{"id":153,"date":"2004-07-15T17:10:51","date_gmt":"2004-07-15T16:10:51","guid":{"rendered":"http:\/\/sandozean.de\/blog\/sandozean\/?p=153"},"modified":"2025-05-13T19:28:56","modified_gmt":"2025-05-13T19:28:56","slug":"die-parias-aus-der-karminroten-stadt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/sandozean.de\/?p=153","title":{"rendered":"Die Parias aus der karminroten Stadt"},"content":{"rendered":"<p><em>Eine uralte Aufzeichnung zeigt Tuvok und Janeway Entsetzliches: Genetisch aufgewertete Raubtiere, die Sklaven eines untergegangenen Imperiums, sammeln sich zwischen Ruinen und verwesenden Leichen \u2026 Handelt es sich um die Vorfahren eines besonders gef\u00e4hrlichen Feindes? <\/em><\/p>\n<p><strong>Star Trek Story von Anneliese Wipperling<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Bordzeit nach war es Nacht auf der Voyager, der gr\u00f6\u00dfte Teil der Crew schlief. Nur diejenigen, die Dienst auf der Br\u00fccke und im Maschinenraum hatten, wachten noch \u00fcber die Sicherheit des Schiffes \u2026 und dann gab es andere Crewmitglieder, die aus irgendwelchen Gr\u00fcnden nicht schlafen konnten. Junge Leute, die sich nach der Heimat und ihren Liebsten sehnten \u2026 sich mit irgendeiner banalen Kr\u00e4nkung herumschlugen, ihrem Ehrgeiz \u2026 oder ihren \u00c4ngsten.<br \/>\nTuvok schlief nicht, weil auf seinem Tisch ein faszinierendes Geheimnis lag: ein etwa handtellergro\u00dfer Kristall, der wie ein Datentr\u00e4ger aussah und in keine der vorhandenen Abspieleinrichtungen passte. Der Vulkanier hatte ihn ganz spontan auf einem interplanetaren Basar gekauft, weil er so alt aussah und er das unbekannte Ding pl\u00f6tzlich heftig begehrt hatte \u2026 ein Gef\u00fchl, das ihn ohne Vorwarnung \u00fcberw\u00e4ltigt hatte und dessen er sich im Nachhinein sehr sch\u00e4mte. Wenn er schon auf so zwanghafte Weise unlogisch gehandelt hatte, musste es wenigstens jetzt einen Sinn ergeben, sonst w\u00e4re die Schande viel zu gro\u00df und \u2026<br \/>\nCaptain Janeway schaute auf dem Weg in ihr Quartier kurz bei Tuvok herein. \u201eNa, was macht Ihre Neuerwerbung? Ist es wirklich mehr, als ein \u00fcberdimensionales Schmuckst\u00fcck?\u201d<br \/>\n\u201eIch habe immer noch nicht genug Informationen\u201d, antwortete Tuvok und hinter seiner K\u00fchle verbarg sich eine Spur jener Angst vor Entt\u00e4uschung, die uns zuweilen daran hindert, Vorhaben mit geringen Aussichten auf Erfolg \u00fcberhaupt anzugehen. \u201eDie Informationen \u2013 falls es wirklich welche gibt \u2013 k\u00f6nnen sich nur noch tief im subatomaren Bereich verbergen. Einiges deutet auf k\u00fcnstliche Varianzen in der Stringstruktur hin \u2013 aber so etwas ist eigentlich v\u00f6llig unwahrscheinlich. Wer auf dieser Ebene manipulieren kann, ist sehr viel m\u00e4chtiger als alle mir bekannten Spezies \u2026 abgesehen von den Q.\u201d<br \/>\n\u201eWoran denken Sie, an einen Gott?\u201d fragte Janeway am\u00fcsiert. \u201eWahrscheinlich war das doch nur die Klunker an der Spitze des Zepters von irgendeinem l\u00e4ngst vermoderten K\u00f6nig.\u201d<br \/>\n\u201eIch habe die Muster, die ich vor zwei Stunden und neunundf\u00fcnfzig Komma acht Minuten Bordzeit entdeckt habe, in den Computer \u00fcbertragen\u201d, bemerkte der Vulkanier gleichm\u00fctig. \u201eVielleicht ist es doch ein Datentr\u00e4ger.\u201d<br \/>\n\u201eWann wird er mit seiner Berechnung fertig sein? Lohnt es sich, zu warten?\u201d Pl\u00f6tzlich war Captain Janeway regelrecht elektrisiert vor Neugier. \u201eManipulierte Strings \u2026 das ist doch mal ganz was Neues!\u201d<br \/>\nTuvok sah seinen Captain verst\u00e4ndnislos an. Die pl\u00f6tzlichen Meinungs- und Gef\u00fchlsschwankungen gewisser humanoider Spezies verwirrten ihn immer wieder aufs Neue. \u201eEs wird sicher noch einige Stunden dauern. Bis jetzt liefert der Rechner nicht einmal einen voraussichtlichen Termin f\u00fcr die L\u00f6sung\u201d, antwortete er steif.<br \/>\nDas Gesicht Kathryn Janeways verriet jetzt Entt\u00e4uschung und Ungeduld. \u201eNa, dann gehe ich wohl besser schlafen \u2026 gute Nacht Commander Tuvok!\u201d<br \/>\nDer Vulkanier antwortete nicht sofort. Er war so sehr in einige Datenpads mit pers\u00f6nlichen Aufzeichnungen vertieft, dass er schon wieder v\u00f6llig vergessen hatte, dass er nicht allein war. Janeway sah ihn ein paar Sekunden lang erwartungsvoll an, dann wandte sie sich frustriert dem Ausgang zu. Sie verstand selbst nicht, warum sie Tuvoks Unaufmerksamkeit so sehr \u00e4rgerte, aber immerhin \u2026 nein, er hatte recht, wenn er sein R\u00e4tsel wichtiger nahm als irgendwelchen nichts sagenden Smalltalk.<br \/>\n\u201eFrieden und langes Leben\u201d, murmelte der Vulkanier zerstreut, als sie wahrscheinlich l\u00e4ngst in ihrem Quartier angekommen war \u2013 m\u00f6glicherweise sogar bereits im Bett lag.<br \/>\nSieben Stunden sp\u00e4ter lieferte der Computer die ersten Bilder und T\u00f6ne: ein melodisches Rauschen und ein dynamisches Muster aus roten und schwarzen Schlieren.<br \/>\n\u201eComputer, das Bild entzerren und den Frequenzbereich mit der gr\u00f6\u00dften Varianz herausfiltern!