{"id":102,"date":"2004-05-29T14:57:29","date_gmt":"2004-05-29T13:57:29","guid":{"rendered":"http:\/\/sandozean.de\/blog\/sandozean\/?p=102"},"modified":"2025-01-13T21:35:21","modified_gmt":"2025-01-13T21:35:21","slug":"die-legende-von-schaman","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/sandozean.de\/?p=102","title":{"rendered":"Die Legende von Schaman"},"content":{"rendered":"<p><i>In einer grausamen Vorzeit, als die Vulkanier noch Krieg gegeneinander f\u00fchrten, wurde ein gesamter Clan der Turuska von Sklavenj\u00e4gern ausgel\u00f6scht. Nur ein Mann \u00fcberlebte: Schaman aus dem Hause Kuma. Er begriff, dass nur ein v\u00f6llig ungew\u00f6hnlicher Weg helfen konnte, sein Volk zu retten \u2026 <\/i><\/p>\n<p><b>erz\u00e4hlt von Warun aus dem Hause Boras<\/b><br \/>\n(\u00dcbersetzung von Anneliese Wipperling)<\/p>\n<p>Du wei\u00dft sicher schon l\u00e4ngst, dass es auf Vulkan nicht immer so friedlich und gerecht zuging, wie heute. Die Clans der ehemaligen Waldbewohner breiteten sich \u00fcberall aus, besetzten die Quellen und wenigen Binnenmeere \u2026 k\u00e4mpften miteinander um Wasser, Erze, Land \u2026 sie waren v\u00f6llig skrupellos, eine wahre Auslese der absoluten Entropie. Von Anfang an stahlen sie Kinder mit besonderen Kr\u00e4ften, zwangen sie, sich fortzupflanzen und den Genpool ihrer Entf\u00fchrer zu verbessern. Liebe z\u00e4hlte nicht, nur die Erbanlagen waren wichtig. Irgendwann entdeckten sie, dass die dunkelh\u00e4utigen Nomaden der W\u00fcste interessantere Erbanlagen hatten als alle anderen Bewohner Vulkans.<br \/>\nDamals, lange bevor eine technische Zivilisation entstand, begann der unerkl\u00e4rte Krieg gegen uns \u2026<\/p>\n<p>Die Turuska waren ein friedliches und spirituelles Volk. Sie lebten in einer Art Symbiose mit den A\u2019Kweth, der anderen, verborgenen Intelligenz auf unserem Planeten. Als die ersten Sklavenj\u00e4ger kamen, konnten sie sich nicht richtig wehren und viele von ihnen wurden verschleppt. Die A\u2019Kweth verstanden nicht, was geschah \u2026 sie konnten uns nicht helfen.<br \/>\nDie M\u00e4nner der Turuska bewaffneten sich und lernten zu t\u00f6ten. Es sprach sich herum, wie grausam die hellh\u00e4utigen Barbaren waren \u2026 und auch die Frauen und gr\u00f6\u00dferen Kinder lernten, mit Waffen umzugehen. Das Gesch\u00e4ft mit den Sklaven lief nicht mehr so gut, wie am Anfang. Die weniger mutigen Kinderdiebe suchten sich ein anderes Bet\u00e4tigungsfeld. Die Sklavenjagd wurde eine Dom\u00e4ne der m\u00e4chtigen H\u00e4user, der F\u00fcrsten und ihrer Privatarmeen. Der technische Fortschritt machte es immer schwerer, die Zelte zu verteidigen \u2026 den Turuska fehlten die Ressourcen f\u00fcr eine richtige Armee \u2026<\/p>\n<p>In jener Zeit lebte Schaman aus dem Hause Kuma. Er hatte eine freundliche Bindungspartnerin, drei kleine Kinder, Br\u00fcder, Schwestern \u2026 Eltern \u2026 Die Zelte von Kuma standen genau hier, wo jetzt der Versammlungsplatz der Ah\u2019Maral ist. Die Clans der Turuska haben entschieden, dass dieses Land f\u00fcr alle Zeiten unser sein soll.<br \/>\nIrgendwann kam kurz vor Sonnenaufgang eine Armee von Sklavenj\u00e4gern. Sie umstellten lautlos das Lager, dann griffen sie mit Projektilwaffen und Flammenwerfern an. Die Turuska schliefen damals stets mit ihren Waffen neben sich, sie wachten sofort auf, wehrten sich erbittert und viel gr\u00fcnes Blut tr\u00e4nkte auf beiden Seiten den Sand \u2026 doch die \u00dcbermacht war zu gro\u00df.<\/p>\n<p>Als alle kr\u00e4ftigen M\u00e4nner und Frauen tot waren, rief T\u2019Kerra, die Gemahlin des Wahrtr\u00e4umers alle Erwachsenen zusammen. \u201eWir wissen, was diese Lematyas mit uns vorhaben \u2026 wir d\u00fcrfen uns nicht ergeben!