{"id":114,"date":"2005-09-19T15:15:24","date_gmt":"2005-09-19T14:15:24","guid":{"rendered":"http:\/\/sandozean.de\/blog\/sandozean\/?p=114"},"modified":"2025-05-13T19:22:41","modified_gmt":"2025-05-13T19:22:41","slug":"sanitaranlagen-als-gradmesser-fur-zivilisation","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/sandozean.de\/?p=114","title":{"rendered":"Sanit\u00e4ranlagen als Gradmesser f\u00fcr Zivilisation?"},"content":{"rendered":"<p><em>Geben Sie zu, dass sie das schon immer wissen wollten: Wie halten es Vulkanier mit ihren Exkrementen? <\/em><\/p>\n<p><strong>Autor: Andal aus dem Hause Boras<\/strong><br \/>\n(\u00dcbersetzung aus dem Vulkanischen von Anneliese Wipperling)<\/p>\n<p>Verehrte Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer!<\/p>\n<p>Sie schauen mich erwartungsvoll an, weil Sie neugierig darauf sind, was der vulkanische Professor f\u00fcr Ethik und Philosophie f\u00fcr eine Figur macht, wenn es um die altehrw\u00fcrdigen Traditionen der Sorbonne geht. Wird er arrogant darauf bestehen, die letzte Vorlesung im Jahr durchzuziehen, als wenn ihn die Gef\u00fchle der Menschen gar nichts angehen \u2026 oder versteht er etwa Spa\u00df? Immerhin behauptet er ja, zu einer alternativen Gemeinschaft zu geh\u00f6ren \u2026 jetzt kann er es uns beweisen!<br \/>\nIch sp\u00fcre die Hinterlist hinter Ihrer gespannten Aufmerksamkeit \u2026 die im Sand vergrabenen Fangeisen. Sie alle kennen mich schon ein wenig, wissen genau, dass ich mich zum Possenrei\u00dfer nicht sonderlich eigne \u2026 denn so weit bin ich Vulkanier, dass es mir v\u00f6llig unlogisch vorkommt, eine ganze Vorlesung mit albernen Scherzen zu f\u00fcllen. Dennoch m\u00f6chte ich Ihre Erwartungen nicht g\u00e4nzlich entt\u00e4uschen. Deshalb weiche ich heute vom Themenplan dieses Jahres ab und spreche \u00fcber etwas, das Sie schon immer gern wissen wollten. Ja, Sie haben es nie \u00f6ffentlich zugegeben, aber ich habe es in Ihren Augen gelesen und Sie bei gelegentlichen Besuchen im \u201eStardust\u201c &nbsp;dar\u00fcber fl\u00fcstern h\u00f6ren: Sie m\u00f6chten wissen, wie mein Volk es mit seinen Exkrementen h\u00e4lt.<br \/>\nZun\u00e4chst m\u00f6chte ich darauf hinweisen, dass es nicht vern\u00fcnftig ist, F\u00e4kalien grunds\u00e4tzlich zu verachten. Sie sind ein nat\u00fcrliches Stoffwechselprodukt aller organischen Lebewesen im Universum, wichtig f\u00fcr ihre Gesundheit und \u00e4u\u00dferst nahrhaft f\u00fcr Pflanzen. Auf einem W\u00fcstenplaneten wie Vulkan ist Dung ebenso kostbar wie Wasser. Nur adelige Verschwender sp\u00fclen so etwas einfach mit Unmengen Wasser weg \u2026 und die gibt es seit dem gro\u00dfen Wandel nicht mehr.