttest nicht einmal auf die Toilette lassen\u201d, vollendete eine melodische weibliche Stimme den Satz. Eine gut aussehende schlanke Frau, die ihr langes dichtes Haar zu einem schlichten Zopf geflochten hatte, kam der Botschafterin entgegen. Sie war mit Sicherheit noch keine vierzig Jahre alt und ihre ebenm\u00e4\u00dfigen Gesichtsz\u00fcge h\u00e4tten so manchen betazoidischen Hofmaler inspiriert \u2026 doch Lwaxanas ge\u00fcbter Blick erkannte, dass das gl\u00e4nzende Kastanienbraun ihrer Haare nicht echt war.<br \/>\n\u201eCaptain Lairis Ilana, nehme ich an \u2026\u201d<br \/>\n\u201eWillkommen an Bord, Botschafterin Troi\u201d, gab die Kommandantin der DEFENDER zur\u00fcck.<br \/>\n\u201eCaptain Lairis \u2013 das ist \u00fcbrigens meine Adjutantin Kara LeCroix\u201d, sagte Lwaxana.<br \/>\nPrescott erlaubte sich ein kesses Zwinkern. \u201eEine Franz\u00f6sin also \u2026\u201d<br \/>\n\u201eJa, so kann man es nennen.\u201d Ihr L\u00e4cheln war schwer zu deuten.<br \/>\n\u201eNun, das werden wir ja gleich sehen \u2026\u201d Prescott schmunzelte.<br \/>\nT\u00e4uschte er sich oder stahl sich ein Anflug von Panik in die sch\u00f6nen gr\u00fcnen Augen?<br \/>\n\u201eWenn der kleine Blutegel sich endlich von Karas Dekollet\u00c3\u00a9 losrei\u00dfen kann, w\u00fcrde ich gern mein Quartier sehen, Captain\u201d, dr\u00e4ngelte Lwaxana.<br \/>\n\u201eWir werden Sie im Bunker unterbringen\u201d, erwiderte Lairis k\u00fchl. Lwaxanas Standesd\u00fcnkel lie\u00df sie unbewusst zur Gegenwehr \u00fcbergehen.<br \/>\nDie Botschafterin verzog das Gesicht. \u201eBunker? Das klingt ja schrecklich!\u201d<br \/>\n\u201eSo nennen wir den Schutzraum f\u00fcr Zivilpersonen.\u201d<br \/>\n\u201eIst es dort auch wirklich sicher?\u201d<br \/>\n\u201eF\u00fcr gew\u00f6hnlich ja. Wenn allerdings der Warpkern explodiert, m\u00fcssen Sie in eine Rettungskapsel steigen. Das ist leider genauso unvermeidlich wie die Sicherheitskontrollen durch meine \u2026\u201d Ihre gr\u00fcnen Augen blitzten kampflustig auf. \u201eBlutegel.\u201d<br \/>\n\u201eCaptain, Sie verstehen es wirklich, einer Tochter des F\u00fcnften Hauses Freude zu bereiten!\u201d<br \/>\n\u201eSie wollten mit der DEFENDER fliegen, weil es das beste und schnellste Kriegsschiff der Sternenflotte ist\u201d, entgegnete Lairis mit sanfter Ironie. \u201eKriegsschiffe haben nun mal die dumme Angewohnheit, in K\u00e4mpfe verwickelt zu werden. Ich w\u00fcnsche Ihnen einen angenehmen Flug!\u201d<br \/>\n\u201eSie sind eine Pessimistin\u201d, seufzte Lwaxana.<br \/>\n\u201eIch bin Bajoranerin, das ist kulturell bedingt.\u201d Ein kleines L\u00e4cheln zuckte um die Mundwinkel des Captains. \u201eAuch wenn Sie mit dem Zimmerservice auf meinem Schiff nicht zufrieden sind, f\u00fchle ich mich geehrt, Sie an Bord zu haben, Botschafterin.\u201d<br \/>\n\u201eIrgendwie meinen Sie das sogar ehrlich. Trotzdem f\u00fcrchten Sie, dass ich mit Ihrem Ersten Offizier anb\u00e4ndeln k\u00f6nnte\u201d, gab Lwaxana n\u00fcchtern zur\u00fcck. \u201eAber keine Sorge \u2013 er geh\u00f6rt Ihnen.\u201d<br \/>\nTelepathen! dachte Lairis genervt, bevor sie die Betazoidin zuckers\u00fc\u00df anl\u00e4chelte. \u201eSie werden gar keine Gelegenheit haben, mit meinem Ersten Offizier anzub\u00e4ndeln, weil Sie n\u00e4mlich brav in Ihrem Bunker bleiben werden!\u201d<br \/>\nPrescott musste grinsen, als er dem Gespr\u00e4ch der beiden Frauen zuh\u00f6rte. Der Humor seines Captains bewegte sich oft an der Grenze zur Boshaftigkeit oder zum schlechten Geschmack \u2026 Er pr\u00fcfte Karas Blutprobe mit kritischen Augen, bevor er sie an einen Untergebenen weiter reichte. Der F\u00e4hnrich warf das R\u00f6hrchen in eine Abfallt\u00fcte, damit war der Fall f\u00fcr ihn erledigt.<br \/>\nLwaxana wirkte mit einem Mal bleich und ersch\u00f6pft. Sie massierte ihre Schl\u00e4fen und atmete schwer. \u201eAlles in Ordnung, Botschafterin?\u201d fragte Lairis besorgt.<br \/>\nLwaxanas Lider flatterten. Sie taumelte, und wenn Prescott sie nicht aufgefangen h\u00e4tte, w\u00e4re sie gest\u00fcrzt. \u201eMeine G\u00fcte!\u201d entfuhr es Lairis. \u201eKommen Sie, wir bringen Sie auf die Krankenstation.\u201d<br \/>\n\u201eNein, vielen Dank, das ist nicht n\u00f6tig!\u201d entgegnete die Betazoidin so energisch, dass selbst der Captain nachgab. \u201eIch bin nur m\u00fcde und \u00fcberreizt, das ist alles. Seit Betazed angegriffen wurde, hab ich keine Nacht richtig geschlafen.\u201d<br \/>\nLwaxana sp\u00fcrte das ehrliche Mitgef\u00fchl des Captains und l\u00e4chelte warm.<br \/>\n\u201ePrescott, Sie begleiten die beiden Damen in den Schutzraum.\u201d<br \/>\nDer Sicherheitschef kam dem Befehl mit gro\u00dfem Eifer nach.<\/p>\n<p>Als Lairis auf die Br\u00fccke zur\u00fcckkehrte, verhie\u00df die d\u00fcstere Miene ihres Ersten Offiziers nichts Gutes. \u201eFeindkontakt?\u201d fragte sie scharf.<br \/>\n\u201eCardassianer in Sektor 233-C\u201d, antwortete Commander Jerad Kayn. \u201eZwei Galor-Class-Kreuzer und eine recht imposante Kampffliegerstaffel. Eben aus dem Subraum aufgetaucht.\u201d<br \/>\n\u201eKurs auf Betazed, Maximum Warp! Umfliegen Sie Sektor 233-C!\u201d<br \/>\n\u201eDie Cardies haben uns l\u00e4ngst geortet und fliegen in Angriffsformation auf uns zu.\u201d<br \/>\n\u201eRoter Alarm! Wir tarnen uns!\u201d<br \/>\n\u201eDie Tarnvorrichtung ist hin\u00fcber\u201d, erkl\u00e4rte der Chefingenieur, Lieutenant Marc van de Kamp.<br \/>\n\u201eLieutenant, Ich hatte Ihnen befohlen, sich darum zu k\u00fcmmern!\u201d<br \/>\n\u201eEs tut mir Leid, Captain, das schaffen wir nicht alleine. Dazu m\u00fcssen wir auf eine Sternenbasis.\u201d<br \/>\nLairis schluckte mit gr\u00f6\u00dfter Willenskraft einer Schwall bajoranischer Fl\u00fcche herunter. Als ihr Blick auf den Sichtschirm fiel, wurde ihr ziemlich mulmig zumute. Wie ein Schwarm dunkler Raubv\u00f6gel n\u00e4herten sich die cardassianischen Schiffe der DEFENDER.<br \/>\n\u201eWie lange dauert es, bis sie in Waffenreichweite kommen?