\u201c<br \/>\n\u201eAber was sollen wir tun?\u201c &nbsp;fragte eine junge, schwangere Frau. \u201eWomit willst du sie noch aufhalten?\u201c<br \/>\n\u201e\u00dcberhaupt nicht\u201c , antwortete T\u2019Kerra still. \u201eSie werden nur unsere Leichen bekommen \u2026 das ist immer noch besser, als in den K\u00e4figen dieser Bestien zu vegetieren.\u201c<br \/>\nWenige Augenblicke gen\u00fcgten und alle waren sich einig. Sie t\u00f6teten die kleinen Kinder \u2026 die \u00e4lteren begaben sich zusammen mit den Erwachsenen zum Abgrund ohne Wiederkehr. Als die Feinde das Zeltdorf einnahmen, fanden sie nur Leichen, einige sp\u00e4rliche Vorr\u00e4te und wertlose Habseligkeiten. In ihrer Wut verbrannten sie alles. Ihre eigenen Toten verscharrten sie notd\u00fcrftig im Sand.<\/p>\n<p>Das Haus Kuma gab es nicht mehr. Nur ein einziger Mann, Schaman, war \u00fcbrig geblieben, weil er zu diesem Zeitpunkt zuf\u00e4llig nicht bei seinen Zelten war. Es hei\u00dft, dass er, nachdem er zur\u00fcckgekehrt war, drei Tage und drei N\u00e4chte ununterbrochen weinte. Danach begrub er die \u00dcberreste seiner Verwandten und schwor den Sklavenj\u00e4gern Ashv\u2019cezh, Rache schlimmer als der Tod. Diese Rache war der einzige Sinn, den es noch in Schamans Leben gab \u2026 trotz seines gro\u00dfen Schmerzes war sein Verstand ganz klar. Irgendetwas musste es doch geben, das die Feinde nicht hatten \u2026 eine geheime, m\u00e4chtige Waffe \u2026 etwas v\u00f6llig Unerprobtes \u2026 Unerh\u00f6rtes \u2026 Und dann verstand er es: Das Einzige, was die anderen nicht vorweisen konnten, war die Macht bedingungsloser Liebe.<\/p>\n<p>Schaman wanderte von Zeltdorf zu Zeltdorf, sprach mit den jungen ungebundenen M\u00e4nnern und Frauen, erkl\u00e4rte seine Idee \u2026 und immer mehr folgten ihm. Als er etwa drei\u00dfig Anh\u00e4nger zusammenhatte, gingen sie zu den verkohlten Zelten des Hauses Kuma und vereinigten sich dort miteinander. Sie nannten ihren Kriegerbund die Ah\u2019Maral \u2026 die Unbesiegbaren. Innerhalb weniger Wochen wurden zwanzig Bruderschaften gegr\u00fcndet. Der Kampf gegen die Sklavenj\u00e4ger gelang immer erfolgreicher \u2026 jedes Zeltdorf wurde sorgsam gesch\u00fctzt \u2026 kein weiterer Clan der Turuska musste untergehen \u2026<br \/>\nSchaman f\u00fchrte die allererste Bruderschaft etliche Jahre an. Er t\u00f6tete pers\u00f6nlich mehr Feinde, als das Haus Kuma Mitglieder gehabt hatte. Es wird berichtet, dass sein Katra so hart und grausam geworden war, dass sich manchmal die eigenen Waffenbr\u00fcder vor ihm f\u00fcrchteten.<\/p>\n<p>Die Sklavenj\u00e4ger hassten den neuen Gegner, der ihnen so gr\u00fcndlich das Gesch\u00e4ft verdarb. Sie schickten dunkelh\u00e4utige Abk\u00f6mmlinge von Sklaven als Sp\u00e4her und M\u00f6rder zu den Zelten der Turuska. Viele von ihnen offenbarten sich den Clans und durften bleiben. Einige Verr\u00e4ter kamen mit wichtigen Geheimnissen zur\u00fcck \u2026 der Name Schamans war eins davon. Sie beobachteten ihn heimlich, erkundeten seine Gewohnheiten \u2026 und fingen ihn schlie\u00dflich, als er mit einem jungen Waffenbruder hinaus zu den A\u2019Kweth ging. Den jungen Mann lie\u00dfen sie laufen, damit er zu den H\u00e4usern der Turuska die Nachricht von der Gefangennahme des gro\u00dfen Anf\u00fchrers brachte. Sie hofften, die Ah\u2019Maral damit zu demoralisieren \u2026 aber das Gegenteil war der Fall. In seinem Namen st\u00fcrzten sich die Krieger in den Kampf. Es gelang ihnen, das gesamte Siedlungsgebiet der Turuska abzugrenzen und zu sichern. Wer sich nun \u00fcber eine bestimmte, imagin\u00e4re Grenze hinaus wagte, musste sterben.