{"id":109,"date":"2004-06-03T15:10:12","date_gmt":"2004-06-03T14:10:12","guid":{"rendered":"http:\/\/sandozean.de\/blog\/sandozean\/?p=109"},"modified":"2025-05-13T19:30:31","modified_gmt":"2025-05-13T19:30:31","slug":"was-eine-instabile-sonne-hervorbringen-kann","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/sandozean.de\/?p=109","title":{"rendered":"Was eine instabile Sonne hervorbringen kann"},"content":{"rendered":"<p><em>Meine Studenten von der Erde interessieren sich leidenschaftlich f\u00fcr das Geschlechterverh\u00e4ltnis auf Vulkan. Dabei vergessen sie immer wieder, dass bei uns alles ganz anders ist \u2026 dass die Geschichte unseres Planeten und unserer Sonne heute noch jeden Aspekt unseres Lebens pr\u00e4gen \u2026 <\/em><\/p>\n<p><strong>Autor: Andal aus dem Hause Boras<\/strong><br \/>\n(\u00dcbersetzung von Anneliese Wipperling)<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Fragen \u00fcber Fragen<\/strong><\/p>\n<p>Meine Studenten von der Erde interessieren sich immer wieder leidenschaftlich f\u00fcr den Geschlechterkampf auf Vulkan.<br \/>\n\u201cBitte, sagen Sie schon \u2026 ich habe doch recht: Bisher gab es auf Vulkan das Matriarchat und nun, wo es auch \u00e4lteste Krieger gibt, wird sich ein Patriarchat entwickeln. Man wird die Frauen wie \u00fcberall im Quadranten unterwerfen!\u201d<br \/>\n\u201cProfessor Andal, die Kohlinar-Meister sind doch zumeist M\u00e4nner. Ist es nicht so, dass die \u00dcbernahme spiritueller Aufgaben immer einen Machtwechsel vorbereitet?\u201d<br \/>\n\u201cStimmt es, dass es auf Vulkan keine \u00f6ffentlichen Schulen gibt? Da haben eure Frauen sicher noch mehr Arbeit als unsere. Gleichberechtigung ist doch unter diesen Bedingungen gar nicht m\u00f6glich \u2026\u201d<br \/>\n\u201cWir haben geh\u00f6rt, dass die Aufgaben der M\u00e4nner und Frauen noch st\u00e4rker differenziert sind, als auf der Erde.\u201d<br \/>\n\u201cBekommen Frauen eigentlich auch Pon Farr?\u201d<br \/>\n\u201cStimmt es, dass Vulkanier einander immer treu sind?\u201d<br \/>\n\u201cM\u00fcssen kleine M\u00e4dchen auch Kampfsport treiben?\u201d<br \/>\n\u201cWie funktioniert das eigentlich mit der Bindung \u2026 da gibt es doch \u00fcberhaupt keine Geheimnisse mehr \u2013 wie langweilig!\u201d<br \/>\n\u201cGibt es vulkanische Feministinnen \u2026 und Lesben?\u201d<br \/>\n\u201cStimmt es, dass alle Ah\u2019Maral schwul sind?\u201d<br \/>\nSie sind so neugierig und naiv! Sie haben noch nicht begriffen, dass auf Vulkan alles ganz anders ist \u2026 dass die Geschichte unseres Planeten und unserer Sonne heute noch jeden Aspekt unseres Lebens pr\u00e4gen. Die nackte, gnadenlose Entropie hat uns f\u00fcr immer gezeichnet. Sie setzt die Priorit\u00e4ten f\u00fcr unser Zusammenleben, geistert durch unsere Tr\u00e4ume und erf\u00fcllt unsere Katras mit heimlicher Furcht. Die Verringerung der Entropie im Universum ist f\u00fcr uns ein Wert an sich geworden \u2026 ein Weg aus der H\u00f6lle in ein logisches Paradies ohne Konflikte.<br \/>\nLeider ist das mit manchen Paradiesen nicht so einfach. Ihre Fr\u00fcchte sind fade und wenig nahrhaft \u2026 wohingegen gewisse Konsequenzen unserer Begegnung mit der H\u00f6lle durchaus zu begr\u00fc\u00dfen sind. Zum Beispiel, wenn es um die Bindung geht \u2026 die Entr\u00fcckungen. Reden wir zun\u00e4chst \u00fcber diese Sonneneruption.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das verlorene Paradies<\/strong><\/p>\n<p>Vulkan war einmal ein wundersch\u00f6ner gr\u00fcner Planet. Unsere Vorfahren mussten sich nicht anstrengen, um an Nahrung und Wasser zu gelangen, alles war im \u00dcberfluss vorhanden. Sie hatten Zeit zum Lieben und Tr\u00e4umen, zum Ersinnen seltsamer Worte \u2026 und zur Erprobung anderer M\u00f6glichkeiten der Kommunikation. Sie liebkosten einander mit H\u00e4nden, Lippen und Geist. Sie waren freundlich und offen wie Kinder. Wenn der feurige Atem unserer Sonne die W\u00e4lder nicht verbrannt h\u00e4tte, w\u00fcrden wir immer noch l\u00e4chelnd unter unseren B\u00e4umen sitzen. Erst der gnadenlose Kampf ums Dasein hat uns zu dem gemacht, was wir heute sind: eine verschlossene, harte Spezies mit seltsamen Eigenschaften und Br\u00e4uchen. Urteilt selbst, was daran gut ist \u2026 und was extrem schlimm.