\u201d Nun formte sich ein Bild, bildeten sich unbekannte Tonfolgen und Tuvok erkannte endlich \u2026<\/p>\n<p>Die karminrote Stadt war sicherlich einmal sehr sch\u00f6n gewesen, aber nun war sie vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rt. An einigen Stellen loderten noch Feuer und schwarzer Rauch kroch durch die Schluchten zwischen den Schuttbergen. Die Leichen in den bunten elastischen Gew\u00e4ndern sahen aufgequollen aus, als bef\u00e4nden sich keine humanoiden K\u00f6rper sondern pralle Luftballons unter dem seidigen Stoff. Es war nicht schwer, sich vorzustellen, wie sich der schwere s\u00fc\u00dfliche Geruch der F\u00e4ulnis mit den \u00e4tzenden Brandgasen mischte.<br \/>\nDas Ger\u00e4t, mit dem die Aufnahme erstellt worden war, diente offenbar der Personen\u00fcberwachung \u2026 zumindest war es darauf programmiert, auf Bewegungen zu reagieren. Nachdem es eine ganze Weile auf einer Stelle verharrt war und nur Tod, Rauch und Zerst\u00f6rung gezeigt hatte, erfolgte pl\u00f6tzlich ein heftiger Schwenk. Etwas huschte und schlich durch die Ruinen \u2026 verstohlen und gierig wie Lematyas auf der Suche nach Beute.<br \/>\nDie Wesen gingen aufrecht, wirkten echsenhaft, waren fast unbekleidet \u2026 ungef\u00e4hr so gro\u00df wie erwachsene m\u00e4nnliche Vulkanier. Ihre Stiefel, Lendenschurze und Waffeng\u00fcrtel sahen ganz verschieden aus, es konnte sich also nicht um Soldaten handeln \u2026 und die tiefen Brandzeichen auf den rechten Schultern der Fremden deuteten darauf hin, dass es sich um Sklaven oder Haustiere handelte.<br \/>\nSie setzten sich eilig auf Steine oder hockten sich einfach auf den Boden, kratzten sich ausgiebig und kauten gierig an irgendwelchen undefinierbaren Fleischbrocken. Es wurden immer mehr \u2026 schlie\u00dflich waren etwa f\u00fcnfhundert von ihnen versammelt. Pl\u00f6tzlich gellten pfeifende, zischende und kreischende T\u00f6ne unangenehm in Tuvoks empfindlichen Ohren. Der Universal\u00fcbersetzer des Computers streikte, der schrille, diffuse L\u00e4rm ergab f\u00fcr ihn offenbar keinerlei Sinn.<br \/>\n\u201eComputer, Tonfolgen analysieren! Ich will wissen, ob das nur Tierlaute sind, oder ob es sich um eine richtige Sprache handelt!\u201d<br \/>\n\u201eIch beginne mit der Analyse jetzt, gesch\u00e4tzter Zeitaufwand drei Stunden!\u201d<br \/>\n\u201eEinverstanden!\u201d sagte Tuvok laut und beschloss, in der Zwischenzeit zu meditieren.<br \/>\nAls er zur\u00fcckkam, zeigte eine blinkende Taste an, dass der Datentr\u00e4ger nun abgespielt werden konnte. Er streckte seine langen, dunklen Finger aus und \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>\u201eWeshalb hast du uns gerufen, Urz?\u201d fragte eine d\u00fcrre, faltige Gestalt missmutig. \u201eEigentlich ist doch alles klar, unsere Besitzer sind tot \u2026 so tot, wie sie es verdienen. Sie waren eine leckere Beute \u2026 leider sind die fetten Tage vorbei, weil alles verfault ist. Wir sind schlie\u00dflich J\u00e4ger und keine Aasfresser.\u201d<br \/>\n\u201eDeshalb habe ich euch zusammengerufen\u201d, antwortete der gro\u00dfe, kr\u00e4ftige Urz selbstbewusst. \u201eDie Tessi haben die Reicht\u00fcmer der Caldaner gepl\u00fcndert und sind entt\u00e4uscht wieder abgezogen.\u201d<br \/>\n\u201eNicht ohne eine Menge von uns halb oder ganz tot zu pr\u00fcgeln\u201d, zischte eine junge, geschmeidige Echse emp\u00f6rt. \u201eAlle Humanoiden sind undankbares Gesindel \u2026 nur zum Fressen zu gebrauchen. Schlie\u00dflich haben wir den Tessi gezeigt, wie sie die planetare Verteidigung \u00fcberwinden k\u00f6nnen und wo es etwas zu holen gibt.\u201d<br \/>\n\u201eEinige von uns haben mit den verlockenden Angeboten schamlos \u00fcbertrieben, Tarn \u2013 kein Wunder, dass die Raumpiraten nicht gerade erfreut waren.\u201d<br \/>\n\u201eWir wollten doch nur frei sein!\u201d<br \/>\nPl\u00f6tzlich schrien alle f\u00fcnfhundert Wesen aufgeregt durcheinander: \u201eWir wollten raus aus den Zwingern!\u201d, \u201e\u2026 frei durch die W\u00e4lder streifen und endlich auf eigene Faust jagen!\u201d, \u201e\u2026 uns im Licht der drei Monde paaren, statt k\u00fcnstlich befruchtet zu werden und unsere Eier \u2026\u201d, \u201e\u2026 ja, wir wollten unsere Jungen selbst gro\u00dfziehen und sie nicht in irgendwelchen Labors vegetieren lassen!\u201d, \u201e\u2026 keine Brandeisen mehr \u2026 und keine Kastration \u00fcberz\u00e4hliger M\u00e4nnchen!\u201d, \u201e\u2026 und niemanden, der uns auspeitscht, wenn es uns ausnahmsweise mal nicht gelingt, das Zielobjekt zu schnappen!\u201d<br \/>\n\u201eRuhe!\u201d donnerte Urz. \u201eDie meisten unserer sch\u00f6nen Tr\u00e4ume k\u00f6nnen wir jetzt aufgeben. Die Tessi haben aus purer Bosheit eine Seuche freigesetzt, an der nicht nur s\u00e4mtliche Caldaner, sondern auch fast alle Beutetiere gestorben sind. Es gibt keine S\u00e4ugetiere mehr \u2026 nur noch Insekten, V\u00f6gel und einige Verwandte von uns.\u201d<br \/>\n\u201eIch habe ein unzerst\u00f6rtes Lagerhaus mit Trockenfutter entdeckt \u2026 wenn wir sparsam sind, reicht es f\u00fcr ungef\u00e4hr siebzehn Wochen. Und dann gibt es noch jede Menge caldanische Konserven \u2013 in jedem halbwegs intakten Hauskeller liegen welche herum. Sie schmecken zwar scheu\u00dflich, aber sie werden uns noch eine ganze Weile am Leben halten.