<\/p>\n<p>Niemand wei\u00df, was aus Schaman geworden ist. Auf den Sklavenm\u00e4rkten ist er niemals aufgetaucht, es gibt keine Aufzeichnungen mehr \u00fcber die Samenbanken \u2026 und \u00fcber das, was in den inneren Gem\u00e4chern der reichen H\u00e4user geschah, existieren nur Ger\u00fcchte. Eines besagt, dass Schaman, nachdem sie seine Erbanlagen gr\u00fcndlich ausgebeutet hatten, bei einem prunkvollen Hochzeitsfest zum Vergn\u00fcgen der G\u00e4ste langsam und qualvoll get\u00f6tet wurde \u2026 sie verwendeten damals schon jene widerlichen Drogen, mit denen die Mentalkontrolle ausgeschaltet, der Geist v\u00f6llig hilflos und der K\u00f6rper schmerzempfindlicher gemacht werden kann. Eins ist sicher \u2026 es gibt auf ganz Vulkan niemand, der mehr gelitten hat, als Schaman aus dem Hause Kuma. Wir sind es ihm schuldig, sein Erbe zu bewahren.<\/p>\n<p>(Auszug aus: Anneliese Wipperling, \u201eDer \u00c4lteste Krieger\u201c )<\/p>\n<div align=\"center\">\n<hr align=\"center\" size=\"2\" width=\"100%\">\n<\/div>\n<p><b><br \/>\nDie Hymne der Ah\u2019Maral<\/b><br \/>\nAutorin: T\u2019Liza aus dem Hause Boras<br \/>\n(\u00dcbersetzung von Anneliese Wipperling)<\/p>\n<p>Die Sonne geht auf,<br \/>\n\u00fcber dem Sand,<br \/>\ndem Meer<br \/>\nund den W\u00e4ldern.<br \/>\nDie St\u00e4dte erwachen<br \/>\nim Morgenlicht.<br \/>\nWir reinigen uns<br \/>\nvon der Hitze der Nacht<br \/>\nund den Tr\u00e4umen.<br \/>\nArbeit in Frieden<br \/>\nwartet auf uns.<\/p>\n<p>F\u00fcr Vulkans Ernst<br \/>\nund die Fr\u00f6hlichkeit Terras,<br \/>\nden Kampfgeist von Andor<br \/>\nund Betazeds Traum,<br \/>\nf\u00fcr die Vielfalt des Lebens,<br \/>\nf\u00fcr Frieden und Freiheit,<br \/>\nf\u00fcr alle Planeten<br \/>\nder F\u00f6deration\u2026<\/p>\n<p>Die Sonne steht hoch<br \/>\n\u00fcber dem Stein,<br \/>\ndem Haus<br \/>\nund den Bergen.<br \/>\nDie St\u00e4dte ersehnen<br \/>\nden k\u00fchlen Wind.<br \/>\nWir essen die Frucht<br \/>\nund trinken das Wasser,<br \/>\nruhen uns aus,<br \/>\nreden mit andern<br \/>\nFreunde sind wir.<\/p>\n<p>F\u00fcr Vulkans Ernst<br \/>\nund die Fr\u00f6hlichkeit Terras,<br \/>\nden Kampfgeist von Andor<br \/>\nund Betazeds Traum,<br \/>\nf\u00fcr die Vielfalt des Lebens,<br \/>\nf\u00fcr Frieden und Freiheit,<br \/>\nf\u00fcr alle Planeten<br \/>\nder F\u00f6deration\u2026<\/p>\n<p>Die Sonne versinkt<br \/>\nhinter dem Eis,<br \/>\ndem Fels,<br \/>\nund den Wassern,<br \/>\ndie St\u00e4dte schm\u00fccken sich<br \/>\nmit funkelndem Licht.<br \/>\nWir ber\u00fchren die Haut,<br \/>\nstreifen den Geist<br \/>\nunserer Liebsten,<br \/>\nhoffen da\u00df mehr<br \/>\nkommt mit der Nacht.<\/p>\n<p>F\u00fcr Vulkans Ernst<br \/>\nund die Fr\u00f6hlichkeit Terras,<br \/>\nden Kampfgeist von Andor<br \/>\nund Betazeds Traum,<br \/>\nf\u00fcr die Vielfalt des Lebens,<br \/>\nf\u00fcr Frieden und Freiheit,<br \/>\nf\u00fcr alle Planeten<br \/>\nder F\u00f6deration\u2026<\/p>\n<p>Ein Stern ergl\u00e4nzt<br \/>\nhell in der Nacht,<br \/>\ndem Schlaf,<br \/>\nder Entr\u00fcckung.<br \/>\nDie St\u00e4dte der Welten<br \/>\nseufzen im Wind.<br \/>\nSie leben den Traum,<br \/>\nl\u00f6schen den Brand,<br \/>\nwiegen das Kind,<br \/>\nlindern die Angst,<br \/>\nheilen den Schmerz.<\/p>\n<p>F\u00fcr Vulkans Ernst<br \/>\nund die Fr\u00f6hlichkeit Terras,<br \/>\nden Kampfgeist von Andor<br \/>\nund Betazeds Traum,<br \/>\nf\u00fcr die Vielfalt des Lebens,<br \/>\nf\u00fcr Frieden und Freiheit,<br \/>\nf\u00fcr alle Planeten<br \/>\nder F\u00f6deration\u2026<\/p>\n<p>(C) Anneliese Wipperling, 2002<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer grausamen Vorzeit, als die Vulkanier noch Krieg gegeneinander f\u00fchrten, wurde ein gesamter Clan der Turuska von Sklavenj\u00e4gern ausgel\u00f6scht. 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