{"id":151,"date":"2004-07-15T17:04:10","date_gmt":"2004-07-15T16:04:10","guid":{"rendered":"http:\/\/sandozean.de\/blog\/sandozean\/?p=151"},"modified":"2025-05-13T19:29:13","modified_gmt":"2025-05-13T19:29:13","slug":"warpflug-in-die-ewigkeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/sandozean.de\/?p=151","title":{"rendered":"Warpflug in die Ewigkeit"},"content":{"rendered":"<p><em>Als Captain der Sternenflotte und Partnerin eines Vulkaniers f\u00fchrt Corazon Inserra ein gl\u00fcckliches, erf\u00fclltes Leben. Dann kommt es bei einer Routinemission unerwartet zur Katastrophe \u2026<\/em><i><br \/>\n<\/i><br \/>\n<strong>Star Trek Story von Anneliese Wipperling<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Nach der Bordzeit des Schiffes war es Nacht, w\u00e4hrend der Zentralcomputer behauptete, dass \u00fcber den Zelten des Hauses Boras gerade die gro\u00dfe, rote Sonne aufgehen w\u00fcrde. Captain Coraz\u00f3n Inserra von der U.S.S. CASABLANCA hatte die Wache \u00fcbernommen, um ein wenig mit sich allein zu sein. Sie freute sich auf Vulkan. \u201eDas Schiff findet wahrscheinlich inzwischen allein den Weg\u201d, \u00fcberlegte sie am\u00fc-siert. \u201eEs hat genau wie ich vergessen, dass es auf der Erde gebaut wurde. Jedenfalls scheint es sich in den hiesigen Raumdecks wohler zu f\u00fchlen als anderswo \u2026 die vulkanischen Techniker sind so sorgf\u00e4ltig, fast liebevoll.\u201d Pl\u00f6tzlich musste sie lachen. Ein Gl\u00fcck, dass sie allein auf der Br\u00fccke war \u2026 und ihr Ehemann hoffentlich so fest schlief, dass er ihre Gedanken nicht wahrnahm. \u201eLinar bem\u00fcht sich auch auf diese ernsthafte Weise um Perfektion \u2026 ich komme mir manchmal wie ein besonders kostbares Werkst\u00fcck vor \u2026 aber das ist wohl der Preis daf\u00fcr, dass ich ein Alien geheiratet habe. Es ist ja lieb von ihm, dass er jedes Mal in meinem Geist liest, ob mir auch ganz bestimmt alles gef\u00e4llt, was er tut. Leider packt mich immer wieder diese irrationale Lust, mit ihm etwas \u00dcberraschendes anzustellen \u2026 ihn intim anzufassen, wenn er es nicht vermutet \u2026 ihn in irgendwelche finsteren Winkel des Schiffes zu verschleppen und dort \u00fcber ihn herzufallen \u2026 oder beim Sex ein wenig den Vamp zu spielen. Ich habe schon richtig \u00dcbung darin, meine Attacken auf ihn blitzschnell durchzuziehen, ohne vorher dar\u00fcber nachzudenken. Er ist immer noch genauso s\u00fc\u00df wie beim ersten Mal, wenn er irritiert guckt. Am liebsten w\u00fcrde ich mich manchmal aus Spa\u00df mit ihm streiten \u2026 aber das w\u00fcrde er bestimmt nicht verkraften. Er ist ein Alien \u2026 eine Inkarnation des heiligen Ernstes von Vulkan \u2026 ein sanfter Friedensengel, dem man so etwas nicht antun darf. Dabei gibt es unter den Turuska auch ziemlich wilde Kerle. Madras ist bestimmt kein Softy und ich ahne, dass Ruda und Aron das auch nicht sind \u2026 aber sie sind eben Krieger \u2026 so wie ich. Linar ist Forscher und Zivilist. Ich f\u00fcrchte, er h\u00e4lt mich manchmal f\u00fcr eine richtige Eisenfresserin.\u201d<br \/>\nPl\u00f6tzlich blinkte die Com-Anlage. Captain Inserra aktivierte sie und auf dem gro\u00dfen Bildschirm tauchte das Bild einer blonden, menschlichen Frau mittleren Alters auf.<br \/>\n\u201eHallo Molly!\u201c sagte der Captain erfreut. \u201eMein Computer sagt mir, dass du ziemlich fr\u00fch aufgestanden sein musst. Ich hoffe, es ist nichts Schlimmes passiert.\u201c<br \/>\n\u201eAber nein, ich wollte nur sicher sein, dass dein Mann schl\u00e4ft \u2026 und da ich wei\u00df, wie sehr du dich auf Vulkan freust \u2026\u201d<br \/>\n\u201eDu denkst wohl, dass ich wie ein eingesperrter Tiger auf der Br\u00fccke herumschleiche und sehns\u00fcchtig darauf warte, bis an die Kn\u00f6chel im hei\u00dfen Sand zu versinken und von dieser schauderhaften Schwerkraft platt gemacht zu werden \u2026\u201d<br \/>\nMolly ging nicht auf ihre Bemerkung ein. \u201eWir haben ein nettes kleines Komplott geschmiedet\u201c, erkl\u00e4rte sie mit fr\u00f6hlich funkelnden Augen.<br \/>\n\u201eWer ist wir?\u201c<br \/>\n\u201eMichelle, Morrigan und ich. Fadik veranstaltet gerade eine Art Workshop an der Uni \u2026 es geht um exosoziologische Feldforschung. Ich habe ihn \u00fcberredet, deinen Linar als Diskussionsleiter einzubeziehen. Wir h\u00e4tten fast eine Woche ganz f\u00fcr uns \u2026 inzwischen w\u00fcrde Fadik zwar ganz gern absagen \u2026 er ahnt, dass wir wieder einmal \u00fcber die Str\u00e4nge schlagen wollen \u2026 aber das geht Gott sei Dank nicht mehr ohne triftige Entschuldigung.\u201d<br \/>\nCoraz\u00c3\u00b3n Inserra grinste vergn\u00fcgt. \u201eDu hast also wieder eine dieser s\u00fcndigen Feten im Sinn \u2026 wo habt ihr eigentlich Ibor hingeschickt?\u201d<br \/>\n\u201eIbor war lange genug auf der Erde, um unsere Bed\u00fcrfnisse zu verstehen \u2026 er hat nichts dagegen, wenn seine Frau allein feiert. Ich musste ihm nur feierlich versprechen, aufzupassen, dass Michelle keine Alkoholvergiftung kriegt \u2026 er ist wirklich ein lieber und toleranter Kerl.\u201d<br \/>\n\u201eNa gut\u201d, erkl\u00e4rte der Captain zufrieden. \u201eLassen wir einmal alle Konventionen sausen \u2026 die der Sternenflotte und die Vulkans. Was gibt es denn Feines zu essen und zu trinken?\u201d<br \/>\n\u201eEchte ungarische Salami, franz\u00f6sischen K\u00e4se, polnischen Schinken, holl\u00e4ndisches Knabberzeug, schottischen Whisky \u2026\u201d verk\u00fcndete Molly stolz.<br \/>\n\u201eIch habe noch ein paar Flaschen leichten, spanischen Rotwein\u201c, konterte der Captain. \u201eSchlie\u00dflich k\u00f6nnen wir die arme Michelle nicht mit deinem extra scharfen Zeug abf\u00fcllen, sonst rei\u00dft uns Ibor doch noch den Kopf ab.\u201c<br \/>\n\u201eMorrigans mystischer G\u00e4rtner w\u00e4re wahrscheinlich auch sauer \u2026 obwohl sie bedeutend mehr vertr\u00e4gt, als Michelle\u201d, erg\u00e4nzte Molly verschmitzt. \u201eDein Wein ist genau das, was noch gefehlt hat.\u201d<br \/>\n\u201eWo l\u00e4sst du eigentlich deine Kinder?\u201c fragte Coraz\u00f3n neugierig.<br \/>\n\u201eAch, das ist kein Problem. T\u2019Kalla ist bei ihrem KohlinarMeister \u2026 und die Zwillinge sind bei Madras. Wei\u00dft du, sie lieben Fadik wirklich \u2026 aber ihren leiblicher Vater beten sie regelrecht an. Es sieht ganz so aus, als h\u00e4tte ich zwei zuk\u00fcnftige Krieger zur Welt gebracht.\u201d<br \/>\n\u201eT\u2019 Manna auch?\u201d fragte der Captain erstaunt.<br \/>\n\u201eGlaub mir, sie ist sogar ein noch schlimmerer Knochen als ihr Bruder Kanga.\u201c Mollys Stimme vibrierte verd\u00e4chtig, als sie das sagte und ihre blaue Augen gl\u00e4nzten vor Stolz.<br \/>\n\u201eDann steht unserem kleinen Fest nichts mehr im Wege \u2026 bis bald auf Vulkan!\u201d freute sich Coraz\u00f3n Inserra und deaktivierte den Bildschirm.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Molly, die ehemalige Sekret\u00e4rin des Botschafters der Erde auf Vulkan, summte vergn\u00fcgt ein uraltes Lied \u00fcber die Hippies von San Francisco, w\u00e4hrend sie die Vorbereitungen zu ihrem kleinen Fest pr\u00fcfte. Sie war eine schlanke, h\u00fcbsche Frau, deren Alter man schwer sch\u00e4tzen konnte. Sie trug die traditionelle Kleidung der Turuska: beige Tunika, weite, leichte, wei\u00dfe Hosen und Kn\u00f6chelsandalen mit dicken Sohlen. Das lange, naturblonde Haar war im Nacken mit einer Spange zusammengefasst, ihr Make-up beschr\u00e4nkte sich nach vulkanischer Art auf ein wenig blaugrauen Kajal und einen dezenten Lippenstift. Mollys Haut hatte unter der hei\u00dfen Sonne einen unglaublich attraktiven, goldbraunen Farbton angenommen. Ihr vulkanischer Ehemann Fadik behauptete allen Ernstes, dass sie wie Ende drei\u00dfig auss\u00e4he \u2026 aber das hielt sie f\u00fcr pure Schmeichelei. Immerhin hatte sie die f\u00fcnfzig bereits \u00fcberschritten \u2026 um wie viel, verriet sie nicht einmal sich selbst, geschweige denn irgendwelchen Fremden. Molly liebte ihren Ehemann, trotzdem freute sie sich darauf, gemeinsam mit ihren Freundinnen ein paar Tabus zu brechen.<br \/>\nEinen Moment \u00fcberlegte sie, ob sie ihren ehemaligen Chef ebenfalls einladen sollte, aber dann verwarf sie diesen Gedanken wieder. \u201eEs w\u00fcrde Ernesto zwar gefallen \u2026 aber das hier ist eine reine Frauensache. Auch ein schwuler Mann w\u00fcrde uns dabei st\u00f6ren. Schlie\u00dflich ist der gem\u00fctliche Klatsch \u00fcber unsere Ehem\u00e4nner \u2026 vulkanische M\u00e4nner im Allgemeinen \u2026 und Mannsbilder \u00fcberhaupt \u2026 der Hauptspa\u00df.\u201d Dann schmunzelte sie am\u00fcsiert. \u201eEs ist schon verr\u00fcckt, dass ich \u00fcberhaupt dar\u00fcber nachdenke. Wer h\u00e4tte damals, als ich drauf und dran war, den armen Kerl wegen seines unsittlichen Lebenswandels anzuschw\u00e4rzen, damit gerechnet, dass wir jemals Freunde werden w\u00fcrden! Madras hat mich damals v\u00f6llig umgekrempelt \u2026 dann haben mir die Krieger eine wichtige Aufgabe \u00fcbertragen: Ich bin eine Art Sozialarbeiterin, die \u00fcber ihre Kinder wacht, ihren V\u00e4tern vor dem Gesetz genau auf die Finger schaut \u2026 und die Kleinen notfalls bei sich aufnimmt. Aus der spie\u00dfigen, aufgetakelten Sekret\u00e4rin ist eine ehrw\u00fcrdige Mutter der Turuska geworden. Der Anf\u00fchrer der ber\u00fchmtesten Bruderschaft der Ah\u2019Maral hat mir zwei wundervolle Kinder geschenkt \u2026 und sein Halbbruder hat mich sogar geheiratet. Schade, dass Ah\u2019Tha, der alles sieht und niemals eingreift, so ein unzug\u00e4nglicher Gott ist. Ich w\u00fcrde mich liebend gern bei ihm bedanken. Mein Leben ist soviel reicher und sinnvoller geworden. Ich habe sogar noch einige Semester P\u00e4dagogik studiert und ich habe riesigen Spa\u00df am Sex mit meinem Fadik. Es geht wirklich nichts \u00fcber vulkanische M\u00e4nner! Die alte bigotte Molly w\u00e4re heute wohl nicht einmal meine Freundin \u2026\u201d<br \/>\nDer gro\u00dfe runde Tisch in Fadiks und Mollys Zelt war nach terranischer Tradition gedeckt: Das Porzellan und die Kristallgl\u00e4ser von der Erde funkelten im sanften Kerzenlicht. Brot und Wurst, Fr\u00fcchte und K\u00e4se waren verlockend arrangiert.<br \/>\n\u201eFadik ist wahrscheinlich schockiert. Selbst wenn das Fleisch dieser Salami aus Muskelzellen gez\u00fcchtet wurde \u2026 der Gedanke, etwas zu essen, was auf irgendeine Weise von einem atmenden, f\u00fchlenden Lebewesen stammt, erf\u00fcllt ihn jedes Mal aufs neue mit Entsetzen. Er h\u00e4lt mich vermutlich f\u00fcr eine echte Kannibalin \u2026\u201d Molly legte noch die silbernen Bestecke ihrer Mutter neben die Teller. \u201eF\u00fcr einen Exosoziologen und Macho ist Fadik ganz sch\u00f6n zimperlich\u201d, dachte sie respektlos. \u201eaber er steht ja nicht daneben, w\u00e4hrend wir die Wurst futtern und bis er zur\u00fcckkommt, hat er sich wie immer mit meinen Ausschweifungen abgefunden oder sie erfolgreich verdr\u00e4ngt \u2026\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Michelle verabschiedete sich z\u00e4rtlich von Ibor. In der Hand trug sie einen schlichten Korb mit drei Flaschen teurem, wei\u00dfem Bordeaux und einem riesigen, frisch aufgebackenen Baguette.<br \/>\n\u201eDu erinnerst mich an jenes kleine M\u00e4dchen, das in den finsteren Wald geht, um seiner Gro\u00dfmutter etwas zu essen zu bringen und dann von einer Art gro\u00dfem Hund gefressen wird\u201d, murmelte Ibor besorgt. \u201eDas letzte Mal haben sie dich halb tot zu mir zur\u00fcckgebracht. Bitte versprich mir, mit diesem konzentrierten Alkohol vorsichtig zu sein! Du vertr\u00e4gst nicht so viel, wie Captain Inserra oder Morrigan\u2026\u201d<br \/>\n\u201eJa, Liebster\u201d, versprach Michelle geduldig und k\u00fcsste ihren Mann auf die Nasenspitze. \u201eIch kann ganz gut auf mich aufpassen \u2026\u201d<br \/>\n\u201eVor der vorigen Fete hast du das auch versprochen\u201c, entgegnete Ibor leise. \u201eIch hole dich ab, wenn ich merke, dass dein Geist so sehr vernebelt ist, dass es unsere Bindung beeintr\u00e4chtigt.\u201c<br \/>\n\u201eUntersteh dich, bei unseren Frauengespr\u00e4chen zu lauschen!\u201c<br \/>\n\u201eFrieden, meine Gemahlin! Ich werde nur auf dein Wohlbefinden achten \u2026 zumindest solange es dir gut geht, sind eure Geheimnisse sicher, aber wenn ich merke, dass sie dich wieder vergiften \u2026 es ist nicht meine Schuld, wenn ich dann aus Versehen etwas aufschnappe \u2026\u201d<br \/>\n\u201eOkay\u201d, seufzte Michelle ergeben. \u201eAlso kein Schnaps \u2026 oder zumindest nur sehr wenig.