\u201d<br \/>\nVielsagende Blicke streiften Captain Lairis. In manchen Augen spiegelte sich Todesangst wieder. \u201eZehn Minuten \u2026 maximal\u201d, antwortete Commander Kayn d\u00fcster.<br \/>\nIch bin doch nicht \u00fcbergeschnappt und lasse mich auf ein Kr\u00e4ftemessen mit einer ganzen Cardie-Flotte ein! entschied der Captain. Schon gar nicht mit der Botschafterin an Bord!<br \/>\n\u201eMachen wir, das wir hier wegkommen!\u201d befahl sie und f\u00fcgte in Gedanken hinzu: Hoffentlich sind wir schnell genug! Denn wenn nicht \u2026 Es w\u00e4re ihr Ende.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Sie waren nicht schnell genug gewesen. Das Dominion hatte die Cardassianer mit modernsten Waffen, Schildverst\u00e4rkern und Warpkern-Overdrives ausger\u00fcstet, mit Kampffliegern, die in Puncto Feuerkraft beinahe der DEFIANT Konkurrenz machen konnten \u2026<br \/>\n\u201eFunken Sie ein Notsignal auf allen F\u00f6derations-Frequenzen!\u201d ordnete Lairis an.<br \/>\n\u201eCaptain, das n\u00e4chste Schiff ist \u00fcber vierzig Lichtjahre entfernt \u2026\u201d<br \/>\n\u201eIch wei\u00df.\u201d Ein Schatten huschte \u00fcber ihr Gesicht. \u201eTun Sie es trotzdem, Prescott!\u201d<br \/>\nDer Kampf dauerte viele Stunden. Ein Energiesto\u00df aus der Schildphalanx hatte die Relais der Warpgondeln \u00fcberlastet, nun trieb die DEFENDER manovrierunf\u00e4hig im All.<br \/>\n\u201eQuantentorpedos, Kreuzfeuer!\u201d Scheinbar unger\u00fchrt beobachtete Lairis, wie drei cardassianische Jagdflieger in Flammen aufgingen. Blieben noch mindestens drei\u00dfig \u2026<br \/>\nSie aktivierte den Com-Kanal zum Maschinenraum. \u201eLieutenant, was macht der Warpantrieb?\u201d<br \/>\nDer junge Ingenieur seufzte leise. \u201eWir m\u00fcssen mehrere hundert Relais auswechseln, Captain. Daf\u00fcr brauchen wir mindestens zwei Stunden, f\u00fcrchte ich.\u201d<br \/>\n\u201eMarc, Sie haben h\u00f6chstens noch eine Stunde Zeit bis zum gro\u00dfen Knall!\u201d Ihre Stimme war eindringlich und lie\u00df keine Ausrede gelten. \u201eSie m\u00fcssen sich etwas einfallen lassen \u2013 und ich wei\u00df, Sie schaffen es! Lairis Ende.\u201d<br \/>\nDie Br\u00fccke glich einem Tr\u00fcmmerhaufen und ein bei\u00dfender Gestank lag in der Luft. Es roch penetrant nach Qualm \u2026 geschmolzenem Kunststoff \u2026 verbranntem Fleisch. Die Hauptenergie war ausgefallen, nur die fahle Notbeleuchtung spendete noch etwas Licht. Und die hei\u00dfe gr\u00fcnliche Flamme, die aus der geborstenen Steuerkonsole emporloderte \u2026<br \/>\nLairis hatte schon viele Tote gesehen, doch der Anblick des Steuermannes bereitete ihr Magenschmerzen. Sein Gesicht war eine einzige Brandwunde, sein Mund zu einem stummen Schrei ge\u00f6ffnet \u2026 er starrte an die Decke, mit lidlosen Augen \u2026 F\u00fcr wenige Sekunden flackerte die Hauptbeleuchtung wieder auf. Im hellen Neonlicht erkannte Lairis, dass der Mann gar keine Augen mehr hatte \u2026 nur noch leere, verbrannte H\u00f6hlen.<br \/>\nDer Erste Offizier Jerad Kayn zog seine Uniformjacke aus und deckte sie \u00fcber das Gesicht des toten Crewman. \u201eDanke, Jerad\u201d, murmelte die Bajoranerin.<\/p>\n<p>Funken stoben aus der Waffenphalanx, Lairis h\u00f6rte einen schrillen Schrei. Offenbar hatte sich die arme Commander Karthal beide H\u00e4nde verbrannt. \u201eIch bedauere, Ihnen mitteilen zu m\u00fcssen, dass wir soeben die Steuerbordphaser verloren haben\u201d, berichtete sie mit s\u00e4uerlicher Miene. \u201eAu\u00dferdem die Torpedo-Abschusskontrolle und die Langstreckensensoren.\u201d<br \/>\nPrescott eilte mit dem Med-Kit herbei und Karthal l\u00e4chelte ihn dankbar an.<br \/>\n\u201eWas bleibt uns dann \u00fcberhaupt noch?\u201d fragte Lairis \u2013 und ahnte, dass ihr die Antwort nicht gefallen w\u00fcrde.<br \/>\n\u201eDie Selbstzerst\u00f6rung.\u201d<br \/>\n\u201eIch bin begeistert!\u201d konterte Lairis trocken.<br \/>\n\u201eSuper, Karthal! Cardassianischer Humor ist genau das, was uns jetzt aufbaut!\u201d fiel Presscott ein.<br \/>\n\u201eDas sollte kein Witz sein\u201d, entgegnete sie. \u201eIch kenne die Vorgehensweise des cardassianischen Milit\u00e4rs leider sehr genau. Sie schie\u00dfen so lange auf uns, bis wir uns ergeben oder unsere Schilde zusammenbrechen. Dann beamen sie die \u00dcberlebenden heraus, um sie zu foltern und nach einem Aufsehen erregenden Schauprozess \u00f6ffentlich hinzurichten. Nat\u00fcrlich w\u00e4ren sie auch nicht abgeneigt, das Schiff auseinander zu nehmen und seine neuartige Tarnvorrichtung in die Finger zu kriegen \u2013 selbst wenn sie zurzeit nicht funktioniert.\u201d<br \/>\nLairis nickte betr\u00fcbt. Karthal hatte bereits am eigenen Leib erlebt, wozu ihre Leute f\u00e4hig waren. Sie war eine Cardassianerin, die vor dem Krieg als Austauschoffizier bei der Sternenflotte gedient hatte. Als Cardassia sich dem Dominion angeschlossen hatte, war sie \u00fcbergelaufen.<br \/>\nCaptain Lairis \u00fcberlegte angestrengt, was sie tun sollte. Die Cardassianer hatten ihr Schiff von allen Seiten eingekreist, Phaser und Torpedos lie\u00dfen den Boden unter ihren F\u00fc\u00dfen erbeben, es gab Energieausf\u00e4lle auf allen Decks, Br\u00e4nde, Explosionen \u2026 die Schilde waren auf zw\u00f6lf Prozent gefallen und es war nur eine Frage der Zeit, bis sie endg\u00fcltig versagen w\u00fcrden. Verst\u00e4rkung war nicht in Sicht. Die Idee, ihre Besatzung in Rettungskapseln zu evakuieren, verwarf Lairis ganz schnell wieder. F\u00fcr die cardassianischen Jagdflieger w\u00e4ren Rettungskapseln nichts weiter als willkommene Zielscheiben. Oder \u2013 und das war die weitaus schrecklichere Alternative \u2013 die Kreuzer-Kommandanten w\u00fcrden sie per Traktorstrahl an Bord holen und die Insassen zu ihren Gefangenen machen.<br \/>\nWahrscheinlich hatte Karthal Recht, und die Selbstzerst\u00f6rung war der einzige Weg, um ihr Leben in Freiheit und W\u00fcrde zu beenden.<br \/>\nLairis atmete flach. Alles in ihr str\u00e4ubte sich, einen solchen Befehl zu geben \u2026 ihre gesamte Crew zum Tode zu verurteilen \u2026 Dann wurde sie abgelenkt: Ein Teil der Wand senkte sich wie in Zeitlupe. \u201eJerad!