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Zwang zur Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n<p>Wenn sich die Lebensbedingungen pl\u00f6tzlich extrem verschlechtern, kann eine Spezies nur durch radikale Anpassung weiter existieren. Entgegen der landl\u00e4ufigen Meinung handelt es sich dabei nicht nur um physische Ver\u00e4nderungen oder das \u00dcberleben des St\u00e4rkeren \u2026 nein, es ist viel komplizierter. Das Gesetz der W\u00fcste ist nicht mit dem so genannten Gesetz des Dschungels identisch. Die W\u00fcste ist weit, hei\u00df und leer. Sie l\u00e4sst den Blick bis zum fernen Horizont schweifen. Abgesehen von wenigen Farben und gro\u00dfz\u00fcgig geschwungenen Linien gibt es nichts \u2026 jedenfalls nichts, was nett, \u00fcppig oder gef\u00e4llig wirkt. Leben ist nur dort m\u00f6glich, wo es Wasser gibt \u2026 und davon bef\u00f6rderte die Sonneneruption mehr als neunzig Prozent ins All. Alle Lebewesen m\u00fcssen st\u00e4ndig um ihre Existenz k\u00e4mpfen. Die besten Chancen haben noch Gruppen, die untereinander fest verbunden sind \u2026 und die ihre sp\u00e4rlichen Ressourcen gnadenlos gegen alle \u00dcbrigen verteidigen. Auf Vulkan gab es immer und \u00fcberall fest strukturierte Clans und mental verbundene Ehepaare. H\u00e4ufig waren auch die Eltern in der Lage, die Gedanken und Gef\u00fchle ihrer Kinder aufzunehmen. Die Familien und Clans waren wahre Festungen gegen Konkurrenten aller Art.<\/p>\n<p>Die mentale Bindung spielt nicht nur bei der humanoiden Spezies auf Vulkan eine Rolle. Auch die A\u2019Kweth und einige Tierarten scheinen davon zu profitieren. Vor allem nomadisierende Lebewesen und solche, die von der Jagd leben, verf\u00fcgen \u00fcber erstaunliche F\u00e4higkeiten zur lautlosen Kommunikation \u00fcber weite Strecken \u2026 und davon gibt es bei uns \u00fcberdurchschnittlich viele. Es ist \u00e4u\u00dferst vorteilhaft, wenn man sich auf einen vertrauten Partner verlassen kann \u2026 und wenn man immer genau wei\u00df, was dieser wirklich vorhat. Die durch nichts messbare Interaktion zwischen kraftvollen R\u00e4ubern, die Lager und Nahrung kampflos miteinander teilen, ist der entscheidende Vorteil, den die Lematyas gegen\u00fcber anderen, kurz nach der Sonneneruption ausgestorbenen Beutegreifern hatten.<br \/>\nAuch die \u00fcberlebenden Urvulkanier, die nach der Katastrophe von gemischter Kost zu fast reiner Fleischnahrung \u00fcbergingen, vervollkommneten rasch ihre F\u00e4higkeiten zur wortlosen Informations\u00fcbermittlung. Sie konkurrierten nicht nur mit den Lematyas um die magere Beute \u2026 nein, die J\u00e4ger wurden selbst oft zur Nahrung. Lematyas und Urvulkanier fra\u00dfen sich gegenseitig und hielten so eine h\u00f6chst fragile \u00d6kologie im Gleichgewicht \u2026 sonst w\u00e4ren die kleinen Beutetiere schnell ausgestorben und alle R\u00e4uber h\u00e4tten verhungern m\u00fcssen.<br \/>\nDie Lematyas jagen in Rudeln. Sie haben zwar stets ein m\u00e4nnliches oder weibliches Leittier, aber dieses beansprucht keine sexuellen Privilegien. Alle Mitglieder des Rudels paaren sich miteinander und gehen so eine primitive Vorstufe der Bindung ein. Merkw\u00fcrdigerweise waren die Urvulkanier nicht dazu bereit, die Vorteile einer solchen Lebensweise zu nutzen. Wie fast alle Humanoiden legten sie Wert auf eine eindeutige Zuordnung der Kinder \u2026 und damit auf stabile Zweierbeziehungen. Den Nachteil kleinerer Familien glichen sie geschickt durch sinnvolle Br\u00e4uche, feste Strukturen der gro\u00dfen Clans sowie Weitergabe der Katras und damit der Erfahrungen, ihrer \u00e4ltesten M\u00fctter aus.<\/p>\n<p>Erst sehr viel sp\u00e4ter gelang es den Ah\u2019Maral, die Lebenskonzepte von Lematyas und Urvulkaniern zu vereinigen. Sie jagten und besiegten die Sklavenh\u00e4ndler als gnadenlose, mental miteinander verbundene Meute. Es war f\u00fcr die meisten Turuska ein gro\u00dfes Opfer, auf eine eigene Familie zu verzichten und sich den \u00fcberaus strengen Regeln der Bruderschaften zu unterwerfen. Ich empfinde es als bittere Ironie des Schicksals, dass mein friedfertiges Volk die Lebensweise von Raubtieren imitieren musste, um zu \u00fcberleben!