\u201d Dann machte sie sich schnell auf den Weg, bevor ihr besorgter Ehemann es sich anders \u00fcberlegen konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Morrigan k\u00e4mmte sorgf\u00e4ltig ihre lockige, rote M\u00e4hne, w\u00e4hrend ihr liebster Bindungspartner Gattor ihr mit dunklen, unergr\u00fcndlichen Augen zusah. \u201eIhr werdet \u00fcber eure Entr\u00fcckungen reden\u201c, bemerkte er mit neutraler Stimme. \u201eIch hoffe, du denkst diesmal daran, dass Interna der Bruderschaft Au\u00dfenstehende nichts angehen.\u201c<br \/>\nMorrigan err\u00f6tete heftig. Sie erinnerte sich daran, wie Madras ihr die Leviten gelesen hatte, als sie bei ihrem ersten Frauenabend ganz unbefangen \u00fcber ihre Aufnahmezeremonie geplaudert hatte. \u201eAber Cori ist so neugierig \u2026\u201d murmelte sie frustriert. \u201eEs wird schwierig sein, sie abzuwimmeln.\u201d<br \/>\n\u201eCaptain Inserra ist Helferin der Ah\u2019 Maral und kennt die Regeln. Wenn sie zu viel wei\u00df, muss sie selbst den wei\u00dfen Mantel des Kriegers nehmen\u201d, warnte Gattor ernst. \u201eLinar d\u00fcrfte davon \u00fcberhaupt nicht begeistert sein und am schlimmsten w\u00fcrde es deine unschuldige Freundin Michelle treffen.\u201d \u201eNotfalls kann Aron daf\u00fcr sorgen, dass die beiden vergessen, was sie nicht wissen d\u00fcrfen \u2026\u201d<br \/>\n\u201eAusgerechnet du sagst so etwas? Du kennst die Methoden des Gedankentechnikers. Du warst dabei, als er mich nackt auf dem Tisch festschnallte und mir das Crispantin gab \u2026\u201d<br \/>\n\u201eDu hast recht \u2026 und ich habe auch nicht vor, meine Freundinnen in so eine schlimme Lage zu bringen. Nur im \u00e4u\u00dfersten Notfall \u2026 dann ist es vielleicht doch leichter, Arons Behandlung zu ertragen, als auf Kinder und Ehepartner zu verzichten.\u201d<br \/>\n\u201eIch mache mir jedes Mal Sorgen, wenn du zu diesen merkw\u00fcrdigen Zusammenk\u00fcnften gehst. Du verlierst dann das Gef\u00fchl daf\u00fcr, was du mit deinen Freundinnen teilen darfst und was nicht. Ich wei\u00df, dass Madras dich seit Jahren genau beobachtet. Ich m\u00f6chte dich auf keinen Fall verlieren.\u201d Gattor schwieg bek\u00fcmmert, dann sagte er behutsam: \u201eDiesmal werde ich nicht tatenlos zusehen, wie die reine Entropie unser gemeinsames Leben bedroht. Gleich nachdem du mir von eurem netten kleinen Vorhaben erz\u00e4hlt hast, bin ich zu Aron gegangen, er gab mir ein Medikament, das die Wirkung des Alkohols abschw\u00e4chen und deinen Geist festigen wird. Au\u00dferdem hilft es dir, dich gegen deine Br\u00fcder besser als sonst abzuschirmen. Du wirst heute Abend so frei wie eine mental begabte Vulkanierin sein. Geh bitte weise damit um und blamiere mich nicht vor meinem Anf\u00fchrer!\u201d<br \/>\n\u201eDu meinst, selbst Madras wird nicht wissen, wor\u00fcber wir reden?\u201c<br \/>\n\u201eDirekt nicht, aber er wird dich mit Sicherheit morgen zu sich rufen \u2026 und in deinem Geist forschen, ob du diesmal die Gesetze der Krieger eingehalten hast. Die Einzelheiten eures kleinen Palavers werden ihn vermutlich weniger interessieren \u2026\u201d<br \/>\n\u201eWie gro\u00dfm\u00fctig von euch\u201c, spottete Morrigan. \u201eIhr gebt mir ein Mittelchen, mit dem ich mich besser abschirmen kann und buddelt am n\u00e4chsten Tag in meinem Geist, ob ich auch artig war!\u201c<br \/>\n\u201eEs war allein Arons Entscheidung. Er findet es ungerecht, dass du nicht so viel Privatsph\u00e4re hast wie deine telepathisch begabteren Br\u00fcder und Schwestern. Au\u00dferdem mag er dich sehr \u2026 und deshalb schenkt er dir ein paar unbeobachtete Stunden \u2026\u201d<br \/>\n\u201eDer Eisenfresser kann manchmal richtig lieb sein \u2026\u201d murmelte Morrigan versonnen. \u201eWenn ich daran denke, wie eiskalt er daf\u00fcr gesorgt hat, dass Hladik \u2026\u201d<br \/>\n\u201eSprich nicht \u00fcber dieses Tier\u201d, protestierte Gattor heftig. \u201eEr hat mich entehrt! Er hat mich und Sial benutzt und entw\u00fcrdigt. Aron hat immerhin versucht, einen anst\u00e4ndigen Vulkanier aus ihm zu machen \u2026 aber es hat nicht funktioniert, weil er einfach zu b\u00f6sartig ist.\u201d<br \/>\n\u201eEs ist gut, dass er nicht mehr wei\u00df, was ihm wirklich alles angetan wurde\u201c, dachte Morrigan fl\u00fcchtig.<br \/>\n\u201eWas meinst du damit?\u201c fragte Gattor irritiert.<br \/>\n\u201eAch nichts \u2026 ich werde mir M\u00fche geben, dass niemand zu Schaden kommt\u201d, antwortete Morrigan schnell. \u201eWas wirst du machen, w\u00e4hrend ich weg bin? Wie ich dich kenne, wirst du dich dem Vertrauten zuwenden und mit ihm eine besonders angenehme Nacht verbringen.\u201d<br \/>\n\u201eIch bin bereits mit Numor verabredet\u201c, antwortete der Vulkanier bereitwillig.<br \/>\n\u201eDann sind Elbo und Sitor vermutlich auch dabei \u2026\u201d<br \/>\n\u201eJa\u201c, antwortete Gattor zur\u00fcckhaltend.<br \/>\nMorrigan lachte am\u00fcsiert. \u201eDu hast dir also ein exquisites Abenteuer vorgenommen, w\u00e4hrend ich mit meinen Freundinnen feiere \u2026\u201d<br \/>\n\u201eHmm.\u201c<br \/>\n\u201eDann w\u00fcnsche ich dir viel Spa\u00df, mein Liebster.\u201c<br \/>\n\u201eIch dir auch und \u2026\u201d antwortete Gattor sanft. \u201e\u2026 und \u2026 du darfst \u00fcber mich ruhig alle Einzelheiten erz\u00e4hlen, das w\u00e4re nicht weiter schlimm. Die Hauptsache ist nur, dass die W\u00fcrde und die Privatsph\u00e4re unseres Anf\u00fchrers nicht verletzt werden \u2026\u201d<br \/>\n\u201eIch habe nicht vergessen, was Madras mir beim letzten Mal gesagt hat. Und da ich nun leider nicht mehr richtig besoffen werden kann \u2026\u201d<br \/>\n\u201eDu w\u00fcnschst dir wirklich so einen unlogischen Zustand?\u201c<br \/>\n\u201eAch vergiss es \u2026 du verstehst das nicht\u201d, murmelte Morrigan frustriert. \u201eIch gehe jetzt zu meiner Fete. H\u00f6r bitte auf, dir Sorgen zu machen.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Es war schon ziemlich sp\u00e4t am Abend. Die vier Frauen hatten die Leckereien von der Erde l\u00e4ngst verspeist und auch der rote und der wei\u00dfe Wein waren bereits ausgetrunken. Captain Inserra, die von ihrem Ehemann Linar und ihren Freundinnen liebevoll Cori genannt wurde, drehte ihr Whiskyglas nachdenklich in der Hand, hielt es so, dass das Kerzenlicht seine dunkel goldene Farbe ergl\u00fchen lie\u00df. \u201eAuf die Erde und die Menschen \u2026\u201d sagte sie and\u00e4chtig. \u201eEs tut gut, wieder einmal richtig zu feiern \u2026 und ein wenig verr\u00fcckt zu sein.\u201d<br \/>\n\u201eAber du sagst doch immer, dass Vulkan deine wahre Heimat w\u00e4re\u201c, fragte Molly erstaunt. \u201eBist du denn mit Linar nicht gl\u00fccklich?\u201c<br \/>\n\u201eEr ist der einzige Mann in meinem Leben, der wirklich z\u00e4hlt\u201d, antwortete Cori schwerm\u00fctig. \u201eIch liebe ihn sehr \u2026 aber das bedeutet leider nicht, dass er mir alles geben kann, was ich brauche.\u201d<br \/>\nDie anderen drei Frauen sahen sie erwartungsvoll an. \u201eIch verstehe nicht \u2026\u201d murmelte Michelle.<br \/>\n\u201eBevor ihr mich weiter l\u00f6chert \u2026 Linar ist wirklich gut im Bett. Er erf\u00fcllt meine geheimsten W\u00fcnsche \u2026 ist z\u00e4rtlich, ausdauernd, f\u00fcrsorglich.\u201d<br \/>\n\u201eAber er ist dir zu vern\u00fcnftig\u201d, mutma\u00dfte Morrigan. \u201eUnd es ist verdammt eint\u00f6nig, immer mit demselben Mann zusammen \u2026\u201d<br \/>\n\u201eAch Morrigan\u201c, lachte Michelle am\u00fcsiert. \u201eNicht jeder ist so polygam veranlagt wie du.\u201c<br \/>\n\u201eAber es ist wirklich sehr angenehm, ab und zu einen anderen Partner zu umarmen, schon wegen der interessanten Visionen beim Orgasmus. Ich meine, Gattor ist weit und tief wie ein Ozean. Er kann mir gar nicht langweilig werden, weil es v\u00f6llig unm\u00f6glich ist, ihn ganz und gar zu ergr\u00fcnden \u2026\u201d<br \/>\n\u201eDein mystischer G\u00e4rtner \u2026\u201d Michelles Augen funkelten am\u00fcsiert.<br \/>\n\u201eJa, er ist mein wunderbarer Zauberer von Avalon\u2026 und ich liebe ihn sehr. Aber trotzdem m\u00f6chte ich manchmal von einer Klippe springen \u2026 oder in einem Lavastrom schwimmen. Und ein andermal brauche ich es einfach, dass jemand meine eigenen Gef\u00fchle aufnimmt, potenziert und \u2026 ach \u2026\u201d pl\u00f6tzlich schwieg Morrigan erschrocken. Die Geheimnisse des Kohlinar-Meisters waren tabu und sie war dank Arons Pillen viel zu n\u00fcchtern, um sich aus Versehen zu verplappern. \u201eManchmal brauche ich auch eine sch\u00f6ne Frau, in deren Katra ein A\u2019 Kweth fl\u00fcstert\u201d, lenkte sie die anderen schnell von Madras ab. \u201eIch liebe T\u2019 Wakan und Harim und \u2026 nat\u00fcrlich das Dreierpack \u2026 und \u2026\u201d<br \/>\n\u201eMadras \u2026\u201d erg\u00e4nzte Molly and\u00e4chtig. \u201eIch war auch schon einmal ganz sch\u00f6n verknallt in ihn \u2026 und danach habe ich mich aus Versehen in seinen verstorbenen genetischen Vater Taru verliebt. Es war v\u00f6llig verr\u00fcckt \u2026 dann kam Fadik und okkupierte mich einfach \u2026\u201d<br \/>\n\u201eFadik ist ein Macho\u201d, meinte Michelle k\u00e4mpferisch. \u201eEr ist derma\u00dfen dominant und selbstherrlich \u2026\u201d<br \/>\n\u201eDas scheint nur so\u201d, widersprach Molly am\u00fcsiert. \u201eEr w\u00fcrde niemals etwas tun, was mir nicht gef\u00e4llt. Er liebt es nur, die Initiative an sich zu rei\u00dfen \u2026 wie das bei richtigen Alphatieren halt Ehrensache ist. Aber \u00fcberlegt doch einmal: Ich denke ganz unauff\u00e4llig an etwas \u2026 Fadik liest genauso unauff\u00e4llig in meinem Geist \u2026 und dann sorgt er ganz dominant und energisch daf\u00fcr, dass ich bekomme, was ich m\u00f6chte \u2026 vorausgesetzt, mein Wunsch ist nicht ganz und gar unlogisch. Das w\u00fcrde nat\u00fcrlich jeden Vulkanier \u00fcberfordern. Ihr m\u00fcsst zugeben, dass das ganz witzig klingt und sich nicht gerade nach einer armen unterdr\u00fcckten Ehefrau anh\u00f6rt.\u201d<br \/>\n\u201eDu bist ganz sch\u00f6n raffiniert\u201d, meinte Cori am\u00fcsiert. \u201eUnd wie ist er sonst \u2026\u201d<br \/>\n\u201eEr ist stark und hei\u00df\u201d, antwortete Molly vertr\u00e4umt. \u201eSein Geist ist fast so m\u00e4chtig wie der von Madras. Er kann mich in unbekannte Dimensionen entf\u00fchren \u2026 und meine Weiblichkeit derma\u00dfen in Aufruhr versetzen, dass ich \u2026\u201d Offenbar fehlten ihr die Worte, um es genauer zu definieren.<br \/>\nCori sah sie nachdenklich an. \u201eIch kann nur ahnen, was du meinst. Linar ist mental bei weitem nicht so begabt wie Madras oder Fadik \u2026 er gleicht in manchen Dingen eher einem Mann von der Erde \u2026 er ist fast wie ein sehr sanfter und einf\u00fchlsamer Mensch. Nat\u00fcrlich hilft ihm die Bindung, zu wissen, was in mir vorgeht. Man muss ihm nicht alles so m\u00fchsam auseinander klam\u00fcsern, wie einem gew\u00f6hnlichen Kerl \u2026 aber ich f\u00fcrchte, er versteht h\u00e4ufig nicht, was er mitbekommt.\u201d<br \/>\n\u201eAber er ist doch Exosoziologe, wie Fadik!\u201c wunderte sich Molly. \u201eDa muss er sich doch mit Au\u00dfenweltlern auskennen. Wir Menschen m\u00fcssten f\u00fcr ihn eine gut erforschte Spezies sein.\u201c<br \/>\n\u201eTheoretisch ja \u2026 aber das bedeutet noch lange nicht, dass er mit den konkreten Empfindungen einer konkreten menschlichen Frau immer etwas anfangen kann. Er qu\u00e4lt sich, weil es ihm so oft nicht gelingt, mir wirklich nahe zu sein \u2026 und dann f\u00fchle ich mich schuldig, weil Linar ungl\u00fccklich ist.\u201d<br \/>\n\u201eIch habe mit Ibor keine derartigen Probleme\u201d, murmelte Michelle verdutzt. \u201eMan kann sogar mit ihm bl\u00f6deln \u2026 wenn auch auf eine sehr bizarre, vulkanische Art. Sein Geist ist klar, scharf, selbstbewusst und frei \u2026 sehr merkw\u00fcrdig.\u201d Pl\u00f6tzlich musste sie kichern. \u201eIbor ist derma\u00dfen liebebed\u00fcrftig \u2026 um nicht zu sagen, extrem geil \u2026 dass ich gar nicht die Kraft h\u00e4tte, an einen anderen Kerl zu denken, geschweige denn fremdzugehen.\u201d<br \/>\n\u201eUnd schafft er immer noch es, dich zu \u00fcberraschen?\u201c fragte Captain Inserra neugierig. \u201e\u2026 ich meine, trotz der mentalen Bindung?\u201c<br \/>\n\u201eIbor liebt schnelle Entschl\u00fcsse \u2026 spontane Einf\u00e4lle setzt er meist abrupt und gnadenlos um. Wir hatten schon an den unm\u00f6glichsten Orten auf die unm\u00f6glichste Weise Sex.\u201d<br \/>\n\u201eDas klingt nicht gerade nach einem typischen Vulkanier\u2026\u201c<br \/>\n\u201eDu hast recht, Cori, Ibor ist nicht typisch. Sein Geist folgt nicht der geradlinigen Logik. Er denkt in mehr Dimensionen, als in der Raumzeit Platz haben \u2026 vieles erfasst er rein intuitiv.\u201d<br \/>\n\u201eDas h\u00f6rt sich faszinierend an \u2026\u201d murmelte Cori vertr\u00e4umt. Dann warf sie einen schnellen Blick auf Michelle. \u201eIch denke, du nimmst jetzt besser Fruchtsaft, statt Whisky, sonst bekommen wir es mit deinem spontanen Genie zu tun.