\u201d<br \/>\n\u201eH\u00e4tten wir nur diesen Verrat nicht begangen \u2026\u201d seufzte eine weichere Stimme und einige andere brummten leise und beif\u00e4llig. \u201eEs ist doch kein Wunder, dass die Tessi uns nicht mitnehmen wollten. Niemand kann uns jetzt noch vertrauen.\u201d<br \/>\n\u201eSehnst du dich etwa nach deiner Herrin, Kell?\u201d fragte Urz lauernd. \u201eIch hoffe, du hast dich noch rechtzeitig an ihrer Leiche satt gefressen. Oder hast du es nicht fertig gebracht, weil sie dich in ihrem Bett schlafen lie\u00df?\u201d<br \/>\n\u201eNein, ich habe sie nicht gefressen \u2026 das waren die von der \u00f6rtlichen Kopfgeldagentur.\u201d<br \/>\n\u201eIch bereue gar nichts\u201d, erkl\u00e4rte Tarn pl\u00f6tzlich sehr w\u00fctend. \u201eDie meisten von uns wurden nicht verh\u00e4tschelt. Wir mussten uns unser bisschen Trockenfutter und Wasser m\u00fchselig erarbeiten \u2026 schn\u00fcffeln, sp\u00fcren, jagen, bis die Beute sicher in den K\u00e4figen der Justiz sa\u00df. Nicht ein einziges Mal durfte ich von diesen so genannten Dissidenten kosten \u2026 sie wenigstens ein bisschen anknabbern. Sie haben sie auf dem Marktplatz aufgeh\u00e4ngt und dann so tief verbuddelt, dass unsereiner nicht mehr herankam. Was f\u00fcr eine sinnlose Verschwendung!\u201d<br \/>\n\u201eWir wissen, wie \u00fcbel es war, den Caldanern zu dienen\u201d, fasste Urz die Diskussion zusammen. \u201eAber wir m\u00fcssen nun nach vorn sehen und uns ein neues Leben in Freiheit aufbauen.\u201d<br \/>\n\u201eJa, frei!\u201d sagte Tam inbr\u00fcnstig und zog seine Stiefel aus \u2026 legte den Schurz ab, die Verschn\u00fcrung, den G\u00fcrtel. \u201eWenn ich doch auch dieses Brandmal loswerden k\u00f6nnte. Ich war erst f\u00fcnf Jahre alt, als sie mir das antaten und ich erinnere mich nur zu gut an den Schmerz. Sie haben immer wieder Salz in die Wunde gestreut, damit es nicht zu schnell heilt und eine sch\u00f6ne, deutliche Narbe ergibt.\u201d<br \/>\nNun zischten fast alle Echsen beif\u00e4llig und entledigten sich ebenfalls ihrer sp\u00e4rlichen Kleidung. Jetzt konnte man sehen, dass die M\u00e4nnchen ein dickes, steifes, schuppiges Begattungsorgan zwischen den Beinen hatten, wo bei den Weibchen nur eine unauff\u00e4llige \u00c3\u2013ffnung vorhanden war.<br \/>\n\u201eM\u00fcssen wir nicht auch dankbar sein, weil unsere Herren uns \u00fcber das Tierreich erhoben haben?\u201d fragte Kell eindringlich. \u201eSie haben uns unsere Intelligenz gegeben, kr\u00e4ftige Muskeln, scharfe Sinne \u2026\u201d<br \/>\n\u201eDas mit der Intelligenz stimmt leider\u201d, antwortete Urz gelassen. \u201eAber wir sind inzwischen genauso klug wie sie es waren \u2026 alles \u00dcbrige jedoch verdanken wir unseren eigenen Vorfahren. Dieses Gesindel hat uns genetisch aufgebessert, damit wir ihre Verbrecher und politischen Feinde besser fangen konnten \u2026 und dann haben sie uns weiter wie Tiere gehalten. Ich habe sie von klein auf wie die Prissaseuche gehasst.\u201d<br \/>\n\u201eDu meinst also, wir waren im Recht, als wir zu den Tessi Kontakt aufnahmen und ihnen fette Beute versprochen haben?\u201d fragte Kell traurig. \u201eNicht alle Caldaner waren schlecht zu uns.\u201d<br \/>\n\u201eAch Kell!\u201d Die Augen von Urz verrieten keinerlei Gef\u00fchl, bestanden nur aus einer gleichm\u00e4\u00dfig schwarzen, gl\u00e4nzenden Iris. \u201eDu hast zu den wenigen geh\u00f6rt, die von reichen Caldanern als Scho\u00dftiere gehalten wurden \u2026 oder als Spielzeug f\u00fcr gewisse andere Zwecke. Du hattest immer genug zu fressen \u2026 sogar frisches Fleisch.\u201d<br \/>\n\u201eUnd sie hat mich gestreichelt \u2026 es war sehr angenehm\u201d, murmelte Kell vertr\u00e4umt.<br \/>\n\u201eWir sind R\u00e4uber\u201d, konterte Tam w\u00fcrdevoll. \u201eWilde, gefr\u00e4\u00dfige R\u00e4uber \u2026 und keine albernen Kuscheltiere f\u00fcr irgendwelche dekadenten Humanoiden.\u201d<br \/>\n\u201eUnd wir haben das Recht, zu \u00fcberleben und unsere eigene Kultur zu entwickeln.\u201d<br \/>\n\u201eMit f\u00fcnfhundert Leuten, von denen drei Viertel durch diese Schmarotzer unfruchtbar gemacht wurden?\u201d fragte der d\u00fcrre, faltige Alte skeptisch. \u201eDas wird doch nie was!\u201d<br \/>\n\u201eEs gibt noch unsere Verwandten in den W\u00e4ldern.\u201d<br \/>\n\u201eDu willst dich mit einem Tier paaren, das noch nicht einmal sprechen kann?\u201d, fragte Karn irritiert. \u201eDas ist nicht dein Ernst!\u201d<br \/>\n\u201eWir k\u00f6nnten sie selbst verbessern\u201d, meldete sich ein junges Weibchen eifrig zu Wort. \u201eIch habe fr\u00fcher ein Genetiklabor bewacht und jedes Mal ganz genau zugesehen. Ich wei\u00df, wie das geht!\u201d<br \/>\n\u201eAber das dauert wom\u00f6glich mehrere Generationen. So lange reicht das Fressen bestimmt nicht.\u201d<br \/>\n\u201eWir pr\u00fcfen alle Optionen jetzt sofort nach!