<br \/>\nWir entschuldigen uns nicht daf\u00fcr, dass unsere Krieger wild und hart waren. Im Gegensatz zu den Sklavenj\u00e4gern entwickelten sie schon bald eine ausgesprochen komplexe Ethik.<br \/>\nM\u00e4nner wie Jorak und Agar waren Wegbereiter Suraks \u2013 K\u00e4mpfer, Liebende, Dichter und Weise in einem. Und die heutigen Ah\u2019Maral verteidigen nicht nur die Zelte ihrer Clans, sondern auch die Werte der F\u00f6deration. Sie haben entscheidend dazu beigetragen, das Dominion zu besiegen. Zuk\u00fcnftige Eroberer werden feststellen, dass man uns nicht so leicht unterjochen und versklaven kann. Es ist sehr gut, dass es die Krieger immer noch gibt!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Zwang zur Paarung<\/strong><\/p>\n<p>Unsere Vorfahren wurden aus einem gr\u00fcnen Paradies \u2013 einem Schlaraffenland \u2013 geradewegs in die H\u00f6lle katapultiert. Sie haben vermutlich gar nicht begriffen, wie ihnen geschah. Von denen, die das Inferno \u00fcberlebten, starb wahrscheinlich der gr\u00f6\u00dfte Teil innerhalb weniger Wochen. Hunger, Durst und Ersch\u00f6pfung t\u00f6teten die schwangeren Frauen, die kleinen Kinder \u2026 die Alten. Sicher waren viele der \u00dcberlebenden vom Schmerz \u00fcberw\u00e4ltigt, wollten allein nicht weiterleben \u2026 und ganz bestimmt empfanden sie ihre Umwelt nicht als geeignet, um sich zu vermehren. Auch die Wildtiere der Erde verzichten h\u00e4ufig auf Nachkommen, wenn es nicht genug Nahrung f\u00fcr sie gibt. Manche t\u00f6ten sogar ihre Jungen, wenn sie sich mit ihrer Aufzucht \u00fcberfordert f\u00fchlen!<\/p>\n<p>Aber die Natur ist nicht im eigentlichen Sinne vern\u00fcnftig. Es gibt immer Individuen, deren Sexualtrieb besonders stark ist \u2026 oder deren Brunft hoch dramatisch und zwanghaft verl\u00e4uft. Am Ende haben wohl diese Gesch\u00f6pfe auf Vulkan signifikant mehr Nachkommenschaft hinterlassen als jene, deren Triebe weniger heftig waren. Alle warmbl\u00fctigen Lebewesen meines Heimatplaneten unterliegen in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden der gnadenlosen Dominanz ihrer Geschlechtshormone. Die M\u00e4nnchen fallen laut schreiend und mit schonungsloser Gier \u00fcber ihre Weibchen her. Die Paarung verl\u00e4uft in diesem Zustand gewaltsam und brutal \u2026 ohne Z\u00e4rtlichkeit \u2026 ohne Vernunft.<br \/>\nDie Weiblichkeit unseres Planeten reagiert auf diese periodisch auftretende, geballte m\u00e4nnliche Aggressivit\u00e4t gelassen, fast ein wenig hochm\u00fctig. Lematyas, Luftgleiter, Sehlaths\u2026 Vulkanier: Alle verhalten sich nach dem gleichen Muster. Vermutlich ist es vorteilhaft, wenn wenigstens einer die \u00dcbersicht beh\u00e4lt und Fressfeinde abwehrt. Auch bei den unvern\u00fcnftigen Tieren ist es g\u00fcnstiger, wenn in dieser Situation eine vertraute Partnerin Schutz und Sicherheit spendet \u2026 und auch bei ihnen kann es zu Wahnsinn oder Tod f\u00fchren, wenn die Vereinigung nicht optimal verl\u00e4uft. Man hat festgestellt, dass gefangene m\u00e4nnliche Lematyas nach der wilden Kopulation mit einem fremden Weibchen ihre W\u00e4rter nicht mehr erkannten \u2026 dass sie alles von neuem kennenlernen mussten: F\u00fctterungszeiten, vertraute Personen \u2026 die gewohnte Gespielin.<\/p>\n<p>Es gibt auf Vulkan eine ungleichm\u00e4\u00dfige Verteilung der Abh\u00e4ngigkeit zwischen den Sexualpartnern. Frauen k\u00f6nnen notfalls allein \u00fcberleben \u2026 M\u00e4nner brauchen alle sieben Jahre jemanden, der sie gut kennt, mit ihnen mental verbunden und bereit ist, ihr Katra \u2013 oder bei den h\u00f6heren Tieren ihre gesammelten Erfahrungen \u2013 zu bewahren.<br \/>\nEin normaler vulkanischer Mann wird immer sehr vorsichtig mit seiner Gemahlin oder seinem homosexuellen Bindungspartner umgehen. Er wei\u00df, dass er es sich nicht leisten kann, sie ernsthaft zu erz\u00fcrnen \u2026 und dass sie ein sehr gut funktionierendes Ged\u00e4chtnis hat. Viele unappetitliche Ausw\u00fcchse des Geschlechterkampfes auf anderen Planeten sind uns so erspart geblieben: Vergewaltigung Fremder, Prostitution, systematische Unterdr\u00fcckung und Entw\u00fcrdigung des Bindungspartners oder eines Geschlechts.