\u201d Gehorsam stellte Michelle die Flasche wieder an ihren Platz.<br \/>\n\u201eIch mache mir lieber einen Kaffee\u201c, erkl\u00e4rte sie schuldbewusst. \u201eIch m\u00f6chte nicht, dass Ibor wieder behauptet, ihr h\u00e4ttet mich vergiftet.\u201c<br \/>\n\u201eSo etwas sagt er im Ernst?\u201d erkundigte sich Molly verst\u00e4ndnislos. \u201eDa ist er ja noch viel schlimmer als Fadik. Der brummelt nur etwas von unlogischen Gelagen und unethischem Verzehr verwandter Spezies, aber da er wei\u00df, dass er mich nicht davon abhalten kann, ab und zu ein Gl\u00e4schen zu trinken \u2026\u201d<br \/>\n\u201eAber du hast doch fr\u00fcher jedes Mal gewettert, wenn bei einem Empfang des Botschafters Alkohol serviert wurde \u2026\u201d fragte Cori verst\u00e4ndnislos. \u201eUnd nun \u2026\u201d<br \/>\n\u201eEs ist ja nicht so, dass ich saufe\u201d, erkl\u00e4rte Molly hoheitsvoll. \u201eAber, seit ich wei\u00df, wie egal das Ah\u2019 Tha ist \u2026\u201d<br \/>\n\u201eDeshalb bist du so gut in \u00dcbung\u201c, schmunzelte Morrigan.<br \/>\nWenig sp\u00e4ter stand Ibor vor Mollys Zelt. \u201eIch habe gesp\u00fcrt, wie sich Michelles Geist von meinem entfernt hat\u201c, meinte er besorgt. \u201eIch m\u00f6chte nicht, dass sie morgen wieder so sehr leidet.\u201c<br \/>\n\u201eKomm rein, Ibor\u201c, sagte Molly vergn\u00fcgt. \u201eHier gibt es weder nackte Tatsachen noch furchtbare Geheimnisse. Michelle kocht sich gerade einen Kaffee, vielleicht m\u00f6chtest du auch einen?\u201c<br \/>\n\u201eDanke\u201d, antwortete er erleichtert und schob sich m\u00fchsam durch das Kraftfeld am Eingang. \u201eIhr habt euch ganz sch\u00f6n verbarrikadiert \u2026\u201d<br \/>\n\u201eEs muss ja nicht jeder mitbekommen, dass die ehrw\u00fcrdige Mutter der Krieger pichelt\u201c, kicherte Morrigan.<br \/>\nEine halbe Stunde sp\u00e4ter verabschiedete sich Michelle von ihren Freundinnen. Ibor st\u00fctzte sie f\u00fcrsorglich, w\u00e4hrend sie zum Transporter gingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Molly f\u00fcllte and\u00e4chtig die Gl\u00e4ser. \u201eEs ist schon interessant, wie weit weg man seinen Bindungspartner mit ein wenig Schnaps schieben kann. Nicht dass ich Fadik nicht gern bei mir habe, aber ich kann ihn nicht abblocken, er ist einfach viel zu stark \u2026 und manchmal st\u00f6rt es mich, dass er immer ganz genau wei\u00df, was ich denke.\u201d<br \/>\n\u201eIch wei\u00df, was du meinst\u201d, best\u00e4tigte Cori frustriert. \u201eDiese Verbindung ohne Wenn und Aber kann ganz sch\u00f6n \u00e4tzend sein. Aber ich bin Captain der Sternenflotte \u2026 echter Alkohol wird an Bord nicht gern gesehen und ich muss Vorbild sein. Mir bleiben nur die Nachtschichten auf der Br\u00fccke, wenn ich ganz allein sein will \u2026 und mich ungest\u00f6rt meinen Fantasien hingeben.\u201d<br \/>\n\u201eAber Linar k\u00f6nnte wach bleiben, um herauszufinden, was du denkst.\u201c<br \/>\n\u201eSo etwas tut er nicht, dazu ist er viel zu nett \u2026 obwohl es ihm nat\u00fcrlich schwer f\u00e4llt, zu verstehen, weshalb ich das \u00fcberhaupt brauche \u2026\u201d<br \/>\nMorrigan, die schweigend an ihrem Drink genippt hatte, fragte erstaunt: \u201eIhr habt keine festen Regeln f\u00fcr die Kommunikation des Geistes? Bei den Kriegern ist es nicht \u00fcblich, st\u00e4ndig in seinen Partnern pr\u00e4sent zu sein. Es geh\u00f6rt zur Ausbildung, dass man lernt, sich abzuschirmen. Mit zwanzig oder mehr Bindungspartnern geht das gar nicht anders. Vielleicht ist Madras ja bereit, euch Unterricht zu geben.\u201c<br \/>\n\u201eUnsere Ehem\u00e4nner w\u00fcrden denken, dass wir etwas zu verbergen h\u00e4tten\u201d, sagte Molly leise. \u201eBei uns ist alles ein wenig anders, als bei den Ah\u2019 Maral.\u201d \u201eEs bringt nichts, dar\u00fcber nachzudenken, ob ich eine bessere Kriegerin als Ehefrau geworden w\u00e4re\u201d, murmelte Cori unzufrieden. \u201eFr\u00fcher, als ich noch auf jeder Sternenbasis einen jungen Kerl hatte, war ich eigentlich auch ganz gl\u00fccklich \u2026 allerdings habe ich keinen von ihnen wirklich geliebt, w\u00e4hrend Linar\u2026\u201d<br \/>\n\u201eWas magst du an ihm?\u201c fragte Morrigan neugierig.<br \/>\n\u201eDiese goldenen Augen, seinen heiligen Ernst \u2026 die entz\u00fcckend naive Begeisterung, mit der er jedes Mal dem unendlich Fremden begegnet \u2026 seine hingebungsvolle Liebe zu mir. Linar ist ein kluger und anst\u00e4ndiger Mann. Es w\u00e4re wirklich sehr undankbar, wenn ich mich \u00fcber mein Schicksal beschweren w\u00fcrde.\u201d Coraz\u00c3\u00b3n Inserras gr\u00fcne Augen funkelten pl\u00f6tzlich aggressiv. \u201eWas kann ich denn daf\u00fcr, dass mir Linars Ernst manchmal zu heilig ist \u2026 dass es mich ab und zu sogar \u00e4rgert, wie angestrengt er sich bem\u00fcht, mich gl\u00fccklich zu machen. Und wisst ihr, was das schlimmste ist? Anfangs fand ich die Idee, einen Vulkanier zu heiraten, ungeheuer romantisch. Wie eine Heldin der alten Sagenwelt musste ich tausend Schwierigkeiten \u00fcberwinden, um ihn zu bekommen \u2026 aber nun, nach beinahe zwanzig Jahren Ehe, ist alles so entsetzlich vorhersehbar geworden \u2026\u201d<br \/>\n\u201eDu h\u00e4ttest doch Ah\u2019 Maral werden sollen\u201d, behauptete Morrigan im Brustton der \u00dcberzeugung. \u201eIch glaube zwar nicht, dass ich jemals meinen liebsten Bindungspartner verlassen werde \u2026 aber allein die M\u00f6glichkeit, dass ich jederzeit in ein anderes Zelt umziehen kann, oder mir sogar ein eigenes kaufen und es bei irgendeinem Clan aufstellen \u2026 ist sehr beruhigend.\u201d<br \/>\n\u201eJa, ich kann mir gut vorstellen, wie sch\u00f6n es w\u00e4re \u2026 vielleicht sogar mit Linar als liebstem Bindungspartner \u2026 aber das ist nur eine nette Spinnerei. Linar ist heterosexuell, monogam und sehr friedlich. Selbst in den b\u00f6sen Zeiten vor Surak h\u00e4tten die Krieger ihn nicht gebrauchen k\u00f6nnen \u2026 und ich w\u00fcrde ihn niemals verlassen.\u201d<br \/>\n\u201eUnd wenn du nicht verheiratet w\u00e4rst?\u201d hakte Morrigan nach. \u201eIch meine, ganz hypothetisch \u2026\u201d<br \/>\n\u201eIch bin Captain der Sternenflotte\u201c, erkl\u00e4rte Cori w\u00fcrdevoll mit ein wenig schwerer Zunge. \u201eIch k\u00f6nnte meine CASABLANCA niemals aufgeben!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Eine Stunde sp\u00e4ter war nur noch Morrigan richtig n\u00fcchtern. Peinlich ber\u00fchrt schaute sie zu, wie Captain Inserra die Tr\u00e4nen \u00fcber das Gesicht liefen und Molly sie ungeschickt zu tr\u00f6sten versuchte. \u201eIch bin so ein Mistst\u00fcck\u201d, schluchzte Cori verzweifelt. \u201eIch habe einen guten Mann, der mich \u00fcber alles liebt. Ich habe zwei nette Kinder \u2026 und trotzdem bin ich nicht zufrieden. Immer wieder denke ich, wie es mit diesem oder jenem anderen Kerl w\u00e4re \u2026 mit Madras zum Beispiel \u2026 Morrigan, du hast doch bestimmt mehr als einmal mit ihm geschlafen \u2026 wie ist er so \u2026 bitte!\u201d<br \/>\n\u201eInterna der Bruderschaft sind f\u00fcr Au\u00dfenstehende tabu\u201d, zitierte Morrigan reserviert ihren Bindungspartner Gattor. \u201eMadras ist ein angenehmer Liebhaber \u2026 ich f\u00fchle mich bei ihm geborgen. Mehr darf ich dir leider nicht sagen.\u201d<br \/>\n\u201eIch m\u00f6chte doch nur wissen, ob er wild und leidenschaftlich ist, wie es sich anf\u00fchlt, wenn er in \u2026\u201d begann Cori und verstummte dann besch\u00e4mt.<br \/>\n\u201eEr ist gro\u00df und stark\u201d, erkl\u00e4rte Morrigan mitleidig. \u201e\u2026 in jeder Beziehung \u00fcberaus bedeutend. Er ist so, wie ein Anf\u00fchrer der Ah\u2019 Maral sein muss: das verf\u00fchrerische und machtvolle Zentrum seiner Bruderschaft. Wir alle lieben und respektieren ihn sehr.\u201d \u201eUnd warum lebst du dann in Gattors Zelt und nicht in seinem?\u201c<br \/>\n\u201eEin Anf\u00fchrer geh\u00f6rt nur seiner Bruderschaft\u201d, mischte sich Molly eifrig ins Gespr\u00e4ch. \u201eEs wird nicht gern gesehen, wenn er vorzeitig einen liebsten Bindungspartner in sein Zelt holt \u2026 erst, wenn er alt ist, nimmt er seinen Nachfolger zu sich und lehrt ihn alles, was er braucht, um die Gemeinschaft weiter gedeihen zu lassen. Er muss immer das Wohl der Vielen ber\u00fccksichtigen \u2026\u201d<br \/>\n\u201eDu wei\u00dft aber viel \u00fcber die Br\u00e4uche der Krieger\u201c, sagte Morrigan anerkennend.<br \/>\n\u201eIch rede mit den V\u00e4tern der Kinder, die ich betreue.\u201c<br \/>\n\u201eIch halte das alles f\u00fcr viel zu hart, geradezu selbstzerst\u00f6rerisch. Madras tut mir Leid \u2026 und du auch.\u201d<br \/>\n\u201eDein Mitleid ist irrelevant, ich wollte nie zu Madras ziehen. Jedenfalls hat es mich nach der Aufnahmezeremonie nicht mehr gereizt\u201d, sagte Morrigan ernst. \u201eEs ist Gattor, der mich zufrieden und gl\u00fccklich macht, der mich in kalten N\u00e4chten w\u00e4rmt, mich durch seinen Zauberwald wandern l\u00e4sst und dennoch darauf verzichtet, mich zu beherrschen. Er kennt keine Eifersucht, er hat noch nie versucht, mich aufzuhalten, wenn ich zu einem anderen Waffenbruder gehen wollte \u2026 oder zu einer der Frauen. Ich kann gar nicht anders, als jedes Mal freiwillig und erwartungsvoll zu ihm zur\u00fcckzukehren. Er ist mein ganzes Leben, meine gro\u00dfe Liebe \u2026\u201d<br \/>\n\u201eAuf den ersten Blick wirkt er nicht besonders beeindruckend \u2026\u201d murmelte Cori nachdenklich.<br \/>\n\u201eDu kennst ihn nicht, wie ich ihn kenne. Sein Katra ist unendlich tief und geheimnisvoll. Er kann verdorrte Pflanzen zum Wachsen bringen \u2026 und er sorgt auf merkw\u00fcrdige Weise daf\u00fcr, dass mein K\u00f6rper und mein Katra jung und stark bleiben. Ich f\u00fchle mich nicht wie eine Frau, die bald vierzig wird.\u201d<br \/>\n\u201eDu siehst auch nicht so aus\u201d, best\u00e4tigte Cori zerstreut. \u201eVermutlich ist sogar deine Haarfarbe noch echt, w\u00e4hrend ich \u2026 am besten, ich denke nicht dar\u00fcber nach, sonst \u00fcberw\u00e4ltigen mich noch irgendwelche h\u00f6chst unlogischen und unappetitlichen Emotionen.\u201d<br \/>\n\u201eMorrigan ist als einzige v\u00f6llig n\u00fcchtern!\u201c verk\u00fcndete Molly pl\u00f6tzlich anklagend. \u201eObwohl sie genauso viel von meinem Whisky verputzt hat wie ich, ist sie kein bisschen betrunken. Wenn ich nicht inzwischen so eine aufgekl\u00e4rte Frau w\u00e4re, w\u00fcrde ich das glatt f\u00fcr Hexerei halten.\u201c<br \/>\n\u201eWas hast du genommen?\u201c fragte Cori interessiert.<br \/>\n\u201eGattor lie\u00df sich von Aron ein Medikament f\u00fcr mich geben.\u201c<br \/>\n\u201eHast du noch was davon?\u201c<br \/>\n\u201eJa, wenn ihr euren Rausch loswerden wollt \u2026 es reicht noch f\u00fcr mindestens drei Personen.\u201d<br \/>\n\u201eDer verflixte Eisenfresser Aron hat an uns alle gedacht\u201d, murmelte Cori dankbar. \u201eAber heute will ich noch unvern\u00fcnftig sein, bis die letzte Flasche leer ist und danach in aller Ruhe meinen Rausch ausschlafen. Morgen fr\u00fch musst du mich wecken und mir irgendwie das verdammte Zeug eintrichtern. Die Schreibtischhengste vom Hauptquartier lassen uns wieder mal keine Ruhe. Wir brechen gegen Mittag zu einer Sondermission in die Randzone auf. T\u2019 Kuros Bruderschaft wird uns begleiten.\u201d \u201eUnd Linar?\u201c<br \/>\n\u201eEr wei\u00df schon Bescheid und wird rechtzeitig auf der CASABLANCA sein.\u201c<br \/>\n\u201eDann sollten wir noch einmal auf die gute alte Erde ansto\u00dfen!\u201c schlug Molly vor.<br \/>\n\u201eUnd auf Vulkan, unsere hei\u00dfe, wundervolle, staubige Nemesis\u201c, erg\u00e4nzte Cori melancholisch.<br \/>\n\u201eUnd auf meine einzig wahre Familie, die Ah\u2019 Maral\u201d, sagte Morrigan ernst.<br \/>\nKeine der Frauen rechnete damit, dass sie nie wieder so zusammenfeiern w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Captain Coraz\u00f3n Inserra befand sich auf der Br\u00fccke ihrer geliebten CASABLANCA. Commander Kerala Moss steuerte das Schiff routiniert aus dem Orbit. Sie durchquerten ein Asteroidenfeld, flogen an mehreren imposanten Gasriesen vor\u00fcber \u2026 dann waren sie im offenen Weltraum.<br \/>\nT\u2019 Kuro, die zum ersten Mal in ihrem Leben Vulkan verlie\u00df, nahm jede Einzelheit gierig in sich auf. \u201eIch danke dir, dass ich auf deinem Schiff sein und diese faszinierende Erfahrung machen darf\u201d, sagte sie leise zu Cori. \u201eMeine Bruderschaft kann unter deiner Obhut vieles lernen, was uns den Kampf gegen die Krieger ohne Clan erleichtern wird.