\u201d br\u00fcllte sie.<br \/>\nAls der Trill nicht rechtzeitig reagierte, packte sie seinen kr\u00e4ftigen K\u00f6rper und zerrte ihn beiseite.<br \/>\nZu sp\u00e4t. Eine Lawine aus Metall krachte auf den armen Mann nieder. Sein Schrei lie\u00df Lairis gequ\u00e4lt zusammenzucken, durchdrang jede Faser ihres K\u00f6rpers und ihrer Seele.<br \/>\n\u201eCommander Kayn!\u201d rief Prescott schrill. \u201eCaptain, was ist passiert?\u201d<br \/>\nJerad lag mit schmerzverzerrtem Gesicht unter einem schweren Tr\u00fcmmerteil. \u201eMeine Beine \u2026\u201d stie\u00df er hervor. \u201eIch glaube, sie sind gebrochen.\u201d<br \/>\n\u201ePrescott, haben wir einen Knochenregenerator hier oben?\u201d<br \/>\n\u201eIrgendwas \u2026 ist in mir zerrissen\u201d, keuchte Jerad, bevor der Sicherheitschef antworten konnte.<br \/>\n\u201eOh nein!\u201d rutschte es Lairis heraus. Die Sorge stand ihr deutlich ins Gesicht geschrieben.<br \/>\n\u201eSchon gut, Ilana \u2026\u201d F\u00fcr einen Moment f\u00fcrchtete Lairis, er w\u00fcrde vor Schmerzen ohnm\u00e4chtig werden. Aber er versuchte, zu l\u00e4cheln, was allerdings in einer Grimasse endete. \u201eSieh es mal so: Es ist wahrscheinlich nur meine Leber, die jetzt Matsch ist, und nicht mein Symbiont.\u201d<br \/>\nMit einer Hand strich sie \u00fcber seine Wange und sp\u00fcrte, wie er die Z\u00e4hne zusammenbiss, mit der anderen Hand ber\u00fchrte sie ihren Kommunikator. \u201eLairis an Krankenstation \u2026\u201d<br \/>\n\u201eTygins hier\u201d, ert\u00f6nte die dunkle Stimme des Arztes.<br \/>\n\u201eIch brauche ein Notfallteam auf der Br\u00fccke!\u201d<br \/>\nDr. Tygins seufzte h\u00f6rbar. \u201eCaptain, die Meldungen prasseln von allen Seiten auf mich ein \u2013 und die Turbolifte funktionieren immer noch nicht.\u201d<br \/>\n\u201eWas ist mit dem Transporter?\u201d wollte Prescott wissen.<br \/>\n\u201eDer funktioniert, aber das Ding verbraucht viel zu viel Energie\u201d, erkl\u00e4rte Lairis. \u201eEin Beamvorgang, und unsere Schilde krachen zusammen wie eine hohle Buttercremetorte.\u201d<br \/>\n\u201eWir sind am Ende, nicht wahr?\u201d Karthal schaute resigniert zu ihrem Captain her\u00fcber.<br \/>\n\u201eDas werden wir ja sehen\u201d, entgegnete Lairis zuversichtlicher, als ihr zumute war. \u201eIch gebe dieses Schiff und diese Crew nicht auf, solange es noch einen Schimmer von Hoffnung gibt! Und wenn wir bis zum letzten Atemzug k\u00e4mpfen m\u00fcssen, werden wir das tun! Aber das Leben der Botschafterin hat oberste Priorit\u00e4t \u2026 Ich w\u00e4re also dankbar f\u00fcr Vorschl\u00e4ge, wie wir sie heil aus diesem Schlamassel rauskriegen.\u201d<br \/>\n\u201eIch habe mit Lwaxana gesprochen: Sie w\u00e4re mit der Selbstzerst\u00f6rung einverstanden, wenn es nicht anders geht. Allerdings musste ich ihr hoch und heilig versprechen, Kara in Sicherheit zu bringen, obwohl ich keine Ahnung habe, wie ich das bewerkstelligen soll \u2026\u201d Prescott atmete tief durch. \u201eCaptain, niemand von uns ist scharf darauf, ins Gras zu bei\u00dfen, aber ich f\u00fcrchte, Karthal hat recht: Es gibt keinen anderen Weg.\u201d<\/p>\n<p>Lairis sank schwer in ihren Sessel. Ihr trauriger Blick ruhte f\u00fcr eine Sekunde auf Prescott, dann auf jedem anderen Mitglied der Br\u00fcckencrew. Ihre Kampfgef\u00e4hrten, ihre Freunde \u2026 sie waren verloren.<br \/>\n\u201eSelbstzerst\u00f6rung aktivieren. Autorisation Lairis \u2026\u201d<br \/>\n\u201eCaptain, die Cardassianer rufen uns\u201d, meldete der Kommunikationsoffizier.<br \/>\nLairis richtete sich kerzengerade auf. \u201eAuf den Schirm!\u201d<br \/>\nDas \u00fcberlebensgro\u00dfe Gesicht eines ziemlich bulligen Cardassianers grinste ihnen siegesgewiss entgegen. \u201eAh, Captain Lairis! Sie sehen ziemlich mitgenommen aus, wie ich feststelle \u2013 und Ihr Schiff ist auch nicht gerade im besten Zustand \u2026 Ich wundere mich, dass sie \u00fcberhaupt so lange durchgehalten haben \u2013 aber ich h\u00e4tte wissen sollen, dass ihr Bajoraner z\u00e4he kleine Qu\u00e4lgeister seid. Trotzdem ist Ihr Widerstand kein aussichtsreiches Unterfangen sondern eher ein Akt \u2026 verzweifelte Sturheit. Also seien Sie vern\u00fcnftig und kapitulieren Sie!\u201d<br \/>\n\u201eIch entscheide selbst, was vern\u00fcnftig ist\u201d, gab Lairis zur\u00fcck. \u201eWie w\u00e4r\u2019s, wenn Sie sich erst mal vorstellen, bevor Sie uns abschie\u00dfen? So verlangt es die H\u00f6flichkeit \u2013 selbst bei Cardassianern.\u201d<br \/>\n\u201eHat die Verr\u00e4terin Karthal das behauptet?\u201d Die Augen des Cardassianers verengten sich zu schmalen Schlitzen. \u201eIch hatte angenommen, Sie erinnern sich an mich \u2013 obwohl das Ged\u00e4chtnis der Bajoraner erwiesener Ma\u00dfen nicht allzu viel wert ist \u2026\u201d<br \/>\nLairis betrachtete das kantige, verkniffene Gesicht mit den markanten Schuppenleisten und Sch\u00e4delwarzen. Ihr Verstand wehrte sich erfolglos gegen die Erinnerungen, die aus der Abfallgrube ihres Bewusstseins quollen \u2026 eine Explosion, die eine protzige cardassianische Villa auseinander riss \u2026 Tr\u00fcmmer flogen Lairis um die Ohren \u2026 und nicht nur Tr\u00fcmmer \u2026 da war auch ein kleiner K\u00f6rper \u2026 viel zu klein, viel zu zerbrechlich \u2026 die Leiche eines cardassianischen Kindes, ein kleines M\u00e4dchen, dem die Explosion s\u00e4mtliche Gliedma\u00dfen abgerissen hatte \u2026<br \/>\nDas Entsetzen von damals drohte Lairis zu \u00fcberw\u00e4ltigen, die Schuldgef\u00fchle, der Ekel vor sich selbst \u2026 \u201eGul Medak\u201d, stellte sie tonlos fest. Die Br\u00fcckenoffiziere warfen ihr fragende Blicke zu.<br \/>\n\u201eAh, Sie wissen also noch, wer ich bin\u201d, erwiderte der Cardassianer kalt. \u201eIch f\u00fcr meinen Teil habe ganze drei Jahre und vier Monate gebraucht, um herauszukriegen, wer Sie sind. Aber da hatten Sie Bajor leider schon verlassen, sehr bedauerlich \u2026 nun, Sie verstehen sicher, dass ich mir diese Chance, mit Ihnen abzurechnen, um keinen Preis entgehen lassen werde!