<br \/>\nIch behaupte nicht, dass alle Vulkanier nett und edel sind, aber die Perversion beschr\u00e4nkt sich fast immer auf die Privatsph\u00e4re zweier Bindungspartner und ist zumeist von beiden gewollt oder zumindest toleriert. Vor Surak waren es vor allen reiche, unverheiratete oder verwitwete Frauen, die auf geradezu monstr\u00f6se Weise ihre abartigen Gel\u00fcste an wehrlosen Sklaven auslebten \u2026 oder aber die Ehepartner waren beide sadistisch veranlagt und betrieben die Misshandlung und Vergewaltigung Wehrloser als gemeinsames Hobby. Wilde Orgien, in deren Verlauf Dutzende Sklaven qualvoll sterben mussten, waren bei Kriegsherren und Lokalf\u00fcrsten allgemein \u00fcblich.<br \/>\nSadisten, die so unlogisch sind, die Rachsucht ihrer Bindungspartner herauszufordern und ihr eigenes Leben in Gefahr zu bringen, waren bereits damals eher selten und sind nach Surak durch intensive Vermittlung ethischer Werte und das Kohlinar fast ausgestorben. Leider kann man auch bei einer so kontrollierten Spezies wie den Vulkaniern gewisse Anwandlungen von Destruktivit\u00e4t und Wahnsinn nicht vollst\u00e4ndig vermeiden \u2026<br \/>\nIm Gro\u00dfen und Ganzen hat der Zwang zur Paarung jedoch dazu gef\u00fchrt, dass bei uns die Geschlechter harmonischer und vern\u00fcnftiger zusammenleben als anderswo.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vieles ist bei uns ganz anders<\/strong><\/p>\n<p>Ich werde oft gefragt, warum auf Vulkan immer noch das Matriarchat herrscht \u2013 und meine Gespr\u00e4chspartner reagieren mit Unglaube und Verst\u00e4ndnislosigkeit, wenn ich antworte, dass es bei uns gar kein vorherrschendes Geschlecht gibt.<br \/>\n\u201cAber es gibt doch \u00e4lteste M\u00fctter!\u201d schallt es mir entgegen. \u201cWenn die M\u00e4nner wirklich gleichberechtigt w\u00e4ren, m\u00fcsste es doch auch \u00e4lteste V\u00e4ter geben \u2026\u201d<br \/>\n\u201cSie werden doch nicht bestreiten, dass die neu entstandene Tradition der \u00e4ltesten Krieger der erste Schritt in Richtung Patriarchat ist!\u201d \u201cWir wissen, was Vulkans Frauen bevorsteht \u2026 sie tun uns jetzt schon Leid.\u201d<\/p>\n<p>Wie so oft werden bei solchen Diskussionen hemmungslos Ursache und Wirkung verwechselt! Im Prinzip ist jeder erwachsene Vulkanier in der Lage, das Katra eines anderen intelligenten Lebewesens im Augenblick seines Todes aufzunehmen. Es gibt dabei graduelle Unterschiede, die vor allem in der F\u00e4higkeit, die Pers\u00f6nlichkeit eines anderen vorurteilsfrei und vollst\u00e4ndig wahrzunehmen, beruhen. Im Klartext: Sehr unintelligente, ungebildete oder narzisstische Personen haben damit Schwierigkeiten. Sie sind deshalb als Partner wenig begehrt. Ein kleiner Nebeneffekt dieser Tatsache ist, dass die k\u00f6rperliche Sch\u00f6nheit bei der Auswahl des Bindungspartners generell eine geringere Rolle spielt als auf anderen Welten. Vulkanier suchen vor allem Verst\u00e4ndnis und Sicherheit. Die meisten von ihnen werden eine kluge, charakterfeste Frau jederzeit einer hohlen Sch\u00f6nheit vorziehen.<br \/>\nEs ist f\u00fcr einen Mann extrem wichtig, zu wissen, dass das eigene Katra sicher aufgehoben ist \u2026 und das ist es ganz objektiv am besten bei einer Frau, die ihn liebt und versteht.<\/p>\n<p>M\u00e4nnern f\u00e4llt es wegen des periodisch auftretenden Pon Farr schwerer, ein Abbild eines Katras \u00fcber l\u00e4ngere Zeit zu bewahren. Sie d\u00fcrfen nicht vergessen, es nach jeder Konfrontation mit der reinen Entropie zu erneuern \u2026 was nach dem Tod der entsprechenden Person leider nicht mehr m\u00f6glich ist. Wenn der sexuelle Wahn sie packt, ger\u00e4t alles aus den Fugen: das eigene und das fremde Ich. Homosexuelle M\u00e4nner, die in ehe\u00e4hnlichen Partnerschaften leben, haben es auf Vulkan besonders schwer und enden \u00fcberdurchschnittlich oft in H\u00e4usern f\u00fcr unvollkommene Geister. Vielleicht h\u00e4lt man Homosexualit\u00e4t auch deshalb f\u00fcr sehr unlogisch.<br \/>\nWenn man bedenkt, wie gef\u00e4hrdet bereits ein von einem Mann bewahrtes Abbild eines einzelnen Katras ist, wird klar, dass es nicht vern\u00fcnftig w\u00e4re, den M\u00e4nnern die Geister ihrer Vorfahren anzuvertrauen. Die Katras k\u00f6nnten durcheinander geraten oder g\u00e4nzlich verloren gehen. Bitte glaubt mir: Die alle sieben Jahre stattfindende Heimsuchung der vulkanischen M\u00e4nner ist der einzige Grund, weshalb es keine \u00e4ltesten V\u00e4ter gibt. Frauen sind nicht privilegierter, sie sind einfach nur besser geeignet f\u00fcr diese Aufgabe. Es war logisch, sie zu H\u00fcterinnen der alten Erfahrungen zu machen.