\u201d befahl Urz. \u201eSp\u00fcrt und schn\u00fcffelt herum, durchsucht Institute, Keller, Datenbanken \u2026 nur gut, dass wir \u00fcber fast alle Zugangscodes verf\u00fcgen. Die Dissidentenjagd erweist sich nachtr\u00e4glich als gro\u00dfer Vorteil f\u00fcr uns. In zehn Stunden treffen wir uns an dieser Stelle wieder \u2026 und dann will ich brauchbare Ergebnisse sehen!\u201d<br \/>\nDie echsenartigen Wesen stoben nach allen Seiten davon. Jetzt waren nur noch Schutt und halb verweste Leichen zu sehen. Hoch oben am rauchigen Himmel zog ein Aasfresser seine Kreise.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>\u201eDie Caldaner waren so hoch entwickelt, dass sie die Welt der Strings beherrschten\u201d, \u00fcberlegte Tuvok. \u201eDennoch haben sie nicht vorausgesehen, dass ihre schuppigen Kopfgeldj\u00e4ger sie irgendwann verraten w\u00fcrden. Wenn sie sie ein wenig besser behandelt h\u00e4tten \u2026 ihnen entsprechend ihrer Intelligenz W\u00fcrde und Mitbestimmung zugebilligt h\u00e4tten \u2026 dennoch \u2026 sie waren extrem wild und gierig. Es w\u00e4re bestimmt nicht klug gewesen, ihnen zu vertrauen \u2026\u201d<br \/>\n\u201eIntelligenz f\u00fchrt nicht zwangsl\u00e4ufig zu mehr Kultur oder Vernunft \u2026\u201d erkl\u00e4rte Kathryn lebhaft. \u201eEs gibt auf der Erde etliche Philosophen, die rein manipulative Intelligenz noch zum Erbe des Tierreichs z\u00e4hlen.\u201d<br \/>\n\u201eAuf Vulkan auch \u2026 aber diese Echsen sp\u00fcrten sogar, dass ihnen etwas Wichtiges fehlte. Urz sprach von der Entwicklung einer eigenen Kultur \u2026 allerdings verdankten sie ihre Befreiung einem gemeinen Verrat.\u201d<br \/>\n\u201eAn einer Spezies, die keine Loyalit\u00e4t verdiente\u201d, konterte Janeway mit funkelnden Augen. \u201eSicher, die Kopfgeldj\u00e4ger waren gefr\u00e4\u00dfig und mitleidlos, aber das Beispiel von Kell zeigt, dass sie dennoch f\u00e4hig waren, auf Freundlichkeit zu reagieren und zu lieben.\u201d<br \/>\nTuvok zuckte unmerklich zusammen. Er fand, dass die Menschen gewisse Worte geradezu inflation\u00e4r benutzten. \u201eJa, einige wenige sind m\u00f6glicherweise zahm geworden, aber der Rest \u2026\u201d<br \/>\n\u201eTrotzdem sind meine Sympathien momentan eher aufseiten dieser Raubtiere\u201d, erkl\u00e4rte Janeway leidenschaftlich. \u201eSie waren unschuldig, wie alle Tiere. Dann hat man sie brutal aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen, sie an einen dubiosen Verwendungszweck angepasst \u2026 missbraucht und gequ\u00e4lt. Sie hatten keinerlei Rechte, waren die Parias dieser wundersch\u00f6nen karminroten St\u00e4dte \u2026 verdammt, sie waren die eigentlichen Opfer!\u201d<br \/>\n\u201eAber es muss auch eine Menge anst\u00e4ndiger Caldaner gegeben haben\u201d, konterte Tuvok ernst. \u201eSonst h\u00e4tten die Machthaber diese Kopfgeldj\u00e4ger gar nicht gebraucht \u2026 jedenfalls nicht so viele von ihnen. Deine unschuldigen Opfer haben die einzigen Lebewesen, von denen sie Mitgef\u00fchl und Gerechtigkeit erwarten konnten, gnadenlos gejagt. Sie h\u00e4tten sie sogar aufgefressen, wenn die caldanische Justiz das zugelassen h\u00e4tte. Ich sehe bei diesem Konflikt auf der einen Seite k\u00fcnstlich aufgewertete wilde Bestien und auf der anderen Seite kaltbl\u00fctige Faschisten, die mit ihrer Hilfe das eigene Volk unterdr\u00fccken. Es ist nicht logisch, einer der beiden Seiten mehr Mitgef\u00fchl als der anderen zuzubilligen.\u201d<br \/>\n\u201eAch Tuvok! M\u00fcssen Sie immer alles so bierernst analysieren? Mein Herz geh\u00f6rt nun einmal den Ausgebeuteten und Unterdr\u00fcckten!\u201d<br \/>\n\u201eAuch wenn sie den Untergang einer ganzen Spezies billigend in Kauf nehmen? Die meisten Caldaner hatten doch mit dem, was ihre Regierung und die Wirtschaftsbosse trieben, \u00fcberhaupt nichts zu tun! Massenmord zerst\u00f6rt jeden Anspruch auf moralische Rechtfertigung.\u201d<br \/>\n\u201eVielleicht wussten die Echsen nicht, was die Tessi mit den Caldanern vorhatten?\u201d<br \/>\n\u201eJa, Captain, da haben Sie wahrscheinlich sogar recht. Dennoch empfinde ich angesichts dieser Tiere ein merkw\u00fcrdiges Unbehagen. Ich wei\u00df, dass das nicht logisch ist, aber wenn ich mir vorstelle, was passieren kann, wenn solche Kreaturen ohne Mitgef\u00fchl und Ethik Macht gewinnen \u2026\u201d<br \/>\nTuvok ist f\u00fcr seine Verh\u00e4ltnisse ja regelrecht aufgew\u00fchlt, \u00fcberlegte Janeway am\u00fcsiert. Irgendetwas scheint ihn ganz pers\u00f6nlich zu ber\u00fchren, aber das k\u00f6nnen nicht seine eigenen Vorfahren sein. Die waren zwar schlimm, aber keine Tiere \u2026 und sie haben immerhin den gro\u00dfen Surak hervorgebracht, dem es in letzter Minute gelungen ist, seine Spezies zu retten und dem Schrecken ein Ende zu bereiten. \u201eWas meinen Sie, Tuvok, wie viel Informationen noch in diesem Stein stecken?\u201d fragte sie ruhig, um ihn von seinen peinlichen Emotionen abzulenken. \u201eVielleicht erfahren wir noch, wie es mit diesen Echsen weiterging.\u201d<br \/>\n\u201eDa sind, wenn der Kristall im gesamten Speicherbereich intakt ist, mindestens zwanzig Standardwochen drauf\u201d, bemerkte Tuvok dankbar.<br \/>\n\u201eNa dann spulen Sie das Ding doch ein St\u00fcck vor \u2026 oder wie immer man das bei dieser seltsamen Technik nennen mag!