\u201d<br \/>\nKarthals Gesicht schien bei diesen Worten noch eine Nuance bleicher und grauer zu werden.<br \/>\nLairis starrte auf den Bildschirm, stumm und regungslos wie eine Wachspuppe. Auch Prescott, der gerade Jerad ein Schmerzmittel gespritzt hatte, verharrte mitten in der Bewegung. Lieutenant Vixpan, der Kommunikationsoffizier, knurrte w\u00fctend. Sein Fell war an mehreren Stellen angesengt und er hatte noch nie so wild und gef\u00e4hrlich ausgesehen. Er richtete seine elegant gebogenen H\u00f6rner auf Gul Medak, als wollte er ihn rammen und aufspie\u00dfen.<br \/>\n\u201eVergessen Sie es!\u201d stie\u00df Lairis hervor. \u201eEher w\u00fcrde ich mein Schiff zerst\u00f6ren!\u201d<br \/>\nDer Cardassianer l\u00e4chelte s\u00fcffisant. \u201eWarum gleich so destruktiv, meine Liebe? H\u00f6ren Sie sich doch erst mal meinen Vorschlag an \u2026\u201d<br \/>\n\u201eSie k\u00f6nnen nichts vorschlagen, was mich auch nur ann\u00e4herungsweise interessiert!\u201d<br \/>\n\u201eIhre Crew ist mir egal\u201d, fuhr der Gul unger\u00fchrt fort. \u201eIch will weder den Trill noch den Ziegenbock oder sonst irgendjemanden \u2026 h\u00f6chstens das Schiff, wenn noch irgendwas Brauchbares davon \u00fcbrig ist. Ja, selbst auf die cardassianische Verr\u00e4terin k\u00f6nnte ich verzichten. Aber nicht auf Sie!\u201d<br \/>\n\u201eBieten Sie mir einen Handel an?\u201d fragte Lairis mit einem Anflug von Hoffnung in der Stimme.<br \/>\n\u201eCaptain!\u201d zischte Karthal. \u201eLassen Sie sich blo\u00df nicht darauf ein!\u201d<br \/>\nWelche Wahl habe ich? dachte Lairis betr\u00fcbt. Sie ahnte, was der Gul verlangen w\u00fcrde, und bei der Vorstellung legte sich die Angst wie ein feuchtkaltes Handtuch um ihr Inneres.<br \/>\n\u201eBeamen Sie auf meinen Kreuzer \u2013 allein und unbewaffnet, versteht sich. Seien Sie mein Gast und lassen Sie uns in angemessener Atmosph\u00e4re \u00fcber alte Zeiten diskutieren. Dann verzichten wir eventuell darauf, Ihre kostbare DEFENDER in St\u00fccke zu schie\u00dfen.\u201d<br \/>\n\u201eSie verfluchter Mistkerl!\u201d kr\u00e4chzte Jerad. Die anderen waren schlicht sprachlos.<br \/>\nDer Cardassianer lehnte sich entspannt zur\u00fcck, so als plauderte er bei einem Glas Rotblatttee mit guten Freunden. \u201eNun, was sagen Sie, Lairis?\u201d<br \/>\n\u201eIch denke dar\u00fcber nach.\u201d<br \/>\n\u201eCaptain!\u201d rief Karthal fassungslos, die ausdrucksvollen schwarzen Augen weit aufgerissen.<br \/>\n\u201eCommander Prescott, Sie haben die Br\u00fccke.\u201d<br \/>\nLairis wandte sie sich ungelenk zum Gehen. Als die T\u00fcr sich hinter ihr schloss, sp\u00fcrte sie immer noch die besorgten Blicke ihrer Crew im R\u00fccken.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Der Eingang zum Bereitschaftsraum des Captains stand offen, wie immer. Zum ersten Mal w\u00fcnschte Lairis, sie k\u00f6nnte ihn verschlie\u00dfen, aber der Mechanismus war defekt.<br \/>\nAls Bajoranerin war es ihr schon immer schwer gefallen, ihre Gef\u00fchle zu kontrollieren \u2013 nun zerbr\u00f6selte auch der letzte Rest ihrer sorgf\u00e4ltig polierten, tapferkeitsmedallien-geschm\u00fcckten Fassade \u2026 Darunter war sie ein Wrack.<br \/>\nEiner ihrer Freunde beim Bajoranischen Untergrund war den Cardassianern in die H\u00e4nde gefallen. Sie hatte seine Leiche identifiziert \u2026 ein entsetzlicher Anblick, der sie mmer noch in ihren Alptr\u00e4umen verfolgte \u2026<br \/>\nSie selbst war im letzten Jahr von Verb\u00fcndeten des Dominion auf Halandra VI gefangen genommen worden. Es hatte vier Tage gedauert, bis es ihrer Crew gelungen war, sie zu befreien \u2013 die schlimmsten, qualvollsten und l\u00e4ngsten vier Tage ihres Lebens \u2026 in der Gewalt eines Feindes, dem sie vollkommen wehrlos ausgeliefert war \u2026 der jeden Stolz, jede Willenskraft, jede Lebensfreude in ihr abt\u00f6ten wollte. Sie war so kurz davor gewesen, ihren Peinigern s\u00e4mtliche Zugriffscodes f\u00fcr den Hauptcomputer der USS Defender zu verraten \u2026 ihnen sogar die Interphasen-Tarnvorrichtung zu \u00fcberreichen \u2026 in Geschenkpapier gewickelt, mit einer goldenen Schleife \u2026<br \/>\nEin gn\u00e4diges Koma hatte sie davor bewahrt. Ihr K\u00f6rper war nackt und voller Brandmale gewesen, als das Au\u00dfenteam der DEFENDER sie fand.<br \/>\n\u201eMeine Crew ist es mir wert!\u201d spornte sie sich an. Es sollte keine Rolle spielen, ob die Cardassianer sie bei lebendigem Leib zerst\u00fcckeln w\u00fcrden \u2026 sie nacheinander vergewaltigen und ihr hei\u00dfe Nadeln unter die Fingern\u00e4gel bohren, wie die Kerle auf Halandra VI \u2026<br \/>\nIrgendwie schaffte sie es bis zu ihrem Schreibtisch, riss eine Schublade auf, durchw\u00fchlte sie, warf achtlos auf den Boden, was sie nicht brauchte \u2026 Wen interessierte schon der Frontbericht der letzten Woche oder die optimale Pflege rigelianischer Gummiazaleen? Was sollte sie mit tannengr\u00fcnem Lidschatten anfangen, wenn ihr dieser verfluchte Cardassianer bald die Augen ausstechen w\u00fcrde?<br \/>\nDann fand sie endlich, was sie suchte: eine kleine flache Schachtel mit Beruhigungstabletten.<br \/>\nIch bin wirklich ein wackerer Captain! dachte sie voller Selbstironie, w\u00e4hrend sie das Doppelte der empfohlenen Dosis mit Wasser heruntersp\u00fclte. Wenigstens h\u00f6rten ihre H\u00e4nde allm\u00e4hlich auf, zu zittern, das Bild des toten cardassianischen M\u00e4dchens verblasste vor ihren Augen \u2026 genau wie die Erinnerungen an ihre Gefangenschaft \u2026 ihre Beine f\u00fchlten sich nicht l\u00e4nger an, als best\u00fcnden sie aus Pudding.<br \/>\nDaf\u00fcr suchten berechtigte Zweifel sie heim. Welche Garantie gab es, dass Medak sein Wort halten und ihre Mannschaft verschonen w\u00fcrde? \u201eEr hat ja noch nicht einmal sein Wort gegeben, der alte Schleimkriecher!\u201d dachte sie.<br \/>\nIhr war vollkommen klar, dass sie nach einem Strohhalm griff \u2013 aber wenn sie es nicht tat \u2026 sie w\u00fcrde sich \u00fcber den Tod hinaus Vorw\u00fcrfe machen.