\u201d \u201eJa, das hoffe ich\u201d, antwortete der Captain ebenso leise. \u201eAllein der Gedanke an einen Krieg, der so tief ins Territorium der F\u00f6deration vorst\u00f6\u00dft, ist entsetzlich. All die friedliebenden Bewohner Vulkans \u2026\u201d<br \/>\n\u201eUnd der Erde \u2026\u201d erg\u00e4nzte T\u2019Kuro ernst. \u201eEine Wahrtr\u00e4umerin hat gesehen, wie ich zusammen mit meinen Waffenbr\u00fcdern die Stadt C\u00c3\u00b3rdoba befreie.\u201d<br \/>\n\u201eT\u2019 Liza\u201d, murmelte Cori.<br \/>\nSie verstanden sich fast ohne Worte.<br \/>\n\u201eTrotzdem freue ich mich darauf, diese staubige Kugel irgendwann wieder unter mir zu sehen \u2026 T\u2019 Maruk zu treffen, Ernesto, Ruda, Aron, Madras \u2026\u201d<br \/>\n\u201eUnd deine verr\u00fcckten Freundinnen\u201d, erg\u00e4nzte T\u2019 Kuro am\u00fcsiert. \u201eDann hat Madras wieder einen Grund, sich Sorgen zu machen.\u201d \u201eEigentlich muss er das nicht, ich kann gar keine Geheimnisse der Ah\u2019 Maral verraten. Glaub mir, ich habe nach Bes\u00e4ufnissen am n\u00e4chsten Morgen den totalen Blackout. Ich bin so ein Typ, der zwar noch lange aufrecht stehen kann, wenn andere bereits auf allen Vieren laufen, bei dem aber das Ged\u00e4chtnis als Erstes im Eimer ist \u2026 und au\u00dferdem habe ich jedes Mal am n\u00e4chsten Morgen einen gewaltigen Kater! Zum Gl\u00fcck hatte Morrigan diese netten Pillen von Aron dabei \u2026 sonst w\u00fcrde ich mit einem dicken Kopf in meinem Sessel hocken und meine armen Offiziere anknurren.\u201d<br \/>\n\u201eDas klingt ziemlich unlogisch \u2026 warum trinkt ihr Menschen das Zeug in solchen Mengen, wenn ihr davon krank werdet?\u201d fragte T\u2019Kuro neugierig.<br \/>\n\u201eWir trinken zumeist, um zu vergessen \u2026\u201d bemerkte Cori vage. Und f\u00fcgte, als sie den v\u00f6llig verst\u00e4ndnislosen Blick der Vulkanierin bemerkte, erkl\u00e4rend hinzu: \u201eIch meine die gegenw\u00e4rtigen Probleme, jene, die mich morgen heimsuchen werden \u2026 und dann die anderen, die ich noch ein wenig vor mir herzuschieben versuche: Alter und Tod zum Beispiel \u2026\u201d<br \/>\n\u201eHast du etwa vor dieser Reise einen Wahrtr\u00e4umer konsultiert?\u201d fragte T\u2019 Kuro mitf\u00fchlend.<br \/>\n\u201eNein, das mache ich nie. Ich finde schon den Gedanken daran, die Stunde meines Todes zu wissen, extrem beunruhigend. Am liebsten w\u00e4re es mir, wenn er aus heiterem Himmel k\u00e4me, sodass ich gar keine Zeit habe, mich vor ihm zu f\u00fcrchten \u2026 und ich m\u00f6chte, dass es ganz schnell geht.\u201d<br \/>\n\u201eDie Anf\u00fchrer der Ah\u2019 Maral lassen bereits seit Jahren die Lebenslinien ihrer menschlichen Br\u00fcder und Schwestern durch die Tr\u00e4umer der Clans \u00fcberwachen. Wir wissen, dass ihr zerbrechlicher seid, als wir \u2026 und wir m\u00f6chten helfen, solange die Zukunft noch im Fluss ist.\u201d<br \/>\n\u201eIch will gar nicht wissen, was sie \u00fcber mich gesagt haben!\u201c<br \/>\nDie beiden Frauen schwiegen und beobachteten die Br\u00fcckenoffiziere bei der Arbeit.<br \/>\n\u201eWir k\u00f6nnen in zwanzig Minuten auf Warp gehen\u201c, sagte Kerala Moss gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfig.<br \/>\n\u201eGut, bereiten Sie alles vor\u201c, befahl der Captain.<br \/>\n\u201eWovor hast du am meisten Angst?\u201d fragte T\u2019 Kuro sanft.<br \/>\n\u201eVor Alter, Siechtum, Hilflosigkeit \u2026 und dass ich irgendwann eine B\u00fcrde f\u00fcr Linar sein werde.\u201d<br \/>\n\u201eDann solltest du dir vielleicht doch anh\u00f6ren, was unsere Tr\u00e4umer gesehen haben.\u201c<br \/>\n\u201eWenn du meinst \u2026\u201d<br \/>\n\u201eDie Zukunft von Michelle und Molly liegt noch im Nebel verborgen. Ernesto tr\u00e4gt eine unheilbare Krankheit in sich. Seine Asche wird schon bald den Boden Vulkans d\u00fcngen, w\u00e4hrend sein Katra voraussichtlich eine neue Heimstatt finden wird. Du bist in Piris Tr\u00e4umen mehrmals ganz pl\u00f6tzlich in einem lautlosen, wei\u00dfen Blitz verschwunden \u2026 und danach sah es so aus, als w\u00fcrde ein winziges, einsames Licht zwischen den Sternen wandeln.\u201d<br \/>\n\u201eDas klingt nach einem Unfall \u2026\u201d<br \/>\n\u201eOder einem Kampf \u2026 auf jeden Fall kannst du gewisse \u00c4ngste getrost versto\u00dfen.\u201d<br \/>\n\u201eIch wei\u00df nicht, ob mir das wirklich gef\u00e4llt\u201c, murmelte Cori verst\u00f6rt.<br \/>\n\u201eAber du wirst genau den Tod bekommen, den du dir immer gew\u00fcnscht hast.\u201c<br \/>\n\u201eIch m\u00f6chte jetzt noch nicht sterben \u2026 das Leben ist viel zu sch\u00f6n. Bitte, T\u2019Kuro, sag mir, dass es noch lange nicht so weit ist. Die Tr\u00e4umer haben doch keinen konkreten Zeitpunkt genannt, oder \u2026?\u201d<br \/>\n\u201eDirekt nicht \u2026\u201d antwortete T\u2019Kuro ausdruckslos.<br \/>\nCori sah sie scharf von der Seite an. \u201eUnd was wird aus Morrigan?\u201d fragte sie schlie\u00dflich in neutralem Ton. \u201eEure seltsamen Propheten \u2026\u201d<br \/>\n\u201eUnsere Wahrtr\u00e4umer haben Morrigan in vielen Schlachten gegen ganz unterschiedliche Gegner k\u00e4mpfen sehen. Sie hat mit eigener Hand hunderte von Kriegern ohne Clan get\u00f6tet. Ihr wei\u00dfer Mantel war rot vom Blut der Eindringlinge, als es endlich vorbei war. Ihr Haar leuchtete im Rauch der brennenden St\u00e4dte. Sie wird auch in fernster Zukunft Vulkans Besch\u00fctzerin sein.\u201c<br \/>\n\u201eIch dachte immer, dass wir noch ungef\u00e4hr sechzig Jahre Frieden vor uns haben. Die arme Morrigan wird uralt sein, wenn der gro\u00dfe Krieg kommt \u2026 ihr k\u00f6nnt doch nicht irgendwelche wackeligen Gro\u00dfm\u00fctter in den Kampf schicken!\u201d<br \/>\n\u201eMorrigan ist die liebste Bindungspartnerin eines Narguhl, eines Herrn der Wasser und des Lebens. Seine Liebe und die Macht seines Nehau k\u00f6nnen die Zellen eines jeden Organismus erneuern. Er l\u00e4sst B\u00e4ume wachsen und bl\u00fchen, kr\u00e4ftigt ihre Wurzeln \u2026 die leidenschaftliche Entr\u00fcckung mit einem Narguhl ist das, was die Menschen einen Jungbrunnen nennen.\u201d<br \/>\n\u201eDann wird Morrigan erst altern, wenn Gattor nicht mehr lebt \u2026 irgendwie finde ich es bitter, dass sie ihn erst \u00fcberleben und dann einsam sterben wird.\u201d<br \/>\n\u201eIn einer Bruderschaft der Ah\u2019 Maral ist man niemals einsam.\u201d T\u2019Kuro sah den Captain streng an, schwieg einen Moment, dann f\u00fcgte sie in sehr sanftem Ton hinzu: \u201eGattors seltene Gabe war sehr lange unter Lieblosigkeit, Entw\u00fcrdigung und Leid begraben. Sie wurde erst erkannt, nachdem Aron ihn geheilt hatte. Inzwischen wurde er zu vielen Frauen geschickt, um ihnen Kinder schenken. Vielleicht wird Morrigan immer wieder einen liebsten Bindungspartner finden, der sie jung erh\u00e4lt.\u201d \u201eUnd wenn die Anf\u00fchrer diese kostbaren Narguhl f\u00fcr sich reklamieren?\u201c<br \/>\n\u201eNur ein freies Katra hat ein klares, heilendes Nehau. Es ist v\u00f6llig unm\u00f6glich, Gattors Gabe auszubeuten, sie ist das Produkt seiner reinen und starken Liebe \u2026 man kann sie nur dem\u00fctig empfangen.\u201d<br \/>\n\u201eAlso kann auch Madras nicht ohne weiteres \u2026\u201d<br \/>\n\u201eEr w\u00fcrde es niemals wagen, Privilegien f\u00fcr sich zu fordern \u2026 aber Gattor liebt ihn ebenso sehr, wie er Morrigan liebt. Sie sind die beiden Zentren seines bisexuellen Katras. Die Tr\u00e4umer haben Madras bereits als er noch ein Kind war, ein ungew\u00f6hnlich langes Leben prophezeit. Nun wissen wir, wieso \u2026\u201d<br \/>\nCaptain Inserra seufzte leise. \u201eMorrigan und Madras werden zu mystischen Kriegern \u2026 und mein armer alter Freund Ernesto und ich m\u00fcssen demn\u00e4chst sterben \u2026\u201d<br \/>\n\u201eDer Tag und die Stunde sind ungewiss.\u201c<br \/>\n\u201eDu hast recht \u2026 und es war richtig, dass du mich daran erinnert hast, dass alles irgendwann zu Ende geht. Ich werde mich bem\u00fchen, meine Anwandlungen von unlogischer Unzufriedenheit beiseite zu schieben und jede Stunde mit diesem stolzen Schiff und meinem geliebten Linar genie\u00dfen \u2026\u201d<br \/>\n\u201eJa\u201d, best\u00e4tigte T\u2019Kuro leise. \u201eDas solltest du wirklich \u2026\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Coraz\u00c3\u00b3n Inserra bat einen jungen, ehrgeizigen F\u00e4hnrich, die Nachtschicht f\u00fcr sie zu \u00fcbernehmen. Dann pl\u00fcnderte sie den hydroponischen Garten und schm\u00fcckte ihr Quartier mit Kerzen und duftenden Blumen. Sehr sorgf\u00e4ltig programmierte sie eine sanfte Musik, deren schwebende, perlende Kl\u00e4nge wie geschaffen f\u00fcr eine Entr\u00fcckung mit einem Vulkanier waren.<br \/>\n\u201eIch wei\u00df nicht, welcher widerliche Geist der Entropie mich dazu verf\u00fchrt hat, an Linar herumzum\u00e4keln\u201d, \u00fcberlegte sie reum\u00fctig. \u201eEr war mir all die Jahre treu, hat mich liebevoll verw\u00f6hnt \u2026 er war ein guter Vater f\u00fcr meine S\u00f6hne Juan und Argip, er hat nie einen Unterschied zwischen den beiden gemacht, obwohl Juans genetischer Vater Madras ist. Wei\u00df der Kuckuck, was ich mir vorgestellt habe \u2026 dieser ganze romantische Mist, den uns die Lehrer eingetrichtert haben. Wie soll ein armer Vulkanier diesen ganzen unlogischen Bl\u00f6dsinn irdischer Kultur begreifen \u2026 und damit zurechtkommen \u2026\u201d<br \/>\nCori d\u00e4mpfte die Beleuchtung soweit, dass sie an den warmen Schimmer der traditionellen turuskischen Lampen erinnerte. \u201eWer h\u00e4tte gedacht, dass Morrigan zur lebenden Legende der Ah\u2019 Maral werden w\u00fcrde. Als ich sie zum ersten Mal sah, fand ich sie ziemlich oberfl\u00e4chlich \u2026 und als sie sich in Gattors Zelt einquartierte, hielt ich das f\u00fcr eine Notl\u00f6sung. Ich kam nicht einmal auf den Gedanken, dass jemand tats\u00e4chlich einen unscheinbaren G\u00e4rtner dem strahlenden Anf\u00fchrer der Bruderschaft vorziehen k\u00f6nnte. Es waren ihr tiefes Mitgef\u00fchl und der Gerechtigkeitssinn einer Nachfahrin von Freiheitsk\u00e4mpfern, die sie dazu brachten, Gattors wahres Wesen zu erkennen und zu w\u00fcrdigen. Sie mag wild sein, aber ihre weiblichen Instinkte sind kl\u00fcger als meine Schulweisheit. Sie hat einen Narguhl als liebsten Bindungspartner erw\u00e4hlt \u2026 einen lebenden, atmenden Spender von Wachstum und Erneuerung!\u201d<br \/>\nCaptain Inserra deckte das Bett auf. Sie wusste, dass Linar zur gewohnten Zeit seine Arbeit am Zentralcomputer beenden und in ihr gemeinsames Quartier kommen w\u00fcrde, um eine einsame, freudlose Nacht zu verbringen. \u201eMuss ich jetzt neidisch auf Morrigan sein, weil ihr mystischer G\u00e4rtner mehr wert ist als Linar?\u201d \u00fcberlegte sie frustriert. \u201eAber das w\u00e4re mistig und ungerecht \u2026 es w\u00e4re einfach nicht richtig \u2026 das w\u00e4re eins jener Gef\u00fchle, die jeder ehrbare Turuska ohne zu z\u00f6gern versto\u00dfen w\u00fcrde. Und au\u00dferdem wird Morrigan nicht \u00fcberleben, um sich mit ihren Waffenbr\u00fcdern fr\u00f6hlich im Bett zu w\u00e4lzen. Sie wird in den furchtbaren Krieg ziehen m\u00fcssen, der mir erspart bleibt. Sie wird ihre Br\u00fcder sterben sehen, verwundet werden, Asche wird vom Himmel fallen \u2026 und sie muss irgendwelche undefinierbaren Bestien metzeln. Nein, wenn es etwas an ihrem Leben gibt, was begehrenswert ist, dann ist es \u2026\u201d<br \/>\nCori hielt inne und starrte nachdenklich auf die Wand ihres Quartiers. \u201e\u2026 es ist ihr Dienst an den Vielen, ihr kompromissloser Kampf f\u00fcr die Freiheit Vulkans \u2026 ich w\u00e4re dazu ebenso bereit und wer kann wissen, ob dieses wei\u00dfe Licht, das mich demn\u00e4chst verzehren wird, nicht auch eine Gelegenheit bietet, n\u00fctzlich zu sein. Ich muss nur aufrecht meinen eigenen Weg gehen \u2026 als Captain der Sternenflotte und als Helferin der Ah\u2019Maral \u2026 und ich muss Linar gl\u00fccklich machen. Er verdient alle Liebe dieses Universums.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Linars goldbraune Augen wanderten verwundert durch den pr\u00e4chtig geschm\u00fcckten Raum. \u201eWomit habe ich das verdient?\u201d fragte er misstrauisch. \u201eIch dachte, du wolltest diese Nacht auf der Br\u00fccke verbringen und \u2026\u201d<br \/>\n\u201e\u2026 und mich irgendwelchen unlogischen Fantasien hingeben, die alle mit den h\u00fcbschen Worten \u00e2\u20ac\u0161was w\u00e4re, wenn\u2019 anfangen\u201d, vollendete Cori seinen Satz. \u201eNein, ich habe es mir anders \u00fcberlegt. Ich m\u00f6chte, dass wir unsere K\u00f6rper und Katras so innig vereinigen, wie in jenen denkw\u00fcrdigen Tagen, die wir in der Oase von Samas verbracht haben. Ich m\u00f6chte unsere Liebe erneuern und wenn ich heil nach Vulkan heimkehre, m\u00f6chte ich einen zweiten Baum zu Ehren unserer makellosen Verbindung pflanzen.