\u201d forderte Kathryn energisch. \u201eIch m\u00f6chte sehen, wie es weiterging!\u201d<br \/>\n\u201eComputer, zeige uns, was zehn Standardstunden sp\u00e4ter passiert ist!\u201d<br \/>\n\u201eIch weise darauf hin, dass diese Wesen vermutlich ein \u00f6rtliches Zeitma\u00df verwendet haben.\u201d Irrte sich Janeway oder klang die Computerstimme tats\u00e4chlich ein wenig hochm\u00fctig?<br \/>\n\u201eVerdammt!\u201d befahl sie \u00e4rgerlich. \u201eIch will die n\u00e4chste Versammlung sehen! Wie du das machst, ist allein dein Problem!\u201d<br \/>\nTuvok am\u00fcsierte sich dar\u00fcber, wie hei\u00df Janeway auf die Informationen auf seinem geheimnisvollen Fundst\u00fcck war \u2026 aber er verbarg es sorgf\u00e4ltig hinter der Maske des Kohlinar.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Der Bordcomputer der Voyager brauchte ganze zwei Stunden, bis er die richtige Stelle auf dem Datentr\u00e4ger gefunden hatte. Jetzt war es Abend und die drei Monde glitten majest\u00e4tisch \u00fcber den glitzernden Himmel. In ihrem wei\u00dfen Licht konnte man die Landschaft immer noch sehr deutlich erkennen.<br \/>\n\u201eDie Leichen der Faschisten sind inzwischen noch dicker geworden\u201d, bemerkte Janeway mit belegter Stimme. \u201eDiese rote Stadt muss ein verdammt hei\u00dfes Pflaster sein. Ich bin nicht gerade scharf darauf, mit anzusehen, wie sich die F\u00e4ulnisgase ihren Weg ins Freie bahnen.\u201d<br \/>\n\u201eEs ist nicht angemessen, diese Toten zu verunglimpfen, indem wir sie ohne Beweis zum schlimmsten Abschaum der Galaxis z\u00e4hlen\u201d, warnte Tuvok noch ernster und distanzierter als sonst. \u201eDas k\u00f6nnen genauso Dissidenten sein, die von den Echsen erlegt wurden.\u201d<br \/>\n\u201eDagegen spricht die bunte, festliche Kleidung \u2026\u201d<br \/>\n\u201eUm das beurteilen zu k\u00f6nnen, wissen wir zu wenig \u00fcber die Caldaner.\u201d Tuvok mochte es gar nicht, wenn sein von ihm so sehr respektierter Captain leichtfertig von den Menschen auf andere Spezies schloss.<br \/>\n\u201eStill!\u201d murmelte Kathryn aufgeregt. \u201eSie kommen zur\u00fcck.\u201d<br \/>\n\u201eUnd es sind mindestens doppelt so viele wie vorher.\u201d<\/p>\n<p>\u201eMitb\u00fcrger\u201d, schrie Urz pathetisch, was angesichts seiner Nacktheit ein wenig komisch wirkte. \u201eMitb\u00fcrger! Was habt ihr herausgefunden? Werden wir zu Herren des Universums aufsteigen oder auf unserer zerst\u00f6rten Heimatwelt elend verhungern? Welche Ressourcen haben wir noch?\u201d<br \/>\n\u201eDie Transporter und ihre Energieversorgungen sind teilweise noch intakt\u201d, berichtete Karn gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfig. \u201eWir haben s\u00e4mtliche gro\u00dfen Raumh\u00e4fen untersucht \u2026 auch die untercaldanischen Hangars. Wir haben dreihundertzwanzig mehr oder weniger intakte Raumschiffe gefunden. Selbst wenn wir ber\u00fccksichtigen, dass wir nicht allzu viel von den Dingern verstehen, k\u00f6nnen wir davon ausgehen, dass alle, die es wollen und verdienen diesen Planeten verlassen k\u00f6nnen, bevor uns die Nahrung ausgeht.\u201d<br \/>\n\u201eWas meinst du denn damit?\u201d murrte ein Teil der Anwesenden. \u201eWillst du etwa die Alten und Kranken zur\u00fccklassen?\u201d<br \/>\n\u201eVielleicht\u201d, antwortete Karn mit undurchdringlicher Miene.<br \/>\n\u201eDanke, Karn.\u201d Urz ignorierte die Unzufriedenheit der Menge geflissentlich. \u201eWie sieht es mit dem Fressen aus? Wie lange reicht es noch?\u201d<br \/>\n\u201eWenn wir sparsam sind und nicht allzu viel Verwandte aus den W\u00e4ldern mit durchf\u00fcttern m\u00fcssen, k\u00f6nnte es gerade reichen\u201d, erkl\u00e4rte eine junge weibliche Echse zuversichtlich.<br \/>\n\u201eAuch f\u00fcr die Reise zum n\u00e4chsten bewohnbaren Planeten?\u201d fragte Urz scharf.<br \/>\nDiesmal blieb das Weibchen die Antwort schuldig.<br \/>\n\u201eDann m\u00fcssen einige von uns f\u00fcr zus\u00e4tzlichen Proviant sorgen\u201d, schlug Karn gem\u00fctlich vor. \u201eWir picken uns bei unseren tierischen Verwandten die vielversprechendsten Exemplare heraus und verarbeiten die anderen zu D\u00f6rrfleisch, das ist am einfachsten.\u201d<br \/>\n\u201eKarn!\u201d protestierte Kell entsetzt. \u201eDas sind unsere Vorfahren!\u201d<br \/>\n\u201eUnd ungef\u00e4hr ein Viertel von uns \u00c4lteren sind Wildf\u00e4nge, die die Anpassung noch pers\u00f6nlich erleiden mussten\u201d, erg\u00e4nzte der skeptische Greis mit der faltigen Haut ernst. \u201eJede einzelne Waldechse k\u00f6nnte nach kurzer Zeit zu uns geh\u00f6ren \u2026 obwohl ich ihnen nicht unbedingt diese abscheuliche Prozedur w\u00fcnsche.\u201d<br \/>\n\u201eIch verstehe nicht \u2026\u201d Urz \u00e4rgerte sich, weil der andere mehr wusste als er und ihn damit gr\u00fcndlich aus dem Konzept gebracht hatte.