<br \/>\nMit diesem Gedanken im Hinterkopf nahm sie ein Hypospray und spitzte sich ein starkes Schmerzmittel mit Depotwirkung. \u201eDas d\u00fcrfte die Begegnung mit Gul Medak wesentlich ertr\u00e4glicher machen\u201d, sagte sie zu sich selbst und vergrub das Gesicht in ihren H\u00e4nden.<\/p>\n<p>\u201eCaptain, bitte \u2026 Sie sollten sich den Cardassianern nicht ausliefern. Das w\u00e4re ein schrecklicher Fehler\u201d, erkl\u00e4rte eine fremdartige und dennoch vertraute Stimme eindringlich, ja beinahe flehend.<br \/>\nLairis schreckte hoch und blickte direkt in zwei strahlend blaue Augen mit schmalen schlitzartigen Querpupillen. \u201eVixpan? Was machen Sie hier? Scheren Sie sich zur\u00fcck auf Ihren Posten, Lieutenant!\u201d Sie wollte distanziert und energisch klingen, aber es gelang ihr nicht sehr gut.<br \/>\nVixpan legte den Kopf leicht schr\u00e4g und fuhr sich mit der Zunge \u00fcber die Nasenspitze \u2013 ein Zeichen daf\u00fcr, dass er h\u00f6chst beunruhigt war. \u201eMeine Aufgabe ist die Kommunikation \u2013 und ich hielt es f\u00fcr wichtiger, mit Ihnen zu kommunizieren, als mit dem Feind. Bei allem Respekt \u2013 Sie scheinen in schlimmer seelischer Verfassung zu sein, Captain!\u201d<br \/>\n\u201eHat Jerad Sie geschickt? Prescott? Karthal?\u201d<br \/>\n\u201eDiese Crew ist meine Herde! Es war eine schweigende \u00dcbereinkunft.\u201d<br \/>\n\u201eManchmal muss ein Leben geopfert werden, um viele zu retten\u201d, erwiderte Lairis ruhig. \u201eCounselor T\u2019Liza w\u00fcrde mir zustimmen, dass meine Entscheidung vollkommen logisch ist.\u201d<br \/>\n\u201eDie Counselor mag auf Vulkan sein, aber ich bin sicher, dass sie dieses Opfer niemals zulassen w\u00fcrde\u201d, gab Vixpan zur\u00fcck. \u201eKeiner von uns l\u00e4sst es zu! Wir stehen hinter Ihnen \u2013 egal, was kommt!\u201d<br \/>\n\u201eDiese Crew ist auch meine Herde, F\u00e4hnrich\u201d, erwiderte sie ernst und hielt nur mit M\u00fche die Tr\u00e4nen zur\u00fcck. \u201eOhne euch w\u00e4re ich nichts!\u201d<br \/>\nVixpan betrachtete sie nachdenklich. \u201eDarf ich offen sprechen?\u201d<br \/>\n\u201eNat\u00fcrlich.\u201d<br \/>\n\u201eDieser Medak \u2026 er will eine Rechnung aus der Besatzungszeit begleichen, nicht wahr? Wir alle vermuten das \u2026 Er ist nur hinter Ihnen her. Er verlangt nach Rache.\u201d<br \/>\nDie Miene des Captains versteinerte. \u201eIch habe seine Familie ermordet.\u201d<br \/>\n\u201eSie reden von Mord \u2026 das ist ungew\u00f6hnlich. Sie waren Widerstandsk\u00e4mpferin. Die Cardassianer hatten kein Recht, auf Ihrem Planeten zu sein.\u201d<br \/>\n\u201eNein, hatten sie nicht. Aber ich bin nicht zum Widerstand gegangen, um kleine Kinder umzubringen, verdammt noch mal!\u201d Sie schluckte, bevor sie fortfuhr. \u201eIch habe das nicht gewollt! Wirklich nicht \u2013 bei den Propheten! Ich \u2026 wir waren falsch informiert. Der Gul war \u00fcberhaupt nicht zu Hause, als wir seine Villa in die Luft sprengten \u2026 nur seine Familie \u2026 seine Frau und seine kleine Tochter \u2026\u201d Dann fl\u00fcsterte sie kaum h\u00f6rbar: \u201eIch habe mich daf\u00fcr gehasst.\u201d<br \/>\n\u201eIst das vielleicht der wahre Grund, weshalb Sie zu den Cardassianern r\u00fcber beamen wollen? Weil Sie sich schuldig f\u00fchlen?\u201d<br \/>\n\u201eUnsinn, Lieutenant! Gul Medak war verantwortlich f\u00fcr ein Dutzend Massaker in meiner Heimatprovinz! Ich mag nicht z\u00e4hlen, wie viele unschuldige Zivilisten und Kinder seinetwegen sterben mussten! Wie Sie schon sagten: Die Cardies waren selbst schuld, und zwar alle! H\u00e4tten sie darauf verzichtet, unsere Welt auszupl\u00fcndern und uns Bajoraner zu qu\u00e4len, g\u00e4be es viel weniger Probleme in diesem Quadranten \u2026 Aber nein \u2013 sie mussten auch noch ihre Ehefrauen und ihre schuppigen Krabbelkinder angeschleppt bringen \u2026\u201d Der spr\u00f6de Klang ihrer Stimme f\u00fchrte ihre harten Worte ad absurdum.<br \/>\nVixpan senkte den Kopf wie ein Stier im Angesicht eines Toreros, die H\u00f6rner angriffslustig vorgestreckt. Pl\u00f6tzlich wich jeder Zorn aus der Miene des Captains.<br \/>\n\u201eAch Vixpan, machen Sie es f\u00fcr mich nicht schwerer, als es ohnehin schon ist!\u201d<br \/>\n\u201eMan nennt mich nicht umsonst einen sturen Bock, Captain.\u201d Vixpan scharrte demonstrativ mit den Hufen. \u201eIch werde keinen Millimeter vom Fleck weichen!\u201d<br \/>\nEin fl\u00fcchtiges L\u00e4cheln erschien auf Lairis Ilanas Gesicht, aber der Ausdruck ihrer Augen blieb ernst und traurig. \u201eEs ist zwecklos, mich umzustimmen \u2013 und das wissen Sie!\u201d<br \/>\n\u201eMir ist klar, dass ich Sie nicht mit Worten aufhalten kann \u2013 aber mit einem Phaser, der auf Bet\u00e4ubung eingestellt ist \u2026\u201d<br \/>\n\u201eDas kann ich auch!\u201d Blitzschnell zog Lairis ihre eigene Waffe, ein Energiestrahl glei\u00dfte, Vixpans K\u00f6rper schlug auf dem Boden auf.<br \/>\nMit einem Ausdruck des Bedauerns beugte sie sich \u00fcber ihren bewusstlosen Kommunikationsoffizier, umfasste mit beiden H\u00e4nden seine H\u00f6rnchen. Es war die Abschiedsgeste seines Volkes. \u201eTut mir Leid, mein Guter. Daf\u00fcr darfst du auch mein Zyperngras aufessen \u2026 wenn es noch eine Gelegenheit dazu gibt.\u201d<br \/>\nLairis erhob sich mit steifen Gliedern, pl\u00f6tzlich dachte und f\u00fchlte sie gar nichts mehr. Es kam ihr vor, als w\u00e4re sie selbst und nicht Vixpan bet\u00e4ubt worden.<\/p>\n<p>\u201eSie haben doch nicht etwa erwartet, dass wir sie einfach gehen lassen, Captain!\u201d Die Stimme einer Frau, klar und hart wie Bleikristall, brachte sie dazu, in der Bewegung innezuhalten. Belora Karthal stand vor der T\u00fcr, Streifen von Blut und Dreck zogen sich \u00fcber ihr sch\u00f6nes Gesicht, doch ihre Gestalt wirkte imposanter denn je. \u201eWie ich sehe, haben Sie den armen Vixpan ganz erfolgreich au\u00dfer Gefecht gesetzt \u2026 aber das wird Ihnen mit mir nicht so ohne weiteres gelingen und au\u00dferdem \u2026\u201d Sie hob die Hand und ein Kraftfeld blitzte auf. \u201eKommen Sie hier nicht raus.