\u201d<br \/>\nLinar sah sie nur ungl\u00fccklich an. \u201eDu hast erfahren, dass eine Katastrophe bevorsteht \u2026 du wei\u00dft, dass du gar nicht dazu kommen wirst, diesen Baum zu pflanzen \u2026\u201d<br \/>\nCori schwieg \u2026 irgendwie w\u00e4re es nicht richtig gewesen, jetzt zu l\u00fcgen.<br \/>\n\u201eDu wirst sterben \u2026 irgendwann auf dieser Reise wird es ein furchtbares Ungl\u00fcck geben und ich werde dich verlieren \u2026 vielleicht werden wir sogar alle \u2026\u201d<br \/>\n\u201eNein, nur ich werde in einem wei\u00dfen Licht vergehen.\u201c<br \/>\n\u201eWer hat das gesagt?\u201c<br \/>\n\u201ePiri, Miro, Lazar, T\u2019 Lannar \u2026 die Anf\u00fchrer der Ah\u2019 Maral haben die Tr\u00e4umer befragt \u2026\u201d<br \/>\n\u201eDann ist es wahr\u201c, fl\u00fcsterte der Vulkanier und seine dunkle Haut sah pl\u00f6tzlich grau aus. \u201eGibt es denn gar nichts, was wir dagegen tun k\u00f6nnen?\u201c<br \/>\n\u201eT\u2019 Kuro sagte, dass in meinem Fall die Zukunft nicht mehr im Fluss ist, dass alles, was wir versuchen, die Zeitlinie ver\u00e4ndern wird. Ich darf vor meinem Schicksal nicht davonlaufen.\u201d \u201eManchmal w\u00fcnsche ich mir, dass es gar keine Wahrtr\u00e4umer g\u00e4be \u2026\u201d murmelte Linar verst\u00f6rt. \u201eSie nehmen uns das letzte bisschen Freiheit, hindern uns daran, das Liebste zu retten \u2026 ich w\u00fcrde so gern etwas f\u00fcr dich tun!\u201d<br \/>\n\u201eDas kannst du\u201d, sagte Cori sanft. \u201eLiebe mich diese Nacht \u2026 und alle N\u00e4chte, die noch kommen werden. Du bist der einzige Mann im gesamten Universum, der mir etwas bedeutet.\u201d<br \/>\n\u201eWarum muss es der Tod sein, der uns wieder richtig zusammenf\u00fchrt!\u201c<br \/>\nZum ersten Mal sah Coraz\u00c3\u00b3n Inserra, wie Tr\u00e4nen \u00fcber das sanfte Gesicht Linars liefen. \u201eKomm,\u201d sagte sie z\u00e4rtlich. \u201eEs ist mir ganz ernst \u2026 ich m\u00f6chte jetzt eine Entr\u00fcckung \u2026\u201d<br \/>\nWenige Minuten sp\u00e4ter waren sie nackt \u2026 aber es war nicht so einfach, wie sie es sich vorgestellt hatten. Linar klammerte sich verzweifelt an Cori. \u201eIch will nicht schon wieder meine Gemahlin durch einen Unfall verlieren\u201d, fl\u00fcsterte er ungl\u00fccklich. \u201eVor allem nicht jetzt, wo deine Liebe \u2026\u201d<br \/>\nCori streichelte hilflos seine samtige dunkle Haut. \u201eIch hatte ganz vergessen, wie sch\u00f6n du bist \u2026 ich war dumm \u2026 dabei ist alles so einfach.\u201d Seine N\u00e4he erregte sie immer mehr, fordernd ber\u00fchrte sie ihn und wurde immer ungeduldiger, weil er vor Trauer wie gel\u00e4hmt war. \u201eKomm, Linar, noch leben wir beide und nur das z\u00e4hlt. Ich will jetzt nicht an die Zukunft denken.\u201d Energisch bugsierte sie den Widerstrebenden ins Bett \u2026 und musste unzufrieden mit ansehen, dass sich ihr Ehemann wie ein F\u00f6tus zusammenrollte.<br \/>\n\u201eVerdammt, Linar!\u201d erkl\u00e4rte sie schlie\u00dflich \u00e4rgerlich. \u201eIch bin Raumschiffcaptain, mir kann jederzeit irgendwas passieren \u2026 und das wusstest du von Anfang an. Ich verstehe nicht, warum du ausgerechnet jetzt deine Depressionen pflegen musst. Wenn du dich weiter so gehen l\u00e4sst, wird die Zeit bis zum gro\u00dfen Knall ziemlich unerfreulich.\u201d<br \/>\nLinar r\u00fchrte sich nicht. Nach einer Weile streckte sich Cori neben ihm aus und starrte frustriert an die Decke. Die klaren, melodischen T\u00f6ne perlten schwerelos durch den Raum. Cori empfand ihre Makellosigkeit als puren Hohn.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Captain Inserra hatte jedes Zeitgef\u00fchl verloren. Vielleicht waren nur ein paar Minuten vergangen, vielleicht aber auch Stunden, als Linar sich pl\u00f6tzlich aufsetzte. Behutsam streichelte er ihren nackten, k\u00fchlen K\u00f6rper. \u201eBleibe ganz still liegen und vertrau mir, meine Liebste.\u201d Seine Stimme erinnerte sie an das leise Schnurren der Katze, die Botschafter Corval\u00c3\u00a1n fr\u00fcher hatte. \u201eIch verstehe dich ja, meine Kleine. Du hast Angst vor dem Tod und das macht dich lebenshungrig und w\u00fctend. Du willst meine Trauer nicht verstehen, weil du eine Kriegerin bist \u2026 weil du bisher alle deine Probleme mit H\u00e4rte gel\u00f6st hast. Verzeih mir bitte, dass ich nicht das bin, was du immer so h\u00fcbsch als Eisenfresser bezeichnest. Mein Katra wird wahrscheinlich weinen, bis alles vorbei ist \u2026 und noch lange danach \u2026 aber meine M\u00e4nnlichkeit verlangt nach dir. Ich verspreche dir, dass du nicht frieren musst, solange ich bei dir bin.\u201d<br \/>\n\u201eFass mich an, Linar\u201c, murmelte Cori mit geschlossenen Augen. \u201eZeig mir, dass ich noch da bin.\u201c<br \/>\nSanfte dunkle H\u00e4nde wanderten \u00fcber wei\u00dfe Haut, ber\u00fchrten Br\u00fcste und Schenkel, strichen behutsam \u00fcber einen flachen Bauch, spielten z\u00e4rtlich mit dem krausen, roten Haar zwischen den Beinen.<br \/>\n\u201eIch finde es immer wieder besonders sch\u00f6n, dass an dir alles echt ist\u201d, erkl\u00e4rte Linar liebevoll. \u201eEs gibt so viele Frauen, die sich anmalen, ihr Haar f\u00e4rben \u2026\u201d<br \/>\nCori dachte daran, dass sie bereits seit zehn Jahren heimlich daf\u00fcr sorgte, dass Linar nirgendwo ein wei\u00dfes Haar entdecken konnte. Ein Teil von ihr wollte ihm endlich die Wahrheit sagen und ein anderer Teil \u2026 \u201eWozu ihm am Ende seine Illusionen rauben\u201d, dachte sie fl\u00fcchtig.<br \/>\n\u201eWelche Illusionen meinst du?\u201c fragte Linar beunruhigt.<br \/>\n\u201eEs ist nichts Wichtiges \u2026\u201d murmelte Cori und ber\u00fchrte ihren Ehemann sanft und intim. Zufrieden sp\u00fcrte sie seine Erregung. \u201eKomm, wenn du mich nicht gleich nimmst, fange ich an, zu schreien!\u201d<br \/>\nSekunden sp\u00e4ter war er in ihr \u2026 und eine Welle z\u00fcgelloser Wildheit versetzte ihre Katras in Aufruhr. Beide verloren v\u00f6llig die \u00dcbersicht, wer irgendwann irgendwo etwas anfasste. Linars St\u00f6\u00dfe waren so heftig, als wollte er irgendwann g\u00e4nzlich im Fleisch seiner Partnerin aufgehen, w\u00e4hrend Coris Fingern\u00e4gel sich Halt suchend in seinen R\u00fccken gruben. Dass es blutete, merkten sie beide nicht \u2026<br \/>\nIrgendwann fanden beide die Nervenpunkte im Gesicht des anderen. \u201eMein Geist zu deinem Geist \u2026\u201d zwei Stimmen klangen wie eine \u2026 zwei Selbstsph\u00e4ren verschmolzen in reiner Ekstase.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Sie waren beide keine gro\u00dfen Zauberer \u2026 aber das war nicht mehr wichtig. Linar und Cori hatten diese Welt gemeinsam geschaffen. Der durchsichtige Boden, durch den man bis zu den Erzadern und Lavastr\u00f6men sehen konnte, stammte von Linar, ebenso der orangerote Himmel mit einem Schwarm glitzernder Luftgleiter. Coris Werk waren die riesigen, dunklen Schatten, die in der Tiefe wanderten \u2026 eine Erinnerung an ihre qualvolle Hochzeitszeremonie im Angesicht der A\u2019Kweth \u2026 und die B\u00e4ume. Sie hatte schon als junges M\u00e4dchen von einer romantischen Hochzeit unter Pinien getr\u00e4umt \u2026 und nun standen sie da: siebenunddrei\u00dfig St\u00fcck \u2026 mit mediterraner Grazie und aromatisch duftend. Ihre Wurzeln steckten fest in dem glasigen Untergrund und ihre stacheligen Zweige rauschten leise im hei\u00dfen Wind der W\u00fcste. Die zarte Musik aus der Lautsprecheranlage in Captain Inserras Quartier f\u00fcgte sich harmonisch in die schlichte Vision.<br \/>\n\u201eWir waren lange nicht hier\u201c, sagte Linar and\u00e4chtig. \u201eUnser gemeinsamer Wald ist zwar sehr klein, aber ich finde ihn wundersch\u00f6n.\u201c<br \/>\n\u201eWir haben uns in den letzten Jahren oft geliebt\u201d, wunderte sich Cori. \u201eTrotzdem haben wir diesen Ort unserer ersten Entr\u00fcckung erst heute wiedergefunden. Ich verstehe nicht, warum \u2026\u201d<br \/>\n\u201eUnsere Katras sind schwach. Wir k\u00f6nnen unseren Garten der Liebe nur gemeinsam erschaffen\u201d, antwortete Linar ernst. \u201eDu hast mich dabei zu oft allein gelassen \u2026\u201d<br \/>\n\u201eIch h\u00e4tte dich niemals mit Madras oder Fadik vergleichen d\u00fcrfen!\u201c<br \/>\n\u201eUnd auch nicht mit Gattor \u2026 ich sp\u00fcre doch, wie sehr dich selbst in diesem Augenblick die geheimnisvolle Macht des Narguhl fasziniert.\u201d Linar schwieg einen Moment, dann sagte er leise: \u201eEs ist nicht so, dass ich eifers\u00fcchtig w\u00e4re, ich f\u00fchle mich nur unzul\u00e4nglich \u2026 und wenn ich das Cthia ehre, muss ich leider feststellen, dass ich es wirklich bin. Wenn es in meiner Macht l\u00e4ge, w\u00fcrde ich dich unsterblich machen \u2026 oder wenigstens dein Katra mit wilden Visionen in Aufruhr versetzen \u2026 aber dieser Boden und dieser Himmel sind alles, was ich dir geben kann.\u201d<br \/>\n\u201eOh nein, du kannst mir sehr viel mehr schenken \u2026 deine z\u00e4rtlichen H\u00e4nde, dein leuchtendes Nehau, deine makellose Ethik \u2026 ich wei\u00df doch, wie kostbar das ist.\u201d<br \/>\n\u201eUnd warum warst du dann so ungeduldig und fordernd?\u201c fragte Linar leise.<br \/>\n\u201eWeil ich oft nicht daran denke, dass du ganz anders bist als ich \u2026 weil ich immer wieder vergesse, dass du kein Mensch bist \u2026 und ein Mann des Friedens. Wenn ich den ganzen Tag Leute herumkommandiere, merke ich meist gar nicht, dass ich mit dir genauso umgehe, wie mit meiner Crew. Es tut mir Leid, Linar, und ich verspreche dir, dass ich mir M\u00fche geben werde \u2026\u201d<br \/>\n\u201eIch h\u00e4tte dir sagen m\u00fcssen, was mir nicht gef\u00e4llt \u2026 aber das ist unter Telepathen nicht \u00fcblich.\u201d<br \/>\n\u201eUnd auf der Erde ist es nicht ungew\u00f6hnlich, wenn jeder seinen eigenen Flamenco tanzt.\u201c<br \/>\n\u201eIch verstehe \u2026\u201d fl\u00fcsterte Linar traurig.<br \/>\n\u201eDu verstehst es nicht wirklich\u201d, widersprach Cori mit einem Anflug von Ungeduld. \u201eM\u00e4nner und Frauen sind auf der Erde keine Freunde \u2026\u201d<br \/>\n\u201eAber du hattest schon einmal verstanden \u2026\u201d<br \/>\n\u201eJa \u2026 und dann kam irgendeine l\u00e4ppische Entt\u00e4uschung, ein winziger, v\u00f6llig unwichtiger Streit \u2026 und jedes Mal ist die Entfernung zwischen uns gr\u00f6\u00dfer geworden. Ich habe dich weiter begehrt, aber ich verga\u00df, was f\u00fcr ein guter Freund du bist.\u201d<br \/>\n\u201eUnd jetzt willst du wieder mit mir gemeinsam tanzen!\u201c Die sanften Augen des Vulkaniers leuchteten vor Gl\u00fcck und er probierte geschmeidig eine Pirouette. \u201eW\u00fcrde dir das gefallen?\u201c<br \/>\n\u201eOh ja!\u201c<br \/>\nVon irgendwoher kam der harte Rhythmus des alten spanischen Tanzes \u2026 und zwei Paar nackte F\u00fc\u00dfe stampften nach Trommeln und schrillen Gitarren den gl\u00e4sernen Boden \u2026 H\u00fcften zuckten provozierend, rote Locken wippten, goldbraune Blicke versengten wei\u00dfe Haut \u2026 und dann verschmolzen ein heller und ein dunkler K\u00f6rper zu einer ekstatisch wirbelnden S\u00e4ule.<br \/>\nEs dauerte lange, bis die Dunkelheit sie verschlang.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Captain Inserra stand mit T\u2019Kuro an einem Fenster und sah hinaus ins All. Das Sonnensystem, an dessen Rand sie sich befanden, war noch nicht kartografiert. Auf den ersten Blick hatte es nichts Spektakul\u00e4res an sich: Das Zentralgestirn war klein, rot und alt, etwa halb so gro\u00df wie die irdische Sonne. Es gab zwei erd\u00e4hnliche Planeten, f\u00fcnf Gasriesen und etliche Planetoiden, die auf teilweise reichlich<br \/>\nabenteuerlichen Bahnen durch das System drifteten.<br \/>\n\u201eEs ist wieder mal das \u00fcbliche\u201c, meinte Cori beinahe angewidert. \u201eDa reist man wochenlang mit Warp acht in irgendeine entlegene Ecke des Weltalls und findet etwas, das man zu Hause viel einfacher haben kann. Und das schlimmste ist: Die Scanner zeigen, dass es in diesem ganzen verdammten System auch nicht die winzigste Spur von Leben gibt!\u201c<br \/>\n\u201eAbgesehen von uns\u201d, korrigierte die Vulkanierin. \u201eUnd ich finde, dass es auch Vorteile hat, dass dieses System so \u00f6de ist. Meine Waffenbr\u00fcder leiden darunter, in einem Beh\u00e4lter aus Blech eingesperrt zu sein \u2026 und wenn er noch so komfortabel ist. Ihnen fehlen der Blick bis zum fernen Horizont und der hei\u00dfe Atem der W\u00fcste. Sie w\u00fcrden es zwar niemals wagen, sich zu beschweren \u2026\u201d<br \/>\nCaptain Inserra schmunzelte. \u201eEs ist vermutlich nicht so einfach, siebzehn Kerle im Zaum zu halten, von denen der \u00e4lteste gerade mal achtunddrei\u00dfig und der j\u00fcngste vierzehn Jahre alt ist. Aus vulkanischer<br \/>\nSicht ist das der reinste Kindergarten.