<br \/>\n\u201eSie schnallen dich fest und ver\u00e4ndern dein Genom, indem sie dich nacheinander mit verschiedenen lebenden Virenst\u00e4mmen infizieren\u201d, erl\u00e4uterte die ehemalige Wachfrau aus dem Genetiklabor sachlich. \u201eDu hast Fieber, Halluzinationen, \u00fcberall Schmerzen \u2026 mistest unter dich, schreist und jammerst. Danach bist du zwar immer noch ein dummes Tier, aber du kannst bereits intelligente Nachkommen produzieren. Das reicht den Caldanern aber nicht, sie wollen nicht so lange auf ihre neuen Sklaven warten. Deshalb f\u00fcttern sie dich anschlie\u00dfend mit Enzymen, die das Wachstum der Nervenzellen gewaltig anheizen \u2026 und damit nicht irgendwelche undefinierbaren Konglomerate entstehen, werden deine Sinne pausenlos Reizen ausgesetzt: Hitze, K\u00e4lte, Schmerz, T\u00f6ne aller Art, Sprachfetzen, Bilder, Streicheleinheiten \u2026 Schl\u00e4ge. Die Versuchsobjekte waren hinterher viele Tage sehr krank \u2026 aber nach ihrer Genesung konnten sie sofort eingesetzt werden.\u201d<br \/>\n\u201eJa\u201d, erinnerte sich der Alte ungl\u00fccklich. \u201eSchl\u00e4ge und Frost, Dem\u00fctigungen \u2026 und eine ganze Welt, die mich \u00fcberw\u00e4ltigte \u2026 qu\u00e4lte \u2026 stimulierte, bis etwas in mir wie eine alte Wunde schmerzhaft aufbrach und ich pl\u00f6tzlich klar denken konnte \u2026 alles verstehen \u2026 ich war regelrecht berauscht. Und dann zerrten sie mich aus diesem Gestell und stecken mich in einen winzigen K\u00e4fig. Sp\u00e4ter bewiesen mir einige Caldaner mit Schl\u00e4gen und Stromst\u00f6\u00dfen, wie wertlos ich war und dass ich ihnen ohne Wenn und Aber gehorchen musste.\u201d<br \/>\n\u201eInteressant\u201d, kommentierte Urz die Worte des Alten fasziniert. \u201eDann brauchen wir uns also gar nicht mit irgendwelchem verbl\u00f6detem Getier herumzuschlagen. Wir selektieren die Echsen, schlachten die, die wir nicht gebrauchen k\u00f6nnen und dann \u2026\u201d<br \/>\n\u201eReicht das Fressen ganz bestimmt bis zu einer neuen Heimat\u201d, erg\u00e4nzte Tarn zufrieden.<br \/>\n\u201eIhr seid noch schlimmer als die Caldaner\u201d, zischte Kell ganz leise, aber die selbst ernannte Elite der neuen Zivilisation hatte es dennoch geh\u00f6rt.<br \/>\n\u201eWas st\u00f6rt dich an unserem Plan?\u201d fauchte Urz lauernd. \u201eM\u00f6chtest du unsere lieben Verwandten etwa verhungern lassen? Das ist auch nicht sehr angenehm \u2026 und vor allem so nutzlos. Ohne dieses kleine Opfer wird es uns nie gelingen, eine \u00fcberlegene Spezies zu werden \u2026 ein starkes Volk mit festen Br\u00e4uchen, vor dem die Humanoiden in der ganzen Galaxis erzittern werden.\u201d<br \/>\n\u201eWas hast du vor?\u201d fragte Kell vorsichtig. \u201eWir k\u00f6nnen doch nicht pausenlos Krieg f\u00fchren!\u201d<br \/>\n\u201eKrieg interessiert mich nicht\u201d, antwortete der Anf\u00fchrer abf\u00e4llig. \u201eIch tr\u00e4ume von einer gigantischen Jagd mit Treibern und Sch\u00fctzen, Fangeisen und Gruben. Ich will die Beute lebend, f\u00fcr jede Spezies eine andere T\u00f6tungsmethode festlegen und danach ihre H\u00e4ute und Knochen in meinem Quartier aufh\u00e4ngen. Ich will mich an ihrer Angst weiden und ihre Schreie wie Musik genie\u00dfen. Ich will ihnen die Eingeweide herausrei\u00dfen und sie in blanken Gl\u00e4sern konservieren. Es sind verfluchte Humanoide, die uns Generationen lang versklavt haben. Sie verdienen nichts Besseres \u2026 und au\u00dferdem schmecken sie.\u201d<br \/>\nEin Teil der Menge brach in unartikuliertes, frenetisches Heulen aus, w\u00e4hrend die anderen \u2026<br \/>\n\u201eIch mache da nicht mit\u201d, erkl\u00e4rte Kell unnat\u00fcrlich ruhig. \u201eIch will nicht dauernd t\u00f6ten und fressen \u2026 das ist sinnlos! Die Freiheit muss doch noch andere M\u00f6glichkeiten bieten!\u201d<br \/>\n\u201eWillst du etwa arbeiten?\u201d fragte Karn am\u00fcsiert. \u201eIch kann mir unser neues Leben jedenfalls pr\u00e4chtig vorstellen: nur spannende Jagden, gro\u00dfes Fressen, herrliche Troph\u00e4en und Jagdgeschichten am Lagerfeuer \u2026 oder wo immer es uns sonst gef\u00e4llt.\u201d<br \/>\n\u201eNein!\u201d protestierten Kell und der Alte \u2026 und etwa f\u00fcnfzig weitere Echsen stimmten ihnen zu. \u201eEin solches Leben wollen wir nicht.\u201d<br \/>\nPl\u00f6tzlich schrien alle wild durcheinander: \u201eIhr wollt euch wieder in irgendwelchen Betten w\u00e4lzen!\u201d, \u201e\u2026 verfluchte Schmarotzer \u2026 schnurren und winseln, wenn man sie streichelt!\u201d, \u201e\u2026 verw\u00f6hntes Pack! Sie haben mit den Caldanern kollaboriert!\u201d, \u201e\u2026 und jetzt wollen uns diese Schmusedecken sagen, wo es langgeht!\u201d<br \/>\n\u201eMitb\u00fcrger!\u201d Die Stimme von Urz klirrte so metallisch, dass alle sofort still waren. \u201eDiese Kuscheltiere geh\u00f6ren nicht zu unserer Art. Aus denen werden niemals gute J\u00e4ger. T\u00f6tet sie!\u201d<br \/>\nKell und seine ungl\u00fccklichen Gesinnungsgenossen verschwanden in einem rasenden Wirbel aus gebleckten Z\u00e4hnen, h\u00e4mmernden F\u00e4usten und gierig funkelnden Augen. Schrilles Jaulen und lautes Schmatzen untermalten die brutale Szenerie.<br \/>\n\u201eIst noch irgendwas da, was wir f\u00fcr die Reise einfrieren k\u00f6nnen?\u201d fragte Urz rein rhetorisch, als sich das Get\u00f6se wieder gelegt hatte.<br \/>\n\u201eMmmmrrrfuh!\u201d fauchten die Echsen leise durch ihre scharfen, blutigen Z\u00e4hne. \u201eEs ist nichts mehr da \u2026 aber wir sind satt \u2026 wundervoll satt. Das war gut und frisch!