<br \/>\nJedes Mal, wenn ich hier auf der Erde eine Sanit\u00e4rzelle aufsuche, f\u00fchle ich mich angesichts des protzigen Designs und der Wassersp\u00fclung wie ein verh\u00e4tschelter Lematya vom Hause Sadam. Ich sehe das sch\u00f6ne klare Trinkwasser auf Nimmerwiedersehen in den Abflussl\u00f6chern verschwinden und denke dabei an durstige Wanderer und mumifizierte Tierkadaver in meiner heimatlichen W\u00fcste. Wenn ich dann gezwungenerma\u00dfen doch die Sp\u00fclung bet\u00e4tige, kommt mir das wie ein Verbrechen am Leben an sich vor. Erst seit ich erfahren habe, dass auch hier die N\u00e4hrstoffe wenigstens teilweise auf die Felder verbracht werden, habe ich mich ein wenig beruhigt. Dann h\u00f6rte ich von giftigen Schwermetallen im Kl\u00e4rschlamm und dass er zumeist doch nur f\u00fcr die Sonderm\u00fclldeponie taugen w\u00fcrde \u2026<br \/>\nBei Ah\u2019Tha, der alles sieht und niemals eingreift! Wie kann man nur so leichtfertig mit den Ressourcen des eigenen Planeten umgehen! Und was das schlimmste ist: Ihr Menschen haltet das Wasserklosett f\u00fcr den einzig wahren Ma\u00dfstab f\u00fcr Zivilisiertheit. Wer so ein Ding nicht benutzt, ist per Definition ein zur\u00fcckgebliebener Barbar und wer sich nicht jeden Tag mindestens einmal duscht und seinen Schmutz zusammen mit viel Wasser im Abfluss verschwinden l\u00e4sst, ist ein Dreckschwein. Ganz abgesehen von der unethischen Verunglimpfung der armen Schweine \u2026 so kann wirklich nur jemand denken, dessen Planet zu drei Vierteln mit Wasser bedeckt ist! Hei\u00dft das nun, dass die Bewohner von W\u00fcstenplaneten nicht zivilisiert sind?<br \/>\nDann w\u00e4re Vulkan tats\u00e4chlich der After der F\u00f6deration und man m\u00fcsste uns mit Unmengen an Sanit\u00e4rkeramik und Seife zusch\u00fctten, damit wir es irgendwann verstehen und uns stolz in die Reihe gut gewaschener, deodorierter und nach Parf\u00fcm duftender F\u00f6derationsb\u00fcrger einreihen k\u00f6nnen. Zum Gl\u00fcck hat das noch niemand gewagt, denn es ist v\u00f6llig unm\u00f6glich, vorherzusagen, was passiert, wenn ein Vulkanier zornig wird und die Kontrolle verliert \u2026<br \/>\nVermutlich haben die meisten von Ihnen noch gar nicht gemerkt, wie gro\u00df die Unterschiede bez\u00fcglich der Hygiene zwischen unseren Spezies sind, weil sie noch nie auf Vulkan waren oder zumindest dort den Bereich f\u00fcr Au\u00dfenweltler nie verlassen haben. Wir m\u00f6chten n\u00e4mlich, dass sich unsere G\u00e4ste wohlf\u00fchlen und deshalb bieten wir ihnen f\u00fcr ihre intimen Verrichtungen das gewohnte Ambiente. Der unbedarfte Benutzer wei\u00df nat\u00fcrlich nicht, dass seine Sp\u00fclung mit sehr wenig Brauchwasser funktioniert, das gleich vor Ort auf angemessene Weise wieder aufbereitet wird.<br \/>\nVulkanier benutzen Trockentoiletten, in denen die Ausscheidungen zu Kompost fermentiert werden. In den St\u00e4dten wird der Dung alle zehn Tage abgeholt, die Turuska bef\u00f6rdern ihn selbst in ihre W\u00fcsteng\u00e4rten. In der Zeit vor Surak mussten die K\u00fcbel m\u00fchselig geschleppt werden, sp\u00e4ter benutzte man die Springgleiter der Krieger und heute ist es \u00fcblich, an festgelegten Tagen die vollen K\u00fcbel auf die Transporter-Plattform des Clans zu stellen, ein Techniker