\u201c<br \/>\n\u201eEs sind trotzdem richtige M\u00e4nner\u201d, erkl\u00e4rte T\u2019 Kuro ver\u00e4rgert. \u201eIch h\u00e4tte nat\u00fcrlich gern ein paar erfahrene Waffenbr\u00fcder aus meiner alten Bruderschaft \u00fcbernommen, aber die waren alle viel zu schwul und zu sehr in ihren sch\u00f6nen Anf\u00fchrer verknallt.\u201d \u201eUnd deine Jungs sind nicht homosexuell?\u201c<br \/>\n\u201eNicht sehr. Sie sind alle meinetwegen Ah\u2019Maral geworden, haben gezwungenerma\u00dfen miteinander die Bindung vollzogen \u2026 und nun liegen sie rudelweise vor meinem Zelteingang und begehren Einlass. Ich h\u00e4tte nicht gedacht, dass mich das derma\u00dfen frustrieren w\u00fcrde.\u201d<br \/>\n\u201eDu bist doch erst seit zwei Monaten Anf\u00fchrerin \u2026 du wirst dich noch daran gew\u00f6hnen.\u201d<br \/>\n\u201eVielleicht \u2026 das sagt Madras auch\u201d, murmelte die Ah\u2019Maral skeptisch. \u201eIch vermisse ihn sehr \u2026 ebenso wie Archen, Numor, Gattor, T\u2019 Gala, Morrigan\u2026 und nat\u00fcrlich Ernesto. Merkw\u00fcrdigerweise sehne ich mich manchmal nach meinen menschlichen Bindungspartnern. Sie sind so empf\u00e4nglich f\u00fcr meine K\u00fcnste, irgendwie niedlich, begeisterungsf\u00e4hig \u2026 und dabei intelligent und anst\u00e4ndig. Das unendlich Fremde bereichert mein Leben sehr.\u201d<br \/>\n\u201eBist du noch in Verbindung mit Madras?\u201c fragte Cori mitleidig.<br \/>\n\u201eDer Rat der Anf\u00fchrer hat beschlossen, bei der Teilung von Bruderschaften die Bindungen zum ehemaligen Anf\u00fchrer und seinem Stellvertreter bestehen zu lassen. Sie erhoffen sich taktische Vorteile durch diese Vernetzung. Bis vor kurzem habe ich Madras noch in meinem Geist gesp\u00fcrt \u2026 dann wurde die Entfernung zu gro\u00df.\u201d<br \/>\n\u201eDann darfst du ja deine alte Liebe noch ab und zu in die Arme nehmen \u2026\u201d<br \/>\n\u201eDar\u00fcber streiten sich zurzeit die Anf\u00fchrer\u201d, sagte T\u2019Kuro frustriert. \u201eIhnen ist nat\u00fcrlich klar, dass auch die Bindung zwischen Madras und mir ab und zu gefestigt werden muss \u2026 andererseits sind sexuelle Kontakte seit tausendf\u00fcnfhundert Jahren nur innerhalb der eigenen Bruderschaft erlaubt. Solange, wie das nicht gekl\u00e4rt ist, muss ich mich mit den d\u00fcrftigen Fantasien der jungen M\u00e4nner begn\u00fcgen.\u201d<br \/>\n\u201eIhr Vulkanier seid seltsam. Auf der Erde erh\u00f6ht es das Prestige einer Person, wenn es ihr gelingt, einen wesentlich j\u00fcngeren und attraktiveren Partner zu beeindrucken und an sich zu binden \u2026 und ihr sehnt euch nach wei\u00dfen Haaren und runzeliger Haut. Das verstehe ich nicht.\u201d<br \/>\nT\u2019Kuro l\u00e4chelte versonnen. \u201eDas Katra eines Vulkaniers wird im Laufe seines Lebens immer reicher und weiter. Ein alter Krieger ist eine ganze Welt \u2026 junge M\u00e4nner verf\u00fcgen manchmal nur \u00fcber einige Felsbrocken und ein seltsam gef\u00e4rbtes St\u00fcck Himmel dar\u00fcber. Und sie sind so unsicher \u2026 suchen ewig nach den richtigen Nervenpunkten, lassen die sexuelle Energie nicht gleichm\u00e4\u00dfig flie\u00dfen. Es ist eine nette Aufgabe, einen jungen Krieger anzulernen, aber wirkliche Erf\u00fcllung erh\u00e4lt man nur von einem reifen, erfahrenen Partner.\u201d<br \/>\n\u201eDeshalb hat sich Morrigan den alten G\u00e4rtner ausgesucht, ich dachte \u2026\u201d<br \/>\n\u201eDu dachtest, dass sie auf seine geheimnisvollen mentalen Eigenschaften aus ist \u2026\u201d T\u2019Kuro l\u00e4chelte sanft. \u201eDu kennst Morrigan nicht so gut wie ich. Das Wohl der Vielen ist ihr sehr wichtig und sie ist zu kompromissloser Solidarit\u00e4t und tiefem Mitgef\u00fchl f\u00e4hig. Morrigans Zuneigung hat Gattors Katra erst aufbl\u00fchen lassen. Ohne sie h\u00e4tte niemand bemerkt, dass er ein Narguhl ist \u2026 nicht einmal er selbst. Ich habe zum Abschied noch einige N\u00e4chte mit Gattor verbracht. Er ist einzigartig und er fehlt mir. Ich kann nur hoffen, dass meine jungen Krieger mit der Zeit etwas vollkommenere Liebhaber werden \u2026\u201d<br \/>\n\u201eAn deiner Stelle w\u00fcrde ich die Hoffnung nicht aufgeben\u201d, meinte Cori zuversichtlich. \u201eDu musst ihnen nur zeigen, dass sie dich irgendwie gl\u00fccklich machen und in welcher Richtung du gern mehr h\u00e4ttest. Es wird ihren Eifer und ihre Fantasie m\u00e4chtig anspornen. Seit ich wei\u00df \u2026\u201d Cori \u00fcberlegte einen Augenblick, wie sie es am passendsten ausdr\u00fccken k\u00f6nnte. \u201e\u2026 seit ich wei\u00df, dass meine Zeit begrenzt ist, schlafe ich jede Nacht mit Linar. Ich h\u00e4tte nie gedacht, dass er so ausdauernd, feurig und kreativ sein kann. Seine innere Welt entwickelt sich von Nacht zu Nacht st\u00fcrmischer. Ich f\u00fchle mich \u2026\u201d<br \/>\n\u201eDu f\u00fchlst dich wie ein Pfeil, der von einer kraftvollen Hand abgeschossen wurde. Du m\u00f6chtest immer weiter und weiter fliegen. Deine gr\u00f6\u00dfte Angst ist, dass du irgendwann zu Boden f\u00e4llst.\u201c<br \/>\n\u201eEs ist nicht nur eine Angst \u2026 denk an die Wahrtr\u00e4umer!\u201d<br \/>\n\u201eDu wirst nicht einfach in die Normalit\u00e4t zur\u00fcckfallen. Du wirst in einem wei\u00dfen Licht vergehen.\u201c<br \/>\n\u201eDas Schiff wird wahrscheinlich explodieren \u2026 hoffentlich sind wir dann nahe genug an der Heimat, damit jemand die Rettungskapseln einsammeln kann. Wenn ich gewusst h\u00e4tte, was mir bevorsteht, h\u00e4tte ich dich und deine Waffenbr\u00fcder niemals mitgenommen \u2026\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>T\u2019Kuro schwieg lange \u2026 und als sie sich wieder Cori zuwandte, wirkte sie ungew\u00f6hnlich sachlich und konzentriert. \u201eVon den beiden inneren Planeten hat der sonnenn\u00e4chste eine gewisse \u00c4hnlichkeit mit Vulkan. Er hat allerdings eine noch d\u00fcnnere Atmosph\u00e4re und eine h\u00f6here Schwerkraft. Vulkanier k\u00f6nnten dort gerade noch \u00fcberleben. Es w\u00e4re f\u00fcr meine Krieger eine gute \u00dcbung, wenn sie auf einer Au\u00dfenmission Gesteinsproben f\u00fcr die Wissenschaftler der CASABLANCA sammeln w\u00fcrden.\u201d<br \/>\n\u201eDu willst mit ihnen ohne Raumanzug hinausgehen?\u201c fragte der Captain ernst. \u201eDas ist eigentlich nur bei schlechten Gegenwartsfilmen \u00fcber die Sternenflotte \u00fcblich.\u201c<br \/>\n\u201eSie sind Krieger und an die harten Bedingungen Vulkans gew\u00f6hnt. Es ist wichtig, ihre Grenzen \u2026 und nat\u00fcrlich auch meine \u2026 auszuloten.\u201d<br \/>\n\u201eIch verstehe dein Anliegen \u2026 und nun, wo wir konkretere Messergebnisse erhalten, muss ich dir recht geben. Dieser Planet hat wirklich gro\u00dfe \u00c4hnlichkeit mit Vulkan. Seine Oberfl\u00e4che ist eine unendliche Sandw\u00fcste, der Himmel ist wahrscheinlich rot \u2026 die Sonne ist viel \u00e4lter und k\u00fchler als die der Erde oder gar Vulkans \u2026 ein Zwergstern am Ende der Hauptreihe, ziemlich klein \u2026 nein, es besteht momentan nicht die Gefahr, dass er sich pl\u00f6tzlich ausdehnt. Wahrscheinlich kann ich eure \u00dcbung genehmigen, obwohl der Planet dieser Sonne in Westentaschenformat verdammt nahe ist.\u201d<br \/>\n\u201eIch danke dir\u201d, antwortete T\u2019 Kuro schlicht. Sie ahnten beide nicht, dass sich Cori mit ihrer Entscheidung eben als wahre H\u00fcterin der Zeitlinie erwiesen hatte.<br \/>\n\u201eMorgen Vormittag sind wir dem Planeten nahe genug\u201d, erkl\u00e4rte der Captain gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfig. \u201eIch lasse Kerala Moss noch einige Scans von der Sonne und ihrem innersten Planeten machen. Deine Jungs sollen sich noch ein wenig ausruhen. Sie bekommen morgen fr\u00fch ihre Instruktionen.\u201d<br \/>\n\u201eDu willst es nicht selbst \u00fcberpr\u00fcfen?\u201c<br \/>\n\u201eIch vertraue meinem ersten Offizier \u2026 und ich habe jetzt keine Zeit.\u201d<br \/>\n\u201eLinar.\u201c<br \/>\n\u201eJa, Linar \u2026 da ich nicht wei\u00df, welche Nacht die Letzte ist \u2026\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Linar war noch im Reich der Finsternis, als Captain Inserra nach einem reichlichen Fr\u00fchst\u00fcck zur Br\u00fccke ging. In dem Bestreben, seine Gemahlin restlos gl\u00fccklich zu machen, pflegte er in letzter Zeit ein wenig unvorsichtig mit seinen Kr\u00e4ften umzugehen. \u201eEs geht ihm gut\u201c, redete sich Cori ein. \u201eEr atmet gleichm\u00e4\u00dfig und auf dem kleinen Tisch neben unserem Bett steht alles, was er braucht, wenn er wieder richtig bei sich ist. Na gut, ich werde Schwester Esmeralda zu ihm schicken. Sie wird zwar wieder ironisch grinsen aber das ist mir egal. Ich kann nicht richtig arbeiten, wenn ich mir Sorgen um meinen Mann machen muss.\u201c Jetzt hielt der Turbolift und die T\u00fcr zum Herzen der CASABLANCA \u00f6ffnete sich. \u201eWie sieht es aus, Commander Moss, kann ich die Au\u00dfenmission genehmigen?\u201c<br \/>\n\u201eIm Prinzip ja\u201d, antwortete die Trill. \u201eDie Sonne ist ruhig, es gibt keine Hinweise auf Plasmast\u00fcrme oder Meteoritenschw\u00e4rme \u2026 und der Planet ist v\u00f6llig frei von Leben jeder Art. Nach meinen Erfahrungen droht dort unten keine Gefahr. Allerdings tun mir die jungen Kerle Leid: sechzig Grad im Schatten, Orkanb\u00f6en, dreifache Erdbeschleunigung \u2026 und nur f\u00fcnfzehn Prozent Sauerstoff in der Luft. Wir sollten die Lebenszeichen der jungen M\u00e4nner \u00fcberwachen und sie st\u00e4ndig mit dem Transporter erfasst halten. Ich kann mir vorstellen, dass es der eine oder andere doch nicht so gut ertr\u00e4gt. Selbst f\u00fcr Vulkanier ist das da unten die H\u00f6lle \u2026 oder mit ihren Worten: die totale Entropie.\u201d<br \/>\n\u201eIn Ordnung\u201d, befahl der Captain routinem\u00e4\u00dfig. \u201eDie Transportertechniker sollen sich bereithalten und Doktor Mbala soll die Lebenszeichen der Krieger \u00fcberwachen.\u201d<br \/>\nEine Stunde sp\u00e4ter war T\u2019Kuro mit ihrer Bruderschaft im Transporterraum. Die Ah\u2019Maral trugen traditionelle Kleidung. Ihre schweren Taschen waren mit Werkzeugen und Messger\u00e4ten gef\u00fcllt. T\u2019Kuro hatte aus einer pl\u00f6tzlichen Laune heraus ein etwa acht Quadratmeter gro\u00dfes St\u00fcck Spiegelfolie mitgenommen. Auf Vulkan machte man aus solchem Stoff Umh\u00e4nge, die besonders \u00e4ngstliche Eltern ihren Kindern mitgaben, wenn sie zum Kahs-wan, der traditionellen \u00dcberlebenspr\u00fcfung, hinaus in die W\u00fcste gingen. Sie wusste selbst nicht, warum sie es gekauft und mit zur CASABLANCA genommen hatte \u2026 und sie wusste auch nicht, warum sie es jetzt zum ersten Mal hervorgeholt, den leichten, d\u00fcnnen Stoff fest zusammengerollt und m\u00fchsam in ihre Tasche gestopft hatte \u2026 und warum sie ihren Kriegern befohlen hatte, so viel Ersatzkommunikatoren wie m\u00f6glich mitzunehmen. Als Turuska mit bedeutenden mentalen Gaben wusste sie, wann sie irgendwelche unverst\u00e4ndlichen Impulse auf keinen Fall ignorieren durfte.<br \/>\nDie jungen M\u00e4nner ma\u00dfen ihre sch\u00f6ne, schwarze Anf\u00fchrerin mit bewundernden Blicken.<br \/>\n\u201eHier sind noch drei Probenbeh\u00e4lter, m\u00f6chtest du sie nehmen?\u201c fragte der J\u00fcngste vorsichtig.<br \/>\n\u201eIch habe keinen Platz mehr\u201d, erkl\u00e4rte T\u2019 Kuro k\u00fchl. Keiner der M\u00e4nner wagte, das zu bezweifeln.<br \/>\nEiner der jungen Krieger holte sich schweigend einen zus\u00e4tzlichen Beutel und verstaute die Beh\u00e4lter.<br \/>\n\u201eVorw\u00e4rts, meine Waffenbr\u00fcder!\u201d sagte T\u2019 Kuro ernst. \u201eDiese unbekannte Welt wartet auf uns!\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Sie materialisierten in einer endlosen W\u00fcste aus feinem, dunklem Sand. Die Landschaft erinnerte an die Schmiede, einen besonders unwirtlichen Landstrich auf Vulkan, den das Haus Surak traditionell f\u00fcr seine Zeremonien beanspruchte. Der Himmel war tieforangerot und die purpurrote Sonne leuchtete fast so gro\u00df wie T\u2019 Khuth am heimatlichen Himmel.<br \/>\n\u201eWir h\u00e4tten doch Schutzanz\u00fcge nehmen sollen\u201c, murmelte der j\u00fcngste Krieger \u00e4ngstlich.<br \/>\n\u201eWir beeilen uns \u2026\u201d erkl\u00e4rte T\u2019Kuro sanft. \u201eDieser Planet kommt mir ebenfalls ein wenig unheimlich vor, aber wir sind Ah\u2019 Maral \u2026 wir m\u00fcssen unsere irrationale Furcht versto\u00dfen.\u201d<br \/>\nDie Arbeit auf der Oberfl\u00e4che des fremden Planeten war m\u00fchselig und anstrengend. Den jungen M\u00e4nnern lief schon bald der Schwei\u00df in Str\u00f6men \u00fcber die Gesichter, w\u00e4hrend sie das leichte Bohrger\u00e4t zusammenbauten, geeignete Stellen suchten und sich daran machten, aus verschiedenen Tiefen Proben zu nehmen.<br \/>\nT\u2019 Kuro beobachtete inzwischen misstrauisch die Umgebung. Falls irgendetwas passierte, musste sie ihre jungen Waffenbr\u00fcder besch\u00fctzen, das war sie ihnen als Anf\u00fchrerin schuldig.