\u201d<br \/>\n\u201eVorw\u00e4rts zu neuen Ufern!\u201d dr\u00f6hnte Urz mit vollem Mund. \u201eWir sind die Gr\u00f6\u00dften!\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Tuvok wandte sich abrupt ab, aber Captain Janeway hatte dennoch bemerkt, dass in seinen dunklen Augen eine Spur Angst flackerte. \u201eComputer! Datei beenden und den Status quo speichern!\u201d befahl sie ruhig und sagte dann liebevoll zu dem Vulkanier: \u201eKommen Sie, wir gehen jetzt zu Neelix und trinken erstmal einen sch\u00f6nen, starken Kaffee.\u201d<br \/>\nTuvok lie\u00df sich widerstandslos wegf\u00fchren und an einen der Tische bugsieren. Janeway signalisierte dem eifrig herbeiwuselnden Talaxianer mit strengem Blick, dass seine \u00fcblichen dreisten Scherze diesmal auf keinen Fall erw\u00fcnscht waren.<br \/>\n\u201eSie haben die eigenen Leute gefressen und es hat ihnen nichts ausgemacht\u201d, fl\u00fcsterte der Vulkanier ungl\u00fccklich. \u201eDiese Gesch\u00f6pfe hatten keinerlei Ethik, kein Mitgef\u00fchl \u2026 nichts, was ein zivilisiertes Wesen ausmacht.\u201d<br \/>\n\u201eBis auf Kell und seine Freunde\u201d, antwortete der Captain schwerm\u00fctig. \u201eEin wenig Zuwendung durch eine einzelne Caldanerin hat gen\u00fcgt, sogar dieses genmanipulierte Tier in ein sehr viel liebevolleres Gesch\u00f6pf zu verwandeln. Wenn die Caldaner dem Leben nur etwas mehr Respekt entgegengebracht h\u00e4tten \u2026 aber diese Faschisten nahmen nur sich selbst wichtig. Sie m\u00fcssen im ganzen Quadranten \u00e4u\u00dferst unbeliebt gewesen sein, sonst h\u00e4tten ihre Gegner keine biogene Waffe mitgebracht, um sie vollst\u00e4ndig auszurotten. Vermutlich waren die Caldaner ebenfalls Experten im V\u00f6lkermord.\u201d<br \/>\n\u201eB\u00f6sartigkeit und Rachsucht sind wie eine ansteckende Krankheit\u201d, zitierte Tuvok Surak. \u201eSie bleibt nie auf ein Volk oder eine Klasse beschr\u00e4nkt. Irgendwann wird die entfesselte Entropie die ganze Gesellschaft deformieren und verderben. Kunst und Wissenschaft k\u00f6nnen nur noch perverse Monstren produzieren, M\u00e4nner und Frauen werden einander qu\u00e4len, statt liebevoll zusammenzuleben und ihre vergessenen Kinder werden wie herrenlose Tiere umherstreunen und wehrlos dem B\u00f6sen verfallen. Wir sind unf\u00e4hig, mit unseren Gef\u00fchlen verantwortungsbewusst umzugehen. Wir m\u00fcssen sie an der Wurzel packen und gnadenlos ausrei\u00dfen. Nur die reine, k\u00fchle Logik vermag uns noch zu retten.\u201d<br \/>\n\u201eVielleicht waren die Caldaner auch fest davon \u00fcberzeugt, richtig zu handeln\u201d, widersprach Janeway sanft. \u201eDie Logik von Eroberern hat ihre eigenen Fassetten. Die anderen d\u00fcrfen nicht gleichwertig sein \u2026 und diejenigen Mitb\u00fcrger, die selbstst\u00e4ndig denken, mitf\u00fchlend sind und sich noch einen anderen Sinn des Lebens vorstellen k\u00f6nnen, als die Fr\u00fcchte von Diebstahl und Raub zu verprassen, sind nat\u00fcrlich Agenten des Feindes, die man jagen und vernichten muss. Wir kennen das von den Cardassianern, auch sie sind extrem grausam zu ihren Dissidenten. Allerdings h\u00e4tten sie wahrscheinlich keine intelligenten Bluthunde geschaffen, dazu sind sie zu technikverliebt \u2026 und sie tun die Drecksarbeit lieber selbst.\u201d<br \/>\n\u201eDann waren offenbar viele Caldaner trotz allem sehr kultiviert\u201d, meinte Tuvok nachdenklich. \u201eSie wussten wom\u00f6glich gar nicht, dass sie in einem r\u00e4uberischen Staat lebten. Wahrscheinlich hat ein Gespinst aus L\u00fcgen und Halbwahrheiten den ganzen Planeten \u00fcberzogen und man hat nicht nur Dissidenten gejagt, sondern auch unschuldige Personen, die zuf\u00e4llig etwas \u00fcber die interplanetaren Kriege und die Grausamkeiten der Regierenden am eigenen Volk erfahren hatten. Man hat sie gebrochen, ihnen absurde Verbrechen untergeschoben \u2026 und sie dann zur Abschreckung \u00f6ffentlich hingerichtet.\u201d<br \/>\n\u201eUnd damit alles reibungslos lief, nahmen sie die gr\u00f6\u00dften und kr\u00e4ftigsten Raubtiere aus ihren W\u00e4ldern und statteten sie mit einer hohen, rein manipulativen Intelligenz aus \u2026\u201d fl\u00fcsterte Janeway entsetzt.<br \/>\n\u201eJa, Captain, sie schufen damit einen abscheulichen Albtraum f\u00fcr alle intelligenten Spezies, eine vagabundierende Gei\u00dfel unserer Galaxis.\u201d<br \/>\n\u201eTuvok! Sie denken doch nicht etwa, dass diese Echsen noch irgendwo da drau\u00dfen sind?\u201d<br \/>\n\u201eDie Hirogen \u2026\u201d sagte der Vulkanier still. \u201eIhre so genannte J\u00e4gerkultur scheint direkt von diesem Urz zu stammen \u2026 das Aufsp\u00fcren, Fangen, langsame T\u00f6ten \u2026 und die Troph\u00e4en an den W\u00e4nden.\u201d<br \/>\n\u201eAber diese Echsen sahen ganz anders aus. \u2026 eher wie Fleisch fressende Saurier von der Erde. Sie hatten spitze Schnauzen mit kr\u00e4ftigen Kiefern und langen Z\u00e4hnen.