\u201d<br \/>\n\u201eEs gibt Stromausf\u00e4lle auf dem ganzen Deck \u2013 und Sie verschleudern ein paar tausend Gigawatt, um Ihren Captain einzusperren?\u201d schimpfte Lairis mit einem finsteren Blick. \u201eSind Sie eigentlich von allen guten Geistern verlassen, Karthal? Oder stammt diese Schnapsidee von Prescott?\u201d<br \/>\n\u201eIch handle im Auftrag von Commander Prescott, aber das mit dem Kraftfeld war meine Idee. Und ich finde sie brillant!\u201d Ein kleines L\u00e4cheln umspielte Karthals volle, mahaghonibraun beschminkte Lippen. \u201eWom\u00f6glich bleibt das Feld nicht lange stabil, f\u00fcr diesen Fall stehen alle Crewmitglieder, die sich nicht um das Schiff und die Verwundeten k\u00fcmmern m\u00fcssen, bei Fu\u00df, um Sie vor Ihrem eigenen irregeleiteten Heldenmut zu retten.\u201d<br \/>\n\u201eHeldenmut \u2026 Sie haben ja keine Ahnung!\u201d erwiderte die Kommandantin leise. Was n\u00fctzte es, jetzt noch St\u00e4rke vorzuspielen?<br \/>\nKarthal warf einen vielsagenden Blick auf die Tablettenschachtel. \u201eIch habe dieses Zeug auch genommen, weil ich mit meinen Angstzust\u00e4nden nicht fertig wurde. Aber es ist kein Ersatz f\u00fcr eine ausgedehnte Therapie \u2013 das habe selbst ich begriffen.\u201d<br \/>\n\u201eIhre Selbsterkenntnis in allen Ehren \u2013 aber eine Therapie ist Luxus. Die Sternenflotte kann es sich nicht leisten, einen kampferfahrenen Offizier f\u00fcr Monate zum Kururlaub auf die Erde zu schicken.\u201d<br \/>\n\u201eSolange Sie noch k\u00e4mpfen k\u00f6nnen, hat die Sternenflotte auch kein gro\u00dfes Interesse daran.\u201d<br \/>\n\u201eSicher. Captain ist in diesen Zeiten blo\u00df ein sch\u00f6nes Wort f\u00fcr Vier-Sterne-Kanonenfutter.\u201d<br \/>\n\u201eGanz so unverbl\u00fcmt wollte ich es nicht ausdr\u00fccken.\u201d<br \/>\n\u201eWie geht es Jerad?\u201d fragte die Bajornerin sanfter.<br \/>\n\u201eSein Zustand ist stabil und Doktor Tygins k\u00fcmmert sich um ihn.\u201d Wieder l\u00e4chelte Karthal. \u201eIhre Versuche, das Thema zu wechseln, sind aussichtslos.\u201d<br \/>\nLairis sah Karthal scharf in die Augen. Sie f\u00fchlte sich in die Defensive gedr\u00e4ngt, aber sie war zu ger\u00fchrt, um sich wirklich zu \u00e4rgern.<br \/>\n\u201eTief im Inneren ahnen Sie doch, was Gul Medak Ihnen antun wird\u201d, fuhr die Cardassianerin fort. \u201eBevor er Sie in seine kleine private Folterkammer verschleppt, wird er die DEFENDER zerst\u00f6ren, Sie zum Hauptbildschirm zerren, und Sie zwingen, dabei zuzusehen.\u201d<br \/>\n\u201eDiese M\u00f6glichkeit habe ich auch schon in Betracht gezogen\u201d, erwiderte Lairis mit angespannter Miene. F\u00fcr einen Moment war das blanke Entsetzen in ihren Augen aufgeflackert.<br \/>\n\u201eDann bleiben Sie bei uns!\u201d Karthal holte tief Luft. \u201eAm Anfang habe ich nur mit zusammengebissenen Z\u00e4hnen unter Ihnen gedient, glauben Sie mir. Dummer Weise war Ihr Vorg\u00e4nger in die ewigen Jagdgr\u00fcnde eingegangen und aus meiner Versetzung wurde nichts \u2026 niemand wollte eine cardassianische \u00dcberl\u00e4uferin, niemand wusste, ob er mir trauen konnte \u2026\u201d<br \/>\n\u201eDas wusste ich auch nicht.\u201d<br \/>\n\u201eDie Versuchung, eine Vertreterin Ihrer einstigen Besatzungsmacht nach Strich und Faden herumzukommandieren, muss ja enorm gewesen sein!\u201d<br \/>\n\u201eIch habe meine Einstellung zu Ihnen ge\u00e4ndert, das wissen Sie!\u201d<br \/>\n\u201eUnd ich bin sogar bereit, f\u00fcr Sie zu sterben, zum Henker! Also werfen Sie sich diesem Medak nicht zum Fra\u00df vor!\u201d<br \/>\n\u201eDas verstehen Sie erst, wenn Sie das Kommando \u00fcber ein eigenes Raumschiff haben, Karthal\u201d, wandte Lairis ein. \u201eDie Chance, meine Crew zu retten, ist nicht sehr gro\u00df, aber sie ist vorhanden. Und das macht mir die Entscheidung leicht.\u201d<br \/>\nKarthal musterte die Bajoranerin voller Skepsis. \u201eNach allem, was Sie auf Halandra VI durchgemacht haben?\u201d<br \/>\n\u201eEs ist meine Pflicht\u201d, antwortete Lairis nur.<br \/>\nKarthal atmete zischend aus. \u201eUnd was ist mit uns? Ihre Pflicht ist es, f\u00fcr das Wohl Ihrer Crew zu sorgen \u2013 aber was denken Sie, wie wohl wir uns f\u00fchlen, wenn wir weiterleben d\u00fcrfen \u2026\u201d Sie stockte f\u00fcr einen Moment. \u201eUm diesen Preis! Sie sind rangh\u00f6her als ich, also kann ich Ihnen nur Vorschl\u00e4ge machen \u2026 und mein Vorschlag w\u00e4re, die Selbstzerst\u00f6rung einzuschalten, solange sie noch funktioniert.\u201d<br \/>\n\u201eEs ist nicht jeder an Bord so lebensm\u00fcde wie Sie, Karthal\u201d, versuchte Lairis zu scherzen. Doch die Argumente der Cardassianerin waren wie ein Messer, das jemand langsam in ihren Eingeweiden hin und her drehte. Karthal hatte Recht, verfucht, sie hatte Recht \u2026 Aber Lairis f\u00fchlte sich ebenso im Recht.<br \/>\nDann fiel ihr etwas Seltsames auf: Die Alarmsirene heulte nicht l\u00e4nger und das Schiff hatte aufgeh\u00f6rt, zu beben.<br \/>\n\u201eWir werden nicht mehr angegriffen\u201d, stellte auch Karthal fest.<br \/>\n\u201eGul Medak ruft uns!\u201d drang Prescotts Stimme aus dem Kommunikator.<br \/>\n\u201eIch komme auf die Br\u00fccke\u201d, verk\u00fcndete die Cardassianerin.<br \/>\n\u201eAch, Karthal \u2026\u201d<br \/>\nSie wandte sich um. \u201eHaben Sie noch irgendwelche Befehle f\u00fcr mich?\u201d<br \/>\n\u201eNur einen: Sagen Sie Medak, er wird nicht viel Freude mit mir haben.\u201d<\/p>\n<p>Als Gul Medak auf dem Bildschirm erschien, l\u00e4chelte er blasiert. \u201eIch freue mich, dass Sie sich endlich dazu durch gerungen haben, Ihren werten Captain meiner gewissenhaften Obhut zu \u00fcberlassen.\u201d<br \/>\nEin verbl\u00fcfftes Raunen ging durch die Br\u00fcckencrew.<br \/>\n\u201eWie bitte?\u201d rutschte es Prescott heraus.<br \/>\nUnd beinahe auch Karthal. Doch ein untr\u00fcgerischer Instinkt riet ihr, das makabere Spiel mitzuspielen \u2026<br \/>\n\u201eJa, ich wollte Ihnen mitteilen, dass Captain Lairis soeben wohlbehalten auf meinem Schiff angekommen ist.