transferiert den Inhalt in diverse Silos vor Ort, wo er weiter reifen und dann zu den Pflanzen gebracht werden kann. Ich gebe zu, dass die vulkanische L\u00f6sung bei weitem nicht so sauber und geruchlos wie ein Wasserklosett ist \u2026 aber wir haben leider keine andere Wahl. Da die Sanit\u00e4rkammern der Philosophieb\u00fcrokraten h\u00f6chst unangenehme Orte sind, w\u00e4re es unlogisch, auf ihre Gestaltung gro\u00dfe M\u00fche zu verwenden. Meist sind es keine Luxuskabinette, sondern dunkle, winzige, dicht verschlossene R\u00e4ume, deren Abluft durch einen Kohlefilter l\u00e4uft, bevor sie ins Freie geblasen wird. Oh ja, es stinkt heftig in diesen Kabuffs und es stinkt auch in den Sanit\u00e4rzelten der Turuska ein wenig, obwohl es in ihnen bedeutend heller und luftiger zugeht.<br \/>\nAn Ihren entsetzten Augen erkenne ich, dass Sie es jetzt verstehen: Vulkanier waschen sich bei weitem nicht so oft, wie Menschen. Sind wir deswegen besonders unsauber? Eher nicht, denn der vulkanische W\u00fcstensand schmutzt genauso wenig, wie der Sand an den Str\u00e4nden Ihrer Meere. Mein Planet, der vor Urzeiten von der eigenen Sonne ausgegl\u00fcht wurde, ist auf makabre Weise rein. Wir schwitzen weniger, als die Menschen, denn Fl\u00fcssigkeitsverlust bedeutet den Tod \u2026 und wir riechen weniger, weil die harte allgegenw\u00e4rtige Strahlung viele geruchsbildende Hautbakterien abt\u00f6tet. Dennoch ist der nat\u00fcrliche K\u00f6rperduft auch f\u00fcr uns nicht ganz unproblematisch. Kein Vulkanier w\u00fcrde einen Partner akzeptieren, den er nicht riechen mag. Bei meinem Volk nehmen sich zuk\u00fcnftige Ehepaare einen ganzen Tag Zeit, um zu pr\u00fcfen, ob ihnen wirklich alles gef\u00e4llt \u2026<br \/>\nIch wei\u00df, auf einer abstrakten Ebene sind wir dennoch Dreckschweine. Ein Mensch oder Betazoide w\u00e4scht sich normalerweise auch dann, wenn man weder optisch noch olfaktorisch etwas Unreines wahrnehmen kann. F\u00fcr die Bewohner wasserreicher Welten scheint es ein heiliges Ritual zu sein, t\u00e4glich mindestens einmal zu duschen oder zu baden. Das Merkw\u00fcrdige daran ist nur, dass die meisten Ihrer G\u00f6tter sich daf\u00fcr gar nicht interessieren \u2026 und dass andererseits noch heute rituelle Waschungen in Fl\u00fcssen stattfinden, die erheblich dreckiger als das Brauchwasser unserer Klosp\u00fclungen f\u00fcr Au\u00dfenweltler sind. Es ist manchmal sehr schwierig, gewisse Spezies zu verstehen!<br \/>\nJa, wie ist das nun ganz konkret mit unseren Sitzungen? Philosophieb\u00fcrokraten m\u00f6gen sie definitiv nicht, so wie sie alle physiologischen Prozesse nicht gern ertragen. Ejakulation, Erbrechen, Darmentleerung \u2026 alles erinnert sie an ihre Stofflichkeit. Jeder gebildete wei\u00dfe Vulkanier tr\u00e4umt davon, zum reinen Geist zu mutieren, selbstverst\u00e4ndlich einem Geist von makelloser Klarheit und Logik. Folglich wird er \u2013 wenn ihn ein gewisses Bed\u00fcrfnis \u00fcberkommt \u2013 verstohlen zu