<\/p>\n<p>Bei den \u00c4ltesten Kriegern ist das ganz anders. Die Ah\u2019Maral haben spezielle Techniken entwickelt, um das Selbst ihrer Partner w\u00e4hrend des Pon Farr zu bewahren \u2013 und sie lassen sich zumeist von besonders bef\u00e4higten Waffenbr\u00fcdern helfen. Au\u00dferdem verf\u00fcgt in der Bruderschaft jeder \u00fcber die Abbilder der Katras aller Waffenbr\u00fcder. Wenn wirklich einmal etwas schief geht, wird bei dem betroffenen Krieger k\u00fcnstlich ein erneutes Pon Farr erzeugt und ein anderer rekonstruiert sein Selbst. Man muss es sich so vorstellen, dass in einer Bruderschaft der Ah\u2019Maral von allen Katras \u2013 auch den komplexen \u2013 zwanzig oder mehr unterschiedlich perfekte Sicherheitskopien existieren. Die Krieger haben ein System geschaffen, das noch sicherer ist als das der \u00e4ltesten M\u00fctter. Es gibt zwar immer noch Zweifler, die meinen, dass die Aufnahmekapazit\u00e4t von M\u00e4nnern nicht so gut wie die von Frauen w\u00e4re und die prophezeien, dass das Konzept der \u00c4ltesten Krieger bald an seine Grenzen sto\u00dfen w\u00fcrde \u2013 aber seit immer mehr Frauen Ah\u2019Maral werden, hat dieses Argument an Substanz verloren. Es wird kein Problem sein, die Katras besonders bef\u00e4higter Anf\u00fchrer und Krieger zu bewahren.<\/p>\n<p>\u00c4lteste M\u00fctter gibt es auf ganz Vulkan. Sie sind die Kondensationskerne, um den sich ein jeder Clan gruppiert \u2026 stirbt eine \u00e4lteste Mutter, ohne ihr Katra weiterzugeben, erlischt das entsprechende Haus. Es wird aus den Datenbanken vollst\u00e4ndig getilgt. Das Gleiche passiert, wenn eine \u00e4lteste Mutter es nicht schafft, eine sinnvolle Ordnung in ihrem Geist aufrecht zu erhalten und wahnsinnig wird. In dem Fall muss ein Gedankentechniker die fremden Katras wieder entfernen. Da sie nicht mehr gesund sind, werden sie danach in der Halle f\u00fcr alte Gedanken aufbewahrt oder \u2013 bei den Turuska \u2013 einfach freigelassen. Es passiert sehr selten, dass das Katra einer \u00e4ltesten Mutter durch Auswahl einer ungeeigneten Tr\u00e4gerin oder sonstige Leichtfertigkeit verloren geht. Unsere Frauen sind viel zu vorsichtig, um eine Zerst\u00f6rung ihres Clans zu riskieren. Auch bei den Kriegern hat man die Aufnahme fremder Katras streng reglementiert, weil nur diejenigen diese Aufgabe fehlerfrei bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen, die kraftvoll und geistig v\u00f6llig gesund sind \u2013 bereit und f\u00e4hig, das Cthia zu ehren. Es ist logisch, dass die \u00c4ltesten M\u00fctter bei ihren Clans sehr viel Einfluss haben \u2013 schlie\u00dflich sind sie besonders starke Pers\u00f6nlichkeiten mit den Erfahrungen vieler Generationen. Es hat sich einfach bew\u00e4hrt, auf die \u00c4ltesten M\u00fctter zu h\u00f6ren \u2013 und sie durch einen gew\u00e4hlten Rat der \u00c4ltesten zu unterst\u00fctzen. Ihre Entscheidungen waren zumeist sinnvoll, auch wenn uns manche Beispiele aus alter Zeit erschrecken. Damals gab es eben eine andere Gesellschaftsordnung und andere Priorit\u00e4ten als heute.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Warum niemand die M\u00e4nner Vulkans unterdr\u00fcckt<\/strong><\/p>\n<p>Erinnern wir uns: Es gibt auf Vulkan wegen der lebensfeindlichen Umwelt einen Zwang zur Zusammenarbeit und einen Zwang zur Paarung. Niemand ist in der Lage, allein zu \u00fcberleben. Ein einsamer Mann ohne Bindungspartnerin wird irgendwann elend zu Grunde gehen \u2026 und unsere Frauen?<\/p>\n<p>Die Frauen Vulkans sind stark und selbstbewusst. Dennoch gibt es Momente, wo auch sie F\u00fcrsorge und Schutz brauchen. Schwangerschaft, Niederkunft und die Pflege der Kinder beanspruchen sie zuweilen aufs \u00e4u\u00dferste. Sicher, die Technik hat vieles leichter gemacht und wir haben seit tausend Jahren Frieden \u2026 dennoch ist es f\u00fcr sie immer noch ein gutes Gef\u00fchl, einen starken, verantwortungsbewussten Partner an ihrer Seite zu wissen. Wir M\u00e4nner Vulkans stellen seit alters her unsere Kraft und Wildheit gern in den Dienst der Familie. Wir lieben und besch\u00fctzen unsere Frauen und Kinder. Das gibt unserem Leben einen h\u00f6heren Sinn und l\u00e4sst uns an der tiefen Harmonie zwischen unseren Frauen und der Natur teilhaben.