\u201d<br \/>\n\u201eWie Sie h\u00f6ren, sind die Untergebenen des Captains dar\u00fcber nicht sehr gl\u00fccklich, Medak.\u201d<br \/>\n\u201eUnd Sie?\u201d<br \/>\nKarthal antwortete mit einem s\u00fcffisanten L\u00e4cheln: \u201eAuf Leute wie mich mich ist eben kein Verlass.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>\u201eDas kann nicht sein!\u201d rief Lairis nun schon zum dritten Mal. \u201eDas ist nicht m\u00f6glich!\u201d<br \/>\nAber die Logbuchaufzeichnung best\u00e4tigte es schwarz auf wei\u00df: Eine Person mit Captain Lairis Ilanas DNS war genau um 14.35 Bordzeit auf Gul Medaks Schiff gebeamt worden \u2026<br \/>\n\u201eIch muss den Transporter \u00fcberpr\u00fcfen\u201d, beschloss sie \u2013 und als Prescott keine Anstalten machte, das Kraftfeld um ihren Bereitschaftsraum zu deaktivieren, f\u00fcgte sie energisch hinzu: \u201eSofort!\u201d<br \/>\n\u201eBei allem Respekt, Captain, es sieht ganz so aus, als h\u00e4tten wir trotz Bluttests und h\u00f6chster Sicherheitsvorkehrungen einen Eindringling an Bord. Bevor ich Sie also rauslassen kann, m\u00fcssen Sie erst beweisen, dass Sie nicht dieser Eindringling sind.\u201d<br \/>\nDie Bajoranerin atmete tief durch. \u201eErinnern Sie sich noch, wie wir uns das erste Mal begegnet sind? Es war vor zwei Jahren in der Blue Planet Taverne. Ich sa\u00df am Tresen, Sie setzten sich zu mir \u2026 dann meinten Sie, dass ich sch\u00f6ne Augen h\u00e4tte und wollten mich zum Essen einladen \u2026\u201d Sie lachte leise. \u201eEs war Ihnen so peinlich, als sich herausstellte, dass ich ihr zuk\u00fcnftiger Captain bin.\u201d<br \/>\nPrescott grinste verlegen und kratzte sich am Hinterkopf.<br \/>\n\u201eIch hab Ihnen damals gesagt, dass es nichts gibt, wof\u00fcr Sie sich sch\u00e4men m\u00fcssen \u2013 und das sehe ich immer noch so\u201d, entgegnete Lairis ernst.<br \/>\nPrescott atmete erleichtert auf und schaltete das Kraftfeld aus. \u201eGott sei dank, Sie sind es wirklich!\u201d<br \/>\nEr schloss sie in seinem \u00dcberschwang sogar in die Arme.<br \/>\n\u201eIch m\u00f6chte nur mal wissen, wen oder was der Chief zu den Cardies gebeamt hat \u2026\u201d \u00fcber legte sie.<br \/>\n\u201eWer immer es war, hat Medak dazu gebracht, das Feuer einzustellen.\u201d<br \/>\nPrescotts Kommunikator piepte und Prescott meldete sich.<br \/>\n\u201eCommander, wir haben ein menschliches Lebenszeichen entdeckt \u2013 in Sektion 14D!\u201d antwortete die aufgeregte Stimme von Belora Karthal.<br \/>\n\u201eWas?\u201d rief der Sicherheitschef gepl\u00e4ttet. \u201eWie ist das m\u00f6glich?\u201d<br \/>\n\u201eIch habe Sektion 14D abgeriegelt\u201d, erg\u00e4nzte Lairis \u00fcberfl\u00fcssiger Weise. Wie konnte ein Mensch in Sektion 14D \u00fcberleben, obwohl dort s\u00e4mtlicher Sauerstoff durch ein Leck in der Au\u00dfenh\u00fclle entwichen war?<br \/>\n\u201eIch schlage vor, wir benutzen ausnahmsweise den Transporter.\u201d<br \/>\nPrescott nickte. \u201eEinverstanden.\u201d<\/p>\n<p>Als die beiden Offiziere auf Deck 14 materialisierten, blieb ihnen vor \u00dcberraschung die Luft weg. Dabei hatten sie eigentlich gen\u00fcgend Luft \u2013 im Gegensatz zu der Person auf der falschen Seite des Notkraftfelds.<br \/>\nKara LeCroix stand wie eine klassische Statue inmitten von Metalltr\u00fcmmern. Hinter ihr klaffte ein gro\u00dfes Loch in der Wand. Ihre Kleid war nun schwarz und hauteng und verschmolz nahtlos mit dem Hintergrund. Es sah aus, als w\u00fcrde ihr Gesicht mit dem langen roten Haar k\u00f6rperlos im All schweben \u2026 Prescott schauderte. \u201eMein Gott, Kara, was machen Sie hier? Los, bringen Sie sich in Sicherheit, bevor Sie ersticken!\u201d<br \/>\nDoch er begriff die schockierende Wahrheit im selben Augenblick, als Karas Stimme aus dem Com-System drang: \u201eMeine Art braucht keinen Sauerstoff, Commander Prescott.\u201d<br \/>\n\u201eZum Teufel, wer sind Sie? Was sind Sie? Was haben Sie vor?\u201d Die Fragen sprudelten nur so aus Prescott heraus.<br \/>\n\u201eIch habe gar nichts vor\u201d, antwortete sie ruhig. Der Unterdruck und die Weltraumk\u00e4lte schienen ihr nicht das Geringste anzuhaben.<br \/>\n\u201eWas sind Sie?\u201d wiederholte er beharrlich.<br \/>\n\u201eEin Metamorph, eine Formwandlerin. Ein Wechselbalg. Wie immer Sie es nennen wollen.\u201d<br \/>\n\u201eSie haben sich in mich verwandelt\u201d, begriff Lairis. Die widerspr\u00fcchlichsten Emotionen spiegelten sich auf ihrem Gesicht wieder. \u201eSie haben mir das Leben gerettet \u2026 uns allen!\u201d<br \/>\nPrescott setzte zu einer Erwiderung an, aber sein Kommunikator meldete sich erneut.<br \/>\n\u201eGul Medaks Schiff ist soeben explodiert\u201d, berichtete Karthal. \u201eEs gibt keine \u00dcberlebenden.\u201d<br \/>\n\u201eExplodiert? Einfach so?\u201d hakte Lairis nach. Sie wirkte zugleich verst\u00f6rt und erleichtert.<br \/>\n\u201eEine \u00dcberlastung des Reaktorkerns, wie es aussieht. Die Explosion hat auch den anderen Kreuzer schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die Kampfflieger ziehen sich zur\u00fcck.\u201d<br \/>\n\u201eWir haben gewonnen!\u201d jubelte Prescott. \u201eCaptain, wir sind gerettet! Vorerst jedenfalls \u2026\u201d<br \/>\n\u201eSie waren das!\u201d Lairis wandte sich an Kara. \u201eSie sind ihren Bewachern irgendwie entkommmen, mit irgendeinem Formwandlertrick, und haben den Reaktor sabotiert \u2026\u201d<br \/>\n\u201eJa\u201d, best\u00e4tigte Kara. \u201eUnd ich habe es wirklich nicht gern getan, das k\u00f6nnen Sie glauben!\u201d<br \/>\n\u201eAber wie, zum Geier \u2026\u201d<br \/>\n\u201eIch habe nicht brav im Bunker gewartet. Ich war die Deckenverkleidung auf Ihrer Br\u00fccke.\u201d<br \/>\n\u201eIch wei\u00df nicht, wie ich Ihnen danken soll \u2026\u201d<br \/>\n\u201eSicher nicht, indem Sie das arme Ding noch l\u00e4nger im Vakuum schmoren lassen!\u201d warf eine vorwurfsvolle Stimme aus dem Hintergrund ein.