seiner h\u00e4sslichen kleinen Kammer huschen, die T\u00fcr abrupt aufrei\u00dfen, mit angehaltenem Atem hinein st\u00fcrmen und sie ganz schnell hinter sich schlie\u00dfen, damit sich das irritierende Aroma ja nicht allzu sehr in seinem Wohnbereich breitmacht \u2026 und dann so schnell wie m\u00f6glich zur Sache kommen. Mann kann mit Fug und Recht sagen, dass \u00fcberzeugte Philosophieb\u00fcrokraten sich \u00fcberaus rasant und einsam entleeren.<br \/>\n\u00dcber das Verhalten einfacher Vulkanier ist wenig bekannt. In st\u00e4dtischen Mehrfamilienh\u00e4usern geh\u00f6rt zu jeder Wohnung eine Sanit\u00e4rkammer, das ist verbrieftes Vulkanierrecht. Allerding deutet der spezifische Geruch in Arbeitervierteln darauf hin, dass man es dort weit weniger schnell, effizient und isoliert erledigt \u2026 kurz, dass man sich viel weniger sch\u00e4mt und ekelt. Arbeiter \u00e4hneln in manchem den Turuska. Viele von ihnen sind Abk\u00f6mmlinge von Sklaven, das hei\u00dft, ihre Haut ist mehr oder weniger dunkel und manche von ihnen haben die Reflexe von Nomaden, was immer wieder zu massivem \u00c4rger mit gewissen Beh\u00f6rden f\u00fchrt.<br \/>\nDie Turuska stellen ihre Sanit\u00e4rzelte stets ein wenig abseits so auf, dass der hei\u00dfe Wind der W\u00fcste den Duft von ihren Wohnzelten wegweht. Die d\u00fcnnen Zeltplanen sind reichlich mit L\u00fcftungsklappen ausgestattet, die K\u00fcbel werden notfalls auch nach Bedarf geleert, es ist \u00fcberall hell und luftig. F\u00fcr nicht allzu empfindliche Personen kann so ein Sanit\u00e4rzelt, in dem man sich auch gr\u00fcndlicher reinigen kann, durchaus ein angenehmer Ort sein. Letzteres geschieht \u00fcbrigens mit Brauchwasser, das anschlie\u00dfend in einer Solaranlage verdampft und kondensiert wird. Es ist viel sauberer, als das in den St\u00e4dten, aber wegen seinem Mangel an Mineralien nicht zum Trinken geeignet. Wannenb\u00e4der und Duschen gibt es nur in den H\u00f6hlen des Hauses Raban, denn nur dort ist Wasser im \u00dcberfluss vorhanden.<br \/>\nJetzt denken Sie wahrscheinlich, dass Heerscharen von Turuska regelm\u00e4\u00dfig zu diesem Clan pilgern, um seinen unerh\u00f6rten Luxus zu genie\u00dfen &#8211; aber so ist es nicht. Niemand m\u00f6chte die Nachbarn bel\u00e4stigen und den Frieden zwischen den Clans st\u00f6ren. Es sind haupts\u00e4chlich Kranke, die man in die H\u00f6hlen bringt und den ber\u00fchmten Heilern jenes Hauses anvertraut. Schon immer befanden sich, tief unter den schwarzen Bergen verborgen, die aufw\u00e4ndigeren medizinischen Apparate und nat\u00fcrlich werden dort auch B\u00e4der zu Heilungszwecken eingesetzt \u2026 aber ich bin abgeschweift und bitte Sie inst\u00e4ndig um Verzeihung. Sie m\u00f6chten sicher wissen, wie unsere Sanit\u00e4rzelte eingerichtet sind \u2026<br \/>\nNun, die wichtigste Regel ist, dass es keine Regeln gibt \u2026 abgesehen von dem Grundsatz, dass nichts mutwillig beschmutzt oder vergeudet werden darf. Im Klartext: Jeder Clan und jede Familie haben ihre eigenen Gewohnheiten. Man entscheidet sich, je nach Ausstattung f\u00fcr eins der Zelte \u2026 oder erledigt seine Notdurft zu Hause und entleert nur die Endprodukte in einen der K\u00fcbel. Aber Letzteres tun nur ausgemachte Einzelg\u00e4nger \u2026 alle \u00dcbrigen nutzen diesen Augenblick der Ruhe viel zu gern f\u00fcr ein gutes Gespr\u00e4ch.