<\/p>\n<p>Aus Sicht unserer Frauen w\u00e4re es nicht sinnvoll, ihre M\u00e4nner zu unterwerfen. Zum einen sind sie sowieso durch das Pon Farr von ihnen abh\u00e4ngig. Sie sind keine Gefahr f\u00fcr ihre Freiheit und ihr Selbstwertgef\u00fchl \u2026 und es w\u00e4re billig und unethisch, sich in irgendeiner Weise auf ihre Kosten zu profilieren. Andererseits \u2026<br \/>\nDie meisten vulkanischen Frauen haben einen hei\u00dfen, hungrigen Scho\u00df. Sie lieben es, wenn ihre M\u00e4nner kraftvoll und fordernd sind \u2026 wenn sie sich tief und leidenschaftlich in ihnen verlieren und ihnen mit ihrer mentalen Energie berauschende, unvergleichliche Erlebnisse schenken. Das gibt uns M\u00e4nnern gro\u00dfe Macht \u00fcber sie. Wir genie\u00dfen es, unsere m\u00e4nnliche Kraft frei wirken zu lassen und die Weiblichkeit unserer Partnerinnen gnadenlos in Aufruhr zu versetzen. Die meisten Vulkanierinnen sind f\u00fcr eine gute Entr\u00fcckung zu so manchem Kompromiss bereit. Ein schwacher, dem\u00fctiger Mann kann ihr Katra und ihren Scho\u00df nicht befriedigen \u2026 also sorgen sie daf\u00fcr, dass ihr Partner sich stark und frei f\u00fchlt.<\/p>\n<p>Es ist auch zu beachten, dass M\u00e4nner und Frauen sich auf Vulkan nicht derma\u00dfen fremd sind wie auf der Erde. Jeder kann die Gedanken und Gef\u00fchle des anderen nachvollziehen \u2026 die Lust des anderen Geschlechts mitempfinden. Es gibt keine Heimlichkeiten, keine Missverst\u00e4ndnisse und keine Illusionen. Die Freude des Mannes an einer weiblichen Rundung, die leidenschaftliche Antwort des weiblichen Katras auf eine intime Ber\u00fchrung \u2026 alles ist offen, wehrlos, nackt und f\u00fcr den anderen sichtbar. Es ist ein unbarmherziges Patt, das beide Partner zu R\u00fccksichtnahme und Fairness zwingt.<br \/>\nWer seinen Bindungspartner vernachl\u00e4ssigt, kr\u00e4nkt oder qu\u00e4lt, empfindet keine Genugtuung und keinen Machtrausch \u2026 nein, er ist gezwungen, die Folgen seines Tuns mit zu erleiden. Man muss schon sehr bindungsschwach und vor allem \u00e4u\u00dferst pervers veranlagt sein, um so etwas faszinierend zu finden. Gewiss, es gibt einige wenige F\u00e4lle \u2026 Leute, die in Heimen f\u00fcr unvollkommene Kinder aufwuchsen \u2026 Soziopathen mit extrem geringer Sensibilit\u00e4t \u2026 wir sch\u00e4men uns f\u00fcr diese Mitb\u00fcrger und ihre Taten. Es ist jedoch gl\u00fccklicherweise sehr unwahrscheinlich, dass Machtk\u00e4mpfe zwischen Bindungspartnern auf Vulkan ebenso wie auf der Erde zur Massenerscheinung werden.<br \/>\nDie Entropie, der Verlust des Paradieses, die unser Wesen gepr\u00e4gt haben, zwingen uns auf seltsame Weise zu Ordnung und R\u00fccksichtnahme. Selbst die starke Aufgabenteilung zwischen Mann und Frau kann daran nichts mehr \u00e4ndern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Scham und Verdammnis<\/strong><\/p>\n<p>Wir Vulkanier sprechen ungern \u00fcber das Pon Farr, h\u00f6chstens mit ganz allgemeinen, nichts sagenden Worten \u2013 so, als w\u00fcrde es sich um eine eklige Krankheit handeln, die man sich an einem schmutzigen, zweifelhaften Ort zugezogen hat. Ich finde, dass das ganz falsch ist, weil uns unsere Freunde von anderen Welten nicht verstehen k\u00f6nnen, wenn wir ihnen nicht auch diese heimliche Qual schonungslos offenbaren.<br \/>\nDie Tatsache, dass der Geist der vulkanischen M\u00e4nner alle sieben Jahre in einem Strudel aus tierischer Wildheit und purer sexueller Gier versinkt, sollte uns mit Demut erf\u00fcllen. Es tut gut, regelm\u00e4\u00dfig derart machtvoll an seine animalischen Wurzeln und die gl\u00fchend hei\u00dfe Triebkraft allen Lebens erinnert zu werden.<\/p>\n<p>Mein Volk geht mit der Sexualit\u00e4t und dem Pon Farr sehr viel offener um als der Rest Vulkans. Dadurch, dass wir in Zelten leben, k\u00f6nnen wir weniger voreinander verbergen \u2026 und da letztendlich jeder von uns alle sieben Jahre der reinen Entropie anheim f\u00e4llt \u2026<br \/>\nAls es mir zum ersten Mal passierte, war ich noch mit meiner ersten Gemahlin T\u2019Mira verheiratet. Sie war ein wenig \u00e4lter als ich, von Beruf \u00c4rztin und eine ungew\u00f6hnlich mitf\u00fchlende, tatkr\u00e4ftige und kluge Frau. Nichts Vulkanisches war ihr fremd. Sie empfing das Tier in mir mit Liebe und Nachsicht \u2026 z\u00e4hmte es mit sanfter Entschlossenheit. Auf meine Scham am n\u00e4chsten Morgen reagierte sie mit einem m\u00fctterlichen L\u00e4cheln.