\u201d<br \/>\n\u201eVielleicht haben sie ja ihr Aussehen ver\u00e4ndert\u201d, meinte Tuvok beklommen. \u201eVielleicht wollten sie vergessen, dass sie nur \u00fcberleben konnten, weil sie ihre weniger intelligenten Verwandten wie Nutzvieh zusammengetrieben und als Proviant f\u00fcr die Reise geschlachtet haben. Vielleicht mussten sie sich selbst beweisen, dass sie etwas Besseres als ihre Vorfahren waren. Vielleicht war der Weg in die Freiheit selbst f\u00fcr die Mehrheit dieser erbarmungslosen R\u00e4uber zu blutig und sie erschufen sich deshalb ein neues L\u00fcgengespinst. Diener \u00fcbernehmen oft die Gewohnheiten ihrer Herren \u2026\u201d<br \/>\n\u201eTrotzdem\u201d, protestierte Janeway skeptisch. \u201eDas kommt mir alles ziemlich weit hergeholt vor. Gibt es denn irgendwelche Beweise f\u00fcr Ihre Theorie?\u201d<br \/>\n\u201eNein\u201d, antwortete Tuvok frustriert. \u201eDie Sprache der Echsen ist nicht mit der der Hirogen verwandt \u2026 und DNS-Proben haben wir nat\u00fcrlich auch nicht. Das Einzige, was \u00fcbereinstimmt, ist der Zeitrahmen. Die Aufzeichnung ist ungef\u00e4hr hunderttausend Jahre alt \u2013 so alt wie das \u00dcbertragungsnetz, das wir benutzt haben, um die Sternenflotte zu kontaktieren.\u201d<br \/>\n\u201eSie meinen, diese Ungeheuer haben sich eine andere Sprache zugelegt, um den Rest des Universums in die Irre zu f\u00fchren? Auch das wirkt auf mich ziemlich abgedreht.\u201d<br \/>\n\u201eSie hassten die Sprache ihrer Peiniger \u2026 ich finde es sehr logisch, dass sie sie nicht behalten wollten.\u201d<br \/>\n\u201eJa \u2026 ich inzwischen auch\u201d, murmelte Kathryn Janeway nach einer Weile entsetzt. \u201eIch h\u00e4tte Sie beinahe verloren, weil vor hunderttausend Jahren eine faschistoide Spezies willige Erf\u00fcllungsgehilfen brauchte \u2026 Lebewesen, die im Gegensatz zu den eigenen Leuten zu wahlloser, eiskalter Grausamkeit f\u00e4hig waren. Wenn ich daran denke, dass sie bereits dieses h\u00e4ssliche, krumme Messer in der Hand hielten, mit dem sie Sie bei vollem Bewusstsein entlang des R\u00fcckgrats aufschneiden wollten!\u201d<br \/>\n\u201eJa\u201d, best\u00e4tigte Tuvok ernst und vermied es sorgf\u00e4ltig, den Captain anzusehen. \u201eAber diese Kreaturen haben das caldanische Imperium von innen heraus zerst\u00f6rt\u2026\u201d<br \/>\n\u201eWir sollten uns auch noch den Rest der Aufzeichnung ansehen\u201d, meinte Janeway entschlossen. \u201eEs wird zwar ausgesprochen eklig werden, aber vielleicht erfahren wir noch etwas Wichtiges.\u201d<br \/>\n\u201eVulkanier kennen keinen Ekel \u2026\u201d begann Tuvok mit unbewegtem Gesicht und k\u00e4mpfte stoisch gegen das Zittern seiner H\u00e4nde.<br \/>\n\u201eWir stehen das gemeinsam durch\u201d, widersprach Janeway m\u00fctterlich. Sie kannte den Vulkanier inzwischen gut genug, um seine reduzierte Mimik und K\u00f6rpersprache richtig zu deuten.<br \/>\n\u201eUnd wir tun es besser allein \u2026\u201d erg\u00e4nzte Tuvok ernsthaft. \u201eDiese Bilder k\u00f6nnen ziemlich demoralisierend wirken. Einige Crewmitglieder k\u00f6nnten in Panik geraten, wenn sie den Hirogen das n\u00e4chste Mal begegnen\u201d<br \/>\nDer Captain nickte nur bek\u00fcmmert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Sie sahen die Sonne unz\u00e4hlige Male \u00fcber den Tr\u00fcmmern der karminroten Stadt auf und untergehen. Sie sahen die drei Monde \u00fcber den glitzernden Himmel wandern und die toten Caldaner in helles, wei\u00dfes Licht tauchen. Aasv\u00f6gel des Tages und der Nacht \u00f6ffneten die geschwollenen B\u00e4uche der Leichen und verschwanden mit ihren nackten K\u00f6pfen und H\u00e4lsen tief in den stinkenden H\u00f6hlungen voller Nahrung. Irgendwann lagen nur noch Stofffetzen und sauber abgenagte wei\u00dfe Knochen in den Ruinen.<br \/>\nDie Echsen kamen nicht wieder zur\u00fcck an diesen Platz, sie hatten offenbar anderes zu tun. Captain Janeway und Tuvok erfuhren nie, ob die Hirogen tats\u00e4chlich von den kannibalischen H\u00e4schern auf Calda abstammten \u2026 ob es vor hunderttausend Jahren k\u00fcnstlich erzeugte Monstren gewesen waren, denen Tuvok und Seven in der N\u00e4he des uralten Informationsnetzes mit List und viel Gl\u00fcck gerade noch entkommen waren.<\/p>\n<p>\u00a9 2003 by Anneliese Wipperling<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine uralte Aufzeichnung zeigt Tuvok und Janeway Entsetzliches: Genetisch aufgewertete Raubtiere, die Sklaven eines untergegangenen Imperiums, sammeln sich zwischen Ruinen und verwesenden Leichen \u2026 Handelt es sich um die Vorfahren eines besonders gef\u00e4hrlichen Feindes? Star Trek Story von Anneliese Wipperling<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ca_portfolio_gallery_project_year":"","ca_portfolio_gallery_client":"","ca_portfolio_gallery_skills":"","ca_portfolio_gallery_url":"","ngg_post_thumbnail":0},"categories":[33],"tags":[104,115,183,190],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153"}],"collection":[{"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=153"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1944,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153\/revisions\/1944"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=153"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=153"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=153"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}