<br \/>\nNirgends erf\u00e4hrt man Neuigkeiten so schnell, wie bei der morgendlichen Entleerung im Sanit\u00e4rzelt. Ich glaube, bei Menschen gibt es etwas \u00c4hnliches \u2026 so genannte Schei\u00dfhausparolen \u2026 obwohl das vielleicht doch etwas anderes ist. Diese Parolen bed\u00fcrfen ja eher der Schriftform und sind h\u00e4ufig aggressiver oder sexistischer Natur \u2026 manchmal auch einfach nur albern. Ich habe in hiesigen \u00f6ffentlichen Bed\u00fcrfnisanstalten so einiges entdeckt, was recht befremdlich auf mich gewirkt hat. Nein, so etwas gibt es bei uns nicht \u2026 wer mag schon weiche schlabberige Stoffplanen beschriften!<br \/>\nJa, wir reden sehr gern dabei, manche bringen auch kleine Klapptische und Brettspiele mit \u2026 dann werden die K\u00fcbel im Kreis aufgestellt und unsere Zeltfrauen warten vergeblich mit dem Essen. Aber da sie mental mit ihren M\u00e4nnern verbunden sind, wissen sie nat\u00fcrlich genau, was los ist. Sie rotten sich mit anderen betroffenen Frauen zusammen, die Versammlung wird gemeinsam auf freundliche, geduldige Art aufgel\u00f6st und alle sind zufrieden. An Feiertagen wird das Spiel dann h\u00e4ufig in einem der Wohnzelte fortgesetzt. Die Frauen setzen sich dazu und spielen mit. Andererseits m\u00fcssen auch M\u00e4nner und Kinder manchmal eine allzu leidenschaftlich ihre soziale Kompetenz zelebrierende Frauenrunde an die Anforderungen des Alltags erinnern.<br \/>\nIch wei\u00df, was Sie jetzt denken: \u201eWas die Frauen gehen einfach zu ihren M\u00e4nnern hinein? Und umgekehrt? Gibt es denn bei diesen schamlosen Barbaren keine Geschlechtertrennung?\u201c &nbsp;Auch wenn es Sie jetzt zutiefst verunsichert: Mein Volk nimmt es diesbez\u00fcglich tats\u00e4chlich nicht so genau. Wahrscheinlich hat uns das den Vorwurf eingebracht, wir w\u00fcrden uns wahllos miteinander im W\u00fcstensand paaren. Aber ich bitte Sie! Nur weil ich eine Frau zuf\u00e4llig ohne untere Verh\u00fcllung sehe, muss ich doch nicht gleich wie eine l\u00e4ufige Bikaratte dar\u00fcber herfallen. Die Bindung bedeutet f\u00fcr uns Vulkanier mehr als eine Vereinigung prim\u00e4rer Geschlechtsorgane. Viel mehr! Und wir ehren sie nach Kr\u00e4ften! Es gibt also keinen Grund, genauer hinzusehen \u2026<br \/>\nIch versuche jetzt, das Thema in gewohnter Weise zu systematisieren. Normalerweise hat jeder Clan Sanit\u00e4rzelte f\u00fcr die unterschiedlichsten Bed\u00fcrfnisse:<\/p>\n<p>* Solche, die \u00fcberwiegend von Frauen und Kindern benutzt werden.<br \/>\n* Solche, in denen sich vor allem M\u00e4nner wohlf\u00fchlen.