<br \/>\n\u201cWei\u00dft du, Andal\u201d, sagte sie, w\u00e4hrend sie mir eine besonders dick bestrichene Scheibe Fladenbrot zuschob, \u201cihr M\u00e4nner wollt immer so makellos wie eine gut ge\u00f6lte Maschine funktionieren \u2026 aber Lebewesen sind ganz anders. Ich muss das wissen, denn ich habe schon genug von ihnen kuriert. Alle sieben Jahre nur eine einzige Nacht voller Wahnsinn und Gewalt ist mehr als nur akzeptabel \u2026 es ist das wahre Gl\u00fcck! Wenn wir es schaffen, die \u00fcbrige Zeit eintr\u00e4chtig zu leben und uns mit Verst\u00e4ndnis und Zuneigung zu begegnen, werden wir mit dem bisschen Entropie auch noch fertig. Sie geh\u00f6rt zur Natur unseres Universums. Wir k\u00f6nnen sie niemals v\u00f6llig besiegen \u2026 und das ist gut so.\u201d<br \/>\nEs dauerte Jahre, bis ich begriff, wie recht sie hatte.<\/p>\n<p>Diejenigen Vulkanier, die wir Turuska zuweilen etwas respektlos als Philosophieb\u00fcrokraten bezeichnen, leiden besonders schlimm unter ihren biologischen Besonderheiten. Sie sch\u00e4men sich nicht nur ihrer Wildheit und Unlogik, sie stellen zuweilen ihre Sexualit\u00e4t komplett infrage \u2026 und sie versuchen, sich durch m\u00f6glichst abstrakte und hochtrabende Ideale zu profilieren. Statt mit Demut begegnen sie den Fr\u00fcchten der Entropie mit radikaler Ablehnung und hilfloser Arroganz. Sie wollen nicht verstehen, dass das Tier genauso ein Teil von ihnen ist, wie ihre Logik und ihr geliebtes Kohlinar.<br \/>\nIm praktischen Leben ist das nur wenig hilfreich \u2026 und es ver\u00e4rgert ihre Gemahlinnen. Die halten zumeist wenig von den krampfhaften Versuchen ihrer Ehem\u00e4nner, die Entropie um jeden Preis zu bek\u00e4mpfen. Meist sind es die Frauen, die heimlich enthemmende Mittel ins Essen mischen, um endlich ihre lang ersehnte, befriedigende Entr\u00fcckung zu bekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Pragmatische Frauen<\/strong><\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte meinen, dass unsere Partnerinnen unter dem Pon Farr ihrer Ehem\u00e4nner sehr leiden \u2026 aber die meisten ertragen es erstaunlich gelassen.<br \/>\nSie wissen ganz genau, dass das Blutfieber nicht nur eine B\u00fcrde f\u00fcr sie ist, sondern ihnen auch gro\u00dfe Macht verleiht. Seit alters her wagt es kein Mann, seine Bindungspartnerin so sehr zu kr\u00e4nken, dass sie ihm wom\u00f6glich den Tod w\u00fcnschen w\u00fcrde. Das, was zwischen zwei Vulkaniern bei einer Entr\u00fcckung passiert, ist gesetzlich nicht reglementiert. Falls ein Mann w\u00e4hrend des Pon Farr stirbt oder wahnsinnig wird, gilt dies immer als Unfall und nicht als Verbrechen. Die Privatsph\u00e4re ist auf Vulkan viel zu heilig, als dass M\u00e4nner oder Frauen ein Interesse daran h\u00e4tten, dass derart intime Ereignisse vor Gericht verhandelt werden.<br \/>\nManchmal habe ich den Eindruck, dass die Frauen ihre Macht \u00fcber uns M\u00e4nner genie\u00dfen. Vielleicht sind sie deswegen auf so selbstverst\u00e4ndliche Weise fordernd \u2026 und nehmen vieles, was uns wichtig ist, nicht so recht ernst \u2026 sie sind schlie\u00dflich die H\u00fcterinnen des Lebens. Ich kann das aushalten, solange ich mich bei meiner Partnerin sicher geborgen f\u00fchlen kann.<\/p>\n<p>Ich hoffe nur, dass sie mir verzeiht und versteht, dass ein Mann sich manchmal mit seltsamen und sehr abstrakten Dingen besch\u00e4ftigen muss, um dar\u00fcber hinwegzukommen, dass immer noch ein wildes Tier in ihm wohnt. Ich erwarte jedoch von meiner Gemahlin, dass sie mich aufh\u00e4lt, wenn ich mich in Gedanken zu weit von unserer wahren Natur entfernen m\u00f6chte \u2026 dass sie verhindert, dass meine Nachdenklichkeit und meine Logik zum Selbstzweck entarten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Frauen als Kohlinar-Meister?