<br \/>\n\u201eWir sind hier fertig\u201c, verk\u00fcndete einer der Krieger gl\u00fccklich.<br \/>\nT\u2019 Kuro aktivierte ihren Kommunikator. \u201eT\u2019 Kuro an die CASABLANCA! Planquadrat eins wurde ordnungsgem\u00e4\u00df beprobt. Ich erbitte weitere Anweisungen.\u201d \u201eWir holen die Proben herauf\u201d, meldete sich Kerala Moss. \u201eHaltet euch bereit, wir beamen euch gleich zu Planquadrat zwei.\u201d Zufrieden sahen die Ah\u2019Maral, wie sich die Beh\u00e4lter mit Sand nacheinander in einem Flirren aufl\u00f6sten \u2026 schlie\u00dflich war nur noch einer \u00fcbrig. Der letzte Beh\u00e4lter lie\u00df sich merkw\u00fcrdigerweise nicht beamen. Er l\u00f6ste sich mehrere Male beinahe auf und materialisierte jedes Mal wieder.<br \/>\n\u201eWas ist los?\u201d fragte T\u2019Kuro alarmiert. \u201eHat der Transporter eine Fehlfunktion?\u201d Die Stimme von Kerala Moss klang seltsam verzerrt, als sie antwortete: \u201eNein, der Transporter ist in Ordnung \u2026 es ist die Sonne \u2026 das Strahlungsniveau steigt!\u201d<br \/>\n\u201eMein Gott!\u201d Jetzt erklang die Stimme des Captains aus T\u2019Kuros Kommunikator. \u201eDa bildet sich eine riesige Protuberanz. Wir k\u00f6nnen Euch nicht heraufholen und dort, wo ihr seid, gibt es keinerlei Schutz. Ich werde mir nie verzeihen, dass ich euch erlaubt habe, ohne Schutzanzug \u2026\u201d In dem statischen Rauschen und Knistern waren Coris Worte kaum zu verstehen.<br \/>\n\u201eIch habe acht Quadratmeter Spiegelfolie und zus\u00e4tzliche Kommunikatoren mitgenommen!\u201d schrie die Anf\u00fchrerin der Ah\u2019 Maral. \u201eWir k\u00f6nnen ungef\u00e4hr eine Stunde \u00fcberleben. Holt uns raus, wenn die Eruption nachl\u00e4sst!\u201d \u201eIch verstehe \u2026 ihr k\u00f6nnt euch auf uns verlassen \u2026\u201d Danach waren nur noch knisternde Ger\u00e4usche zu h\u00f6ren.<br \/>\nT\u2019Kuro blickte einen Augenblick hinauf zum Himmel. Auf der purpurnen Sonne bildete sich ein riesiger dunkler Fleck, dessen Umgebung deutlich heller gl\u00fchte, als der Rest des Gestirns. \u00dcber den orangeroten Himmel zogen sich auf einmal bl\u00e4ulich schillernde Streifen. Ein Wind kam auf und trieb den dunklen Sand vor sich her \u2026<br \/>\n\u201eKommt schnell und helft mir!\u201c befahl sie mit unnat\u00fcrlicher Ruhe und zerrte den Spiegelstoff aus ihrem Rucksack.<br \/>\nMehrere Krieger halfen ihr, die riesige Plane auszubreiten. Dann krochen sie alle darunter, setzten sich auf die R\u00e4nder und hielten sie so an achtzehn Stellen fest. Der Wind zerrte vergeblich an dem gl\u00e4nzenden Stoff. Die kleine Gruppe Vulkanier dr\u00e4ngte sich schutzsuchend aneinander. T\u2019Kuro aktivierte unauff\u00e4llig ihr Strahlungsmessger\u00e4t. Die Spiegelfolie hielt einen gro\u00dfen Teil der harten Strahlung ab \u2026 aber es drang genug hindurch, um sie zu t\u00f6ten, wenn sie nicht bald gerettet wurden.<br \/>\n\u201eM\u00fcssen wir jetzt sterben?\u201c fragte der j\u00fcngste Krieger sch\u00fcchtern.<br \/>\n\u201eM\u00f6glicherweise ja\u201d, antwortete seine Anf\u00fchrerin n\u00fcchtern. \u201eDie CASABLANCA ist zu weit weg, um uns herauszuholen \u2026 und wenn sie n\u00e4her heranfliegt, versagt wom\u00f6glich ihr Schutzschild und das Leben der gesamten Crew wird gef\u00e4hrdet. Wir k\u00f6nnen nicht verlangen, dass sich die Vielen f\u00fcr uns opfern. Unsere einzige Chance ist, dass der Strahlungsausbruch nachl\u00e4sst, bevor wir so sehr gesch\u00e4digt werden, dass eine Heilung nicht mehr m\u00f6glich ist.\u201d<br \/>\n\u201eIch kann mir nicht vorstellen, dass alles vorbei ist\u201d, murmelte einer der Krieger frustriert. \u201eUnser Tod bringt keinerlei Nutzen \u2026 er ist eines Ah\u2019 Maral nicht w\u00fcrdig.\u201d<br \/>\n\u201eWenn ich gewusst h\u00e4tte, dass diese Mission das Ende bedeutet \u2026\u201d<br \/>\n\u201eEine gute Entr\u00fcckung \u2026 ich h\u00e4tte die letzte Nacht f\u00fcr eine gute Entr\u00fcckung genutzt \u2026\u201d<br \/>\n\u201eIch h\u00e4tte meinen Eltern noch eine Nachricht geschickt.\u201c<br \/>\n\u201eUnd ich meiner Schwester.\u201c<br \/>\n\u201eIch finde es scheu\u00dflich, dass man nicht einmal sehen kann, was da drau\u00dfen passiert.\u201c<br \/>\n\u201eWir sind wie Saronk\u00e4fer, die sich im Sand verkriechen \u2026\u201d<br \/>\n\u201eSag nicht, dass du da drau\u00dfen sein willst \u2026 es ist unlogisch \u2026\u201d<br \/>\n\u201eMan wird sich doch noch w\u00fcnschen d\u00fcrfen, dass es schnell vorbei ist \u2026 ich habe Angst davor, ganz langsam an der Strahlenkrankheit zu krepieren.\u201d<br \/>\n\u201eWenn sie uns hier herausholen, sind unsere Gene sowieso kaputt. Man wird uns nicht mehr gestatten,<br \/>\nKinder zu zeugen.\u201c<br \/>\n\u201eIch habe wenigstens schon zwei \u2026\u201d<br \/>\n\u201eUnd ich werde nie welche haben \u2026\u201d murmelte der j\u00fcngste Krieger traurig.<br \/>\n\u201eH\u00f6rt auf zu jammern!\u201d befahl T\u2019 Kuro streng. \u201eVielleicht findet die Besatzung der CASABLANCA doch noch eine M\u00f6glichkeit, uns zu helfen. Ich m\u00f6chte, dass ihr mir jetzt alle \u00fcberz\u00e4hligen Kommunikatoren gebt.\u201d \u201eWas hast du vor?\u201c<br \/>\n\u201eDie Spiegelfolie schirmt uns zu sehr ab. Ich werde einen Kommunikator aktivieren und nach drau\u00dfen schieben. Wenn die Strahlung ihn zerst\u00f6rt hat, nehme ich den n\u00e4chsten. So k\u00f6nnen wir wenigstens h\u00f6ren, ob Hilfe naht.\u201d Mit diesen Worten nahm sie einen Kommunikator und bugsierte ihn vorsichtig hinaus, wobei sie sorgsam darauf achtete, ihre Hand nicht direkt der Strahlung auszusetzen. \u201eEs wird hoffentlich eine Weile dauern, bis er kaputt ist \u2026\u201d murmelte sie besorgt.<br \/>\nFrustriert lauschten die Krieger dem Rauschen und Knistern, das aus dem Ger\u00e4t kam. Niemand sprach es aus, aber alle glaubten auf irrationale Weise zu sp\u00fcren, wie Neutronen und Gammastrahlen ihre Haut perforierten. Unter der Plane wurde es immer hei\u00dfer und stickiger.<br \/>\n\u201eIch glaube, ich muss mich gleich erbrechen \u2026\u201d sagte einer verlegen.<br \/>\n\u201eEs ist nicht deine Schuld\u201d, erkl\u00e4rte T\u2019Kuro weich. \u201eDas sind die ersten Symptome \u2026\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Captain Inserra starrte entsetzt auf den gro\u00dfen Monitor der Br\u00fccke. \u201eDiese verdammte Sonne wirkte so friedlich \u2026 und nun seht euch diese H\u00f6lle an! Gibt es denn gar nichts, was man tun kann?\u201d<br \/>\n\u201eWir d\u00fcrfen das Schiff nicht gef\u00e4hrden\u201c, warnte Kerala Moss.<br \/>\n\u201eAber die armen Kerle werden nicht lange durchhalten\u201d, sagte Doktor Mbala leise. \u201eSie werden auf elende Weise sterben. Wahrscheinlich haben sie bereits die ersten Symptome der Strahlenkrankheit: \u00dcbelkeit, Erbrechen, Halsschmerzen \u2026 Sehst\u00f6rungen.\u201d<br \/>\n\u201eAber du k\u00f6nntest sie noch heilen?\u201c fragte der Captain.<br \/>\n\u201eGewiss \u2026 zum jetzigen Zeitpunkt \u2026\u201d<br \/>\n\u201eWas w\u00e4re, wenn jemand ein Shuttle nehmen w\u00fcrde \u2026 und nahe genug heran fliegen, dass er das Au\u00dfenteam herausholen k\u00f6nnte \u2026\u201d \u00fcberlegte Cori. \u201eAllerdings hat das Shuttle nur einen kleinen Transporter, mit dem man nur eine Person gleichzeitig \u2026 wie eine Relaisstation \u2026 einer muss ausharren, damit achtzehn Personen leben k\u00f6nnen \u2026\u201d<br \/>\nNiemand auf der Br\u00fccke wagte zu atmen. Wer immer das Shuttle in die Strahlung steuern w\u00fcrde, um die Vulkanier auf dem Planeten zu retten, war verloren. Zitternd warteten die M\u00e4nner und Frauen auf der Br\u00fccke ab, wen der Captain in den sicheren Tod schicken w\u00fcrde.<br \/>\n\u201eMacht das Shuttle startklar\u201c, sagte Cori ernst und erhob sich von ihrem Sitz.<br \/>\nJetzt kam Leben in die Br\u00fcckencrew. \u201eDu musst das nicht selbst machen\u201d, sagte Kerala Moss. \u201eNeun Leben sind genug \u2026 und du hast nur eins. Ich mache das.\u201d<br \/>\n\u201eNein\u201d, antwortete Captain Inserra ruhig. \u201eIch bin eine Helferin der Ah\u2019 Maral, ich habe den Schwur geleistet. Es sind meine Waffenbr\u00fcder, die da unten zugrunde gehen. Ich habe lange f\u00fcr die Sternenflotte gelebt \u2026 und jetzt sterbe ich f\u00fcr Vulkan. Wenn ich das nicht tue, wird die Zeitlinie besch\u00e4digt. Beamt mich sofort in den Shuttlehangar! Das ist ein Befehl!\u201d<br \/>\nNiemand hatte angesichts der allgemeinen Best\u00fcrzung bemerkt, dass Linar die Br\u00fccke betreten hatte. \u201eIch gehe mit dir\u201d, sagte er tonlos. \u201eIch bin auch Helfer der Ah\u2019 Maral \u2026\u201d<br \/>\n\u201eDas kommt \u00fcberhaupt nicht infrage!\u201d widersprach Coraz\u00c3\u00b3n energisch. \u201eIch werde nicht dulden, dass sich jemand ohne logischen Grund opfert \u2026 und deine Empfindungen sind bestimmt keiner. Vor dir liegt noch ein langes Leben. Du wirst eine andere Frau finden, eine, die dich besser versteht, als ich.\u201d<br \/>\nSie nahm Linar kurz in die Arme, dr\u00fcckte ihn kr\u00e4ftig an sich \u2026 dann trat sie einen Schritt zur\u00fcck und gab Kerala Moss mit den Augen ein Zeichen. Fassungslos sah Linar, wie sich die geliebte Gemahlin vor seinen Augen aufl\u00f6ste.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>T\u2019Kuro hatte jegliches Zeitgef\u00fchl verloren. Sie f\u00fchlte sich krank und elend \u2026 genauso elend wie ihre siebzehn jungen Krieger. Unter der sch\u00fctzenden Plane war es hei\u00df, stickig und es roch penetrant nach Erbrochenem. Sie f\u00fchlte die Angst und Qual ihrer Waffenbr\u00fcder.<br \/>\n\u201eWir h\u00e4tten wenigstens Schutzanz\u00fcge mitnehmen sollen\u201c, dachte sie fl\u00fcchtig. \u201eEs ist alles meine Schuld!\u201c<br \/>\nPl\u00f6tzlich ert\u00f6nte aus dem Kommunikator eine sehr vertraute Stimme: \u201eBegebt euch einzeln im Abstand von drei Minuten nach drau\u00dfen. Wir holen euch jetzt raus!\u201c<br \/>\nT\u2019Kuro sah ihren j\u00fcngsten Waffenbruder an. \u201eMach schon! Raus mit dir \u2026 und dann kommen diejenigen, denen es besonders schlecht geht!\u201d<br \/>\nZufrieden sah sie zu, wie einer nach dem anderen verschwand.<br \/>\n\u201eEs ist unsere Bestimmung, zu \u00fcberleben\u201d, dachte sie. \u201eWir werden in dem gro\u00dfen Krieg gebraucht \u2026 aber ich darf nie vergessen, welch eine gute Freundin ihr Leben f\u00fcr uns gibt \u2026\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>In dem kleinen Shuttle schrillten pausenlos die Alarmsignale: \u201eBei diesem Strahlungsniveau ist ein \u00dcberleben noch zwanzig Minuten m\u00f6glich \u2026 noch f\u00fcnfzehn Minuten \u2026 noch zehn Minuten \u2026\u201d<br \/>\nCaptain Inserra beobachtete zufrieden, wie nacheinander die jungen, dunkelh\u00e4utigen M\u00e4nner in wei\u00dfen<br \/>\nM\u00e4nteln auf ihrer TransporterPlattform auftauchten. Mit jedem Krieger, den sie in Richtung ihres Schiffes beamte, wurde sie ruhiger.<br \/>\n\u201eIch w\u00fcnsche euch ein langes Leben und Erfolg \u2026\u201d dachte sie inbr\u00fcnstig und ignorierte geflissentlich, wie \u00fcbel ihr war.<br \/>\n\u201eBei diesem Strahlungsniveau ist ein \u00dcberleben noch f\u00fcnf Minuten m\u00f6glich \u2026 noch vier Minuten \u2026 noch drei Minuten \u2026\u201d Die Stimme des Computers klang monoton und gleichg\u00fcltig \u2026 und wirkte gerade deswegen extrem be\u00e4ngstigend. \u201eBei diesem Strahlungsniveau ist kein \u00dcberleben mehr m\u00f6glich \u2026 es ist kein \u00dcberleben m\u00f6glich \u2026 kein \u00dcberleben \u2026\u201d<br \/>\nCori schaltete den Lautsprecher einfach ab. Sechs M\u00e4nner und T\u2019 Kuro mussten noch aus dem Inferno gebeamt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Die Anf\u00fchrerin war froh, als der letzte ihrer Waffenbr\u00fcder verschwunden war. Sie kroch entschlossen unter der silbrigen Plane hervor. Die Welt da drau\u00dfen war unertr\u00e4glich hei\u00df, gl\u00fchend rot \u2026 der dunkle Sand fluoreszierte Unheil verk\u00fcndend, der Wind heulte wie ein gemartertes Tier und \u00fcber den Himmel zogen sich noch immer leuchtende, schillernde Streifen.<br \/>\n\u201eIch bin bereit!\u201d sagte T\u2019Kuro mit letzter Kraft. Dann verschwamm die H\u00f6lle vor ihren Augen.<br \/>\n\u201eCori!\u201d sagte sie dankbar zu der Frau mit dem ger\u00f6teten, verquollenen Gesicht an der Konsole. \u201eIch hatte schon keine Hoffnung mehr \u2026\u201d<br \/>\n\u201eGr\u00fc\u00df meine Mannschaft \u2026 und meinen Linar. Sag ihm bitte, dass er ein fantastischer Liebhaber ist!\u201d<br \/>\n\u201eKommst du denn nicht mit?\u201c fragte T\u00e2\u20ac\u02dcKuro leise.