<br \/>\n* Sanit\u00e4rzelte mit mobilen halbhohen Wandschirmen.<br \/>\n* Sanit\u00e4rzelte mit und ohne Stoffkabinen.<br \/>\n* Treffpunkte f\u00fcr Krieger und andere besondere Interessengruppen.<br \/>\n* Spezielle Sanit\u00e4rzelte f\u00fcr Au\u00dfenweltler und G\u00e4ste.<\/p>\n<p>Manche Clans stellen zus\u00e4tzlich ein winziges Zelt auf, in dem ein hermetisch abgedichteter, von innen verschlie\u00dfbarer Kasten steht \u2026 ungef\u00e4hr so gro\u00df, wie die auf der Erde verwendeten transportablen Bed\u00fcrfniszellen f\u00fcr Bauarbeiter. Er wird nur ge\u00f6ffnet, wenn Regierungsbeamte das Zeltdorf heimsuchen. Man k\u00f6nnte dies als Akt der H\u00f6flichkeit, der Anpassung oder der Unterwerfung deuten \u2026 je nach Standort und Ausstattung auch als Schikane. Wahrscheinlich ist es ein wenig von allem. Die H\u00e4user Raban, Kinsai, Boras, Tureg und Javo sind jedoch ganz souver\u00e4n der Meinung, dass Inspektoren der Philosophieb\u00fcrokraten sich mit einem ganz normalen G\u00e4stek\u00fcbel begn\u00fcgen sollen und dass sie, wenn es ihnen nicht passt, ihre Entleerungen zu Hause oder im Amt durchf\u00fchren k\u00f6nnen.<br \/>\n\u201eJe unbequemer sie es haben, um so schneller verschwinden sie wieder\u201c , pflegt meine \u00e4lteste Mutter T\u2019Maruk jedes Mal w\u00fcrdevoll anzudeuten und mit heimlicher Freude zu beobachten, wie die ungeliebten Inspektoren f\u00fcr Erziehung, Hygiene oder sonst was verzweifelt ihre Hinterbacken zusammenkneifen und irgendwann mit hervorquellenden Augen steifbeinig zum Transporter stolzieren. Unsere V\u00f6lker bekriegen sich nicht mehr, aber sie tauschen immer noch sehr gern subtile Gemeinheiten aus. Dazu kann auch geh\u00f6ren, dass man vor\u00fcbergehend alle Trennw\u00e4nde wegschafft oder die Reinigung der Sanit\u00e4ranlage f\u00fcr G\u00e4ste erst nach der Abreise gewisser wei\u00dfer Besserwisser erledigt. Sie k\u00f6nnen uns, seit die F\u00f6deration unsere Rechte sch\u00fctzt, sowieso nicht mehr allzu viel anhaben \u2026<br \/>\nIch sehe die indiskrete Frage nach meinen eigenen Gewohnheiten auf Ihren Lippen brennen. Nun, ich mag nette Gespr\u00e4chsrunden und ich finde Trennw\u00e4nde ausgesprochen albern. Es gibt nichts Sch\u00f6neres, als bei Sonnenaufgang mit ein paar Reinigungst\u00fcchern zum \u201eDiskurs\u201d, wie wir unser Lieblingszelt nennen, zu trotten und dort auf Intellektuelle beiderlei Geschlechts zu treffen. Wir bringen unsere Datentr\u00e4ger mit Gedichten, Artikeln, Geschichten oder wissenschaftlichen Abhandlungen mit, sitzen gem\u00fctlich im Kreis auf unseren K\u00fcbeln \u2026 und dann wird so heftig debattiert, dass s\u00e4mtliche Entleerungsger\u00e4usche \u00fcbert\u00f6nt werden. Ich kenne kein kl\u00fcgeres, aufmerksameres und erleseneres Publikum als meine hochgebildeten Verwandten. Ohne diese intimen Gespr\u00e4che mit ihnen w\u00e4re ich dem Cthia niemals so nahe gekommen \u2026 man k\u00f6nnte eigentlich sagen, dass die neue vulkanische Philosophie zum gro\u00dfen Teil auf dem K\u00fcbel geboren wurde. Wenn ich jetzt mit Stolz bedenke, dass sowohl unsere Produkte des Geistes als auch die des Darms nicht ohne Wert f\u00fcr die Vielen sind, muss ich die Effizienz der Gewohnheiten meines Volkes zutiefst bewundern.