<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt nur sehr wenig weibliche Kohlinar-Meister. Momentan sind es auf dem ganzen Planeten sieben \u2013 und nur eine von ihnen geh\u00f6rt zu den zehn Gro\u00dfen. Exosoziologen anderer Welten versuchen des \u00d6fteren, daraus patriarchale Strukturen abzuleiten. Sie h\u00e4tten recht, wenn wir tats\u00e4chlich versuchen w\u00fcrden, die Frauen von einer derartigen Karriere abzuhalten \u2026 wenn wir es ihnen besonders schwer machen w\u00fcrden. Tatsache ist jedoch, dass wir M\u00e4nner uns sehr geschmeichelt f\u00fchlen, wenn eine Frau sich ernsthaft unseren Lieblingsbesch\u00e4ftigungen zuwendet \u2026 und dass sie dann zumeist frustrierend gut ist.<br \/>\nDie wenigen weiblichen Kohlinar-Meisterinnen waren alle machtvoll und \u00e4u\u00dferst kreativ. Die Anf\u00fchrerinnen der Ah\u2019Maral haben im Dominionkrieg Hervorragendes geleistet: Der Name T\u2019Kuro aus dem Hause Kuma wird auf ewig mit der Rettung der Erde verbunden sein. Und unsere gro\u00dfartigen Technikerinnen, Philosophinnen \u2026<\/p>\n<p>Die Frauen Vulkans verf\u00fcgen \u00fcber eine bewundernswerte, nat\u00fcrliche W\u00fcrde und f\u00fchlen sich vollkommen in Einklang mit allen Gesch\u00f6pfen unseres Planeten. Sie brauchen sich ihres hungrigen Scho\u00dfes nicht zu sch\u00e4men, weil sie niemals zu wilden Tieren werden \u2026 weil sie auf vielfache Weise Spenderinnen und Bewahrerinnen des Lebens sind. Sie sind der Wind, der Sand und das Feuer \u2026<br \/>\nWarum sollten sie nach einer Meisterschaft streben, die sie gar nicht brauchen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was immer wir sind \u2026<\/strong><\/p>\n<p>Wir sollten unsere \u00fcbertriebene Furcht vor der Entropie versto\u00dfen. Gewiss, sie gef\u00e4hrdet das Weltall und die Wahrscheinlichkeit, dass alles in einem gewaltigen Brand endet, ist gro\u00df.<br \/>\nEs gibt Krieg und Hass \u2026 gemeine Verbrechen \u2026 und jenes allerletzte Feuer, das wom\u00f6glich das Universum irgendwann verschlingen wird. Es ist richtig, alle Dinge und Gedanken zu ordnen. Dennoch ist es gut, dass uns dies niemals v\u00f6llig gelungen ist. Der Dominionkrieg hat unser sorgf\u00e4ltig und schl\u00fcssig strukturiertes Dasein zerfetzt und uns gezeigt, dass Logik und Vollkommenheit keine Werte an sich sind.<br \/>\nWir waren nur stark genug, die Eroberer zu verjagen, weil ein Teil Vulkans sich der so genannten reinen Lehre nicht unterworfen hatte \u2026 weil er immer noch im nat\u00fcrlichen, lebendigen Gleichgewicht zwischen Reinheit und Anarchie lebte. Wir, die Kinder einer hei\u00dfen, unzuverl\u00e4ssigen Sonne haben verhindert, dass eine kalte, fremde Ordnung den Alphaquadranten zerst\u00f6ren konnte.<br \/>\nManchmal sollte man der Entropie sogar vertrauen \u2026 sie ist gar nicht so \u00fcbel, wenn man sie nicht alle Strukturen \u00fcberwuchern l\u00e4sst.<\/p>\n<p>(Auszug aus: Anneliese Wipperling, \u201cFl\u00fcgel aus Glas\u201d, eine Anthologie moderner vulkanischer Autoren)<\/p>\n<p>\u00a9 Copyright by Anneliese Wipperling, 2003<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Studenten von der Erde interessieren sich leidenschaftlich f\u00fcr das Geschlechterverh\u00e4ltnis auf Vulkan. Dabei vergessen sie immer wieder, dass bei uns alles ganz anders ist \u2026 dass die Geschichte unseres Planeten und unserer Sonne heute noch jeden Aspekt unseres Lebens pr\u00e4gen \u2026 Autor: Andal aus dem Hause Boras (\u00dcbersetzung von Anneliese Wipperling)<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ca_portfolio_gallery_project_year":"","ca_portfolio_gallery_client":"","ca_portfolio_gallery_skills":"","ca_portfolio_gallery_url":"","ngg_post_thumbnail":0},"categories":[77],"tags":[93,94,189,193],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/109"}],"collection":[{"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=109"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/109\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1496,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/109\/revisions\/1496"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=109"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=109"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/sandozean.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=109"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}