<br \/>\n\u201eAch wei\u00dft du\u201d, antwortete Cori mit schiefem L\u00e4cheln. \u201eMein Computer erz\u00e4hlt mir schon seit zwanzig Minuten, dass ich eigentlich tot bin \u2026 ich habe ihn abgestellt.\u201d<br \/>\n\u201eDoktor Mbala ist ein guter Arzt, vielleicht \u2026\u201d<br \/>\n\u201eNein, es ist zwecklos. Ich w\u00fcnsche dir Erfolg und ein langes Leben, T\u2019Kuro!\u201d \u201eIch werde T\u2019Liza bitten, ein Lied f\u00fcr dich zu schreiben\u201d, versprach die Kriegerin ernst.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Die Konsole des Shuttles war mit Erbrochenem besudelt. Vor Captain Inserras Augen flimmerte es. \u201eMeine Augenfl\u00fcssigkeit fluoresziert\u201d, dachte sie verwundert. \u201eEs sieht beinahe h\u00fcbsch aus \u2026 wenn mir nur nicht so schlecht w\u00e4re. Ich bin wahrscheinlich so sehr radioaktiv verseucht, dass ich jeden, den ich umarme, umbringen w\u00fcrde. Sie werden mich hinter eine Abschirmung stecken \u2026 und Doktor Mbala wird einen Schutzanzug anziehen m\u00fcssen, wenn er mich behandelt.\u201d<br \/>\nEine Weile betrachtete sie gedankenlos die bunten Lichter vor ihren Augen. \u201eEs wird schlimmer \u2026 und sie werden wom\u00f6glich eine Rettungsaktion starten \u2026 das darf nicht passieren \u2026 ich will nicht langsam hinter dieser Abschirmung krepieren \u2026 und ich will vor allem nicht, dass Linar dabei zusieht \u2026\u201d<br \/>\nMit einer fahrigen Bewegung aktivierte sie den Bordcomputer. \u201eComputer, setze Kurs auf die Sonne dieses Systems. Wie lange dauert es mit Maximum Impuls, bis die Korona erreicht ist?\u201c<br \/>\n\u201eSiebenunddrei\u00dfig Minuten, f\u00fcnfzehn Sekunden.\u201c<br \/>\n\u201eZu lange\u201c, entschied der Captain ungeduldig. \u201eUnd wie lange dauert es mit Warp eins?\u201c<br \/>\n\u201eNull Komma neun Sekunden\u201c, antwortete der Computer bereitwillig.<br \/>\n\u201eProgrammieren!\u201c<br \/>\n\u201eKurs ist programmiert\u201c, sagte der Computer emotionslos. \u201eAber ich weise darauf hin, dass das Schiff verbrennen wird.\u201c<br \/>\n\u201eEinwand wird ignoriert \u2026 Warpflug jetzt!\u201d<br \/>\nCaptain Inserra hatte nicht einmal mehr Zeit, sich ersch\u00f6pft zur\u00fcckzulehnen. Obwohl die Sonne, in der sie sich wiederfand, rot war, empfand sie den Tod als grelles, wei\u00dfes Licht. Da war nichts mehr als dieses barbarische Leuchten \u2026 und sie verstand nicht, warum sie es immer noch sah \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Auf der Br\u00fccke der CASABLANCA herrschte Ratlosigkeit. Captain Inserra machte keinerlei Anstalten, mit ihrem Shuttle zur\u00fcckzukehren. Es hing bewegungslos auf halbem Wege zwischen dem Schiff und dem ungl\u00fcckseligen Planeten, auf dem beinahe eine ganze Bruderschaft der Ah\u2019 Maral ihr Leben eingeb\u00fc\u00dft h\u00e4tte. Der Transporter-Spezialist versuchte, Captain Inserra zu erfassen.<br \/>\n\u201eSie hat ihren Kommunikator deaktiviert \u2026\u201d murmelte er verst\u00e4ndnislos.<br \/>\n\u201eWarum kommt sie nicht zur\u00fcck \u2026 je l\u00e4nger sie da drau\u00dfen bleibt, desto schlechter werden ihre Chancen \u2026 sie wird sterben, wenn sie nicht bald \u2026\u201d fl\u00fcsterte Linar und verstummte dann ungl\u00fccklich.<br \/>\n\u201eNiemand kann ihr jetzt mehr helfen \u2026\u201d sagte Kerala Moss behutsam.<br \/>\n\u201eAber Doktor Mbala\u2026\u201c<br \/>\n\u201eWir k\u00f6nnen froh sein, wenn es ihm gelingt, alle Krieger zu retten\u201c, antwortete Kerala sanft. \u201eEr ist nur ein Arzt und kein Zauberer.\u201c<br \/>\nPl\u00f6tzlich erbebte das kleine Shuttle und verschwand in einem Lichtblitz.<br \/>\nDie Crewmitglieder sahen sich fassungslos an. \u201eSie ist mit Warp eins in diese verdammte Sonne gestartet\u201c, fl\u00fcsterte Kerala Moss. \u201eSie hat einfach auf den Knopf gedr\u00fcckt und ihr Leben ausgel\u00f6scht!\u201c<br \/>\n\u201eMeine Cori ist tot!\u201d Linar sah hilflos von einem zum anderen. \u201eSie hat sich einfach umgebracht, statt zu mir zur\u00fcckzukehren \u2026 und \u2026 weil \u2026\u201d<br \/>\nMit tiefem Unbehagen sahen die Sternenflottenoffiziere, wie Linar zusammensackte und sich schluchzend auf dem Boden der Br\u00fccke kr\u00fcmmte \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Kerala Moss brachte Linar auf die Krankenstation. \u201eDoktor Mbala\u2026 er braucht unbedingt ein Beruhigungsmittel \u2026 bitte, er verkraftet es nicht.\u201d<br \/>\n\u201eJa, sofort\u201d, murmelte der dunkelh\u00e4utige Arzt mit jener Mischung aus Hast und Verzweiflung, wie sie nur ein Mediziner angesichts einer wahren Flut lebensgef\u00e4hrlich Verletzter empfinden kann. \u201eIch habe noch f\u00fcnfzehn Patienten mit akuter Strahlenkrankheit \u2026\u201d<br \/>\n\u201eWir k\u00f6nnen noch nicht einmal ihre Asche nach Hause bringen \u2026\u201d fl\u00fcsterte Linar tonlos und stille Tr\u00e4nen<br \/>\nliefen \u00fcber sein Gesicht. \u201eWie konnte sie das nur tun \u2026 dieser Warpsprung in die Sonne \u2026 warum nur \u2026 warum wollte sie nicht, dass ich Abschied nehme \u2026 sie ein letztes Mal umarme \u2026 warum hat sie mich einfach verlassen \u2026 Vulkan war unser Zuhause \u2026 genau wie die Sterne \u2026 warum kann ich noch nicht einmal ihre Asche \u2026 keine letzten Worte der \u00e4ltesten M\u00fctter \u2026 ich verstehe das nicht \u2026\u201d<br \/>\nKerala hielt Linar fest in den Armen. \u201eCaptain Inserra wollte bestimmt, dass du sie so sch\u00f6n und tatkr\u00e4ftig in Erinnerung beh\u00e4ltst, wie sie ihr ganzes Leben lang war. Sie wollte nicht, dass du ihre verbrannte Haut siehst, ihr langsames Sterben \u2026 und wie ihr das Haar ausf\u00e4llt \u2026\u201d<br \/>\n\u201eDas wundersch\u00f6ne rote Haar \u2026\u201d schluchzte Linar leise. \u201eAber vielleicht \u2026\u201d<br \/>\n\u201eSie war nicht mehr zu retten\u201c, erkl\u00e4rte Doktor Mbala sachlich und wandte sich dem n\u00e4chsten verwundeten Krieger zu.<br \/>\n\u201eIch habe als letzte Coris Shuttle passiert\u201d, sagte T\u2019Kuro ernst und richtete sich m\u00fchsam von ihrem Krankenlager auf. \u201eSie sah schlimm aus, aber ihr Nehau leuchtete regelrecht vor Tatkraft und Hingabe. Linar, es war ihr eigener Wille, nach den Wertvorstellungen Vulkans zu leben und zu sterben \u2026 f\u00fcr das Wohl der Vielen ihre eigene Existenz zu opfern. Die Ah\u2019 Maral werden sie ebenso verehren wie Schaman aus dem Hause Kuma.\u201d<br \/>\n\u201eAber ihre Asche \u2026\u201d<br \/>\nT\u2019Kuro heftete ihre gro\u00dfen schwarzen Augen eindringlich auf Coraz\u00c3\u00b3ns verst\u00f6rten Ehemann. \u201eDie Asche ist nicht wichtig \u2026 und eine Abschiedszeremonie k\u00f6nnen wir trotzdem abhalten \u2026 das Haus Boras, die Krieger, ihre Verwandten und Freunde \u2026 Du solltest deiner Gemahlin ihren glorreichen Tod g\u00f6nnen \u2026 er passt zu ihr.\u201d<br \/>\n\u201eIch versuche ja, zu verstehen \u2026\u201d<br \/>\n\u201eIch verrate dir etwas \u2026\u201d In T\u2019Kuros kr\u00e4nklich und grau aussehendem Gesicht leuchteten ihre Augen wie dunkle Sterne. \u201eDeine geliebte Cori ist auf die gleiche Weise gestorben wie der Eine, der eigentlich viele ist \u2026 wie Ah\u2019 Tha, der alles sieht und niemals eingreift. Ihr Katra war auf dem H\u00f6hepunkt der Kraft und Leidenschaft, als sich ihr K\u00f6rper im Feuer der Sonne aufl\u00f6ste. Man sagt, dass ein solches Katra auch \u00fcber die Entropie triumphieren kann.\u201d<br \/>\n\u201eDu meinst, ihr Geist lebt noch in dieser entsetzlichen Glut?\u201c erkundigte sich Linar erschrocken.<br \/>\n\u201eEr lebt \u2026 und er wird weiter wandern, bis er den Einen trifft.\u201d<br \/>\n\u201eWas wird dann geschehen?\u201c fragte Kerala interessiert.<br \/>\n\u201eDer Eine, der alles sieht und normalerweise niemals eingreift, wird das einsame Katra als seine j\u00fcngere Schwester erkennen und es liebevoll aufnehmen.\u201c<br \/>\n\u201eDas klingt fast so wie das christliche Versprechen von einem Weiterleben der Seele im Paradies \u2026\u201d meinte Doktor Mbala nachdenklich, w\u00e4hrend er weiter mit flinken H\u00e4nden Brandwunden verband und Hyposprays verabreichte. \u201eIch dachte immer, Vulkanier glauben nicht an den Himmel.\u201d<br \/>\n\u201eDas tun sie auch nicht\u201d, antwortete T\u2019 Kuro ernst. \u201eIch sage ja nicht, dass Cori in die ewige Seligkeit eingeht, sondern dass sie ein Teil von Ah\u2019 Tha wird, dem Einen, der alles sieht und niemals eingreift. Das ist etwas ganz anderes.\u201d \u201eEs entspricht aber nicht gerade Coris Temperament, einfach nur zuzusehen \u2026\u201d<br \/>\n\u201eSie kann den Liebenden begegnen, die sich im Angesicht der A\u00e2\u20ac\u02dcKweth vereinigen\u201c, bemerkte ein junger Krieger sanft.<br \/>\n\u201eUnd sie kann mithelfen, die Entropie des Universums zu verringern\u201c, erg\u00e4nzte ein anderer.<br \/>\nAuf der Krankenstation war es mit einem Mal ganz still. Der Arzt hatte alle Patienten versorgt \u2026 ihre Wunden behandelt, ihre DNS bewahrt und ihre Schmerzen gelindert.<br \/>\n\u201eNiemand wird sterben \u2026 niemand wird einen dauerhaften Schaden davontragen\u201d, sagte Doktor Mbala \u00fcbergl\u00fccklich. \u201eCaptain Inserras letzter Kampf war ein voller Erfolg.\u201d Abrupt wandte er sich Linar zu. \u201eJetzt habe ich Zeit f\u00fcr Sie \u2026 m\u00f6chten Sie ein Beruhigungsmittel?\u201d<br \/>\nCoraz\u00c3\u00b3ns Ehemann beachtete ihn nicht. \u201eDiese Geschichte von Coris Katra habt ihr nur erfunden, um mich zu tr\u00f6sten \u2026\u201d<br \/>\nT\u2019 Kuro sah ihn verwundert an. \u201eWarum sollte ich dir etwas vorl\u00fcgen? Ich bin Vulkanierin\u2026 es w\u00e4re nicht logisch.\u201d \u201eAber dann \u2026 wie kommst du darauf?\u201d<br \/>\n\u201eHrrwass hat es mir erkl\u00e4rt \u2026\u201d sagte T\u2019Kuro still. \u201eEr ist \u00e4lter und weiser als wir \u2026 er hat bereits gelebt, als unser Planet noch ein gr\u00fcnes Paradies war \u2026 du kannst ihm vertrauen.\u201d<br \/>\n\u201eBrauchen Sie ein Beruhigungsmittel?\u201c wiederholte der Arzt beharrlich seine Frage.<br \/>\nLinar wandte sich ihm mit leuchtenden goldbraunen Augen zu. \u201eNein, Doktor \u2026 das Katra meiner Gemahlin lebt. Es ist irgendwo da drau\u00dfen \u2026 und wird eines Tages von Ah\u2019Tha gefunden werden. Ein Teil von mir wird immer bei ihr sein \u2026 und bei dem Einen.\u201d<br \/>\n\u201eLinar\u2026\u201d versuchte Kerala ihn zu stoppen. \u201eDas alles ist nur eine Theorie \u2026\u201d<br \/>\n\u201eIch werde es sp\u00fcren \u2026 irgendwann wird sie zu mir sprechen.\u201d Linar l\u00e4chelte zum ersten Mal nach dem gr\u00e4sslichen Unfall. \u201eIch werde immer an Cori denken und nie aufh\u00f6ren, sie zu lieben \u2026 aber es w\u00e4re unlogisch, um sie zu trauern.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p>Mehrere Tage sp\u00e4ter befreite sich ein winziger Klumpen geballter mentaler Energie aus der alternden Sonne eines Planetensystems am Rande der bekannten Welt. Obwohl kein K\u00f6rper mehr vorhanden war, nahm das Energiewesen die Umgebung mit allen Sinnen wahr \u2026 Sinnen, die sehr viel weiter reichten, als die eines Menschen.<br \/>\n\u201eWo ist mein Schiff?\u201d fragte das Wesen, das einmal Captain Inserra gewesen war. \u201eWo sind meine Freunde, mein geliebter Linar\u2026\u201d Die Erinnerung an unz\u00e4hlige, makellose Entr\u00fcckungen erf\u00fcllte sie. Sie orientierte sich im Raum \u2026 fand die Richtung, in der Vulkan lag, ihre staubige Nemesis, der einzige Planet, der ihr noch etwas bedeutete, auf dem der einzige Mann zu Hause war, den sie jemals geliebt hatte \u2026 der Einzige, an den ihr k\u00f6rperloses Katra sich noch erinnerte \u2026 \u201eIch komme zur\u00fcck zu dir \u2026\u201d<br \/>\nPl\u00f6tzlich f\u00fchlte sie einen Sog, der sie sanft und beharrlich in die entgegengesetzte Richtung zog. Viele Stimmen, die wie eine sanfte Melodie klangen, riefen sie \u2026 und das B\u00fcndel mentale Energie, das fr\u00fcher einmal Captain Coraz\u00c3\u00b3n Inserra von der U.S.S. CASABLANCA gewesen war, verstand, was die Vielen von ihm wollten. Es lie\u00df alles los, was ihm bisher etwas bedeutet hatte.<br \/>\n\u201eVerzeih mir, Linar\u201d, dachte Cori, w\u00e4hrend sie willig dem Ruf der Fremden folgte. \u201eIch liebe dich f\u00fcr alle Ewigkeit \u2026 und ich w\u00fcrde jetzt sehr gern in deiner N\u00e4he sein \u2026 aber auf mich wartet eine sehr wichtige Arbeit. Die Entropie dieses Universums ist immer noch viel zu gro\u00df \u2026\u201d<\/p>\n<p>\u00a9 2002 by Anneliese Wipperling<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Captain der Sternenflotte und Partnerin eines Vulkaniers f\u00fchrt Corazon Inserra ein gl\u00fcckliches, erf\u00fclltes Leben. 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