<br \/>\nFazit: Ein Wasserklosett ist nur ein Wasserklosett und kein Indiz f\u00fcr Reinheit und Klarheit irgendwelcher Art. Auch W\u00fcstenv\u00f6lker k\u00f6nnen auf ihre Wasser sparende Art \u00e4u\u00dferst zivilisiert sein. Vielleicht treffen wir uns ja irgendwann bei den Zelten meines Volkes wieder \u2026 dann werde ich Ihnen die Ehre erweisen, Sie zu den den morgendlichen Sitzungen im \u201eDiskurs\u201c &nbsp;einzuladen. Ich verspreche Ihnen ein herausragendes, intellektuelles Erlebnis, das bez\u00fcglich der Inspiration den Pariser Literaturcaf\u00c3\u00a9s in keiner Weise nachsteht!<\/p>\n<p>Ich danke Ihnen f\u00fcr Ihre Aufmerksamkeit und w\u00fcnsche Ihnen alles einen befriedigenden Jahreswechsel. M\u00f6gen Sie lange und in Frieden leben!<\/p>\n<p>Und ja \u2026 Sie d\u00fcrfen jetzt Fragen stellen \u2026 oder eine Ihrer unlogischen und verschwenderischen Toiletten aufsuchen.<\/p>\n<p>Andal aus dem Hause Boras<\/p>\n<p>\u00a9 Copyright by Anneliese Wipperling, 2005<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geben Sie zu, dass sie das schon immer wissen wollten: Wie halten es Vulkanier mit ihren Exkrementen? Autor: Andal aus dem Hause Boras (\u00dcbersetzung aus dem Vulkanischen von Anneliese Wipperling) Verehrte Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer! Sie schauen mich erwartungsvoll an, weil Sie neugierig darauf sind, was der vulkanische Professor f\u00fcr Ethik und Philosophie f\u00fcr eine Figur macht, wenn es um die altehrw\u00fcrdigen Traditionen der Sorbonne geht. Wird er arrogant darauf bestehen, die letzte Vorlesung im Jahr durchzuziehen, als wenn ihn die Gef\u00fchle der Menschen gar nichts angehen \u2026 oder versteht er etwa Spa\u00df? Immerhin behauptet er ja, zu einer alternativen Gemeinschaft zu geh\u00f6ren \u2026 jetzt kann er es uns beweisen! Ich sp\u00fcre die Hinterlist hinter Ihrer gespannten Aufmerksamkeit \u2026 die im Sand vergrabenen Fangeisen. Sie alle kennen mich schon ein wenig, wissen genau, dass ich mich zum Possenrei\u00dfer nicht sonderlich eigne \u2026 denn so weit bin ich Vulkanier, dass es mir v\u00f6llig unlogisch vorkommt, eine ganze Vorlesung mit albernen Scherzen zu f\u00fcllen. Dennoch m\u00f6chte ich Ihre Erwartungen nicht g\u00e4nzlich entt\u00e4uschen. Deshalb weiche ich heute vom Themenplan dieses Jahres ab und spreche \u00fcber etwas, das Sie schon immer gern wissen wollten. Ja, Sie haben es nie \u00f6ffentlich zugegeben, aber ich habe es in Ihren Augen gelesen und Sie bei gelegentlichen Besuchen im \u201eStardust\u201c &nbsp;dar\u00fcber fl\u00fcstern h\u00f6ren: Sie m\u00f6chten wissen, wie mein Volk es mit seinen Exkrementen h\u00e4lt. 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