<br \/>\nLwaxana Troi schritt w\u00fcrdevoll auf den Captain zu, obwohl ihr teures Gewand v\u00f6llig zerknautscht war und ihre nagelneue blonde Per\u00fccke schief sa\u00df. \u201eBei den heiligen Ringen von Betazed \u2013 ich werde nie wieder auf allen Vieren durch einen Schacht kriechen!\u201d verk\u00fcndete sie mit theatralischer Geste. \u201eDa drin kriegt man ja Platzangst und dieser Dreck \u2026 Sehen Sie nur, was aus meinem sch\u00f6nen Kleid geworden ist \u2013 ein Jammer!\u201d<br \/>\n\u201eSie haben vielleicht Nerven!\u201d entfuhr es dem Sicherheitschef. \u201eIhre entz\u00fcckende Assistentin hat soeben gestanden, dass sie ein Wechselbalg ist!\u201d<br \/>\n\u201eDas wei\u00df ich\u201d, entgegnete Lwaxana unbeeindruckt. \u201eIch wei\u00df es schon lange.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>\u201eKara, was Sie f\u00fcr mich getan haben, ist wahrscheinlich mehr, als ich verdient habe\u201d, redete Lairis auf den Wechselbalg ein. \u201eSie brauchen mein B\u00fcro nicht aufzur\u00e4umen \u2013 wirklich nicht!\u201d<br \/>\nKara legte das St\u00fcck Deckenverkleidung, dass sie in der Hand hielt, fallen und zog die Nase kraus. \u201eEntschuldigung, Captain \u2013 aber ich kann dieses Chaos einfach nicht ansehen, ohne \u2026\u201d<br \/>\n\u201eFormwandler haben ein angeborenes Bed\u00fcrfnis nach Ordnung\u201d, erkl\u00e4rte Lwaxana nachsichtig und zwinkerte. \u201eSt\u00e4ndig putzt und r\u00e4umt sie hinter mir her und schmei\u00dft meine Post weg! Wegen ihr hab ich einen besonders wichtigen Empfang des Staatsoberhauptes von Aramon vers\u00e4umt, deshalb musste ich bei so einem albernen Ritual der Entschuldigung eine ganze Raktan-Pflanze verspeisen \u2013 und zwar roh. So ein Raktan-Stengel wird \u00fcber zwei Meter hoch und schmeckt wie alte Socken in Senfso\u00dfe! Das war mit Abstand das Scheu\u00dflichste, was ich je \u2026\u201d<br \/>\nKara warf ihrer Vorgesetzten einen schuldbewussten Blick zu. \u201eEs tut mir Leid, Botschafterin Troi. Ich werde nie wieder etwas sortieren \u2013 nur noch auf Empf\u00e4ngen erscheinen und l\u00e4cheln!\u201d<br \/>\nLwaxana st\u00f6hnte. \u201eDu bist unm\u00f6glich, wei\u00dft du das?\u201d<br \/>\nNun lachten sie alle drei. \u201eIch sch\u00e4tze, Wechselb\u00e4lger m\u00fcssen so ordentlich sein, um in der Gro\u00dfen Verbindung ihre Molek\u00fcle wiederzufinden\u201d, spekulierte Lairis.<br \/>\n\u201eIch will mit der Gro\u00dfen Verbindung nichts zu tun haben!\u201d rief Kara leidenschaftlich.<br \/>\nLairis warf einen schr\u00e4gen Blick auf Lwaxana. \u201eWie haben Sie entdeckt, dass Kara \u2026\u201d<br \/>\n\u201eIch konnte ihre Gedanken nicht lesen und da ahnte ich, dass sie \u2026 anders war. Wissen Sie, ich kannte Odo, bevor ich Kara traf. Er war der erste Formwandler, der mir begegnet ist, und einer der s\u00fc\u00dfesten, anst\u00e4ndigsten M\u00e4nner, die ich kenne.\u201d<br \/>\n\u201eWie haben Sie das mit dem Bluttest angestellt?\u201d fragte Lairis.<br \/>\n\u201eEine telepathische Illusion\u201d, erkl\u00e4rte Lwaxana. \u201eSie haben das gesehen, was Sie sehen sollten. So viele Leute gleichzeitig zu manipulieren, ist \u00fcbrigens ganz sch\u00f6n anstrengend!\u201d<br \/>\n\u201eAch, deshalb hatten Sie diesen Schw\u00e4cheanfall\u201d, begriff Lairis und f\u00fcgte leicht vorwurfsvoll hinzu: \u201eSie h\u00e4tten mir die Wahrheit sagen sollen!\u201d<br \/>\n\u201eH\u00e4tten Sie Kara an Bord gelassen, wenn Sie gewusst h\u00e4tten, was Sie wirklich ist?\u201d<br \/>\nBesch\u00e4mt gab Lairis zu: \u201eNein, h\u00f6chstwahrscheinlich nicht.\u201d<br \/>\nKara musterte die Bajoranerin ernst. \u201eBevor Lwaxana kam, hatte ich nie den Mut, mein wahres Ich zu zeigen, wissen Sie \u2026 Auf der Erde glaubte jeder, ich w\u00e4re ein Mensch \u2013 sogar meine Adoptiveltern hatten keine Ahnung \u2026 Ich war immer beliebt, denn ich konnte mich ja perfekt anpassen, perfekt verwandeln \u2013 aber das war nicht ich! Fr\u00fcher nahm ich an, ich w\u00e4re die einzige meiner Art, deshalb war ich ein Leben lang bem\u00fcht, nicht aufzufallen. Ich hatte Angst, wenn meine Freunde, meine Eltern oder meine Lehrer herausfinden, dass ich in Wirklichkeit ein Haufen Glibber bin, der jede beliebige Gestalt annehmen kann, w\u00fcrden sie mich nicht mehr m\u00f6gen, mir nicht mehr trauen \u2026 Nach dem Studium bewarb ich mich beim diplomatischen Dienst, denn ich dachte, ich h\u00e4tte vielleicht ein gutes H\u00e4ndchen f\u00fcr fremdartige Lebensformen \u2013 schlie\u00dflich bin ich selbst eine.\u201d Ein Schmunzeln huschte \u00fcber Karas Gesicht.<br \/>\n\u201eUnd so sind Sie an Botschafterin Troi geraten \u2026\u201d<br \/>\n\u201eJa. Aber dann ist die Sternenflotte im Gamma-Quadranten mit dem Dominion zusammen gerasselt, es kam zum Krieg \u2026 Seit dem hasst man Formwandler, und ich bin noch vorsichtiger geworden, als ich es fr\u00fcher war.\u201d Kara l\u00e4chelte freudlos und strich sich eine Haarstr\u00e4hne aus dem Gesicht. \u201eDas ist wohl auch so eine angeborene Eigenschaft von Wechselb\u00e4lgern: Paranoia.\u201d<br \/>\n\u201eNicht nur von Wechselb\u00e4lgern\u201d, entgegnete Lairis. \u201eW\u00e4hrend der Besatzungszeit hie\u00df es, nur ein toter Cardassianer sei ein guter Cardassianer. Zuerst hatte ich Angst vor den Cardies, dann hasste ich sie. Nun reagiere ich genauso auf Formwandler, obwohl ich im Grunde wei\u00df, dass es nicht richtig ist.\u201d<br \/>\n\u201eAber zu guter Letzt lernten Sie Belora Karthal kennen, die ein wirklich liebenswertes Exemplar ihrer Spezies ist \u2013 und Sie haben es geschafft, den Hass zu \u00fcberwinden\u201d, gab Lwaxana zu bedenken. \u201eVielleicht gelingt Ihnen das ein zweites Mal.\u201d<br \/>\nDie Bajoranerin l\u00e4chelte aufrichtig. \u201eDessen bin ich mir ganz sicher!\u201d<\/p>\n<p>\u00a9 2004 by Adriana Wipperling<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die USS Defender steht kurz vor der Vernichtung. Ein grausames Schicksal droht Captain Lairis. 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